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BLOG vom 04.04.2013


Schlagzeilen 2: Turbantornado, Aurachirurgie, Psychoboom
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
In diesem Blog werden einige Schlagzeilen vorgestellt und die dazugehörigen Berichte näher in Augenschein genommen und kommentiert.
 
Ganz schön alt und fit
Diese Schlagzeile entdeckte ich am Beginn eines Videos, das unter http://home.1und1.de gesendet wurde: „Ganz schön alt und fit.“
 
Im Spanischen San Sebastian fand am 28.03.2013 die Leichtathletik-Hallen-EM der Senioren statt. Der Höhepunkt war das Finale im 60-Meter-Lauf der über 90-Jährigen. Ein 94-Jähriger Belgier hatte sich knapp vor einem 95-Jährigen Finnen durchgesetzt und gewann die Europameisterschaft. Die Beiden begannen das Rennen moderat. Der Finne war einige Meter voraus, dann holte ihn der Belgier unter Aufgebot aller Kräfte ein und erreichte vielleicht 20 cm vor ihm die Ziellinie. Kurz vor dem Ziel riss er schon den rechten Arm zur Siegespose hoch. Den Arm hielt er noch danach für einige Zeit oben. Es fehlte nur noch der Luftsprung.
 
Der Kommentator war begeistert. Er war der Ansicht, dass sich so mancher 30-jährige Couch-Potato freuen würde, wenn er so schnell sein würde wie die beiden Uropas. Es gibt sie also noch, die fitten Opas und Uropas! Aber müssen die Burschen wirklich ein Rennen absolvieren? Es genügt ja, wenn die Älteren noch gut zu Fuss sind und vielleicht im Haushalt oder Garten noch diese oder jene Tätigkeit mit oder ohne Rollator ausüben können.
 
Walter Hess kommentierte dazu, die Senilität kenne keine Grenzen. Richard Bernardy betonte in einer E-Mail vom 28.03.2013: „Welche Charaktere haben es im Alter von über 90 noch nötig, um es sich selbst oder anderen zu beweisen, dass sie schneller sind? Da stimme ich eher zu, wenn es ums Wandern oder um das Golfspiel geht.“ Er fügte noch bei, er gehe gern Schwimmen, ziehe seine Bahnen, ohne Ehrgeiz oder Konkurrenz. Er ist der Ansicht, dass Fitsein und Fitbleiben richtig sind. Er las vor kurzem auf einer Website eine Anfrage von einem 80-Jährigen. Er fragte, ob er mit dem Krafttraining beginnen solle. Die Antwort fiel zustimmend aus, da die Muskeln im Alter immer mehr abgebaut werden. Mittels Krafttraining (es genügen auch gymnastische Übungen zu Hause) kann man dem Abbau entgegen wirken.
 
Und ein weiteres Beispiel führte der E-Mail-Schreiber ebenfalls an. Ein Verkäufer verkaufte vor kurzem einem 88-Jährigen ein Fahrrad. Richard Bernardy resümierte: „Wenn man es nicht übertreibt, ist das alles in Ordnung!“
 
Der Turban-Tornado
In der Online-Ausgabe des „Spiegels“ (www.spiegel.de) folgte unter der Schlagzeile „Das letzte Rennen des Turban-Tornados“ ein Bericht über den ältesten Mann, der je einen Marathon absolviert hat. Jetzt verkündete Fauja Singh (Spitzname „Turban-Tornado“) kurz vor seinem 102. Geburtstag, er werde nicht mehr zu einem Wettkampf antreten. Auf Sport wolle er aber nicht ganz verzichten.
 
Bei seinem 1. Marathonlauf (42.195 km) brauchte er noch 6 Stunden und 54 Minuten. Mit dem Alter wurde er immer besser. Mit 92 Jahren absolvierte der 52 kg schwere Vegetarier die Strecke in 5 Stunden, 40 Minuten und 4 Sekunden. Mit 100 Jahren war er nicht mehr so schnell. Er brauchte 8 Stunden und 11 Minuten. Somit war er der erste Mensch, der bei einem Wettkampf die Marathonstrecke im hohen Alter lief. Sein letztes Rennen auf der 10-Kilometer-Distanz bestritt er in Hongkong. Nun hört er auf. Singh sagte: „Ich kann noch immer laufen und auf einen Bus aufspringen.“ Er hat jedoch Angst, dass man ihn vergisst oder ignoriert. „Wenn man älter wird, wird man wie ein Kind und braucht Aufmerksamkeit.“
 
Die Leiden früherer Leben
Kathrin Ganter brachte am 24.03.2013 in der Zeitung „Der Sonntag“ unter der Schlagzeile „Die Leiden früherer Leben“ Fakten über den Aurachirurgen Gerhard Klügl. Anlässlich eines Vortrages vor 50 Zuhörern in Lörrach behauptete der selbsternannte Heiler, er könne Menschen durch Aurachirurgie heilen. Die Ursachen hat er erkannt: Wer beispielsweise unter Prostatabeschwerden leidet und nicht singen kann, wurde in einem früheren Leben kastriert. Nun könne er in der Aura die Hoden wieder annähen. Frauen, die ungewollt kinderlos sind, waren in einem früheren Leben Nonnen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben. Der Heiler könne nun die ewigen Gelübde auflösen. „Wenn man Gelübde auflöst, verschwinden im Blut die Erbtoxine.“ Auch andere negative Ansammlungen (Schuldgefühle, Sklavenjoch) könne er feinstofflich angehen. Wie er sagte, könne er seine Heilkunst durch die Kirlianfotografie sichtbar machen.
 
Die Zuhörer waren begeistert und auch verwundert. Als eine Frau wissen wollte, ob er auch Krebskrankheiten heilen könne, antwortete er ausweichend. Nur einmal habe er einen Gehirntumor zum Verschwinden gebracht. Auch könne er nicht Parkinson, Depressionen oder die Alzheimer Krankheit behandeln.
 
Es gibt unter den Heilern Scharlatane. Man muss sich die Frage stellen, warum die Heiler in der heutigen Zeit so viel Zulauf haben? Ein Hauptgrund dürfte der Folgende sein: Manche Patienten sind von der Schulmedizin enttäuscht, und suchen verzweifelt Heilung bei anderen Therapeuten.
 
Die Ärzte bei uns stecken in einem Dilemma. Wenn sie Naturarzneien verschreiben und keine von der Schulmedizin üblichen Medikamente, gibt es Geld-Rückforderungen von den Krankenkassen. Es nützt auch nichts, wenn ein Arzt viel mehr Geld durch die teuren Medikamente, die von den Krankenkassen bezahlt werden, einspart. Das finde ich unglaublich! Die Behandlung mit nebenwirkungsfreien Arzneien und das Wohl des Patienten scheinen den Krankenkassen nicht so wichtig zu sein.
 
In der Schweiz sind die Regelungen noch vernebelt; Kassen können selber entscheiden, was sie bezahlen wollen. Hier ein Link dazu:
 
Immerhin kann man sich bei verschiedenen Kassen zu einem Aufpreis breiter versichern lassen, so z. B. bei der EGK (Eidgenössische Gesundheitskasse):
 
Deutschland im Psycho-Boom
Im Februar 2013 meldeten etliche Zeitungen unter der Schlagzeile „Deutschland im Psycho-Boom“, dass psychische Störungen rasant zunehmen und Burnout und ADHS sich regelrecht zu Modekrankheiten entwickeln. Hinter Überforderung und des Ausgebranntseins verbergen sich oft psychische Erkrankungen wie Depressionen.
 
Gestresste Eltern geben ihren Kindern mit der Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndrom; früher war das der „Zappelphilipp“) das von Ärzten verschriebene Ritalin trotz all seiner Nebenwirkungen. Und die Erwachsenen, woran leiden sie? Unter Burnout! Dieser Begriff kam vor 10 Jahren kaum vor. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) verzeichnete ein Anstieg der Krankheitstage wegen Burnout von 2004 bis 2011 um das 18-Fache. Zudem gibt es immer mehr Frühverrentungen.
 
Eine Untersuchung der Universität Münster hatte ergeben, dass Depressionen oder Schizophrenie nicht dramatisch zugenommen haben, jedoch fühlen sich die Menschen infolge beruflicher und familiärer Belastungen immer kränker.
 
Der Journalist Markus Brauer zitierte im „Markgräfler Tagblatt“ vom 09.02.2013 den Psychiater Klaus Dörner. Dieser sagte: „All diese Modediagnosen wie Mobbing, Burnout oder Borderline sind neue Wege, um das, was der Patient empfindet, zu erklären. Die Diagnose ,psychische Krankheit' biete dann die Möglichkeit zu allen möglichen Verschreibungen. Egal, ob das gerechtfertigt ist, oder nicht.“
 
Auf jeden Fall profitiert die Pharmaindustrie von diesen Modekrankheiten, die sich wie Seuchen ausbreiten.
 
Manfred Lütz, Psychiater, Psychotherapeut, Kabarettist und Leiter des Alexiner-Krankenhauses in Köln betonte, Burnout sei keine Krankheit. Er will dem „irrationalen Psycho-Boom entgegenwirken“. Lütz sagte, Burnout sei eine Befindlichkeitsstörung und ein völliger diffuser Begriff mit 70 Symptomen. Es könne aber sein, dass sich hinter einem Gestressten, Erschöpften und Gereizten eine schwere psychische Erkrankung (z. B. eine Depression) verberge.
 
Kinder sind die Verlierer
Nach der Publikation über den Psycho-Boom wurde ein Leserbrief von Frau T. L. aus Weil am Rhein unter der Überschrift „Kinder sind die Verlierer“ abgedruckt. Sie wies eindrücklich daraufhin, dass die Einnahme von Ritalin einer Körperverletzung gleichkäme, da die Nebenwirkungen fatal seien. Das Kind würde zwar kurzzeitig ruhiggestellt, aber es müsse später als Erwachsener mit den Spätfolgen klar kommen. Es gebe auch Alternativen ohne Nebenwirkungen. Leider werden die Kosten für solche Arzneien (orthomolekulare Medizin) von den Krankenkassen nicht übernommen. Frau L. beklagte auch, dass die wenigsten Ärzte davon Kenntnis haben. Medizinstudenten lernen wenig über die orthomolekulare Medizin.
 
Die Leserin schrieb wörtlich: „Ritalin ist ein Markt, dessen Verlierer die Kinder (und deren Eltern) sind, alle anderen verdienen daran Millionen. Ich kenne aus 10-jähriger Tätigkeit und eigenen Erfahrungen mit naturbelassenen Vitalstoffen etliche Fälle schwerer ADHS-Diagnosen. Heute gestalten die ehemaligen Patienten nebenwirkungsfrei und gesund ihr Leben.“
 
Diesem Leserbrief ist nichts mehr hinzuzufügen. Es gibt sie also, die nebenwirkungsfreien natürlichen Mittel (u. a. Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, Antioxidantien, Mikronährstoffe), um diese oder jene Beschwerden zum Verschwinden zu bringen.
 
Anmerkung: Laut Angaben des „Arztreports 2013“ der „Barmer GEK“  stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen bei den unter 19-Jährigen von 2006 bis 2011 um 42 %. Insgesamt sind angeblich 620 000 Jugendliche und Kinder in Deutschland vom ADHS betroffen. Ich bin überzeugt, dass etliche Diagnosen nicht richtig sind.
 
Literatur:
Blaurock-Busch, Eleonore: „Orthomolekulartherapie in der Praxis“, Natura Med Verlag, Neckarsulm 1995.
Blaurock-Busch, Eleonore: „Mineralstoffe und Spurenelemente“ (erfolgreiche Nährstoff- und Entgiftungstherapien), Eigenverlag, Hersbruck 2009.
Lütz, Manfred: „Bluff!: Die Fälschung der Welt“, Droemer Verlag, 2012.
Lütz, Manfred: „Irre! – Wir behandeln die Flaschen: unser Problem sind die Normalen“, Goldmann Verlag, 2011.
 
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