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BLOG vom 08.07.2013


USA und GB: Nachlass der Gewalt zeugt weitere Kriege
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
1: USA: Allen voran mit brutaler Waffengewalt 
Innerhalb der USA haben Schusswaffen im Jahr 2011 insgesamt 32 163 Menschen ums Leben gebracht – 3500 mehr als im Jahr 2000.
 
Das halb-automatische Gewehr AR-15 ist die von amerikanischen schiesswütigen Zivilisten bevorzugte Waffe. Mit dieser Waffe verübte Andy Lanza das Massaker in der Sandy Hook Schule in Newtown, Connecticut, das 26 Todesopfer forderte. Mit dem gleichen Waffentyp erschoss im Juli 2012 James Holmes 12 Kinobesucher in Aurora, Colorado, während der Mitternachtsvorstellung des Films „The Dark Knight Rises“.
 
Präsident Barack Obama versprach mit tränenfeuchten Augen, den Verkauf dieser Waffe an Zivilisten zu verbieten. Das 2. Amendment (Gesetzeszusatz) aus dem Jahr 1791 sichert den Verkauf dieser und anderen Waffen im ganzen Land. Die Waffenhersteller, unterstützt von der „New York Rifle & Pistol Association“, der stärksten Lobbygruppe, haben Klage gegen das staatliche Verbot dieser Waffe eingereicht. Laut Schätzung sind 5 Millionen AR-15 in privater Hand. 320 Millionen Amerikaner besitzen Schusswaffen aller Art. Pro 100 USA-Einwohner besitzen 88.8 Personen Schusswaffen, verglichen mit 6.5 in England & Wales. In der Schweiz hat jeder Soldat der Milizarmee ein Sturmgewehr im Haus – im Dienste der Landesverteidigung. Die Schweiz ist folglich an 3. Stelle unter den 10 Nationen mit der höchsten Anzahl von Schusswaffen pro 100 Einwohnern. Morde mit Schusswaffen sind in der Schweiz allerdings ausserordentlich selten.
 
Im Wilden Westen wurden die Indianer mit Waffengewalt ausgemerzt. Den Büffeln erging es nicht besser. Der Nachlass der Gewalt dauert an – von Gangsterfilmen und brutalen Videospielen amerikanischer Herkunft als Modellvorlagen für Verbrechen angetrieben. Folglich ist das Menschenleben entwertet. Hinzu gesellen sich die Kriegszüge, vornehmlich von den USA und GB im Nahen und Fernen Osten angestiftet und durchgeführt. Tausende von Zivilisten – Frauen und Kinder – sind ums Leben gekommen. So verbreitet sich die Pestilenz der Gewalt schrankenlos bis auf den heutigen Tag in Irak und Afghanistan.
*
 
Was lässt sich persönlich dagegen ausrichten? Herzlich wenig. Doch lassen sich im eigenen Lebensumfeld etliche Wege ermitteln, die zur Verbesserung der Lebensqualität im Alltagsleben beitragen. Als Konsument sind wir alle mehr oder weniger von der Werbung beeinflusst. Hier betreibe ich ein bisschen philosophische Werbung, um mich, und hoffentlich auch andere meiner Zeitgenossen, vom wachsenden Sorgendruck und Ängsten zu erleichtern, wie die Wirtschaftskrise mehr und mehr Menschen in Nöte treibt. Möge sich der Leser meiner Gedankenbahn zu seinem eigenen verbesserten Wohlbefinden anschliessen. Wenn nicht, kann er nach Belieben aus- oder umsteigen. Soviel im Vorfeld zur nächsten Titelüberschrift.
 
2. Das Dilemma im Alltagsleben
Wie kommt es, dass besonders in England ein Skandal den anderen ablöst, dass mehr und mehr Kinder geschändet und Frauen vergewaltigt werden? Es ist verblüffend, wie plötzlich nach 20 und mehr Jahren alte Übeltaten ans Tageslicht kommen. Wer kann erklären, weshalb jugendliche Banden einander mit Messer, Knüppel und Handwaffen überfallen? Diese Fragen müssen in die Perspektive gerückt werden.
 
Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind nach wie vor solche krasse Gewalttaten die Ausnahme. Ich selbst erfahre darüber durch die weit gefächerten Medien weltweit; aber ich muss innehalten und mir sagen, dass ich nicht verallgemeinernd urteilen darf. In meinem Leben begegne ich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Leuten von freundlicher und anständiger Gesinnung. Ich kann verstehen, dass ein sonst ausgeglichener Mensch manchmal hässig, sogar sackgrob sein kann. Ich verstehe das umso besser, als auch ich wechselhaften Launen ausgesetzt sein kann.
 
Trage ich eine Schutzhaube, um das Elend rings um mich nicht zu sehen? Grundsätzlich wende ich mich am liebsten angenehmen Lebensinhalten zu, die meinem Geschmack und meinen Vorlieben entgegenkommen. In den Grossstädten hasten die Leute blindlings aneinander vorbei und telefonieren und texten laufend. Sie kapseln sich auf diese Weise von der Umwelt ab. Ihre Augen bleiben auf Handys und iPads fixiert, selbst während Gesprächen mit Leuten auf der Strasse oder in Geschäften. Die direkten Kontakte zwischen Menschen verkümmern. Die Einsamkeit in der Masse breitet sich aus. Ich fühle mich von Marionetten am Gängelband der Technologie umringt.
 
In einer solchen Isolation drücken Sorgen und Ängste besonders hart. Die Wirtschaftskrise treibt Leute ins Schuldenloch. Der Selbstwert schmilzt, wenn jemand seinen Arbeitsplatz verliert. Hinzu kommen persönliche Krisen wie Scheidung, Todesfälle und Krankheiten. Der Zusammenbruch der Widerstandskraft kann auch von Drogen und Alkoholmissbrauch ausgelöst werden. Wer Zuflucht zu solchen „Sorgenbrechern“ nimmt, geht einen Pakt mit dem schleichenden Tod ein. Die ganze Familie wird dabei in Mitleidenschaft gezogen. Der Schwarzhandel mit Drogen gedeiht in unserer Gesellschaft. So auch das Bombengeschäft der Hersteller von alkoholischen Getränken, von der Werbung gefördert. Wieweit ist der Drogenmissbrauch ausserhalb der Kontrolle des Süchtigen?
 
Eine Beobachtung im lokalen Supermarkt möchte ich hier einflechten: Bei der Kasse stand eine vom Schlaganfall stark gekrümmte ältere Dame mit ihrem Mann vor der Kasse. Ihr rechter Arm konnte sie kaum mehr bewegen. Ihre Hand glich einer Kralle, wohl vom Hirnschlag verursacht. Ihre Beine waren beim Knie stark eingeknickt. Dennoch schubste sie den Einkaufswagen vor sich in der Warteschlange voran. Mit dem Ellbogen ihres rechten und halb gelähmten Arms stützte sie sich auf die Lenkstange des Wägelchens. Mit der linken Hand reihte sie ihre Einkäufe aufs laufende Band vor der Kasse. Ihr betagter, korpulenter Mann stand im schmuddeligen Pullover neben ihr und rührte sich nicht. Die Dame hatte auffallend verfeinerte Gesichtszüge und trug eine schmucke weisse Bluse. Nachdem die Kassierin die Rechnung getippt hatte, entnahm die Dame das Portemonnaie aus ihrer schwarzen Ledertasche und reichte der Frau an der Kasse das genau abgezählte Geld. Alles bewerkstelligte sie flink mit der linken Hand, auch das Einpacken ihrer Einkäufe in der Tasche. Trotz ihres Gebrechens hatte diese würdige Dame ihren Selbstwert bewahrt. Andere hätten ihrer Stelle resigniert. So erweist sich mir, wie selbst ein unabänderlicher Schicksalsschlag gemeistert werden kann. Sie hatte die Kontrolle über ihr Schicksal behalten. Ihr Wille hatte gesiegt. Damit ist der Übergang zum nächsten Abschnitt gewährleistet.
 
3. Was der Kontrolle entgleitet
Der Stoiker erkennt, dass wir über gewisse Dinge Kontrolle haben, über unsere Gedanken, Ansichten, Impulse, Reaktionen und mit Vorbehalt auch über Gewohnheiten. Andere entziehen sich mehr oder weniger unserer Kontrolle, worunter ich auch die Drogensucht reihe. Immer wieder erweist sich, dass auch die neuen Medientechnologien Süchte schüren können. Viele Jugendliche verschanzen sich stundenlang, nein sogar durch Nächte hindurch, in ihren Zimmern und verlieren hinter dubiosen Videospielen und anderen Gadgets den Halt in der Wirklichkeit. Wie kann man sie von einer solch schwachsinnigen Gewohnheit retten? Dieses Problem wurde verschiedentlich angeschnitten, doch bleibt es in seinen gesellschaftlichen Auswirkungen bisher kaum berücksichtigt.
 
Gegen das Wetter, wird gesagt, können wir wenig ausrichten, doch beim Platzregen können wir einen Unterstand oder bei Gluthitze ein gutes Lokal mit Klimaanlage aufsuchen und ein Glas kühles Bier trinken. Mich selbst erfreut noch immer ein waschechtes Sommergewitter – und heute kann ich, wie einst in der Schule, wieder Hitzeferien geniessen.
 
Schlimmer sind äussere Umstände, wie Handlungen anderer Leute, die negativ auf uns einwirken, Ärger auslösen oder gar Hass heraufbeschwören. Der Sanguiniker entkommt solchen Gefühlen: Er negiert und vergisst sie! Er ist nicht nachtragend. Der Stoiker akzeptiert sie als unausweichlich, also als ausserhalb seiner Einflusssphäre. Das verhilft ihm zu seiner Seelenruhe. Er schlägt Enttäuschungen zur Lebenserfahrung. Auch er ist kein Wiederkäuer von vergangenen Übeln. Die Gegenwart ist ihm mehr wert.
 
Jemand hat mir vorgeschlagen, ich sollte eine Auslese meiner Aphorismen treffen und sie als meine Maximen in ein Heft eintragen und sie mir im Gedächtnis als probate Hausmittelchen gegen missliche Situationen eintrichtern. Er schlug vor, dass ich sie als meine Maximen wie ein Mantra wiederholen sollte. Ich aber bezweifle, ob der Buddhismus mein Heilweg sein kann.
 
Wer in Not und Armut aufgewachsen ist und erst noch keine nennenswerte Schulung durchlaufen hat, unterliegt leicht verderblichen, wenn nicht gar verbrecherischen Einflüssen. Das erweist sich besonders krass in Grossbritannien. Gehört er der schwarzen Rasse an, wird er in England mit grösserer Wahrscheinlichkeit als ein Weisser von der Polizei zur „Stop and Search“-Leibesvisite aufgegriffen.
 
Viel zu viele Polizisten sind schlecht für ihre Aufgaben gerüstet. Das kann ich immer wieder unterwegs beobachten, besonders im Umfeld von Bahnhöfen und Einkaufszentren. Gegenwärtig erörtern die Parlamentarier, wie dieses Problem gelöst werden kann. Dazu braucht es meines Erachtens keine Debatte, sondern eine verbesserte Ausbildung der Polizeikandidaten, bevor sie in der Öffentlichkeit auftreten. Auch übers Thema Immigration wird langatmig debattiert. Immigranten werden als Gesindel beschimpft, wenn sie draussen übernachten und tagsüber betteln. „Schickt das Pack in ihre Länder zurück“, ist eine Redensart, die ich immer wieder aufschnappe. Die Polizei vertreibt sie aus den von Touristen bevorzugten Stadtteilen, fallweise sogar mit Wasserkanonen … Was kann ich dagegen ausrichten? Ich hüte mich, solchen grobschlächtigen Polizisten „ins Handwerk zu pfuschen“. Der höfliche und hilfsreiche „Bobby“ ist längst aus den Städten verschwunden.
 
Ich sollte vermehrt dem Beispiel meiner Frau folgen. Sie verteilt scheu und unauffällig Almosen und hat immer ein Lächeln oder ein freundliches Wort für eine Bettlerin mit Kind übrig. Diese Nächstenliebe ist im Iran (und anderen Ländern in dieser Region) üblich und in der Religion verankert.
 
Es muss anerkannt werden, dass es viele Wohltäter gibt, die Bedürftige grosszügig unterstützen. Auch gibt es noch viele Lehrer, die sich aufmunternd ihrer Schüler annehmen. In meinen Essays, Erzählungen und Aphorismen versuche ich auf meine Art, die Grundlage zum besseren Einvernehmen zu stärken. Der friedliche Kampf für bessere Verhältnisse erreicht mehr als alle Waffengewalt und aller Machtmissbrauch! Mahatma Ghandi, Albert Schweizer und Nelson Mandela haben vorgelebt, wie es möglich sein sollte, eine bessere Welt zu bilden.
 
Mandela-Zitate
3 Zitate von Mandela veranschaulichen dies (von mir aus dem Englischen übersetzt):
 
Erziehung ist die mächtigste Waffe, die du nutzen kannst, um die Welt zu ändern.
 
Niemand ist geboren, um eine andere Person wegen der Farbe seiner Haut oder seiner Herkunft oder seiner Religion zu hassen. Der Hass ist erlernbar, so auch die Liebe, denn die Liebe dringt leichter ins Herz als ihr Gegenteil.
 
Ein guter Kopf und ein gutes Herz sind eine formidable Kombination. Kommen dazu noch eine gebildete Zunge und eine Feder, dann haben Sie etwas ganz Besonderes.
 
Hinweis
Statistischer Nachweis zum 1. Teil: Swaine, Jon: „Automatic for the people“. Telegraph magazine, 29.06.2013.
 
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