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BLOG vom 31.07.2013


Schmuggler: Kokain im Reserverad, Heroin im Schachbrett
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Begleiten Sie uns auf eine legale Schmugglertour – ein Vergnügen! Es zeigt sich, dass nicht alle ausgefallenen Erfindungen und Ideen, und mögen sie noch so ausgefallen sein, zum Erfolg führen.
 
Am 24.07.2013 besuchte ich im Hebel-Saal des Dreiländermuseums in Lörrach D die Wanderausstellung „Souvenirs, Souvenirs!“ (Vom Schmuggel auf Reisen) des Deutschen Zollmuseums Hamburg. Dabei wurde mir bewusst, wie erfindungsreich und fantasievoll Schmuggler sein können. Sie denken sich immer neue Finessen aus, um die Zöllner hinters Licht zu führen. Aber die Zöllner sind aufmerksam und kennen viele der Tricks. Ein Trick wurde erst später durchschaut: So hatte ein Schmuggler immer eine Katze im Sack dabei. Wenn die Zöllner mit ihren Hunden ihn ergreifen wollten, liess er die Katze frei und die Hundehalter und Hunde sausten der Katze nach. Dann hatte der Schmuggler freie Bahn.
 
Er hatte einen epileptischen Anfall
Ein Heroinschmuggler, der auf Flügen zwischen dem Irak und London unterwegs war, kam auf eine originelle und ungewöhnliche Idee, um den Zollkontrollen zu entgehen. Kurz vor dem Landeanflug bekam er einen epileptischen Anfall. Bei Ankunft wurde er dann am Zoll vorbei mit der Ambulanz in ein Krankenhaus gebracht. Der Trick flog auf, weil er sich an seine Krampfanfälle erinnern konnte − und das ist bei Epilepsie nicht der Fall. Eine Untersuchung ergab, dass der Schlaumeier in seinem Korsett zwischen den Eisenstäben Heroin versteckt hatte.
 
In einem Zug nach Basel erblickten Zollbeamten eine Frau, die mit einer stattlichen Oberweite ausgestattet war. Sie hatte ein halbes Kilo Rauschgift in ihrem BH versteckt.
 
Der Schmuggel entwickelte sich zu Beginn des Tourismus in den 1950er-Jahren zu einem Massenphänomen. Es wurden oft unerlaubte Waren über die Grenzen gebracht. Viele wussten damals noch nicht so recht, was eingeführt werden durfte. Andere schmuggelten damals schon professionell.
 
Zöllner haben keine Röntgenaugen
Wie erkennt man einen Schmuggler? Peter Mutschler, der seit 36 Jahren am Hauptzollamt Lörrach tätig ist, weiss zu berichten, dass man Erfahrung und auch Glück benötige, um einen Schmuggler zu erkennen. „Auch ein Zöllner hat keine Röntgenaugen“, wie Mutschler in einem Interview der „Badischen Zeitung“ sagte. Man könne beispielsweise einen Schmuggler an seiner Nervosität oder an einer auffälligen Kleidung erkennen.
 
Auch das gab es: Bei einer Kontrolle warf ein Verdächtiger sein Fahrrad weg und flüchtete zu Fuss. Er wurde von Zollbeamten gestellt. Und was machte der Schmuggler? Er sprang in den Fluss Wiese und watete ans andere Ufer. Das nützte ihm auch nichts. Er wurde geschnappt. Bei der Kontrolle fanden die Zollbeamten 2 g Cannabis.
 
Heute ist es so, dass vermehrt Rauschgift, Geld, Waffen, Kunstobjekte und Plagiate geschmuggelt werden.
 
Drogen werden beispielsweise in Ersatzrädern, Schuhsohlen oder in Kondomen verpackt. Die gefüllten Kondome werden geschluckt. Die Zöllner müssen auch Fruchtgummipackungen unter die Lupe nehmen, denn es kam vor, dass gleich aussehende Verpackungen mit Ecstasy-Tabletten gefüllt waren. Heroin wurde auch in Baguettes gestopft.
 
Geldbündel wurden in gebrauchten Windeln versteckt, in Kühltaschen eingenäht oder unter einem Korsett platziert. Ein US-amerikanisches Ehepaar stellte sich sehr ungeschickt an. Beim Gang zur Zollstation gingen sie seltsam schwer daher. Die Zöllner entdeckten jede Menge Goldbarren, die sie um den Bauch gebunden hatte. Die Zöllner sorgten dann für Erleichterung.
 
Da Fleisch in Deutschland billiger ist, wird auch dieses Nahrungsmittel in die Schweiz geschmuggelt. So entdeckten Zollbeamten in einen Lieferwagen 500 kg.
 
Heroin im Schachbrett
Raten Sie einmal, wo ein Schmuggler das Heroin im Schachbrett versteckt hatte. Ich dachte an einen doppelten Boden. Falsch gedacht. 1989 entdeckten Zollbeamten das Heroin. Die schwarzen Felder des Schachbrettes bestanden aus eingefärbtem Heroin. Dieser Trick wurde später mehrfach kopiert.
 
In einem anderen Fall wurden 2 kg Kokain mit Hilfe eines Drogenspürhunds im Kindersitz entdeckt. Im Kinderwagen sass ein 2-jähriges Kind. Wo das Kokain versteckt war, sah der Besucher des Museums auf einer Abbildung. Weitere Abbildungen auf Tafeln konnten die erstaunten Besucher registrieren.
 
Hier eine kleine Auswahl der Kokain-Aufgriffe des Hauptzollamtes Lörrach:
 
1 kg Kokain mit einem schwarzen Klebestreifen um die Wade gewickelt.
0,8 kg Kokain im Plüsch-Teddy versteckt.
3 kg Kokain ins Reserverad eingearbeitet.
151 Bodypacks mit Kokain geschluckt: Bruttogewicht 1,7 kg.
1 kg Kokain in Brot eingearbeitet.
20 kg Kokain in Umschlägen verpackt.
1 kg Kokain in Behältnisse mit Körperpflegemitteln versteckt.
0,5 kg Kokain als Schuheinlagen getragen.
 
In der Ausstellung war auch eine zerschlagene Männerbüste aus Gips zu sehen. Diese wurde zum Rauschgiftschmuggel verwendet. Im Hohlraum waren 2 kg Heroin versteckt.
 
Da dachten die Schmuggler wohl falsch: Sie waren der Meinung, ein Zöllner werde kaum eine angezogene Badehose und deren Inhalt überprüfen. Die Zöllner waren jedoch hartnäckig und entdeckten LSD und Heroin. Andere klebten LSD-Tabletten auf den Bauch oder banden sich Haschischplatten um denselbigen.
 
Zigaretten wurden in Hundefutterdosen, ausgehöhlten Büchern, Ordnern oder unter den Autositzen versteckt. Kaffee wurde in den 1950er-Jahren gerne geschmuggelt. Auch hier waren die Schmuggler erfindungsreich. So wurde Kaffee in Brot versteckt. In einem Fall wurden 7,5 kg Kaffee in einer Weste transportiert. Verstecke für Diamanten waren oder sind Absätze von Damenschuhen, Schulterwattierungen in Jacken und Hüftgürtel.
 
Neueste Schmuggeleien
In der „Badischen Zeitung“ stehen immer wieder Berichte über Zollvergehen. Man kann sich fragen, wie dumm die Gelegenheitsschmuggler sind. So versteckte ein 75-Jähriger im Motorraum seines Autos 70 000 Euro Bargeld. Der Mann hatte das Geld aus der Schweiz eingeführt, aber nicht angemeldet (ab 10 000 Euro ist eine Anmeldung nötig). Ihm droht jetzt ein Bussgeld. Zudem musste er eine Sicherheit in Höhe von 18 000 Euro zahlen (Meldung vom 09.07.2013).
 
Eine Drogenschmugglerin kam auf ein besonderes Versteck: Sie hatte 300 g Kokain in einer Pommes-Chips-Tüte mitgeführt. Die 34-jährige Kosovarin wollte von Deutschland in die Schweiz einreisen und wurde von Grenzwächtern am Autobahnübergang Basel-Weil kontrolliert (Meldung vom 02.07.2013).
 
Ein 23-Jähriger führte 360 kg Wasserpfeifentabak aus der Schweiz in Deutschland ein. Bei einer Kontrolle auf der A5 bei Efringen-Kirchen beschlagnahmte der Zoll diese Ware. Es konnte ein Steuerschaden in Höhe von 16 000 Euro verhindert werden (Meldung vom 10.07.2013).
 
Plagiate sind gefragt
Fälschungen von Markenparfüm sind „Klassiker“. Die Produkte kosten im Ausland nur wenige Cent. Sie bergen jedoch das Risiko von Hautauschlägen und allergische Reaktionen. Man kann es kam glauben: Innerhalb eines Jahres wurden in Deutschland Markenartikel im Gesamtwert von 436 Millionen Euro beschlagnahmt.
 
Auch Plagiate von Luxusuhren und Tabletten („Diagra“; Viagra ist das meistkopierte Medikament) sind die „Renner“ auf dem Schmugglermarkt. 2012 wurden 67 000 geschützte Tiere und Pflanzen sichergestellt.
 
Was darf man nicht ausführen?
Eine vollständige Auflistung der geschützten Kulturgüter finden Sie unter www.zoll.de
Eine Ausfuhrgenehmigung bedarf man zum Beispiel:
 
O Bücher mit einem Wert von 50 000 Euro, die älter als 100 Jahre sind.
O Gedruckte Landkarten mit einem Wert ab 15 000 Euro, die älter als 200 Jahre sind.
O Archäologische Gegenstände.
O Handschriften, Wiegedrucke oder Archive.
 
Zoll-Infos der Schweiz für den Reiseverkehr („Ihr Weg durch den Schweizer Zoll“) sind in  einer Broschüre oder unter www.zoll.admin.ch zu bekommen.
 
Info:
Die Ausstellung im Dreiländermuseum Lörrach ist bis 04.08.2013 zu sehen.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
 
Internet
www.bundesfinanzministerium.de (Broschüre „Reisezeit – Ihr Weg durch den Zoll“)
 
Weitere Blogs über Zoll und Schmuggler
05.09.2005: Erlebnisse am Zoll: Nur Basler Luft war in der Schachtel
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