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BLOG vom 17.08.2013


Sequoia – Mammutbäume in Deutschland: Bewunderung
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Im Kaldenkirchener Grenzwald, zum Städtchen Nettetal/Niederrhein D gehörend, in der Nähe der Niederlande, mitten im Wald, gibt es ein durch einen Zaun abgegrenztes Gebiet, ein 2 Hektar grosses Arboretum, das seit dem 01.01.2013 einem Verein mit dem Namen Sequoiafarm e. V. gehört; es ist an Sonn- und Feiertagen von April bis Oktober für die Öffentlichkeit zugänglich.
 
Arbor ist im Lateinischen der Baum, also gibt es hier eine Sammlung verschiedenartiger Bäume. Die besonderen, imposantesten Bäume sind die Sequoias. Das sind Mammutbäume, und zwar 3 verschiedene: der Bergmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) und der Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides).
 
Der Name Sequoia stammt von einem Cherokee-Indianer, dem Erfinder der Cherokee-Schrift, namens See-quoh-ya (1770‒1843), ein Naturliebhaber und Zeichner von Bäumen, etwas Neues für den Volksstamm. Tinte gewann er aus Baumrinde. Ihm zu Ehren erhielten die Mammutbäume ihren Namen.
 
Der Berg- oder Riesenmammutbaum ist von den Westhängen der Sierra Nevada bekannt und wächst dort in Höhen von 1350‒2500 m. Dort gibt es riesige Exemplare; der grösste steht im Sequoia-Nationalpark, ist 83.8 m hoch und hat einen Umfang von 31.3 m und einen Durchmesser von 9 m.
 
Der Küstenmammutbaum ist an den Küsten von Nordkalifornien und Oregon heimisch. Das höchste Exemplar ist 115.6 m hoch. Der grösste Durchmesser wurde mit 8 m gemessen.
 
Der Urweltmammutbaum war zunächst als Fossil bekannt, ist dann aber in einer unzugänglichen Bergregion in China entdeckt worden. Er galt als ausgestorben. Er kann in Einzelfällen bis 50 m, meistens aber 30‒35 m hoch werden und hat einen Durchmesser von 1.1–2 m (in Brusthöhe).
 
Dreimal im Jahr ist das Arboretum für Publikumsverkehr geöffnet. Erik Martin, der Sohn des Zahnarzt-Ehepaars, das sich zum Ende des Krieges auf dem Gelände ein Haus gebaut hatte und das durch einen jahrelangen USA-Aufenthalt auf die Idee gekommen war, 1950 und 1951 Samen der Bergmammutbäume einzuführen und dort auszusäen, erzählte die Geschichte seiner Eltern und erläuterte uns die Bäume.
 
Wir sahen einen Bergmammutbaum von 35 m Höhe. Er verliert seine Nadeln nicht, hat eine Rinde, die sich wie Kork anfühlt. Der Baum widersteht auch Waldbränden. Auf dem Gelände stehen 23 Bergmammutbäume. Der Samen wird in einem Gefäss gezogen, die Wurzeln entwickeln sich aber so schnell, dass man aufpassen muss, sie nicht abzuwürgen. Zuerst wächst ein ausgebreitetes Wurzelgeflecht, bevor der Baum „in die Höhe schiesst“.
 
Der Küstenmammutbaum ist die Winterkälte in unseren Breiten nicht gewöhnt, erst bei relativ winterharten Stecklingen gelang der Anbau. Unten an den Bäumen sieht man öfters Stecklinge, die sich zu Stockausschlägen entwickeln und zu neuen Bäumen auswachsen. Die Spitzen der Bäume waren lange nicht erforscht worden, sie bilden ein eigenes Biotop. So gebe es in Kalifornien, so erzählte uns unser Führer, Salamander, die dort oben in 100 m Höhe leben und niemals unten auf die Erde kämen. Der Baum hat eine rotbraune Rinde und wird auch Redwood genannt. Es gibt hier auf dem Gelände einen Hain von 35 m hohen Bäumen.
 
Der Urweltmammutbaum, auch „chinesisches Rotholz“ genannt, ist häufiger in Deutschland zu finden. Besucher der Insel Mainau können sehr interessante Exemplare bewundern. Er wächst sehr schnell und ist der einzige Mammutbaum, der im Herbst seine weichen Nadelblätter, die im Sommer an der Oberseite blaugrün und an der Unterseite hellgrün gefärbt sind, abwirft.
 
So sorgten die Martins auch dafür, dass die Bäume durch Sämlinge in Deutschland weiter verbreitet wurden, ungefähr 35 000 Bergmammut-Sämlinge haben in den 1950er- und 60er-Jahren die Farm verlassen. Man musste lernen, sie richtig zu behandeln, und einige haben es auch geschafft, prachtvolle Bäume zu werden, auf der Insel Mainau im Bodensee und im Schaugarten Hermannshof in Weinheim zum Beispiel. In Weinheim kann man auch Küstenmammutbäume bewundern, der älteste in Deutschland lebende ist 38 m hoch.
 
Wie es diese Bäume bewerkstelligen, das zum Wachstum und Erhalt notwendige Wasser durch Tracheiden, längsgestrecke Zellen, bis zu derartigen Höhen zu befördern, ist ein Forschungsthema unter Biologen und wird noch längst nicht ganz verstanden.
 
Seit dem Jahre 2002 beschäftigt sich ein eingetragener Verein mit Namen „Projekt Mammutbaum“ mit der Erhaltung und dem Schutz der in Deutschland wachsenden Mammutbäume und der Förderung artgerechter Neuanpflanzungen.
 
So soll uns die Sequoia wie alle anderen Bäume nicht nur als wirtschaftlicher Nutzfaktor dienen, sondern als Sinnbild für ein langes Leben und als Schutz- und Kraftquelle.
 
Quellen
 
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