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BLOG vom 30.08.2013


USA, Nietzsche und meine Vision der Kriegsvermeidung
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Die politische und militärische Führung der USA mischt sich ein, besonders, wenn die Interessen der USA auf dem Spiel stehen, wenn sie ihren Einfluss, den Zugriff auf Bodenschätze, gefährdet sieht. Die USA sind nach Beendigung des Ost-West-Konflikts die einzige Grossmacht, und das wollen sie auch bleiben. Sie bestimmen, was man darf und was nicht, sowohl im eigenen Herrschaftsbereich als auch im fremden. Dass die USA in den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte in ihren Waffen abgereichertes Uran benutzt und dass sie Chemiewaffen übelster Art wie Agent Orange (auch wenn heruntergespielt und behauptet wird, es seien nur „Entlaubungsaktionen“ gewesen) eingesetzt haben, zählt nicht. Staaten aber, die nicht in ihrem Einflussbereich stehen, wollen sie alles verbieten. Atomwaffen? Am liebsten nur die USA! Drohnen? Die USA dürfen sie einsetzen! Uranabgereicherte Waffen? In den USA zugelassen!
 
Die USA sind kein Vorbild; sie können es nicht sein; dazu ist dort die Militärlobby viel zu mächtig. Sie entwickelten und produzierten Waffen; diese nur „zur Abwehr und zum Schutz“ zu lagern, ist den Interessenvertretern zu wenig. Die US-Führung wartet auf eine Gelegenheit, sie einzusetzen. Wie die Geschichte der letzten Jahrzehnte zeigte, werden dazu auch einmal „Beweise“ frei erfunden, die als Kriegsgrund herhalten müssen.
 
Die USA bezeichnen sich als christliche Nation. Aber die Führung lebt nicht nach den Grundsätzen des Christentums. Nicht „liebet Euren Nächsten und vergebt sogar Euren Feinden“ ist das Gesetz, sondern das alttestamentarische „Auge um Auge und Zahn um Zahn“.
 
„Mein ist die Rache“, spricht die Führung der USA, und „wer nicht für uns ist, der ist unser Gegner“. So werden die, die sich als pro-amerikanisch erklären, finanziell und mit Waffentechnik unterstützt, egal ob es Demokratien oder Diktaturen der übelsten Art sind. Und wenn es dann zum Machtwechsel in diesen Staaten kommt, richten sich die im eigenen Land produzierten Waffen auch schon mal gegen die USA und ihre Verbündeten selbst.
 
So wie die politische und militärische Führung der USA von christlichen Werten nichts hält, so wenig hält sie von Philosophen, wie Friedrich Nietzsche:
 
Denn dass der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern.
 
Aber anders wollen es freilich die Taranteln. „Das gerade heisse uns Gerechtigkeit, dass die Welt voll werde von den Unwettern unserer Rache“ – also reden sie miteinander.
 
„Rache wollen wir üben und Beschimpfung an Allen, die uns nicht gleich sind“ – so geloben sich die Tarantel-Herzen.
 
Und „Wille zur Gleichheit“ – das selbst soll fürderhin der Name für Tugend werden; und gegen Alles, was Macht hat, wollen wir unser Geschrei erheben.
 
Ihr Prediger der Gleichheit … eure heimlichen Tyrannen-Gelüste vermummen sich also in Tugend-Worte!
 
Vergrämter Dünkel, verhaltener Neid, vielleicht eurer Väter Dünkel und Neid: aus euch bricht’s als Flamme heraus und Wahnsinn der Rache ...
 
Den Begeisterten gleichen sie: aber nicht das Herz ist es, was sie begeistert, sondern die Rache ...
 
... und Richter-sein scheint ihnen Seligkeit.
 
Also aber rate ich euch, meine Freunde: misstraut Allen, in welchen der Trieb zu strafen mächtig ist!
 
Misstraut Allen Denen, die viel von ihrer Gerechtigkeit reden! ...
 
Und wenn sie sich selbst „die Guten und Gerechten“ nennen, so vergesst nicht, dass ihnen zum Pharisäer nichts fehlt als – Macht!
 
Noch leben wir in „den langen Unwettern“, ein „Regenbogen“ ist noch lange nicht in Sicht.
 
Ich hatte eine Vision und habe sie noch heute.
 
Gesetzt den Fall, nach dem Attentat auf das WTC 2001 hätten die USA keinen Krieg gegen die Taliban usw. begonnen, sondern die Millionen, die sie in die Kriegsmaschinerie gesteckt haben, in massive Unterstützung zu einer auskömmlichen Lebensführung und Zugang zur Bildung gesteckt. Mit dem Geld wäre es möglich gewesen, einem Grossteil der Analphabeten der Welt, besonders in den Staaten, die „feindlich“ eingestellt sind, einen Zugang zur Bildung und damit zur kulturellen, persönlichen und beruflichen Entfaltung zu ermöglichen, aber nicht in der Kultur des Geberlandes, sondern in der gewachsenen, heimischen. Weitere Millionen würden in die technologische Entwicklung, in die Infrastruktur, gesteckt werden. Alles wäre getan worden, um den Lebensstandard der Völker dieser Länder zu heben. Ich bin sicher, der Einfluss der Taliban und der Extremisten wäre geschrumpft, sie hätten massive Probleme, Selbstmordattentäter und Terroristen zu rekrutieren.
 
Das Hauptziel der Menschen ist, ein friedliches Leben und ein ausreichendes Auskommen zu haben. Dazu gehören Bildung und der Zugang zur Kultur.
 
Nicht Verteufelung ist die Lösung, sondern Ausbildung, nicht die Versorgung mit Waffen, sondern das Anheben des Lebensstandards. Nicht Gleichheit ist das Ziel, denn Gleichheit orientiert sich an die mächtigsten Länder, sondern Akzeptanz verschiedener Lebensweisen.
 
An allen politischen Führungen kann man etwas aussetzen. Schauen wir einmal nach China: Von dort kommen keine Terroristen. Das Land und ihre Bewohner sind damit beschäftigt, ihren Lebensstandard zu erhöhen, sie haben kein Interesse an kriegerischen Auseinandersetzungen. Zugegeben, diese Entwicklung und die Ideologie gehen nicht ohne Verletzung von Menschenrechten ab. Aber nennen Sie mir ein Land, das alle Menschenrechte einhält? Sie werden keines finden, wie ein Blick auf die Erhebungen von Amnesty International beweist.
 
Es ist eine Vision. Ist sie naiv? Kann eine Vision naiv sein?
 
Noch gibt es zu viele Taranteln. Glaubt ihnen nicht, wenn sie einen angeblichen Vorwand zum Angriff vorgeben! Lasst uns die Rache als Wahnsinn enttarnen!
 
Quelle
Friedrich Nietzsche: „Also sprach Zarathustra“, 2. Teil: Kapitel: „Von den Taranteln“, Nietzsches Werke, Erste Abtheilung, Band VI, Leipzig 1901.
 
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