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BLOG vom 15.09.2013


Zum Eidgenössischen Bettag: Besinnliche Gedanken
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Als ich meinen Taschenkalender aufgeschlagen hatte, bemerkte ich erstmals den roten Eintrag dieses Bettags vom heutigen Sonntag, 15.09.2013.
 
Ich wuchs als Kind in Basel auf. Ich kann mich nicht erinnern, je an einem Bettag teilgenommen zu haben. Gottseidank. Ab 1571 schlich  – oder weniger schroff gesagt „bürgerte“ – sich der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag nach und nach in allen Kantonen der Schweiz ein. Solche Bettage bestehen auch in vielen anderen europäischen Ländern. Dieser Tag ist den Christen vorbehalten; nur die Israeliten feiern mit. Das bedeutet wohl, dass andere Religionen nicht mithalten, worunter die Muslime.
 
Noch immer ist die Trennung zwischen Staat in der Schweiz nicht vollzogen. Mein Vater bezahlte murrend die Kirchensteuer … zusammen mit der Gemeindesteuer. Sie wird für die Kirchen erhoben; doch kann man sich als konfessionslos erklären, nimmt man keine kirchlichen Dienste in Anspruch.
 
Zudem ist jedem freigestellt, ob er sich an diesem Feiertag beteiligt oder nicht. Kirchliche Massenauftritte vermeide ich. Die Messen, Orgelkonzerte und Kantaten von Johann Sebastian Bach hingegen schätze ich – ohne Kniefälle und Betschemel. Das gilt auch für die Architektonik und Innenausstattung der Kirchen, die ich am liebsten allein für mich bewundere, etwa jene des Basler Münsters.
 
Allein und für mich selbst, oder innerhalb meiner Familie, danken wir, wenn uns Gutes geschieht, durchs ganze Jahr. Solch einen Dank bloss einmal im Jahr zu zollen, scheint mir zu schäbig zu sein.
 
Zum Thema Busse äussere mich öffentlich nicht, es sei denn, ich hätte guten Grund, mich zu entschuldigen, um begangenes Unrecht meinerseits zu sühnen. Das Übrige ist Privatsache. Selbst als Kind, als ich noch genötigt war, den Beichtstuhl aufzusuchen, konnte ich herzlich wenige Sünden durchs Gitter flüstern. Ich entkam mit einigen „Vaterunser“-Gebetsaufträgen, die ich so rasch wie möglich abrasselte. Das ist lange her.
 
Wer gedenkt am Bettag der Verdingkinder? Wie viele Juden wurden während des 2. Weltkriegs an der Schweizer Grenze abgewiesen? Auch das ist lange her. Auf der Plusseite gibt es das von der Schweiz begründete Internationale Rote Kreuz, das viel Not lindert. Zum Kirchenkreuz fehlt mir der Bezug.
 
Viel fremdes Volk ist in der Schweiz sesshaft geworden. Da und dort flackert Fremdenhass auf. Der Bettag scheint engherzig den Eidgenossen vorbehalten zu sein. Dieser Feiertag sollte, wenn schon, allumfassend von allen in der Schweiz Lebenden wahrgenommen werden.
 
Wer noch zum Beten fähig ist, gedenke der Kriegsopfer zum Beispiel in Syrien, Irak und Afghanistan. Leider wird mit Gebeten allein nichts erreicht.
 
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