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BLOG vom 06.10.2013


Gedanken zur Globalisierung, die zur Bestialisierung wurde
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Globalisierung  bedeutete für die USA die Ausbreitung amerikanischer Wirtschaftsmethoden über den gesamten Globus, d. h. Globalisierung wurde mit Amerikanisierung gleichgesetzt. Die weltweite Durchsetzung neoliberaler Wirtschaftsmethoden und des damit verknüpften Gesellschaftsmodels zielte auf
 
-- die Beseitigung des europäischen Sozialstaats und
-- die Öffnung der dahin noch von ausländischen Kapitalinvestitionen abgeschotteten Kapitalmärkte in Japan, Südkorea und den ASEAN-Staaten.
 
Die Globalisierungsstrategie, in die frühzeitig transnationale Unternehmen und das weltweit nach Anlagemöglichkeiten suchende Finanzkapital eingebunden waren, endete nicht vor den Toren Chinas und Indiens, den beiden grössten asiatischen Staaten, und konfrontierte die Hochlohnökonomien der alten Industriestaaten mit Wettbewerbsbedingungen, unter denen ihre tradierten, sozialstaatsorientierten Modelle nicht mehr finanzierbar erschienen. Für die Europäische Union bedeutete der Globalisierungstrend ausserdem die neoliberale Ausformung des europäischen Binnenmarktes und die noch stärkere Ausrichtung der osteuropäischen Beitrittsstaaten im neoliberalen Sinne.
 
Ich aktualisiere den Dreischritt, den Franz Grillparzer zu Anfang des 19. Jahrhunderts prophezeite: von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität.
 
Die passende Analyse muss in der gegenwärtigen Weltwirtschaft so gekennzeichnet werden: von der Blockbildung (West-Ost) über die einzige Weltmacht USA zur Verleugnung sozialer Rechte in einer globalisierten Wirtschaft.
 
Die Bestialisierung ist weltweit geworden: Abbau der sozialen Rechte, Versklavung, Kinderarbeit; Umweltverseuchung, verbunden mit einer prophezeiten Klimakatastrophe; Verarmung, Aufstieg bestimmter Gruppen auf Kosten derer, die wegen Armut keinen Zugang zur Bildung und zu einem Arbeitsplatz bekommen, an dem sie nicht ausgebeutet werden.
 
Die Finanzkrisen sind ein Teil der Globalisierung, seit den letzten Jahrzehnten gibt es sie immer öfter mit zunehmenden Kosten, die nicht zuletzt zu einer immer bedrohlicher werdenden Staatsverschuldung vieler Staaten, inklusive der USA und Deutschland, werden. Die Bremse der Anbindung der Dollarwährung ans Gold fehlt seit dem sog. „Nixon-Schock“ (1971). Das Drama begann, als der US-Dollar im Rahmen des Bretton-Wood-Systems 1944 zur Weltwährung wurde. Die Katastrophe nahm ihren Lauf.
 
Wirtschaftskrisen sind immer auch ein Ergebnis von Überschuldung. Es scheint sicher zu sein, dass wir in den nächsten Jahren auf eine weitere Krise von globalem Ausmass zusteuern werden.
 
Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung, vor allem in den Ländern, die nicht ausreichend industrialisiert sind oder an der Schwelle dazu stehen. Um zu überleben, müssen die Menschen zu jedem Preis arbeiten und die Arbeitgeber können die Rechte der Arbeitnehmer beschneiden.
 
Global gesehen zeigt das amerikanisierte Wirtschaftssystem die bereits überwunden geglaubten Erscheinungen eines Frühkapitalismus.
 
Der in den westlichen Industrieländern erreichte Lebensstandard ist weltweit nicht möglich und erlebt auch hier einen Rückschritt. Daneben steigt das Ungleichgewicht der Einkommen. Die marxistische Analyse des Kapitalismus und seiner Krisen ist, katapultiert in die Zeit der Globalisierung, immer noch gültig!
 
Wir müssen erkennen: Totalisierter Wettbewerb führt zum Verfall von Gesellschaften, und freie Märkte funktionieren nur unter Minimierung kapitalistischer Strukturen. So der SPD-Wirtschaftspolitiker Philipp Steinberg.
 
Quellen:
 
Globalisierung ist Amerikanisierung (Johann - Günther König's ,Alle Macht den Konzernen' (rororo, ISBN 3 499 22486 0).
 
Hinweis auf ein weiteres Blog über die Globalisierung von Gerd Bernardy
 
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