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BLOG vom 29.10.2013


Kuriose Pilze: Tintenfischpilz, Tiegelteuerling und Eichhase
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Wer mit offenen Augen durch den Wald lustwandelt, wird manchmal auf originelle Pilze stossen. Was tun, wenn man die meisten Pilze nicht kennt oder diese nicht futtert? Man wird das eine oder andere Pilzbuch in die Hand nehmen und studieren.
 
In meinem Blog „Ungewöhnliche Pilze: Eichhase, Judasohr, Krause Glucke“ vom 05.12.2006 beschrieb ich schon einige dieser Gewächse. Nun kommen 2 neue Pilzarten dazu, die ich zuvor noch nie auf meinen Wanderungen oder Pilzexkursionen zu Gesicht bekam. Auch so mancher Pilzexperte wird da verwundert aus der Wäsche gucken und vielleicht verzweifelt nach Exemplaren suchen. 3 Pilze, die hier vorgestellt werden, habe ich auf Wandertouren entdeckt.
 
Kein Tintenfisch, sondern ein Pilz
Am 17.10.2013 sah ich überraschenderweise den Tintenfischpilz (Clathrus archeri) zum 2. Mal. Aber nicht in Natura, sondern auf einer Abbildung in der „Badischen Zeitung“. Achim Schaller publizierte eine Aufnahme in der Rubrik „So gesehen“. Er fotografierte den Pilz in der Umgebung von Marzell (Landkreis Lörrach). Schnell, wie ich mir einbildete, wollte ich den Pilz gleich am nächsten Tag fotografieren. Ich nahm Kontakt mit Herrn Schaller auf und wollte gern erfahren, wo sich der Pilz befindet. Er teilte mir in einer E-Mail vom 19.10.2013 mit, dass die Pilze nicht mehr zu sehen wären. Er ist der Ansicht, dass diese Pilze nur eine kurze Lebensdauer von einigen Tagen haben. Achim Schaller gab mir eine Koordinatendatei für Google Earth mit dem Standtort der Pilze bekannt. Und so hatte ich zwar den Standort, aber kein Fotomotiv mehr.
 
Als ich mir das sehr schön und informativ gestaltete Video „Schluchtensteig – der zertifizierte Wanderweg im Südschwarzwald“ (Laufzeit: 47 Minuten) von Rudolf Eckert aus Albbruck ansah, wurde ich zum 1. Mal auf diesen Pilz aufmerksam. Er teilte mir mit, dass er den Pilz während den Filmaufnahmen bei Althütten, das ist ein Weiler zwischen dem Muchenland und St. Blasien, auf einer Anhöhe in der Wiese sah. Der gefilmte Pilz war noch in einem frischen Zustand, während in der Nähe weitere Exemplare abgetragen waren.
 
Der nicht essbare Pilz stammt aus Neuseeland und Australien und tauchte erstmals vor 100 Jahren in Europa auf. Rudolf Eckert zitierte aus einem Pilzbuch das Folgende: „Aus dem sogenannten Hexenei entsteht der Tintenfischpilz. Wenn er aufbricht, entfalten sich ziemlich rasch 4 bis 7 sternförmig nach allen Seiten ausbreitende Arme, sie werden bis zu 12 cm lang und sind am Ende zugespitzt. Die Vermehrung erfolgt durch einen intensiven Verwesungsgeruch, der Fliegen und andere Insekten anlockt. Diese Insekten sorgen mit den aufgenommenen Sporen für die Verbreitung, ähnlich wie bei der Stinkmorchel und der Hundsrute.“ Auf den genannten Aufnahmen von Schaller und Eckert waren 5 Fangarme in einem kräftigen Rot zu sehen.
 
Pilz des Jahres 2014
Ganz aktuell für das Textatelier.com: Am 22.10.2013 wurde der Tiegelteuerling (Crucibulum laeve) zum Pilz des Jahres 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie in München gekürt. Dieser Pilz gehört zur Familie der Champignonverwandten. Der Pilz hat ein aussergewöhnliches Aussehen. Er bildet kleine, einen Zentimeter hohe Tiegelchen. In diesen befinden sich linsenförmige Sporenpakete (Peridiolen). Die Fruchtkörper sind von Juni bis Oktober sichtbar.
 
Der Pilz entfaltet keinen Verwesungsgeruch und kann keine Insekten anlocken. Wie verbreitet sich diese Art trotzdem? Die Sporenbehälter werden durch Regentropfen herausgeschleudert. Diese werden von Vögeln gefressen. Über die Ausscheidungsprodukte der Vögel wird der Pilz verbreitet.
 
Den Pilz findet man auf Holzresten, Zweigen, Zapfen, Pflanzenstängeln und morschen Strohdächern. Nach einer alten Bauernregel brechen harte Zeiten an, wenn sich der Pilz stark vermehrt. Viele Pilze bedeuten viel Regen und eine schlechte Getreideernte. In Schweden heissen sie Brotkorbpilze und in England Vogelnestpilze.
 
Ein Eichhase, der nicht herumhoppelt
Der Eichhase (Polyporus umbellatus) ist kein nach den EU-Vorschriften eingeführtes Mass für Hasengewichte. Es ist ein büscheliger, mittelguter Speisepilz mit einem Durchmesser von 30 bis 50 cm. Der Eichhase gehört ebenfalls wie die Krause Glucke zur Klasse der Ständerpilze. Er gedeiht besonders gut auf alten Stämmen oder Stümpfen von Eichen und Rotbuchen, aber auch auf dem Erdboden. Der Pilz wird oft so gross wie ein Kohlkopf und sieht aus wie ein Blumenstrauss. Aus der Ferne erinnert der Pilz an einen sitzenden Hasen.
 
Auf unseren Wanderungen sah in diesen Pilz nur ein einziges Mal. Nur junge Fruchtkörper sind geniessbar, alte Exemplare schmecken nicht mehr.
 
Schwefelgelbe Koralle und Herkuleskeule
In meinem Blog „Unterwegs in Bayern (3): Staffelsee, Ettal, Löffelschlagen“ vom 13.10.2013 sahen wir ausserordentliche Pilze bei der Umrundung des Staffelsees. Wanderfreund Bernd, ein leidenschaftlicher Pilzsucher, warf immer wieder einen Blick ins Waldgebiet, um Pilze auszumachen. Dabei entdeckten er und ich unweit des Weges mehrere Schwefelgelbe Korallen (Ramaria flava) und die Herkuleskeule. Von den Korallenarten gibt es mehrere Arten, darunter auch giftige Doppelgänger. Wer davon nascht, bekommt Magen- und Darmbeschwerden (besonders beim Verzehr der Bauchwehkoralle).
 
Die Herkuleskeule (Clavariadelphus pistillaris) sah ich zum ersten Mal in meinem Leben. Auch Pilzkenner sind überrascht, wenn sie bei einem Pilz keinen Hut mit Stil, sondern eine Keule, erblicken. Es handelt sich hier um einen Keulenpilz. Die Keule wird bis 20 cm hoch. Unser Exemplar hatte wohl eine Höhe von etwa 10 cm.
 
Von nun an werde ich den Waldboden am Rande unserer Wanderwege intensiver absuchen. Bei der Wanderung am 24.10.2013 von Wehr-Öflingen zum Bergsee und über Bad Säckingen wieder zurück entdeckten wir den Winterpfifferling und den Gilbenden Ritterling. Der zuletzt genannte kam in grösseren Gruppen vor. Von weitem dachte ich zuerst, hier würde eine Ansammlung von weissen Steinen liegen.
 
Zukünftig werde ich meine Augen offen halten, um seltene und ungewöhnliche Pilze zu entdecken.
 
Internet
www.focus.de (dort Meldung von dpa)
 
Video „Schluchtensteig“
Das Video „Schluchtensteig“ kann bestellt werden unter folgender E-Mail-Adresse: rudolf.eckert@gmx.de oder telefonisch ++49 (0)7753/1652. Der Film ist zum Selbstkostenpreis von 12 €, zuzüglich 3 € Versandkosten, erhältlich.
 
Literatur
Dähncke, Rose Marie: „200 Pilze“, AT Verlag, Aarau 1994.
Grünert, Helmut; Renate: „Die farbigen Naturfüher: Pilze“, Mosaik Verlag, München 1984.
 
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