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BLOG vom 01.11.2013


Deponie Walterswil SO: Der Aargau schaut nun genauer hin
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Die Aargauer Regierung ist in Bezug auf die Geschehnisse rund um die Grossdeponie Rothacker in Walterswil SO sensibilisiert und wird genauer hinschauen. Dies teilte mir sinngemäss der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger mit. Er war Stadtammann von Baden AG, ist seit dem 01.04.2013 Regierungsrat und leitet als Nachfolger von Peter C. Beyeler das Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Ich hatte ihn Anfang Oktober 2013 auf das zusammenfassende Blog Deponie Rothacker Walterswil: Kölliken Nr. 2, gleich nebenan vom 01.10.2013 und damit auf ein schwärendes Problem aufmerksam gemacht.
 
Der Brief von Regierungsrat Attiger
In seinem Antwortschreiben vom 28.10.2013 äusserte sich RR Attiger wie folgt:
 
„Sehr geehrter Herr Hess
 
Mit Ihrem E-Mail vom 1. Oktober 2013 haben Sie mich auf die Umweltauswirkungen der Deponie Rothacker in Walterswil im Kanton Solothurn aufmerksam gemacht. Ich danke Ihnen für diese Informationen im Zusammenhang mit möglichen Umweltauswirkungen auf den Kanton Aargau, insbesondere auf das möglicherweise gefährdete Grundwasser.
 
Ausgelöst durch Ihre Mitteilung habe ich mit den verantwortlichen Personen der zuständigen Abteilung für Umwelt den von Ihnen dargestellten Sachverhalt erörtert.
 
Unsere kantonale Umweltschutzfachstelle steht mit den zuständigen Solothurner Behörden bezüglich der Deponie Rothacker in regelmässigem Kontakt. Die aktuelle Umweltsituation ist uns bekannt. Ein Grossteil der schadstoffbelasteten Sickerwässer wird seit vielen Jahren bereits gefasst, via Kanalisation abgeleitet und entsorgt. Aktuell soll nun noch ein verbleibender Teil des bisher nicht erfassten Deponiesickerwassers, das den Schöpflerbach verschmutzt, mittels einer zusätzlichen Drainage gefasst und ebenfalls via Kanalisation entsorgt werden.
 
Das entsprechende Sanierungsprojekt zum Schutze des Schöpflerbaches ist gegenüber der ursprünglichen Terminplanung in Verzug geraten, soll nun aber zügig realisiert werden. Das entsprechende Bauprojekt wurde gemäss Informationen des Kantons Solothurn in den letzten Wochen öffentlich aufgelegt und die Baubewilligung soll nun rasch erteilt werden. Gemäss aktuellem Zeitplan soll die Sanierung im kommenden Winter realisiert werden.
 
Zusammenfassend darf ich festhalten, dass wir die Situation im grenznahen Kanton Solothurn aufmerksam verfolgen und uns auf Fachebene regelmässig über den Stand der Dinge bei den zuständigen Stellen im Kanton Solothurn erkundigen.
 
Ich danke Ihnen an dieser Stelle für Ihr Engagement zugunsten unserer Umwelt und grüsse Sie freundlich.
 
Stephan Attiger
Regierungsrat“
 
Soweit der Brief von der Entfelderstrasse 22 in 5001 Aarau, der von einer verantwortungsbewussten Einstellung zu den neuen Aufgaben zeugt. Nur wer genau hinsieht, erkennt die Fragwürdigkeiten.
 
Der gefährdete Grundwasserschatz liegt im Aargau
Es ist ein recht schwieriges Unterfangen, den Geheimnissen in der Unterwelt, die an den Aargau angrenzt, auf die Spur zu kommen; dazu müssen alle zugänglichen Quellen genutzt werden. Bei allen freundnachbarlichen Beziehungen AG/SO: Auf die Solothurner Auskünfte allein würde ich mich keinesfalls verlassen; denn der Solothurner Blickwinkel ist ein anderer als jener des Aargaus.
 
Das oben liegende Solothurner Gebiet geht mit dem undefinierten Müllhaufen verhältnismässig wenige Risiken ein, da Wasser und Deponiesäfte der Schwerkraft folgen. Und der Kanton Solothurn hat kein Interesse, sich in Unkosten zu stürzen, die bald einmal ausufern könnten. Wenn die Flüssigkeiten aus den Walterswiler Anhöhen abwärts fliessen, erreichen sie im Raum Safenwil/Kölliken unwillkürlich den Aargau. Auf ihrem Weg durch den Wasserkanton, ein Teilstück auf der langen Reise zum Rhein und zum Meer, können sie im empfindsamen Aargauer Grundwassergebiet, diesem riesigen Trinkwasserreservoir, ihre wesentlichen Schäden anrichten.
 
1857 richtete hier die Stadt Aarau die erste Trinkwasserfassung der Schweiz ein – reines Wasser für 34 öffentliche und 93 private Brunnen (Quelle: IBA Aarau). 1943, 1955 und 1962 wurden Pumpwerke in der Aarauer Telli und im Rohrer Schachen (heute zu Aarau gehörend) eingerichtet. Je nach Bedarf werden pro Tag bis 18 000 Kubikmeter Wasser aus den Grundwasserfassungen Aarau/Rohr empor gepumpt, ein Lebenselixier, das von jeder Art von Brunnenvergiftung verschont bleiben muss.
 
Die Sanierung, die keine ist
Vor diesem Hintergrund antwortete ich:
 
„Sehr geehrter Herr Regierungsrat Attiger,
 
vielen Dank für Ihre freundliche Zuschrift vom 28.10.2013, die Sondermülldeponie Walterswil SO betreffend.
 
Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie dieser Zeitbombe alle mögliche Aufmerksamkeit angedeihen lassen (obschon ich persönlich davon nicht betroffen bin). Die Sanierung des Schöpflerbächlis ist im wahrsten Sinne des Worts nur eine vordergründige Massnahme, die am riesigen Deponiekörper im zerklüfteten Fels mit seinen erwiesenermassen unbekannten Deponiesaftverläufen nichts ändert. Alles fliesst dem unterliegenden Aargau zu, ein kleiner Teil über die ARA Kölliken, die meines Wissens für massive Chemikalienfrachten nicht eingerichtet ist.
 
Mit freundlichen Grüssen und den besten Wünschen
 
Walter Hess“
 
Andere Massstäbe in Kölliken
Der erste Schritt zur Problemlösung ist die Kenntnis der Umstände, der Bedrohungen. Die Solothurner sind daran interessiert, Decken des Schweigens über die saftende und stinkende Deponie Walterswil auszubreiten, derweil sich wenig weiter talabwärts der Aargau bemüht, die Partner-Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) fachgerecht zu beseitigen. Das von einem vollendeten, stützenfreien Betonsarg mit 33 000 m2 Fläche abgeschirmte Material unter 172 m überspannenden 19 Bogentragwerken wird bei Beachtung aller möglicher Sicherheitsmassnahmen via Holland verbrannt, thermisch behandelt, ausgewaschen. Der Rest wird in eine der deutschen Untertagedeponien wie in Heilbronn, Sondershausen und vor allemHerfa-Neurode, die weltgrösste Sondermülldeponie mit 250 km Hauptfahrwegen, 1972 eröffnet) in Tiefen von 400 bis 600 m in mächtige Salzstöcke (Kali) mit langen Stollensystemen eingelagert. Dabei sind  strenge Aufnahmekriterien und genau vorgeschriebene Verpackungsarten zu beachten.
 
 
Es käme einem Aberwitz gleich, würde sich der Aargau bemühen, die Sondermülldeponie Kölliken auf seinem Boden nach allen Regeln der Entsorgungskunst mit Samthandschuhen zu beseitigen und beliebige Gifte, die einer nahen Deponie im angrenzenden Nachbarkanton heranschwimmen, einfach vertrauensvoll hinnehmen.
 
Ich bin dankbar, dass der kritische Blick zum Gebiet Rothacker geschärft ist, dass eine banale Bachsanierungs-Alibiübung als solche durchschaut wird – und sich das Augenmerk auch dorthin wendet, wo ein weiteres, für den Aargau und sein Trinkwasser potenziell folgenschweres Schlammassel in abenteuerlicher Manier angerichtet wurde.
 
Hinweis auf die bisherigen Blogs über die Deponie Rothacker Walterswil SO
 
Leserreaktion mit Bezug zur Deponie Walterswil
 
Hinweis auf die Beschreibung der SMDK im Textatelier.com
 
Hinweis auf Blogs zur Sondermülldeponie Kölliken
 
 
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