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BLOG vom 26.11.2013


Buch zum neuen Linthwerk: Von Mollis bis zum Zürichsee
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Man liest dieses Werk mit Gewinn und wird es dann für den zukünftigen Gebrauch zu den „Materialien“ legen: „Das neue Linthwerk. Weitblick hat Zukunft“, lautet sein Titel. Die Autoren prägten das Unterfangen: Markus Jud und Heiner Keller. In Wort und vielen dokumentarischen Bildern und Plänen halten sie fest, was in der Linthebene zwischen Mollis GL, Walen- und Zürichsee im Interesse eines verbesserten Hochwasserschutzes und einer ökologischen Aufwertung unter dem Projektnamen „Linthwerk“ in den vergangenen Jahren (Planung: 1998‒2008, Ausführung (2008-2013) vorgekehrt wurde. Die Baustelle war 23 km lang. Es waren Reparaturmassnahmen und Verbesserungen an der Umgestaltung der Linthebene, einst „Sumpfpack“ genannt, die 1804, also vor rund 190 Jahren, von Hans Konrad Escher der eidgenössischen Tagsatzung (schon damals zur Verhinderung von Überschwemmungen) vorgelegt wurden und die Linth zu einem Umweg zum Walensee zwang; sie lief also nicht mehr auf direktem Wege zum Zürichsee. Auf solche historische Aspekte weist auch der St. Galler Regierungsrat Willi Haag, Präsident der Linthkommission, im Vorwort des neuen Buchs hin.
 
Die neue Wasserführung führte zu einer Absenkung des Walensee-Wasserspiegels, wodurch an dessen beiden Enden Land gewonnen wurde. Im Gebiet Gäsi, wo der Linthkanal in den Walensee einmündet, hat sich ein ausserordentlicher Artenreichtum eingefunden.
 
Auch landschaftsverändernde Werke – das Naturbewusstsein war damals noch nicht erwacht – brauchen einen Unterhalt und müssen in gewissen zeitlichen Abständen an neue Randbedingungen angepasst werden. Dabei geht es um Kompromisse hinsichtlich der Ansprüche von Mensch und Natur. Heute ist auch die Freizeitnutzung der Linthebene bedeutungsvoll; Informationstafeln lassen dieses Gebiet mit seiner Nähe zur Agglomeration Zürich wie ein Freiluftmuseum erscheinen. Am Linth- und Escherkanal stehen etwa 70 km Wege zur Verfügung.
 
Je breiter sich menschliche Werke machen, umso mehr muss die Natur zurückkrebsen, und Überschwemmungen, die Auenwälder tränkend beleben, können immer weniger toleriert werden. Doch weiss man um die Bedeutung der Restnatur, die in der Linthebene und im erwähnten neuen Buch eine erfreulich grosse Beachtung gefunden hat: Seitengewässer, Flachufer, Flachwasserzonen, Kiesinseln, nischenreiche Uferverbauungen, Tümpel, Riedwiesen, andere artenreiche Wiesen und Wälder, Naturschutzgebiete, welche vor Freizeitaktivitäten geschützt sind, usw.
 
Gewähr für eine kompetente Darstellung des Sanierungswerks, das neben dem Linth- auch den Escherkanal einbezogen hat, bieten die beiden eingangs erwähnten Autoren Markus Jud, der in Lachen SZ ansässige Linthingenieur und Projektleiter, und der Aargauer Ökologe Heiner Keller, Oberzeihen, der dank seiner umfangreichen Landschafts- und Naturkenntnisse das nunmehr abgeschlossene Linthwerk entscheidend beeinflusste. Den Umfang der Massnahmen zur Aufwertung der Linthebene mag ein Blick auf die Kosten erahnen lassen: Der Bund beteiligte sich mit rund 55 Millionen CHF, die Kantone St. Gallen, Glarus, Schwyz und Zürich steuerten zusammen 68 Millionen CHF bei.
 
Der Abschluss dieses riesigen Projekts, das nicht allein wegen seiner Grösse mit den kantonsübergreifenden Koordinierungsaufgaben einen Modellcharakter aufweist, hat nur eine vorläufige Bedeutung. Denn es kommen auch in Zukunft neue Ansprüche aus der Gesellschaft auf die Linthebene zu. Insbesondere die auf der Autobahn A3 leicht erreichbare Agglomeration Zürich entwickelt weiterhin ihren gewaltigen Expansionsdruck, wie Heiner Keller in seinem Blog Eine anonyme Agglomeration: Linthgebiet – quo vadis?“ vom 21.11.2013 anschaulich betonte. Das Buch schliesst mit diesem Blick in die Zukunft: „... so müssen Unterhalt, Sicherheit und Risiken, Anpassungen an die neue Raumplanung, neue rechtliche Vorgaben wie der Gewässerschutz, den Zielen angepasste Nutzungen bei der Landwirtschaft und beim Wald laufend beurteilt werden. Die Lösungen können nur im Verbund mit den Kantonen, den Gemeinden, den Konkordaten und Interessengruppen umgesetzt werden.“
 
Somit ist dieses Buch, das die vorangegangenen Jahre und den Status quo, wenn auch auf geschichtlichem Hintergrund, dokumentiert, eine Momentaufnahme. Darin liegt seine bedeutsame Aufgabe. Arbeit liefert zudem die Impulse, wie man bereits korrigierte Gewässer bei all den unumgänglichen Anpassungen an die modernen Rahmenbedingungen behandeln könnte, damit man in allen Belangen von einer Aufwertung sprechen kann. Das ist ein Hochseilakt mit der Beteiligung vieler Artisten, die sich in übergeordnete technische und ökologische Konzepte, nach heutigen Erkenntnissen geschaffen, einordnen. Nachahmerwerke können von einer ausgiebigen und mit Erfolg abgeschlossenen Trainingsphase profitieren. Bemühungen, die geradlinige Beschaffenheit, wo immer möglich zu überwinden, würden manch einem kanalisierten Gewässer gut tun. Es gibt überall Chancen, die Linearität aufzulockern und damit zu beleben.
 
Bibliografische Angaben
Jud, Markus, und Keller, Heiner: „Das neue Linthwerk.“, 104 Seiten. Im Buch integriert: DVD „Eschers Zeitreise zum Linthwerk“ – ein dokumentarischer Film mit philosophischem Hintergrund zum Thema „Weitblick hat Zukunft“. ISBN: 978-3-033-04248-3. Preis: 38 CHF.
 
Adresse
Linthverwaltung
Tellstrasse 1
CH-8853 Lachen
Tel. +41 (0)55 451 00 22
Fax +41 (0)55 451 00 20
 
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