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BLOG vom 06.12.2013


Dezember: Kuriose Adventsgedanken und -informationen
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
 
Wir sind im Monat Dezember 2013. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso der Monat Dezember heisst, also der 10. Monat? Konnte da jemand nicht bis 12 zählen?
 
Unsere Jahres-, Monats-, Tages- und Uhrzeit-Zählung beruht auf Konventionen, die sich über die Jahrtausende immer wieder verändert haben und auch heute noch nicht in der Welt einheitlich sind. Hier in Europa leben wir nach dem Gregorianischen Kalender, aber mit alten Monatsbezeichnungen der Römer, die z. B. nach Götter- und Kaisernamen benannt sind. Und das Jahr und die Jahreszählung begannen früher nicht mit dem 1. Januar, sondern im März. Damit stimmt es wieder mit dem Dezember, dem 10.
 
Die Festtage im Dezember oder besser gesagt, die Tage um die Wintersonnenwende zu den wiehen Nächten,  wurden schon immer gefeiert. Bekannt ist das Fest Sol invictus; das Fest der Aurora, der Göttin der Morgenröte; der Sieg des Lichts über die Finsternis.
 
Es mag fremd erscheinen, aber wenn ich über den Dezember nachdenke, fällt mir die grammatische Bezeichnung Präfix ein, prä- wie vor, also z. B. vor Weihnachten, und fix, einerseits in der Bedeutung von starr, unveränderlich und anderseits von flink, schnell. Jedes Jahr kommt die Zeit wieder, und den Kindern, die gespannt auf die Geschenke sind, die es zu Weihnachten, manchmal schon am 6. Dezember, dem Nikolaustag, gibt, geht sie nicht schnell genug vorbei. Auf die andere Bezeichnung, das Suffix, gehe ich am Ende dieses Texts noch ein.
 
Menschen nicht-westlicher Abkunft habe ich zum Dezember folgende Auskunft geben können: In christlicher Tradition heisst die Zeit Advent, was „Ankunft“ bedeutet und auf die Geburt Jesu, die Niederkunft Marias, hinweist. Egal, ob das Fest von Christen oder Nichtchristen gefeiert wird, die Wochen ab dem 1. Advent werden zielgerichtet gezählt, dazu helfen der Adventskranz und 4 Kerzen.
 
Mir gefällt besonders der freche Anhang des kleinen Kinderliedchens:
 
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,
erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind (der Weihnachtmann) vor der Tür.
Und wenn die 5. Kerze brennt, dann hast du Weihnachten verpennt!
 
Schliesslich ist es wünschenswert, wenn die Reimfolge „a-b-b-a“ folgerichtig eingehalten wird!
 
Mir gefällt auch die Scherzfrage nach einem Wort, in dem 4× tz vorkommt, nicht korrekterweise, sondern eher im Spass: *Atzventzkrantzkertze.
 
Ab dem 1. Dezember gibt es in vielen Städten Weihnachtsmärkte, manchmal auch Adventsmärkte genannt.
 
Traditionell wird auf diesen Märkten viel gegessen und ein besonderes Getränk genossen. Es wird witzigerweise behauptet, es werde am Vesuv angebaut und heisse deshalb Glühwein.
 
Zu dieser Zeit taucht in den Läden eine besondere Backware auf, der Stollen. Der Begriff kommt vom Althochdeutschen stolla und bedeutet Sockel, Fussgestell, Pfosten. Als Ruhrgebietskind verband ich mit dem Begriff den waagerechten in einen Berg oder Hügel getriebenen unterirdischen Gang, er führt von der Erdoberfläche zu einer Höhle oder ähnliches unter der Erde. Zu Weihnachten, vielleicht auch schon vorher, gab es Kuchenschnitten mit demselben Namen, die Oberfläche mit Puderzucker und innen mit Pflaumen, Rosinen und Marzipan gebacken.
 
Einen ganzen Christstollen konnten sich meine Eltern nicht leisten. Als Erklärung für das Backwerk habe ich mir sagen lassen, die Form eines länglichen Brotes sei ein Symbol für Jesus als Wickelkind. Das erklärt zumindest die vorn und hinten abgerundete Form und den Puderzucker. Ob es jemals im Stollen zur Vorweihnachtszeit auch Stollen gab, habe ich nicht herausfinden können!
 
Am 5. Dezember werden die Kinder aufgefordert, ihre – natürlich blank gewienerten Schuhe oder Stiefel – vor die Tür zu stellen, damit der Nikolaus sie mit Süssigkeiten füllen kann.
 
Am 6. Dezember wird das Fest des Nikolaus (von griechisch: Sieger des Volkes) gefeiert, einem christlichen Bischof aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, der in Myra lebte, damals Teil des römischen, später des byzantinischen Reichs, das in der heutigen Türkei liegt. Um ihn ranken sich eine ganze Reihe von Legenden, er soll ein gerechter, oft mildtätiger Mensch gewesen sein.
 
In den Niederlanden sind die Tage rund um Nikolaus traditionell die Tage, an denen die grossen Geschenke verteilt werden; so war es bis zur Reformation auch in Deutschland. Da die evangelische Kirche Heilige wie Nikolaus  und Namenstage nicht kennt, wurde der Geschenktag auf den 24.12. verlegt, und zu Nikolaus gibt es einen kleinen Vorgeschmack darauf.
 
Hier in Deutschland ist das Wetter im Dezember, ebenso wie im November, oft nicht angenehm. Es ist nasskalt, neblig, feucht und ungemütlich. Wenn sich die Sonne zwischen den Wolken blicken lässt, färbt sie abends die Wolken manchmal rosarot.
 
Meine Mutter sagte dazu: „Das Christkind backt Plätzchen.“ Wir Kinder wussten natürlich, dass das Gebäck von ihr und in der Küche entstanden war, den Duft roch man in der ganzen Wohnung. Nur naschen durften wir nicht; alles wurde in einer grossen Dose verstaut und erst zum Fest wieder aufgemacht.
 
Für Christen ist der Tag der Geburt Jesu, also der 25.12., ein wichtiger kirchlicher Feiertag. Am 24.12. wird der ganze Tag kurioserweise Heiligabend genannt. Etwa ab der Mittagszeit bereiten sich die Menschen auf den Abend und den nächsten Tag vor. Für die meisten Menschen sind die Tage der Familie, der Geschenke, des guten Essens und der (echten oder geheuchelten) Harmonie gewidmet.
 
Eine wichtige Tätigkeit vor diesem Tag sind die Überlegungen rund um die Entscheidungen und der Kauf der Geschenke.
 
Gedanken eines Vaters: „Ich weiss jetzt, warum Weihnachten in meiner Kindheit so schön war. Ich musste die Geschenke nicht bezahlen!"
 
Oft genug muss er seiner Frau die Kreditkarte dafür aushändigen: „Ich bin sehr besorgt um meine Frau. Sie ist bei dem schlimmen Schneetreiben in die Stadt gegangen.“ ‒ „Sie wird schon in irgendeinem Geschäft Unterschlupf gefunden haben.“ ‒ „Eben deshalb bin ich ja so besorgt!“
 
Das Überreichen der verpackten Geschenke wird Bescherung genannt. Sie liegen unter dem Weihnachtsbaum, und für die Kinder bringt sie das Christkind oder der Weihnachtsmann. Der Begriff kommt von mittelhochdeutsch beschern, was verhängen, zuteilen bedeutet. Er wird übrigens auch ironisch gebraucht; bei unangenehmen Überraschungen spricht man von der schönen Bescherung, die erlitten werden muss.
 
Weihnachten wird als das Fest grosser Gefühle angesehen. Dazu zählt, dass möglichst viele Familienmitglieder zueinander kommen. Es werden Weihnachtslieder gesungen und gehört; es wird geschenkt und beschenkt, neben dem geschmückten Weihnachtsbaum gut gegessen und getrunken.
 
Diejenigen, die diese Tage allein verbringen, fühlen sich allein, oft auch einsam. Auf der Strasse ist es so, wie ein bekanntes Weihnachtsgedicht beginnt:
 
Markt und Strassen stehn verlassen...“
 
Diese Menschen sitzen zu Hause, sehen fern und hoffen, dass die Feiertage schnell vorübergehen.
 
Da fällt mir die grammatische Bezeichnung Suffix ein, meist Nachsilbe genannt. Der Begriff kommt von lat. suffixum in der Bedeutung An- oder Aufgestecktes. Von vielen Menschen werden die Weihnachtstage genau so gefühlt!
 
 
Hinweis auf weitere Blogs zur Adventszeit
14.12.2008: Mein Wunsch: Stille Momente in der Vorweihnachtszeit
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