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BLOG vom 11.12.2013


Kommissionen in der Innenstadt inspirieren mich immer
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Es kommt darauf an, warum ich in die Stadt gefahren bin. Suche ich etwas Bestimmtes, schaue ich nur darauf aus. Habe ich Zeit zum Schlendern, interessieren mich die Menschen. Ich gehe aber nur in die Stadt, wenn Kommissionen zu erledigen sind. Alles, was ich dann erlebe, ist Beigabe, also Geschenk.
 
Es gibt immer etwas zu sehen, was neu ist. Ich treffe immer auf Menschen, die ich gar nicht kenne. Ich schaue in Schaufensterauslagen und stelle oft fest, dass sie an meinen Bedürfnissen vorbeizielen. Aber Gestaltungen von Schaufenstern sind immer interessant.
 
Dieser Tage ging ich den Zürcher Rennweg hinauf und sah einem jungen Mann zu, der verschweisste Pakete aus ihren Hüllen befreite. Es muss sich um eine komplette Lastwagenladung Spielzeugbausteine gehandelt haben. Er schlitzte die Plastikhüllen auf und verteilte die verschieden hohen Schachteln auf Paletten. Ich schaute zu und sagte nach einer Weile: Faszinierend, Ihnen zuzuschauen. Ihre Bewegungen wie im Ballett. Er stutzte, ohne seine Arbeit auch nur einen Augenblick zurückzuschrauben. Dann huschte ein leises Lächeln über sein Gesicht, und er sagte: Danke! Und schon war er wieder bei seiner Arbeit und tief in ihre Abläufe versunken. Er gab den Eindruck, als sei er ein Teil einer computergesteuerten Verteilungsmaschine. Sofort wurde mir klar: Er durfte seinen Rhythmus nicht verlieren, sonst fiele seine Aufgabe in sich zusammen.
 
Es sind seither ein paar Tage vergangen. Und noch immer sehe ich diesen Mann vor mir. Das Aufblitzen seines Blicks und eine gewisse Traurigkeit in seinen Augen. Obwohl ich seine artistische Arbeit bewunderte, wussten wir beide, dass dies eigentlich nicht menschengemäss ist, was er hier machen musste. Der Mensch als Teil einer Maschine sein, eingespannt in vorgegebenes Tempo.
 
Traurig auch, weil solche Arbeit der Weihnacht dienen muss. Das Spielzeughaus, dem er die Ladung lieferte, kann vermutlich alle Kinderwünsche erfüllen, wenn das nötige Geld vorhanden ist.
 
Ist das der Sinn von Weihnachten? Grosseltern, die 70 oder 80 Jahre alt sind, wundern sich schon lange, wie Materielles den Sinn dieses Festes erdrückt. Und wie die ausgepackten Geschenke in den Kinderstuben zur Spielzeughalde werden. Angeschaut und hingeworfen. Plastikwelt, nenne ich sie.
 
Gerne wüsste ich jetzt, wie man in 50 Jahren das Weihnachtsfest erklärt. Heute gibt es nur noch eine dünne Schicht der Bevölkerung, die den Sinn dieses Festes kennt und ihn in Geschichten auch nacherzählen kann. Aber in 50 Jahren, wenn die Kinder von heute selbst Eltern geworden sind, was werden sie diesem Fest hinterlegen? Vielleicht ist dann der materielle Reichtum schon längst Geschichte und taugt zu nichts mehr.
 
Es fällt mir auch auf, dass die Adventsstimmung immer weniger mit Christi Geburt in Zusammenhang gebracht wird. Krippen sind schon seit Jahren nur noch selten in Schaufenstern anzutreffen, und dass da ein Kind geboren wurde, das später als erwachsener Mensch einen friedlicheren Lebensentwurf verkündete und lehrte, scheint weitgehend ausgeblendet. Es gibt je nach Region keine oder nur noch wenige Bilder, die in der Gegenwart das Weihnachtsgeheimnis andeuten wollen.
 
Das Weihnachtsfest müsste eigentlich als Dankesfest gestaltet werden. Aber es ist ein Konsum orientiertes Fest geworden, das vielen Familien Stress und Unfrieden beschert. Schenken ist zu einem Zwang und Wettbewerb geworden. Zu einem Geschäft.
 
Gerade im rechten Augenblick, bevor ich etwas trübsinnig geworden wäre, entdecke ich einen Ausstellungshinweis des Landesmuseums Zürich. Dort kann bis zum 5. Januar 2014 eine Krippenausstellung besucht werden. Weihnachten und Krippen ihr Name. Und es heisst dazu, das Landesmuseum Zürich lasse zur Winterzeit die Kinderherzen höher schlagen. Mit speziellem Programm für die Kleinen, ohne dass die Grossen zu kurz kämen. Schöne Aussichten, auch für mich. www.landesmuseum.ch
 
Dann suchte ich die Apotheke St. Peter in der St. Peterstrasse 16 auf. Es ist meine Lieblingsapotheke, weil sie sich um die Komplementärmedizin kümmert. Das ist ihre Stärke. Dort imponiert mir die wunderschöne, noch an alte Zeiten erinnernde, aber gepflegte Einrichtung. Und immer gibt es dort einen der Jahreszeit entsprechenden Blumenstrauss. Dieser Ort strahlt aus, auch darum, weil die Kombination natürlicher Aromen der hier gelagerten Medikamente das Raumklima mitbestimmt. Da fühlt man sich einfach wohl, als Mensch.
 
Hier holte ich den WELEDA-Wandkalender für 2014 ab. Seit Jahren schenke ich mir diesen. Immer sind es künstlerische und dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild entsprechende Bilder, die einen durchs Jahr begleiten. Diesmal wurden 12 WELEDA-Leitpflanzen dargestellt. Es sind dies Birke, Aloe, Brennnessel, Eurphrasia, Iris, Lavendel, Arnika, Calendula, Sanddorn, Granatapfel, Ratanhia und Wildrose. Das Kalenderblatt jedes Monats ist 2-lagig. Obenauf, auf Transparentpapier, die mit Tusch gezeichnete Pflanze. Unter ihr die farbige, gemalte Ausstrahlung. Es ging darum, in die Wesenhaftigkeit der Pflanze vorzudringen, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen, nicht nur mit dem Sehsinn zu agieren, sondern auch auf den Tastsinn und Geruchsinn, also im Erleben der jeweiligen Pflanze zu reagieren. Diese Farbgestaltung wurde in der Technik der Aquarelltunkpapiere ausgeführt. Die Bilder bewegen, rühren an ihre Geheimnisse.
 
Auf dem Heimweg kaufte ich jenem SURPRISE-Verkäufer, der regelmässig vor dem Kramhof steht, wieder einmal eine Zeitschrift ab. Es ist dies ein Strassenmagazin, das von Arbeitslosen verkauft wird. Ich zahlte den Preis und wollte das Heft dem Mann zurückgeben, damit er es 2 x verkaufen könne. Da sagte er zu mir: Das wäre ein Verlust für Sie. Wir haben gerade diesmal einen ganz speziellen Beitrag über Partnerschaft und Geld drin. Und schon viele Komplimente bekommen. Er sagte es so, wie wenn er der verantwortliche Redaktor wäre. Also packte ich das Heft ein.
 
Dank dieser Zeitschrift wurde ich dann auf eine Ausstellung in der Pädagogischen Hochschule Zürich aufmerksam. Sie befasst sich mit dem Schleier und Kopftuch und wirbt für mehr Gelassenheit ihnen gegenüber. Ohne die erwähnte Zeitschrift hätte ich diese interessante Darstellung der Kulturgeschichte des Schleiers verpasst. Dem Zeitschriftenverkäufer sei Dank. Er hat mich gut beraten.
 
Die Ausstellung dauert nur noch bis zum 14. Dezember 2013.Es steht noch ein Referat aus dem Begleitprogramm bevor: 11.12.2013. Wie Kleider Leute machen. Anschliessend Podiumsdiskussion mit Menschen, die mit ihrer Kleidung ,auffallen’.
 
Hoffentlich schaffe ich es, auch noch dabei zu sein.
 
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