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BLOG vom 15.12.2013


Wickel: Wer sich einwickeln lässt, kann Wohltaten erleben
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Die Menschen lassen sich gern einwickeln. Manchmal geschieht das auch auf wohltuende Art: Maya Thüler, Dipl. Pflegefachfrau mit der Zusatzausbildung in Gesundheitspflege und Wickelfachfrau, ist Autorin des Buches „Wohltuende Wickel“. Das Standardwerk, das sowohl für Laien als auch für Fachpersonen geeignet ist, erschien kürzlich in der 11. unveränderten Auflage.
 
Frau Thüler war früher auch als Dozentin und Seminarleiterin tätig. Nach 20 Jahren hat sie diese Betätigung aufgegeben. Heute ist sie aktiv bei der Vermittlung von Kursen, widmet sich ihrem Verlag und publiziert gelegentlich Texte zum Thema Wickel. Sie galt früher als die Fachfrau Nr. 1, nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich.
 
In meinem Blog vom 07.12.2007 „Wickel: Kostensparend, wirksam und Balsam für die Seele“, wies ich schon damals auf die Bedeutung der Wickel und Kompressen hin. Das Interesse an natürlichen und preiswerten Behandlungsmethoden ist ungebrochen. Engagierte Familien- und Pflegefachfrauen wenden Wickel heute wieder vermehrt an. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, da man mit diesen Hausmitteln so manches Wehwehchen kurieren kann. Darüber wollte ich von der Autorin Näheres erfahren. Sie hat sich freundlicherweise bereit erklärt, meine Fragen exklusiv für das Textatelier.com zu beantworten. Dafür möchte ich Ihr meinen besten Dank aussprechen.
 
Frau Thüler, was ist das Geniale an Wickeln?
 
Mit einfachen Mitteln können wir Schmerzen und Beschwerden verschiedenster Art lindern, aber auch Entspannung ermöglichen und Heilungsprozesse anregen.
 
Glücklicherweise können Wickel nicht nebenher eingenommen werden wie Medikamente, sondern sie laden ein, uns eine Ruhepause zu gönnen. Wir können uns hinlegen, innehalten. Man spürt die Wärme, die Berührung auf der Haut und lassen Düfte auf uns einwirken. Diese sinnlichen Erlebnisse führen uns von den Gedanken weg in den Körper. Wir entspannen uns. Die Ruhe, Zuwendung und das Verständnis, das wir uns selbst schenken oder von einer Wickel verabreichenden Person erhalten, ist heilsam.
 
Einen Wickel können wir uns selbst, aber auch dem Partner, einer Freundin, den Kindern etc. schenken.
 
Von 2 Kursteilnehmerinnen gab es eine erfreuliche Rückmeldung. Zwischen dem gemeinsamen Besuch eines Einführungskurses in Wickel und dem Aufbaukurs reservierten sie sich wöchentlich einen Abend und verwöhnten sich gegenseitig mit Wickel. Das ist Wickel-Wellness pur. Sogar 1 bis 2 Jahre später erzählten sie mir bei einer Gelegenheit, dass sie sich ihre Wickelabende weiterhin gönnen und diese sehr schätzen.
 
Würden Sie uns bitte erklären, wie die Wickel wirken und wo sie bevorzugt eingesetzt werden können?
 
Mit dem entsprechenden Fachwissen können die Wickel sehr breit eingesetzt werden. Bei einfachen gesundheitlichen Störungen lindern sie unangenehme Symptome oder fördern beispielsweise bei Erkältungen den Heilungsprozess, indem sie den anfänglich oft gestauten, zähen Schleim verflüssigen, so dass dieser ausgeschieden werden kann. Eine Besserung tritt dann ein. – Bei Krankheiten, welche ärztliche Massnahmen erfordern, bereichern sie das therapeutische Angebot.
 
Bevorzugte Einsatzgebiete für Wickel sind die Folgenden:
Zuhause: für den persönlichen Gebrauch für Erwachsene, sowie Babys, Kleinkinder und Kinder.
In der professionellen Pflege: Rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, in der Mütterberatung, in der Langzeitpflege, bei Sportverletzungen und in der Palliativpflege.
 
Wie fühlen sich Kranke und Gesunde, die einen Wickel erhalten?
 
Im Idealfall fühlen sie sich gut betreut, schätzen das sinnliche Erlebnis und die Linderung der Symptome. Sie beginnen, sich zu entspannen. Je nach Situation lassen Schmerzen nach, und die Gelenke werden beweglicher. Die Verdauung kommt in Schwung, das Fieber wird gesenkt, und es lösen sich Magenkrämpfe auf. Ziel ist immer die Verbesserung der Befindlichkeit.
 
Gestresste Personen profitieren von Wickeln ungemein. Übermässiger Stress ist krankheitsfördernd, die Entspannung heilt.
 
Das richtige Wickelanlegen will gelernt sein. Welche Voraussetzungen für das Gelingen sind von Bedeutung?
 
Dass die Grundlagen beachtet werden. Dies beinhaltet auch, dass die richtige Diagnose vorliegt, so dass der passende Wickel ausgewählt werden kann.
 
Wichtig sind diese Voraussetzungen: Genügend Zeit, Freundlichkeit und das Eingehen auf die Bedürfnisse der Wickel empfangenden Person – wie bei jeder pflegerischen Handlung – eine unterstützende Wirkung. Wichtig ist auch das Nachruhen: ½ bis 1 Stunde. So kann der Wickel seine Wirkung nachhaltig entfalten.
 
Gibt es bei den Wickeln auch unerwartete Reaktionen? Was muss man beachten?
 
In der Tat kann es zu einer unerwarteten Hautreaktion kommen. Ist dies der Fall, sind die Wickel rasch zu entfernen. Es gibt auch Fälle, bei denen Wickel Schmerzen verursachen. Auch dann muss man den Wickel rasch entfernen.
 
Danach gilt es, das Vorgehen zu überprüfen. Eignet sich dieser Wickel wirklich für die entsprechende gesundheitliche Störung oder könnte die Diagnose falsch gestellt sein? Wurde die Anwendungsdauer eingehalten? Könnte es sich um eine allergische Reaktion handeln? Je nachdem kann für den nächsten Tag ein anderer Wickel gewählt werden.
 
In einem meiner Blogs aus dem Jahr 2007 beklagte sich eine Frau, die in einem Krankenhaus in der Schweiz in Behandlung war, dass die menschliche Wärme und Zuneigung vor allem der Ärzte zu den Kranken fehle und auch die Schulmediziner mit Wickel in der Kranken- und Gesundheitspflege wenig am Hut hätten. Hat sich in der Zwischenzeit in der Gesundheitspflege und bei Ärzten etwas geändert?
 
Zunächst möchte ich Ihnen einige Beispiele nennen:
Eine Bekannte erzählte mir von ihren qualvollen Stunden auf einer Intensiv-Station, welche von Hektik und Verwirrung geprägt waren – doch da kam auch die Erinnerung an ein feucht-kaltes Tüchlein, welches ihr sanft und sehr liebevoll auf die Stirne gelegt worden war… und sie beruhigte.
 
Im vergangenen Jahr 2012 machte ich 2 Krankenbesuche (in Privatspitälern) in Bern. Beide Patientinnen erzählten mir, dass sie Wickel erhielten, einmal bei einem entzündeten Gelenk (Quarkwickel), einmal wegen Verstopfung. Die Patientin mit Verstopfung erhielt nachmittags und abends warme Bauchwickel mit Leinsamen, welche sie sehr genoss. Die Verdauung begann wieder zu funktionieren, sie entspannte sich und schlief danach besonders gut.
 
Natürlich erschweren schwierige Arbeitsbedingungen mit Zeitdruck u. a. die Einführung und Anwendung von Wickel und Kompressen. Trotzdem gilt es, wach zu sein und Gelegenheiten, die es durchaus gibt, wahrzunehmen.
 
Es gibt viele engagierte Pflegefachfrauen mit viel menschlicher Wärme – doch es gibt auch viele Situationen, da wir unsere Erwartungen, Hoffnungen und Bedürfnisse besser zurückstellen und, so gut es geht, selber gut zu uns sind (auch um uns vor Enttäuschungen zu schützen). Es gibt Gegebenheiten, welche wir erkennen und respektieren müssen.
 
Wenn im Spital weder Zeit, Offenheit noch Knowhow für Wickel vorhanden sind, ist es umso wichtiger, uns selber ernst zu nehmen. Dazu ein paar Beispiele:
 
Der Handwickel – überall und jederzeit einsetzbar: Wir legen die Hände auf den Bauch, fühlen einerseits die Wärme der Hände und andererseits die Wärme des Bauches, lauschen der Atmung, entspannen uns…
 
Wärmeflasche: Wir wissen alle, dass eine Wärmflasche oft sehr hilfreich – und fast überall erhältlich ist.
 
Bauchkompresse: Wir bitten die Pflegefachfrau um die folgenden Utensilien: Eine gefüllte, flache Wärmflasche, ein Frottiertüchlein, einen heissen, gut ausgewrungenen Waschlappen (mit heissem Wasser übergossen und ausgewrungen).
 
Mit diesen Utensilien können wir uns nun in aller Ruhe eine Kompresse applizieren. Wir falten den heissen Waschlappen auseinander und legen ihn auf den Bauch. Das Frottiertüchlein darüber und dann die Wärmflasche – wow! Die wohlige feuchte Wärme breitet sich aus. Die Wärmflasche sorgt dafür, dass dieser Genuss eine Weile anhält. Diese Kompresse ermöglicht Entspannung, Anregung der Verdauungstätigkeit, und es kann ein tiefer Schlaf folgen. Die feuchte Kompresse wirkt besser als die trockene Wärmeflasche.
 
Sauerklee: Wer vorgesorgt hat, kann zuerst eine Sauerkleekompresse (einzeln abgepackt wie ein Erfrischungstüchlein, kalt) auf die Haut legen und danach, wenn gewünscht und möglich, einen heissen Waschlappen darüber legen. Sauerklee beruhigt, lindert, hilft zentrieren, in die eigene Mitte zurückfinden und löst Symptome, welche aufgrund von Nervosität entstanden sind (Magen-, Darmkrämpfe, z. B. auf Reisen).
 
Da die Wickel kostensparend und wirksam sind, sollten eigentlich die Gesundheitskassen ein Interesse haben, ihre Kosten zu senken und Kurse für ihre Mitglieder anbieten. Das wird der Pharmaindustrie nicht passen. Aber man sollte in der Krankheitsvorbeugung bei einfachen Befindlichkeitsstörungen und zur Linderung von Schmerzen und anderen unangenehmen Krankheitszeichen (z. B. Fieber) Wickel anwenden. Wie denken Sie darüber, und wie sehen Sie die Zukunft der Wickel?
 
Bitte lassen Sie mich einen Blick zurückwerfen. Bevor Penicillin auf den Markt kam, wurden auch im Krankenhaus sehr viele Wickel und weitere natürliche Methoden angewandt. So kam es vor, dass z. B. ein Brustwickel mit Senf lebensrettend wirkte. Als Ende der 1940er-Jahre Penicillin erhältlich war, glaubte und hoffte man an dessen erfolgreiche und nebenwirkungsfreie Bekämpfung zahlreicher Krankheiten. Die Wickel wurden deshalb mehr und mehr verdrängt. So kam es, dass ich während meiner Ausbildung zur Krankenschwester Anfang der 1970er-Jahre kaum Wickel kennen lernte. Sie waren aus den Lehrplänen gestrichen.
 
Nach und nach wurden Nebenwirkungen bekannt; nicht immer brachten Antibiotika und die weiteren neu entwickelten Medikamente die beabsichtigte Wirkung. Ernüchterung machte sich breit. Auf Grund der vielseitigen Verwendungen kam es zu Antibiotika-Resistenzen. Dies bereitete das Feld für das neue Interesse an natürlichen Heilmethoden vor. In jener Zeit fielen mir die Wickel regelrecht zu – das Interesse wurde an mich herangetragen.
 
Zuallererst beschäftige ich mich mit den Fragen, ob sich die Wickel für die gesundheitlichen Störungen der modernen Menschen wirklich eignen oder nicht einfach ein alter Zopf sind?
 
Während meiner intensiven Beschäftigung mit diesen Fragen fand ich viele „moderne Leiden“ heraus, für deren Linderung sich Wickel hervorragend eignen – und wie! Beispielsweise all die durch Stress ausgelösten Beschwerden. Zuviel Stress ist ein wichtiger Auslöser von Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. Später startete ich meine selbständige Berufstätigkeit mit der Vermittlung des Wickel-Wissens. Das Interesse war sehr gross, für die Anwendung zuhause wie auch im Spital.
 
Ich erlebte die Freude, dass die Wickel wieder in sämtlichen Lehrplänen der Kranken- und Gesundheitspflegeschulen aufgenommen worden waren! Anhand von Rückmeldungen zeigte sich mir, dass es einerseits besonders für die Wickelanwendung geeignete Pflegegebiete gibt und dass es andererseits sehr von der allgemeinen Arbeitssituation sowie der Kompetenz und dem Engagement der betreffenden Pflegeperson abhängt, ob und wie es ihr gelingt, Wickel in die berufliche Gesundheitspflege zu integrieren.
 
Wer weiss, wie sich die Anwendungsgebiete und Bedeutung der Wickel und weiteren natürlichen Mitteln in Zukunft herauskristallisieren werden…?
 
Bemerkungen zum Wickelbuch
Maya Thüler beschreibt in ihrem Bestseller Grundsätzliches zur praktischen Anwendung, wann heisse bzw. kalte Wickel und Kompressen angelegt werden sollen und welche verschiedenen Befestigungsmöglichkeiten es gibt. Einen breiten Raum widmete sie der Anwendung bei den verschiedenen Krankheiten. In den einzelnen Kapiteln geht sie auf die Wirkungsweise, den Anwendungsbereich, das zu benötigende Material, auf Vorsichtsmassnahmen und auf die Einwirkungsdauer ein. Das Verzeichnis „Wann eignet sich welcher Wickel“ ermöglicht das rasche Auffinden des geeigneten Wickels bei verschiedenen Gesundheitsstörungen.
 
Das hervorragend verfasste Werk enthält theoretische Grundlagen und praktische Anleitungen für 40 verschiedene Wickel mit 127 anschaulichen Illustrationen von Hans-Peter Häderli. Mütter und Väter finden Hinweise für die Anwendung bei Kindern. Wichtig sind auch die Angaben, wann der Therapeut zu benachrichtigen ist. Das sehr übersichtlich gegliederte und in gut verständlicher Sprache geschriebene Buch ist Laien und Fachpersonal sehr zu empfehlen.
 
Internet
 
Unter der Internetadresse sind Infos zur 11. Auflage und ein Vermittlungsservice aufgeführt. Der Vermittlungsservice umfasst eine Auswahl von Kursleitern, welche sich zum Thema Wickel bei ihr fortgebildet haben. Sie führen seit Jahren Wickelkurse durch und benützen das Buch „Wohltuende Wickel“ als Kursunterlage.
 
Newsletter können in Zukunft bei www.wickel.ch gelesen oder unter ihrer E-Mail-Adresse angefordert werden.
 
Literatur
Thüler, Maya: „Wohltuende Wickel“, 112 Seiten, 127 Illustrationen, Maya Thüler Verlag, Schmittenplatz 18, CH 3076 Worb.
Buchversand: Maya Thüler c/o Barbara De Maddalena, Zähringerstrasse 45, CH-3012 Bern, zth@bluewin.ch, Tel. 031 332 61 19, Preis des Buches in der Schweiz: 38,90 CHF. Das Werk ist auch in Deutschland und Österreich erhältlich und kostet 23,90 Euro.
 
 
Hinweis auf das Blog von Lislott Pfaff mit der Wickel-Erwähnung
 
Hinweis auf einen weiteren Blog über Wickel von Heinz Scholz
 
Hinweis auf einen Glanzpunkte-Artikel über Wickel
 
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