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BLOG vom 23.12.2013


Gesünder leben: Was ist das eigentlich? Funktioniert es?
 
„Für Deine eigene Gesundheit übernimmst Du die Verantwortung
 ‒ Oder sonst ein Arzt.“
Albert Baumann (Twitter)
*
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
„Ziel der Gesundheitsberatung als (allgemein-)ärztliche Aufgabe ist es, die Verantwortung des Einzelnen für die eigene Gesundheit so zu stärken und das individuelle Verhalten so zu verändern, dass es der Gesundheit dienlich ist (ggf. Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten).“ Diese Angaben zur Verhaltensprävention finden sich im Band 2 von „Exaplan“, dem „Kompendium der klinischen Medizin“ (6. Auflage, 2010, Seite 1534).
 
Das sind ehrenwerte Zielsetzungen, welche aber die ärztlichen Einflussmöglichkeiten bei Weitem übersteigen; denn das Sorgetragen zur Gesundheit kann das einzelne Individuum aufgrund höherer Einsichten nur selber tun – es lässt sich nicht delegieren. Dabei kann eine Fülle von gesundheitlicher Aufklärungsliteratur, die sich in der Regel einzelnen Körperbestandteilen oder Krankheitszeichen annimmt und dann mit Ratschlägen bereitwillig zur Verfügung steht, hilfreich sein. Meistens geht es um Ernährungsumstellungen, zumal die Nahrungszufuhr der wichtigste biochemische Einfluss ist. Und allgemein verbreitet ist der Ratschlag, etwas mehr in Sachen Bewegung zu tun und lächelnd durchs Leben zu gehen (also für psychische Gesundheit zu sorgen).
 
Dies alles ist schneller gesagt als getan: Die Gesundheitsaufklärung erzielt dann die besten Wirkungen, wenn möglichst breite biologische Kenntnisse vorhanden sind. Dabei ist es den einzelnen Ärzten nicht zuzumuten, jedem Einzelnen aus ihrem Patientengut ein mindestens 3-jähriges medizinisches Studium bis Bachelor Basic zu gewährleisten. Sie werden sich also auf Beobachtungen, Kurzbefragungen und vorerst rudimentäre Untersuchungen abstützen, anschliessend wahrscheinlich bald einmal von der primären (Krankheitsvermeidung) zur sekundären Prävention wechseln und dort einschreiten, wo sich erste Vorahnungen im Hinblick auf eine Erkrankung bemerkbar machen. Sie werden versuchen, darauf bremsend einzuwirken, wobei manchmal auch zu abenteuerlichen Impfprogrammen oder anderen Testmethoden wie Biopsien (Gewebeentnahmen) Zuflucht genommen wird, die ihrerseits Schäden verursachen können. Das sind Massnahmen zur Früherkennung, die oft auf einem breit angelegten Untersuchungsprogramm beruhen und manchmal auch der Auslastung der teuren Geräte dienen, die schliesslich amortisiert sein müssen, bevor die nächste Generation auf den Markt kommt. Auch in Spitälern ist das Phänomen bekannt: Chefärzte werden mit Provisionen in ihrer pekuniären Gesundheit unterstützt, wenn sie zu einer hohen Geräteauslastung beitragen; ob das dem Patienten nützt oder schadet, spielt keine Rolle.
 
So schwankt die Prävention also zwischen einer Gesundheitserziehung und der Früherkennung von Krankheiten, welch letztere von einer Untersuchungsabfolge begleitet ist, die, wie man sah, ihrerseits Schaden anrichten kann, besonders wenn sie zu einer frühen Verarztung führt, welche zur Überverarztung mutiert – und eben iatrogene (vom Arzt verursachte) Schäden nach sich ziehen kann. Doch obsiegt am Schluss der Tod in jedem Fall.
 
Für das Individuum, das möglichst lange angenehm leben und dabei gesund bleiben möchte, ist es eine enorm knifflige Aufgabe, in allen Lebenslagen das Richtige zu tun bzw. zu lassen. Und man möchte ja auch nicht immer daran denken müssen, ob etwas gesund oder halt etwas weniger gesund sei, sich kasteien, einschränken, zurückhalten, sondern frohen Herzens auch einmal eine Sünde geniessen können. Wollte man alle empfohlenen Gesundheitsmassnahmen treffen, würden die täglichen 24 Stunden niemals ausreichen, um alles nur annähernd zu befolgen.
 
Und schliesslich weiss niemand genau, was für einen bestimmten Menschen mit seinen speziellen Veranlagungen richtig ist. Auch die Biochemie ist noch heute ein Buch mit 7 Siegeln, was ohne weiteres schon anhand der konträren Forschungsresultate abzulesen ist. Ist eine Immunisierung durch Impfungen überhaupt sinnvoll, oder schadet das dem Immunsystem (die moderne Immunologie hat sich erst seit den 1960er-Jahren verbreitet; erst seither wird das Netzwerk aus Zellen, Molekülen, Organen usf. überhaupt als solches ernst genommen). Es kommt selbstverständlich hinzu, dass wir nur einen Teil unseres Befindens beeinflussen können; der Rest sind Einwirkungen von aussen, die sich unserer Einflussnahme entziehen. Wie soll man sich beispielsweise bei der Nachbarschaft von schadenstiftenden Bakterien verhalten, ohne die Billionen von nützlichen Bakterien, die auch in unserem Inneren lebensnotwendige Dienste erfüllen, zu vertreiben? Muss ich zuerst einmal 20 Fachbücher über Bakteriologie und Parasitologie lesen und alle Wirt-Parasit-Interaktionen versehen lernen? Und was alles sind wir einzuatmen gezwungen – alle möglichen Abgase und Feinstäube ... neben dem Elektromagnetismus aus unserer strahlenden Umwelt. Und nicht zu vergessen ist all das, was an psychischen Belastungen auf uns einströmt ... wozu niederschmetternde ärztliche Befunde gehören können.
 
Die Zahl der bekannten Krankheiten kann nicht genannt werden; denn es kommt darauf an, wie detailliert man alle die Funktionsstörungen von Organen, des gesamten Organismus und der Psyche unterteilt, und so werden – gerade in der Psychiatrie – immer neue Krankheiten entdeckt oder erfunden, wie man’s nimmt. Grenzwert-Manipulationen bestimmen, wer gesund und wer krank ist. Wo fängt das gefährliche Übergewicht, wo das krankhafte Untergewicht an?
 
Eine grobe Reduktion von Krankheiten auf etwa 25 ist mir kürzlich im Internet in Form von zahnärztlichen Aufnahmeprotokollen (Patientenbefragungen) in zahlreichen, aber immer ähnlichen Variationen zu Gesichte gekommen. In alphabetischer Reihenfolge wird dabei nach den folgenden Krankheiten und vorangegangenen Eingriffen gefragt, die beim Behandeln des Kauapparats eine Rolle spielen und wobei der Kunde kleine Ja- oder Nein-Rechtecke ankreuzen kann.
 
Hier eine mit Abwandlungen offenbar in Deutschland verbreitete Liste der wesentlichen Krankheitsgruppen: 
1. Allergien. Unverträglichkeiten (welche?)
2. Anfallsleiden (Epilepsie)
3. Atemwegserkrankungen (welche?)
4. Blutgerinnungsstörung
5. Diabetes (welcher Typ?)
6. Glaukom (erhöhter Augendruck)
7. Hämatologische Erkrankungen (Erkrankung blutbildender Organe)
8. Herz-Kreislauf-Erkrankung
8.1. Herzinsuffizienz
8.2. Koronare Herzkrankheit/Angina pectoris
8.3. Herzinfarkt
8.4. Herzrhythmusstörungen
8.5. Herzschrittmacher
8.6. Herzklappenfehler/-ersatz
8.7. Erhöhter Blutdruck (Hypertonie)
8.8. Verminderter Blutdruck (Hypotonie)
8.9. Mangeldurchblutung des ZNS/Schlaganfall
9. Infektionskrankheiten
9.1. Hepatitis
9.2. Immunmangel-Syndrom (AIDS)
9.3. Tuberkulose
10. Lebererkrankungen
11. Magen-Darm-Erkrankungen
12. Nierenerkrankungen
12.1. Chronische Niereninsuffizienz
12.2. Dialyse
13. Osteoporose
14. Rheumatoide Arthritis
15. Schilddrüsenerkrankungen
16. Tumorerkrankungen (Bestrahlungen, Chemotherapie)
17. Frühere Operationen (welche?)
18. Haben Sie Angst vor der Behandlung?
19. Besteht eine Schwangerschaft?
20. Nehmen Sie Medikamente? (welche?)
21. Andere Erkrankungen?
22. Drogenkonsum
25. Röntgenuntersuchungen in den letzten 2 Jahre. Wenn ja: was? 
Soweit diese stolze Liste, die weitab von der Vollständigkeit ist (Zahnschäden sind nicht aufgeführt), aber doch einen Eindruck davon vermittelt, was alles schief gehen kann. Ein Teil der Krankheiten sind oft angeboren, andere durch nicht beeinflussbare (Dauer-)Attacken zugefügt, und der Rest dürfte durch ein Selbstverschulden entstanden sein, wobei hier aber mildernde Umstände zum Tragen kommen, weil ja, wie bereits gesagt, nicht alles auf der Hand liegt, was zuträglich ist. Ist das Joggen wirklich gesund? Ist ein Glas Rotwein zum Essen gesünder als keins? Braucht das Immunsystem nicht eine gewisse Forderung (Abhärtung)? Ist Zahnseide nützlich oder schädlich? Ist der Vegetarismus einer vielseitig gemischten Kost vorzuziehen? Soll man Spurenelement-, Mineralstoff- und Vitaminergänzungen schlucken? Wer kann schon abschätzen, was zu jedem beliebigen Zeitpunkt angemessen ist, wie gross der Bedarf wann ist?
 
Werfen wir einen Blick zur Technik, wo alles besser durchschaubar ist: Ein altes Gerät ist in der Regel störungsanfälliger als ein neues, sieht man einmal von den früher üblichen Qualitätsbegriffen ab. Irgendwann geben technische Produkte ihren Geist auf – manchmal sind Mängel vorprogrammiert, manchmal entstehen Schäden aus dem Gebrauch. Verhält es sich mit dem Menschen, der laut Statistik immer älter wird, ähnlich? Sind das Altern und das Alter die unabdingbare Voraussetzung für die eine oder andere Krankheit? Das Alter an sich ist ja wohl keine Krankheit, ansonsten Jugend, Pubertät, Reife, Schwangerschaft, Abänderung ebenfalls jene Krankheiten wären, als die sie gelegentlich gestempelt werden. Sind die Lunge, die Leber und das Verdauungssystem nach einer Abfolge von Lebensjahrzehnten überhaupt noch leistungsfähig genug – nach alledem, was sie an Giftbelastungen bewältigen und ertragen mussten? Zeigt das Herz nicht gewisse Ermüdungserscheinungen, wenn es das Blut in ein ständig problembeladeneres Kreislaufsystem hineinpumpen muss? Was haben die Medikamente angerichtet, was an Spuren hinterlassen?
 
Jeder Mensch wird älter, was eine ständige Veränderung bedeutet, an welcher äussere Umstände ihren Anteil haben. Was gestern galt, gilt heute nur noch beschränkt. Lassen es die Einsicht und die Umstände zu, sich ständig und rechtzeitig anzupassen? Welche Rolle spielt die Medizin? Keine, eine gute oder eine schlechte? Beeinflusst mich meine Umgebung mit ihren zwar wohlgemeinten, aber dilettantischen, unausgegorenen und nicht auf den Einzelfall zugeschnittenen Ratschlägen günstig? Gerate ich dadurch und durch aufdringliche Werbemassnahmen in eine Teufelsspirale? Bin ich in der Lage, Spreu vom Weizen zu scheiden und ein selbstbewusstes Leben zu führen, das auf mich und meine wahren Bedürfnisse zugeschnitten ist?
 
Die Lebenskunst ist schwierig, kann vielleicht durch die Lesenskunst etwas vereinfacht werden. Ein kritisches Hinterfragen der Einflüsse verschont einen vom Hereinfallen. Denken. Überdenken. Besser Vorausdenken als Nachdenken. Erfahrung hilft. Freude haben ... auch an jenen Krankheiten, von denen mich ein günstiges Schicksal bisher vorschont hat, die wir auf der Nein-Seite ankreuzen können.
 
Morgen kann schon wieder alles anders sein.
 
 
Hinweis auf weitere Texte zur Gesundheitspflege aus dem Textatelier.com
 
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28.01.2013: Senioren (1): Trotz (zu) viel Medizin immer mehr kranke Alte
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