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BLOG vom 12.01.2014


In der Eisenbahn: Der Sturm auf die reservierten Plätze
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Unbekannt war uns, wie reservierte und bezahlte Sitzplätze in der Bahn ganz selbstverständlich okkupiert werden. Als wir in Köln die unsrigen schon besetzt vorfanden, mussten wir aber nicht um unser Sitzplatzrecht kämpfen. Die beiden Personen erhoben sich sogleich und verschwanden. Als wir dann fürs Mittagessen in den Speisewagen wechselten, informierten wir unsere Sitznachbarn, dass wir nichts dagegen hätten, wenn unsere Plätze zwischenzeitlich benützt würden. Aber wenn wir zurückkämen, möchten wir sie wieder einnehmen.
 
Ganz anders das Erlebnis unserer Tochter Letizia. Auf einer Reise nach München fand sie ihren reservierten Sitzplatz ebenfalls besetzt vor. Es sass da eine Frau, und die war nicht bereit, wegzugehen. Sie sagte, sie habe sich hier bereits zum Arbeiten eingerichtet. Es gebe ihn diesem Wagen gewiss noch freie Plätze.
 
Einer ähnlich sturen Person sind wir dann in Düren begegnet, konnten zuschauen, wie sich 3 Autos so verfahren hatten, dass 2 hintereinander angefahrene Fahrzeuge gefangen waren, weil eine entgegenkommende Autofahrerin um ein parkiertes Auto herum kurven wollte und mehr als die halbe Strassenseite beanspruchte. Diese Frau war mit freundlichen Worten nicht zu bewegen, zurückzufahren. Der nur geringe Verkehr stand still. Man wartete. Es wurde nicht gehupt. Es dauerte sehr lange, bis sie einsah, dass sie der Bitte nachkommen musste. Sogar im eigenen Interesse, denn auch ihr Auto war gefangen. Nur sie allein konnte die Blockade auflösen. Der hohe Trottoirrand in der Gegenrichtung verhinderte, dass die Entgegenkommenden hätten ausweichen können.
 
Es war ein Beispiel, wie Kriege entstehen oder abgewendet werden können.
 
Wieder zurück in der Bahn: Da tönte eine Durchsage aus dem Lautsprecher. Ich sagte zur mir gegenüber sitzenden Frau, ich hätte diese nicht verstanden. Sie auch nicht. Aber sie wisse, was mitgeteilt werden wollte. Es seien immer dieselben Nachrichten. Verspätung. Keinen Anschluss an den fahrplanmässigen Zug.
 
Da dämmerte es mir. Darum wollen junge Leute, die auf diesen Strecken reisen, keine Sitzplatzreservation bezahlen. Wenn der Zug abgefahren ist, ist auch der bestellte Sitzplatz fort, also verloren. Anfänglich störte es mich, dass man um einen bestellten und bezahlten Platz bitten musste. Jetzt wussten wir Bescheid.
 
Wir dachten auch noch über die Frau im Auto nach. An jenem Ort befindet sich ein Krankenhaus. Vielleicht kehrte diese in unseren Augen sture Frau von einer Behandlung zurück, hatte möglicherweise ein beruhigendes Medikament erhalten, das rasches Handeln verunmöglichte. Wenn wir immer alles schon wüssten, hätten wir mehr Verständnis für scheinbar egoistisches Verhalten.
 
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