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BLOG vom 16.02.2014


Recherchen 11: Hilft Rosenwurz bei Gedächtnisschwäche?
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Kürzlich erhielt ich eine Anfrage aus dem Leserkreis, ob ich gute Mittel zur Gedächtnissteigerung wisse. Die Leserin ist etwas beunruhigt, weil ihr Mann unter Vergesslichkeit und Ermüdungserscheinungen leidet. Sie wollte auch wissen, wie gut Rosenwurz helfe, da sie in diversen Publikationen nur Gutes darüber gelesen hatte.
 
Meine Recherchen brachten es an den Tag: Es gibt in der Tat gute Mittel aus der Natur, um das Gedächtnis auf Trab zu bringen oder zumindest demente Erscheinungen hinauszuzögern.
 
In meinem Blog vom 09.02.2011 „Gedächtnis 2: Brainfood und andere Hilfen für Denksportler“ wies ich schon auf diverse Mittel hin. Hier ein Auszug über Ginseng und Ginkgo:
 
Ginkgo und Ginseng
Unter den Heilpflanzen zur Verbesserung der Gehirnleistung steht sicher Ginkgo biloba an 1. Stelle. In China als „Baum der Erkenntnis“ gepriesen und als Tempelbaum geschätzt, hatte Ginkgo schon sehr früh Bedeutung. In der westlichen Medizin wird der konzentrierte Extrakt aus den Blättern als Mittel bei Durchblutungsstörungen von Gehirn und Extremitäten verordnet. Die therapeutische Wirksamkeit wurde inzwischen durch viele pharmakologische und klinische Studien belegt. Besonders profitieren jene Menschen von einer Medikation, die unter Gedächtnislücken, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Ohrensausen, Schwindel, also unter den häufigsten Symptomen einer altersbedingten Hirnleistungsstörung, leiden. Darüber hinaus verbessern die Inhaltstoffe die Fliesseigenschaften des Bluts. Zubereitungen von Ginkgo erhöhen die Beweglichkeit der roten Blutkörperchen und verhindern eine Verklumpung der Blutplättchen.
 
Ginseng geniesst ebenfalls einen guten Ruf. Die Inhaltsstoffe der Wurzel steigern die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bei Schwäche- und Erschöpfungszuständen. Die Widerstandskraft ganz allgemein und die Anpassung des Organismus bei Stress kann durch die Wurzel günstig beeinflusst werden. Offenbar sind auch die Ginsenoside befähigt, die Konzentration verschiedener Botenstoffe (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin) in der Hirnrinde zu erhöhen.
 
Rosenwurz hilft bei Erschöpfung
Arzneimittel auf der Basis von Rosenwurz haben sich bewährt bei Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebschwäche, beruflicher Überlastung, Reizbarkeit, Examensangst, Stress-Symptomen, Lampenfieber und Gedächtnisschwäche. Es hilft quasi dem Gehirn auf die Sprünge. Die populäre Rosenwurz gehört wie der Ginseng und die Taigawurzel zur Gruppe der Adaptogene. Die Rosenwurz schützt darüber hinaus auf Grund der antioxidativen Wirkung unsere Zellen vor Schädigungen.
 
Die Rosenwurz (Rhodiola rosea L.) gedeiht in den Gebirgsregionen der europäischen Alpen (z. B. in den Dolomiten), im Felsgestein auf Geröllhalden und auf Bergregionen von Asien, Nordamerika, Sibirien und Skandinavien (Finnland, Schweden). Die für Arzneien verwendeten Wurzeln stammen zum grössten Teil aus dem Altai-Hochgebirge. In der alpinen Schweiz wurden inzwischen erfolgreiche Anbauversuche unternommen.
 
Die sukkulente Rosenwurz ist eine Überlebenskünstlerin. Sie verträgt tagsüber eine intensive Sonnenbestrahlung und nachts eine erhebliche Abkühlung.
 
Gesammelt werden die Wurzeln zur Blütezeit. Der Name Rhodiola kommt vom Griechischen „rhodon“, was Rose bedeutet. Die fingerdicke, knollige Wurzel verströmt nämlich einen ganz zarten rosenartigen Duft.
 
Welche Inhaltsstoffe hat die Wurzel zu bieten? Es sind der Hauptwirkstoff Salidrosid (0,8 bis 1 %), Phenylpropanderivate, Flavonoide, Monoterpene, Triterpene und Phenolsäuren.
 
Hilfreich bei Müdigkeit
Ein Wurzelextrakt der Rosenwurz (Rhodiola rosea) wird bei Müdigkeit, tiefer Erschöpfung bis zum Burnout-Syndrom, bei leichten Depressionen und als unterstützendes Mittel zur Stärkung und Erhöhung der Widerstandskraft verwendet. Der Extrakt hilft dem Körper, in belasteten Situationen mit Stress besser umgehen zu können, er beruhigt bei Stress, ohne müde zu machen. Er erhöht die natürliche Widerstandskraft, schützt die Zellen vor Zellschäden (wirkt antioxidativ), beugt chronischen Krankheiten und vorzeitiger Alterung vor. Die Rosenwurz erhöht auch die Belastbarkeit bei Prüfungsstress.
 
Einige interessante Studien
Die Wirkungsweise wurde vor allem in Skandinavien, Russland und Armenien erforscht. Bei Studenten wurden nach Gaben des Extraktes die geistige Leistungsfähigkeit sowie die neuromotorischen Fähigkeiten während einer Prüfperiode erhöht.
 
Eine andere Studie wurde im Zentrum für Gesundheit und Epidemiologie durchgeführt. 161 russische Kadetten wurden für die Studie ausgesucht. 2 Gruppen erhielten den Wurzelextrakt, eine Gruppe Placebo und eine weitere Gruppe wurde zur Kontrolle herangezogen. Teilnehmer in der Gruppe, die Rosenwurzextrakt erhielt, ermüdeten weniger und zeigten eine bessere mentale Funktion gegenüber der Kontrollgruppe.
 
Eine weitere Studie: 54 Ärzte wurden im Neurologischen Institut der Armenischen Staats-Universität in Yeriwan untersucht. Die Versuchsteilnehmer erhielten einen Rhodiola-Extrakt. Sie wollten herausfinden, wie sich das Medikament auf die geistige Leistungsfähigkeit und die stressinduzierte Ermüdung während der Dienstzeiten mit Nachtschichten auswirkt. Das Ergebnis war verblüffend: Die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit bei Nachtschichten wurde nach einer mehrwöchigen Einnahme um 20 % verringert.
 
Rosenwurz stärkt emotionale Stabilisation, bringt Energie in Phasen grosser Erschöpfung.
 
D. Edwards, A. Heufelder und A. Zimmermann publizierten in „Phytotherapy Research“ (August 2012) eine Studie mit einem hochstandardisierten Extrakt (WS®1375). 101 Patienten im Alter zwischen 30 und 60 Jahren nahmen daran teil. Die Patienten litten unter Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, Erregbarkeit, Angstzuständen und zeigten eine verminderte Lebensfreude. Die Patienten erhielten zweimal täglich Rosenwurz-Tabletten mit je 200 mg des Extraktes. Nach 4 Wochen Einnahme wurde beurteilt. Es kam zu einer Verbesserung der Symptome. Etliche klagten über schwache Nebenwirkungen (z. B. Magen-Darm-Beschwerden, Unruhe).
 
Eine englische Forschergruppe untersuchte die bisher vorliegenden Studien bezüglich Wirksamkeit der Rosenwurz. 8 von 11 Studien wurden positiv bewertet. 7 Studien hatten das Ziel, die Wirksamkeit bei körperlicher Anstrengung wie Radfahren, Armbeugen, zu beurteilen. Rosenwurz konnte die körperliche Erschöpfung mildern und die körperliche Fitness steigern. Carstens-Stiftung: „Ähnliches zeigt sich auch bei psychischer Erschöpfung: Auch hier kann Rhodiola rosea helfen, die mentale Leistungsfähigkeit zu steigern, z. B. indem die Reaktionszeit verkürzt oder das Kurzzeitgedächtnis gestärkt wird.“ In 2 Studien zeigte der Rosenwurzextrakt bei Burnout-Syndrom und bei Depressionen eine Überlegenheit gegenüber Placebo.
 
Dr. Werner Schneider von der Carstens-Stiftung (www.carstens-stiftung.de) kommentiert die Wirksamkeit von Rosenwurz so: „Ich verschreibe und empfehle meinen Patienten seit Jahren Rosenwurzextrakt. In meiner fast 20-jährigen Praxistätigkeit habe ich damit überaus gute Erfahrungen machen können. Meine Patienten sind zufrieden.“
 
In einer chinesischen Doppelblind-Studie wurde ermittelt, dass eine Überlegenheit von Rosenwurz gegenüber Placebo beim Burnout-Syndrom nicht festgestellt werden konnte. Der Grund dafür, dass Studien verschiedene Ergebnisse liefern, liegt u. a. daran, dass unterschiedliche, und keine standardisierten Extrakte verwendet wurden.
 
Die Heilkräuterkundige und Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule, Ursel Bühring, kennt viele Anwender, die gute Erfahrungen mit der Rosenwurz gemacht haben und überaus dankbar für diese Pflanze waren. Allerdings: Vor der Feststellung des Burnout-Syndroms steht immer eine exakte Diagnose, denn Erschöpfung kann unterschiedliche Ursachen haben – und diese müssen auch bei Studien berücksichtigt werden!
 
Einnahmehinweis: Ursel Bühring empfiehlt in ihrem Buch „Kuren für Körper und Seele“ eine 2 bis 3 Monate lange Einnahme des Rosenwurztees oder eines Präparates (Kapseln, Dragees, Tinkturen), dann Pause, später kann das Präparat wieder eingenommen werden. Die Präparate vor dem Frühstück und vor dem Mittagessen einnehmen – nicht später, da sie das Einschlafen stören könnten.
 
Kontraindikationen: Zubereitungen nicht anwenden bei Überempfindlichkeit, eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, während der Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren. Wenn keine Besserung eintritt, sollte ein Therapeut aufgesucht werden.
 
Zubereitung von Rosenwurztee
5 g Wurzel sehr fein schneiden (der Wurzel entströmt ein feiner Rosenduft), dann mörsern und mit 350 ml Wasser 30 Minuten lang bei geschlossenem Deckel köcheln. Danach abgiessen und geniessen.
 
 
Literatur
Bühring, Ursel: „Kuren für Körper und Seele“, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2013.
Scholz, Heinz: „Rosenwurz, wacher Kopf und gute Nerven“, Kneipp-Journal 09/2013.
Vonarburg, Bruno: „Rosenwurz/Rhodiola rosea L." , 2013 (zitiert aus einer vom Autor zugestellten Kopie).
 
 
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