Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     18. Januar 2018, 22:22 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 26.06.2014


Reaktionen auf Blogs (145): Illusionen, Religionen und Geld
Zusammenstellung der Blog-Reaktionen: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Als Blog vom 15.06.2014 (Trinitatis, Dreieinigkeit: eine illusionäre Religionsgrundlage) haben wir eine aufrüttelnde Mischung aus Kritik, Satire und Glosse über das Illusionäre an christlichen Glaubensinhalten publiziert, die der deutsche Religions- und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner (verstorben am 08.04.2014 in Hassfurt D) vor über 20 Jahren verfasst hat. Der Autor der 10-bändigen „Kriminalgeschichte des Christentums“ zog unbeschwert vom Leder und tat so ein Weiteres, um seine Leser zum Nachdenken zu veranlassen, auf welch kuriosen Vorstellungen das Christentum aufgebaut ist. Solche Darstellungen jenseits der unreflektierten Glaubensbereitschaft sind selten, weil die Religionskritik noch heute ziemlich tabuisiert.
 
Deschners Satire orientierte sich offensichtlich eher am Vordergründigen und vermochte unseren Blogger, Historiker und Schriftsteller Pirmin Meier aus Beromünster LU, in fachlicher Hinsicht nicht zu überzeugen. Er schrieb uns nach der Lektüre des Dreifaltigkeitsblogs, sich um strikte Religionswissenschaftlichkeit bemühend, was folgt:
 
Lieber Walter Hess!
Bei der Dreieinigkeit kommt es nicht auf das Konzil von Nicäa an, noch weniger auf Karlheinz Deschner. Eher schon auf Dionysios Areopagita, den man zwar falsch einschätzte als Gefährten des Apostels Paulus; er war so oder so der Begründer der christlichen Mystik, zusammen mit Plotin. Am meisten mit der Dreieinigkeit anfangen konnte Meister Eckhart, bei dem sich die Frage nach der Existenz Gottes und der Seele auflösen. Weil es auf die sogenannte Gottesgeburt in der Seele ankommt, wie der Japaner Takashi Ueda es 1965 auf einen Buchtitel gebracht hat, ist dies natürlich ein uraltes Motiv. Das lässt sich via Blog-Talk nicht angemessen abhandeln.
 
Meister Eckhart, bei dem sich auf diesem Wege die Frage nach der Existenz Gottes und der Seele auflösen. „Gott“ verwirklicht sich als der Seinsgrund in mir, etwas, das mit mir nicht identisch und doch in mir ist. Die Dreifaltigkeit ist insofern die Begegnung des Ich mit einer Orientierung, die mit diesem nicht identisch ist, was Eckhart das Verhältnis des Sohnes (Ich) zum Vater (Nicht-Ich) nennt. Die Vereinigung, Selbstfindung, bei Eckhart auch Liebe genannt, ist der Heilige Geist, übrigens das weibliche Element in dieser Dreiheit.
 
Eckhart verbindet die Substanz der asiatischen Mystik mit europäischer Intellektualität. Das ist nun mal halt auch eine ganz andere Liga als Deschner. Es lohnt sich, sich damit 40 Jahre auseinanderzusetzen. Die Dreifaltigkeit ist, wie die geometrische Mystik von Niklaus von Cues und von Blaise Pascal, die aus meiner Sicht intellektuell stärkste Darstellung des Gottesproblems in der bisherigen Geschichte der Menschheit. Ich hoffe, in meinem Mystikbuch noch darauf zurückkommen zu können. Im August 2014 erscheint die 3. Auflage meines Werks über Klaus von Flüe.
 
Besuchte übrigens soeben die Gräber von Franz Anton Mesmer in Meersburg D am Bodensee, fast gleich daneben auf dem selben Friedhof Fritz Mauthner, einer der wichtigsten Atheisten, und Annette von Droste-Hülshoff, die bedeutendste religiöse Dichterin aller Zeiten. Es braucht übrigens dazu, wie für die Musik, eine gewisse Begabung.
 
Allerdings ist es schwer, sich über die Dreifaltigkeit auszulassen, wenn man sich nicht ein paar Jahre hauptsächlich, als Hauptforschungsinhalt, damit befasst hat. Ich warne bloss vor irgendwelchem Geschwätz darüber.
 
Das rätselhafteste und geheimnisvollste Buch in der Schweiz, ich habe in meiner Paracelsus-Biographie daraus eine Regenbogenillustration genommen, ist „Das Buch der heiligen Dreifaltigkeit“ des Mönchs Ulmannus, welches Paracelsus zu seiner Regenbogenauslegung 1531 in der Bibliothek seines Gastgebers Bartlome Schobinger mutmasslich studierte, es gibt jedenfalls in seiner St. Galler Regenbogenschrift ein Zitat daraus. „Das Buch der heiligen Dreifaltigkeit“ gilt bei Fachleuten als der schwierigste Text der spekulativen Alchemie. Ausserdem ist es ein absolutes Wunder von einer Handschrift; ich habe in meinem ganzen Leben noch nie was Vergleichbares in Händen gehalten. Allein schon die St. Galler Illustrationen sind absolut epochal. Als Metapher war die Dreifaltigkeit in der Geschichte der europäischen Alchemie von ebenso epochaler Bedeutung.
 
Pirmin Meier
 
Mit meinem Dank für diese weiterführenden Anmerkungen verband ich Hinweise auf meine persönlichen Empfindungen, die selbstredend nicht in einen theologischen Tiefgang abtauchten:
 
Die Darstellung von Karlheinz Deschner habe ich als so etwas wie eine Satire oder Glosse über einen theologischen Begriff empfunden, der dem unkundigen Christen als Kuriosität anmutet: Dreifaltigkeit. So etwas übersteigt meinen Horizont.
 
Meines Erachtens haben beide Sichtweisen, die fachlich-theologische und die von Unverständnis getragene kritische, durchaus ihre Berechtigung, was Deinen Beitrag umso wertvoller macht.
 
wh.
 
Darauf reagierte der historiographische Schriftsteller Pirmin Meier zu meiner Genugtuung mit einem gewissen Einverständnis:
 
Dass die Dreieinigkeit das Christentum wegen dialektischer Überforderung eigentlich unverkäuflich macht, ist auch ziemlich klar; immerhin erklärte es St. Patrick mit dem Kleeblatt für die Jugend. Ich habe es in meinem Buch „Der Schmied von Göschenen“ dargestellt. Die alte Kirche von Andermatt ist St. Kolumban gewidmet. Es gibt dort einen Gedenkstein für Iren, die zur Zeit des 30-jährigen Krieges den St. Gotthard überquerten. Du siehst, als Kulturhistoriker habe ich vor der heiligen Dreieinigkeit wenigstens so viel Respekt wie, sagen wir mal, vor einer Rätselfigur der Osterinsel. Bitte es mir also nicht übel zu nehmen, wenn ich schnelle Urteile über solch ein Thema zurückweise.
 
PS. Mein verstorbener Kollege Gert-Klaus Kaltenbrunner schrieb, nach etwa drei Dutzend selber verfassten Büchern und über 100, die er herausgab, ein tausendseitiges Werk über Dionsysios Areopagita und schwieg dann 20 Jahre lang. Das erinnert mich an das letzte Lebensjahr von Thomas von Aquin, als er sein Gesamtwerk als „Stroh“ bezeichnet hatte, wiewohl die Summa theologica nicht zu unterschätzen ist, noch weniger das Gesamtwerk von Albertus Magnus, ohne das ich bei meinem „Paracelsus“ nicht ans Ziel gekommen wäre. Eckhart, Pascal, Cusanus sowie Dostojewski mit dem Grossinquisitor sind allerdings noch bedeutender. Der Grossinquisitor enthält auf 70 Seiten alles, was Deschner je gesagt hat, plus das, was ihm verschlossen blieb, das ist ehrlich gesagt auch eine Frage der intellektuellen Begabung und Genialität. Erasmus von Rotterdam vermerkte mit Recht, dass der heilige Geist im Neuen Testament gelegentlich versagt habe, und mein bisher bester Schüler im Fach Religion vermerkt, ihn überzeuge Jesus bei Dostojewski, der dort übrigens hervorragend verstanden wurde, stärker als bei Matthäus.
 
Pirmin
 
Soweit der Briefwechsel. Gut fundierte, kritische Auseinandersetzungen sind ein Elixier zur Geistesverjüngung, das jedem publizistischen Schaffen zugute kommt. Ich vertrete gern meine eigenen Standpunkte, schätze im Übrigen kontroverse, fundierte Auseinandersetzungen, die ja zur Meinungsfreiheit gehören. Die Leser haben ein feines Gespür dafür, was an Wissen und Erkenntnis hinter einer Stellungnahme steckt. Einem Journalisten wie mir steht es nicht an, darüber zu richten. Schon seine Vermittlerrolle allein ist ehrenwert, wenn er sich nicht als Totschweiger beschäftigt und nur das weitergibt, was zu seinem eigenen Kram passt.
 
Namensforschungen sind keine Kleinigkeit
Offensichtlich interessiert sich Pirmin Meier für alles Menschlich-Allzumenschliche und dessen Hintergründe und Verknüpfungen, woraus auch die Fülle an Wissen erklärbar wird, die er in jeder seiner Arbeiten ausbreitet. Zu meinem Blog „Woher kommen Familiennamen wie Hess, Hesse, Hesso?“ vom 12.06.2006 liess er sich wie folgt verlauten:
 
Lieber Walter,
 
solche Themen sind keine Kleinigkeit; denn Namen erzählen Geschichten, was ja auch Josef Zihlmann sehr hervorhob. Selber kommt jener in meinem Buch über den Schmied von Göschenen vor. Er, der „Stefan der Hess“, ist der Schreiber des Bischofs. Dies ist eigentlich ein Bezug zum hervorragenden Basler Historiker Stefan Hess, der eine Zeitlang, aber nur kurz, Direktor des Museums Aargau in Lenzburg war. Er will lieber forschen als Leute führen, darum leitet er derzeit das kleinere Museum in Liestal.
 
Herzlich
Pirmin
 
Zum Namensthema äusserte sich auch Heinz Scholz aus Schopfheim D, den unsere Nutzer als eifriger Blogger vor allem in Bezug auf Gesundheitsfragen kennen:
 
Es ist immer interessant, zu erfahren, woher die Namen kommen. Mein eigener Familienname Scholz stammt aus dem Schlesischen und bedeutet Dorfschulze, also ein Vorsteher der Dorfgemeinde, der die Abgaben der Dorfsassen an die Grundherren einzuheischen hatte. Im Sudeten-Sächsischen war dafür die Berufsbezeichnung „Richter“ üblich. Einige (oder nur einer) meiner Vorfahren waren also wichtige Leute. Quelle: „Deutsches Namenlexikon”, Gondrom-Verlag, München 1967.
 
Eine Stammesurkunde liegt nicht vor. Bei der Aussiedlung gingen viele Dokumente verloren, sogar meine Geburtsurkunde (meine Grossmutter legte bei einem Notar eine eidesstattliche Erklärung ab, so dass ich eine Ersatzurkunde habe).
 
Im „Deutschen Namenlexikon“ steht das Folgende über Hesse, Heß:
Im allgemeinen Stammesname wie Franke, Bayer, Schwabe, Sachs ... mitunter auch nur Beziehungen andeutend. Vgl. Markgraf Rudolf von Baden, „dem man sprichet Hesse”. Am Oberrhein Kurzform (Koseform) zu Hermann.
 
Auch Hessel, Hetzel, Hesselin, Hesso waren ab 1100 bekannt. Hesso und Hezelo (mit Sohn Hermann) waren die Gründer des Klosters St. Gallen.
 
Heinz Scholz
 
Vollgeld-Initiative: Unterschriftensammlung läuft
So führen Internet-Publikationen immer wieder zu wichtigen neuen Erkenntnissen. Zu unseren Themen im www.textatelier.com gehören auch regelmässig Finanzfragen, weil das politische Geschehen praktisch immer mit solchen verbandelt ist, ob im privaten, kommunale, kantonalen, nationalen oder globalen Bereich.
 
Ein wichtiges Ereignis, das in diesen Zusammenhang gehört, ist die schweizerische Vollgeld-Initiative, für welche die Unterschriftensammlung angelaufen ist. Alex Schneider schrieb dazu:
 
Nur 10 Prozent der umlaufenden Geldmenge sind Münzen oder Noten der Nationalbank. 90 Prozent der Geldmenge sind kein Nationalbankgeld, sondern Giralgeld der Geschäftsbanken. Ein Kredit wird von Banken nicht aus Spargeldern von anderen Bankkunden weitervermittelt, sondern per Gutschrift praktisch selbst aus dem Nichts geschöpft. Finanzinstitute sind Geldschöpfungsmultiplikatoren. Limitiert wird diese Kreditgeldschöpfung durch Mindestreserven und durch Eigenkapitalvorschriften. Diese Begrenzungen sind aber wenig wirksam und können umgangen werden. Deswegen kommt es immer wieder zu Blasenbildungen. Das führt zwar nicht immer zu Inflation, aber treibt die Spekulation an – zurzeit insbesondere auf dem Immobilienmarkt.
 
Die Vollgeldreformer Joseph Huber, Hans Christoph Binswanger und der Schweizer Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) fordern in ihrer Initiative, dass es statt Buchgeld der Geschäftsbanken nur Vollgeld – das ist Zentralbankgeld – gibt. Nur die Notenbank soll Geld schöpfen dürfen und nicht die Geschäftsbanken.
 
Mit einer Vollgeldreform wäre das Geld auf dem Bankkonto in vollem Umfang von der Notenbank gedeckt. Die Sparguthaben wären in einer Bankenkrise deshalb nicht gefährdet. Vor allem aber würde aus dem per Kreditschuld geschöpften Giralgeld gedecktes Geld. Die Geschäftsbanken vergäben Kredite nur mit vorhandenem Vollgeld, das sie sich von Sparern oder auf dem Finanzmarkt besorgen.
 
Mit einer Vollgeldreform würde die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge erlangen und könnte damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.
 
Freundliche Grüsse
Alex Schneider
Haselrainstrasse 21
5024 Küttigen
 
Fortsetzungsroman aus Nachlässen
Fortsetzungsromane sind in allen Lebenssegmenten an der Tagesordnung; denn es gibt kaum etwas, das endgültig ad acta gelegt werden kann ... uns selbst wenn es dort gelandet ist und verstaubt, geht die Geschichte weiter, auch wenn sie vielleicht nur von Bücherwürmern oder ähnlichen Abbau- und Umwandlungslebewesen weitergeschrieben wird.
 
Gerd Bernardy schreibt einen Fortsetzungsroman aus Nachlässen, von dem bereits 8 Folgen erschienen sind:
 
Thomas Ramdas Voegeli (E-Mail: kristall@gmx.ch) geniesst das anregende Werk, das sich auf abenteuerliche Art weiterentwickelt:
 
Dies ist eine Art der Erzählung, die ich mag. Ich fange misstrauisch an: Der Ablauf fesselt mich durch schnörkellose Ehrlichkeit, und ich möchte den weiteren Verlauf brennend gerne erfahren.
 
Wer schreibt das, wer ist der Autor?
 
T. R. Voegeli
 
Die Antwort des Autors Gerd Bernardy
 
Guten Tag Herr Voegeli,
 
vielen Dank für Ihre Zuschrift!
 
Es freut mich, dass ich Ihr Interesse geweckt habe, und dass Sie darauf gespannt sind, wie es weiter geht! Ich verspreche Ihnen, es wird spannend, und es werden Probleme angeschnitten, die über das Literarische hinausgehen.
 
Ein paar Worte zu meiner Person: Vor etwa 2 Jahren habe ich die Website www.textatelier.com entdeckt, als ich als Dozent auf Zeit am Goethe-Institut in Bangalore/Indien nach Texten für meinen Unterricht suchte, die ich dort fand. Ich kam auf die Idee, selbst zu schreiben.
 
Auf die Idee, einen Fortsetzungsroman zu verfassen, kam ich erst etwa Anfang dieses Jahres 2014. Es ist mein erster Roman. Ich habe bisher noch nichts ausserhalb des Internets publiziert.
 
Ich bin Deutscher, 65 Jahre alt, Lehrer, war lange Zeit im Dienst eines Schulbuchverlages, habe im Zusatzstudium die Qualifikationen „Erwachsenenbildner und Dozent für Deutsch als Fremdsprache“ erworben. Ich empfinde eine Faszination für alle Aspekte der (deutschen) Sprache.
 
Um auf meine Fortsetzungsgeschichte zurückzukommen: Der Verlauf steht noch nicht fest, nur die nächsten Fortsetzungen sind in meinem Kopf „vorhanden“, und ‒ ehrlich gesagt ‒, ich bin selber gespannt darauf, wie es dem „Schreiber der Lebensbeichte“ noch ergangen ist.
 
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen – und bleiben Sie mir treu!
 
Freundliche Grüsse
Richard Gerd Bernardy
 
Der Fortsetzungsroman bewegt sich, wie vieles andere, im Illusionären, das es durchaus in sich hat, Täuschungen als Darstellung der Wirklichkeit erleben zu lassen. Die Grenzen sind nie genau auszumachen.
 
 
Hinweis auf die bisher erschienenen Reaktionen auf Blogs
 
 
 
Informationen und Gedanken in Kürzestform
 
Über 3600 Tweets können unsere Nutzer einsehen und lesen:
 
Ganz einfach den Icon mit dem stilisierten Twitter-Vögeli auf unserer Startseite
 
 
anklicken. Anregungen und auch etwas Spass für Eilige.
 
Selbstverständlich sind wir auch auf Facebook zu finden:
 
 
Neue Tweet-Follower und Facebook-„Freunde“ sind jederzeit willkommen.
 
Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier