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BLOG vom 29.06.2014


Recherchen 13: Welche Ursachen haben Muskelkrämpfe?
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Gestern habe ich bei warmem Wetter den ganzen Tag hart im Garten gearbeitet, war dann ziemlich erschlagen und habe deshalb ½ Liter Coca-Cola getrunken. Etwa 4 Stunden später hatte ich Krämpfe an beiden Beinen und beiden Armen, konnte mich kaum noch bewegen, trank je eine in Wasser aufgelöste Brausetablette mit Magnesium- und Kalzium und hatte Ruhe. Offenbar ist es so, dass ein Phosphorsäure-Überschuss (E338) zusammen mit einer erschwerten Kalziumaufnahme, die durch Phosphorsäure herbeigeführt werden, solche Muskelkrämpfe auslösen kann. Welche Ursachen kommen für einen Muskelkrampf in Frage? Welche Rolle spielt dabei die Phosphorsäure? Für eine Stellungnahme wäre ich Ihnen dankbar.“
H. W.
 
Antwort
Offenbar hat der Fragesteller zu hart gearbeitet und das Falsche getrunken. Schon früher sagte mir ein Fachmann, man solle bei körperlicher Arbeit mehr Ruhepausen einlegen, sich altersgerecht anstrengen und das Richtige trinken.
 
Die Hauptursache für Muskelkrämpfe ist ein Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt. Durch einen Mangel an Salzen kommt es zu Störungen in der Erregbarkeit der Muskelfasern. Die Störungen werden durch starkes Schwitzen oder mangelnde Flüssigkeitszufuhr ausgelöst (www.netdoktor.de).
 
Auch ein Ungleichgewicht der Magnesium-, Kalzium-, Kalium- und Natriumkonzentration ist möglich. Bei Muskelkrämpfen ohne sportliche Tätigkeit kann ein Mangel an Kalzium vorliegen. Bei nächtlichen Wadenkämpfen liegt oft ein Magnesiummangel vor.
 
Und noch etwas scheint als Ursache in Frage zu kommen: Wenn man nämlich von Wärme plötzlich in die Kälte kommt (also in gekühlte Räume) können Krämpfe entstehen. Auch manche Medikamente sind an Spasmen beteiligt.
 
Welche Rolle spielt das Kalium?
Nach einer Untersuchung am Sportmedizinischen Institut der Uni Freiburg hatte jeder 5. Sportler bedenklich erniedrigte Kaliumwerte und nahezu 40 % wiesen einen für Leistungssportler nicht akzeptablen Grenzwert auf. Folgen eines Mangels sind Einschränkung der Herztätigkeit und Leistungsabfall.
 
Tipp: Gerade viele Freizeitsportler und auch schwer arbeitende Gartenliebhaber machen nach Abschluss der schweisstreibenden Tätigkeit den Fehler, kräftig Bier oder Cola zu trinken. Dies ist völlig verkehrt, denn Alkohol fördert die weitere Ausscheidung von Mineralstoffen, und Cola hat ja kaum etwas solch wichtigen Stoffen, sondern hauptsächlich Zucker und Wasser zu bieten.
 
Elektrolytgetränke, Mineralwässer, Mixturen aus Mineralwasser und Apfelsaft, Trockenobst, Nüsse, Bierhefe, Nussmus, „Studentenfutter“, Bananen und Kartoffelgerichte sind besser geeignet, um die Mineralstoffvorräte wieder aufzufüllen.
 
Welche Rolle spielt das Magnesium?
Wer viel schwitzt (Leistungssportler, Glas- und Hochofenarbeiter, Saunabesucher, Freizeitsportler), verliert nicht nur Kalium, Natrium und Kalzium, sondern auch Magnesium.
 
Bei Stress, auch bei Lärmstress, wird Magnesium in geringeren Mengen aus dem Darm resorbiert und zusätzlich vermehrt mit dem Urin ausgeschieden (bis zu 15 %). Magnesium kann den Anstieg der Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin im Blut dämpfen.
 
Wie schon erwähnt, kann ein Mangel an Magnesium zu muskulären Verkrampfungen führen („Ameisenlaufen“, „Kribbeln“, Taubheit, Wadenkrämpfe, Nackenkrämpfe, Verspannungen, Hinterkopfschmerzen). Aber nicht nur das, es können sich auch Eingeweidekrämpfe, nervliche Krampfformen und Herz- und Blutgefässverkrampfungen (Herzenge, Herzschmerzen, Herzjagen, Herzdruck, Rhythmusstörungen) bemerkbar machen. Weitere Mangelerscheinungen sind Taubheitsgefühle in den Händen und im Gesicht, Kau- und Schluckkrämpfe oder Schnauzkrämpfe (in den Lippen).
 
Welche Rolle spielt das Kalzium?
Bei einem Mangel an Kalzium kommt es zu Krampfanfällen (Tetanie). Bei zu niedriger Kalziumzufuhr muss der Körper Kalzium aus den Knochen entnehmen. Im Wachstumsalter stellt sich eine Verminderung der Knochendichte ein. Kommt zum normalen Verlust an Knochenmasse im Alter noch ein Mangel an Kalzium hinzu, wird die Knochenmasse vermehrt abgebaut, und es entsteht die Osteoporose.
 
Cola und andere phosphathaltige Produkte (Wurst, Schmelzkäse) wirken übrigens resorptionshemmend!
 
Welche Rolle spielt das Natrium?
Das Natrium ist wichtig für Muskeln und Nerven. Ohne Natrium gäbe es keine Muskelbewegung und keine Schmerzempfindung. Ohne Natrium wäre unser Körper nicht in der Lage, Wasser zu speichern.
 
Ein Natriummangel ist in unseren Breiten eine Seltenheit. Der grösste Teil der Bevölkerung führt nämlich genügend Natrium zu. Dennoch kann es fallweise zu Mangelerscheinungen kommen, beispielsweise durch eine Schwächung der Nebenniere oder einer extrem natriumarmen Ernährung, durch starkes Schwitzen, harntreibende Medikamente, starkes Erbrechen oder Durchfälle.
 
Mit Natrium unterversorgte Menschen sind teilnahmslos, es fehlt die Antriebskraft; sie sind verwirrt, und es kann sogar Bewusstlosigkeit auftreten. Weitere Anzeichen eines Mangels sind Übelkeit, Erbrechen, fehlender Durst, Appetitmangel, niedriger Blutdruck, Kollapsneigung, Steigerung des Pulses, verminderte Harnausscheidung, Ermüdbarkeit und Muskelkrämpfe.
 
Welche Rolle spielt das Phosphat?
Phosphor bzw. Phosphat ist ein wichtiger Baustein für Knochen und Zähne. Phosphat reguliert den Säure-Basen-Haushalt und ist ausserdem wichtig für den Aufbau von Zellmembranen und als Energieüberträger. Ohne Phosphat gäbe es keine Energie, keine „Verbrennung“ und keine Muskelarbeit.
 
Schäden durch eine hohe Phosphatzufuhr (vorausgesetzt, das Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist in Ordnung) sind bisher beim Menschen nicht bekannt geworden. Die übermässige Aufnahme von phosphathaltigen Nahrungsmitteln ist nach verschiedenen Theorien für die Hyperaktivität von Kindern verantwortlich.
 
Bernd Leitenberger (www.bernd-leitenberger.de/cola.shtml) schrieb, dass das Hauptproblem der Phosphorsäure darin bestehe, dass das Phosphat-Kalzium-Gleichgewicht durcheinander gebracht wird. „Normalerweise kommen beide Elemente in den gleichen Mengen vor, nun enthält aber Cola nur Phosphat und kein Kalzium. Bestimmte Wissenschaftler fürchten daher eine schleichende Entmineralisierung des Knochens durch die hohe Phosphataufnahme. Bisher fehlen aber noch die Beweise für diese These. Trotzdem kann man nichts falsch machen, wenn man Cola durch die kalziumreiche Milch auswechselt.“
 
Im Coca-Cola sind etwa 70 mg Phosphorsäure in 100 ml enthalten. Der Leser konsumierte also 5 Mal 70 mg, das sind 350 mg Phosphorsäure.
 
Auf jeden Fall sollte unser Fragesteller nach einer schweisstreibenden Tätigkeit kein Cola trinken und lieber mineralstoffreiches Mineralwasser oder ein Apfelschorle konsumieren. Aber nicht nur am Schluss der Tätigkeit, sondern auch zwischendurch.
 
Literatur
Scholz, Heinz: „Mineralstoffe + Spurenelemente“, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996.
 
 
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