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BLOG vom 15.07.2014


Elbsandsteingebirge 5: Labyrinth, Pfaffenstein, Barbarine
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Am 5. Tag unserer Wanderwoche im Elbsandsteingebirge standen 2 Wanderungen mit einer gesamten Wanderzeit von 5 Stunden auf dem Programm; Toni hatte im Vorfeld diese interessanten Touren akribisch geplant.
 
Wir fuhren über die Ortschaft Königstein nach Leupoldishain. Am Dorfplatz parkierten wir und entdeckten gleich das Glückauf-Wagen-Denkmal. Der kastenförmige Förderwagen war mit Abraummaterial gefüllt. Als wir den betrachteten, kam ein Dorfbewohner mit einem Besen in der Hand zu uns. Er wollte uns nicht verjagen, er war mit der Dorfputzete beschäftigt.
 
Hier wurde Uran abgebaut
Als ich den Mann auf einen Förderturm, der in der Ferne auf einer Anhöhe zu sehen war, aufmerksam machte und ich mich dafür interessierte, was hier abgebaut wurde, berichtete er uns vom Uranbergbau der Firma Wismut. Er erzählte uns, wie damals der Abbau erfolgte. Das uranführende Sandgestein wurde durch Sprengungen aufgelockert und mit schwefelsaurerer Lösung (4 g Schwefelsäure pro Liter) gelaugt. Insgesamt wurden 160 000 Liter Schwefelsäure eingesetzt und etwa 50 Millionen Tonnen Gestein mit der Lösung kontaktiert. Die uranhaltige Lauge wurde dann per Kesselwagen abtransportiert, und in Seelingstädt wurde das Uran extrahiert. Ab 1980 wurde eine Ionenaustauschanlage errichtet. Das uranhaltige Auswaschwasser wurde mit Bariumsalzen ausgefällt; der Uranschlamm wurde abgeschieden. Der aufwändige Transport mit Kesselwagen entfiel dadurch.
 
Die SDAG Wismut, eine sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft, betrieb bis 1990 den Abbau von Uranerz. Die Firma war zeitweise Arbeitgeber von mehr als 2200 Arbeitern. Im Bereich der Nikolsdorfer Wände gibt es eine Menge Stollen. Es gab 5 Schächte und 7 Wetterschächte, ein Streckennetz von 118 km. Es wurde ein Gesteinsvolumen von fast 9 Millionen Kubikmeter abgebaut. Die Stollen wurden nach und nach geflutet. Die Flutung wurde 2013 gestoppt, da man eine Kontaminierung des Grundwassers mit Uran und weiteren Schwermetallen verhindern wollte. Die Firma wird noch bis 2020 mit der oberirdischen Flächensanierung beschäftigt sein. Die Sanierungskosten zwischen 2001 und 2012 beliefen sich auf 334 Millionen Euro.
 
Bernhardstein und ein Kuriosum
Nach diesen wichtigen Informationen wanderten wir an den Nikolsdorfer Wänden vorbei in Richtung Labyrinth. Eine erste Besonderheit war die Naturbühne, die von einer senkrechten Felswand abgeschlossen war. Die Naturbühne mit 1100 Zuschauerplätzen wurde Ende der 1950er-Jahre im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks von den Dorfbewohnern errichtet. Zeitweise wurde die Bühne wegen des Uranabbaus in der Nähe geschlossen. Toni, unser versierter Sänger, schmetterte hier auf Wunsch der Wanderer eine Arie.
 
Wir gingen weiter und kamen an einem kleinen Naturwunder vorbei. Die Wurzeln eines Bäumchens umrankten einen mittelgrossen Stein. Ein Foto davon sandte ich an unsere Bloggerin Rita Lorenzetti. Sie antwortete mir am 24.06.2014 in einer E-Mail das Folgende:
 
„Zum Bäumchen dachte ich: Das ist Lebenskraft, Glaube an sich selber. Da hat ein Same einen eigentlich ungünstigen Platz vorgefunden, auf dem es dann aufgewachsen ist. Mit nur wenig Erde. Aber der Glaube ans Überleben, der half, nach langem Ausharren und Suchen, Mutter Erdes Boden zu erreichen. Dieses Bild sollte in Wartezimmer von Ärzten aufgehängt sein. Das würde Mut machen. Also bei mir würde das funktionieren.“
 
Bald kamen wir über einen steilen, teilweise über Treppen versehenen Aufstieg zum Bernhardstein. Von diesem Aussichtspunkt hatten wir einen prächtigen Blick auf markante Punkte der Sächsischen Schweiz. Wir sahen die Ruine Königstein, den Paffenstein, den Lilienstein und die Schrammsteine.
 
Vom Bernhardstein sollte man einen kleinen Abstecher zu einem überhängenden Felsen machen. Dort ist ein Kuriosum zu sehen. Auf einer Tafel wird berichtet, dass im Jahre 1851 hier ein Engländer, welcher als Gast auf dem Hermsdorfer Rittergut untergebracht war, ein Kind mit Jordanwasser taufen liess. Weitere Infotafeln informieren über den Gebirgsverein und über den einstigen Begründer des Vereins (1. Vorsitzender und Mühlenbesitzer Johann Wilhelm Kopprasch).
 
Im Labyrinth
Nach diesem Abstecher gingen wir den Weg etwas abwärts zurück und stiegen in das Sandsteinlabyrinth hinauf. Es handelt sich hier um Felsformationen mit einer Vielfalt von Erosionsformen. Es ist ein 3.5 Hektar grosses Areal. Wir stiegen über Treppen hinein, dann übersprangen wir eine vielleicht 40 cm breite Spalte, turnten auf abgerundeten Felsen herum. An einer Stelle war eine Leiter angebracht. Neugierige konnten nach oben steigen und in einen schmalen Spalt blicken. Hier wagte sich keiner hinein. An einer anderen schmalen Stelle konnten wir Wanderer ohne Probleme hindurchgehen. Baucheinziehen und Seitwärtsgehen waren hier jedoch angebracht. Nach einigem Hin- und Her fanden wir einen Ausgang.
 
Der Wanderweg führte uns über Hilmersleite wieder nach Leupoldishain zurück.
 
Zur Barbarine
Toni schlug uns eine weitere schöne Tour vor. Wir fuhren über Königstein nach Pfaffendorf und wanderten am Diebskeller (eine Höhle) vorbei zum Tafelberg Pfaffenstein (434 m ü. NN). Wir wählten nicht den steileren Aufstieg, sondern den bequemeren Weg. An der Weggabelung war eine Infotafel angebracht. Wir erfuhren von ihr, dass der Pfaffenstein bereits während der Bronzezeit besiedelt war. 1852 wurde die 1. Sommerwirtschaft errichtet, bald jedoch wieder abgerissen. Schuld war der Wirt, der den Geldfälscher F. E. Goldschmidt versteckt und zu seinem Tun angeregt hatte. 1851 erfolgte der Bau eines Gasthauses und 1904 der Bau eines massiven Aussichtsturms.
 
Wir umrundeten einen Teil des Pfaffensteins, dann ging es steil nach oben durch ein Wäldchen. Wir sahen schon den Turm und dann die Wirtschaft. Toni empfahl uns jedoch, zuerst zur Barbarine zu gehen. Es handelt sich um eine 42 m hohe Felsnadel, ein Wahrzeichen des Pfaffensteins und der ganzen Sächsischen Schweiz.
 
Der Weg zur Barbarine war nicht einfach. Wir mussten über Stufen, an engen Stellen und Felskessel vorbei wandern. Endlich kamen wir auf eine kleine Plattform. Dann sahen wir die Barbarine, wirklich ein Naturwunder. Kaum zu glauben, dass die schmale Felsnadel 1905 erstmals durch Kletterer bestiegen wurde. Heute ist sie für Bergsteiger gesperrt. Das finde ich sinnvoll, zumal die Gipfelköpfe absturzgefährdet sind. Durch aufwändige Massnahmen wird heute versucht, dieses Naturdenkmal zu erhalten.
 
Über die Barbarine gibt es eine Sage: Eine ungehorsame Jungfrau wollte, trotz ihrer Anweisung durch die Mutter, nicht in den Gottesdienst gehen. Ihr war das Pflücken von Heidelbeeren auf dem Pfaffenstein lieber. Die Mutter erwischte die Tochter auf frischer Tat, war sehr erzürnt und verwandelte die Ungehorsame in einen Stein.
 
Dann war der Besuch der Bergwirtschaft fällig (auf die Besteigung des Turms verzichteten wir). Wir erlabten uns an Milchkaffee und Mohnkuchen. Gestärkt ging es wieder auf Treppen, schmalen Durchgängen an Felsen vorbei zu unserem Ausgangspunkt.
 
Ich fragte mich, woher denn der Namen Pfaffenstein kommt. Im Internet wurde ich fündig (Wikipedia). „Der heutige Ortsteil von Königstein bekam seinen Namen davon, dass die Einwohner dem Königsteiner Geistlichen im Mittelalter zinspflichtig waren, wie es in der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahre 1437 erwähnt wird.“
 
Der Pfaffenstein wurde früher Jungfernstein genannt. Diese Benennung stammte von der erwähnten Sage über die ungehorsame Jungfrau.
 
Abschluss in Decin
Da es am letzten Tag etwas regnete, entschlossen wir uns, das Schloss in Decin (Tetschen) zu besuchen. Das Schloss hat viel zu bieten. Wir sahen uns im Rosengarten und einer Ausstellung um. Das Schloss hat eine tausendjährige Geschichte zu bieten. Es diente sowohl als militärische Festung als auch als prunkvoller Adelssitz. Hier trafen sich europäische Herrscher. Frédéric Chopin (1810−1849) konzertierte hier.
 
Im Rosengarten fotografierten wir die herrlichsten Rosen, aber auch 2 Pfauen, die in der Nähe herumstolzierten.
 
Ein kleines Fazit
Es war ein grossartiger Wanderurlaub in einer wunderschönen und faszinierenden Landschaft. Die Böhmische und Sächsische Schweiz, in denen sich das Elbsandsteingebirge befindet, ist immer eine Reise wert. Leider konnten wir aus Zeitgründen Pirna und Pillnitz nicht mehr erkunden oder eine Schifffahrt auf der Elbe machen. Aber vielleicht ein anderes Mal.
 
Grossen Dank gebührt unserem Toni von Lörrach, der die Höhepunkte der Wanderwoche aus über 40 Touren ausgewählt hat. Er investierte im Vorfeld viel Arbeit. Auch die Quartierwahl (Hotel „Marion“) im tschechischen Dìèin war in Ordnung. Wir konnten dann die böhmisch-tschechische Küche in vollen Zügen geniessen. Auf jeden Fall werden uns die Erlebnisse noch lange in Erinnerung bleiben.
 
 
Internet
 
Literatur
ADAC Wanderführer: „Elbsandsteingebirge“ (40 geprüfte Touren), ADAC Verlag, München, 2011.
 
 
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