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BLOG vom 07.08.2014


Elsass: Odilienberg, Kloster, Heidenmauer, Druidengrotten
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
 
Beliebt bei Wanderern und Wallfahrern ist ein Kloster, das sich auf dem Plateau eines Bergs im Elsass befindet. Das sehr bekannte Kloster wird jährlich von 1 Million Menschen besucht. Auch ein Papst war schon dort. Unweit der imposanten Klosteranlage beginnt eine 10 km lange Mauer, die den Archäologen Rätsel aufgibt. Auch Druidengrotten und grosse erodierte Gesteinsblöcke sind dort auszumachen. „Also nichts wie hin“, war mein Gedanke.
 
Am 31.07.2014 planten wir eine Tour zum meist besuchten Berg der ganzen Vogesenkette, den Mont Sainte-Odile (763 m ü. NN). Der Odilienberg wird übrigens als der „Heilige Berg des Elsasses“ bezeichnet.
 
Berühmt sind nicht nur der Berg, sondern auch das Kloster Sainte-Odile und die Heidenmauer. Vor 8 Jahren war ich mit 3 Kameraden schon einmal dort (Blog vom 22.07.2006: „Bei der Heidenmauer auf dem heiligen Berg des Elsass“). In diesem neuen Blog beschränke ich mich auf Besonderheiten, die im 1. Blog nicht so explizit beschrieben wurden.
 
Bernd von Rheinfelden, Claus von Wehr, Heinz von Steinen, Klaus von Hauingen, Toni von Lörrach und ich fuhren zunächst über die deutsche Autobahn (bis zum Dreieck Neuenburg) und anschliessend auf der französischen Autobahn in Richtung Colmar und Sélestat und nahmen die Ausfahrt Barr. Die Ausschilderung zum Kloster Ste-Odile ist sehr gut; man kann sich nicht verfahren.
 
Wir entschieden uns, das Kloster schon am Vormittag zu besichtigen, um den grossen Besucheransturm am späten Vormittag und der Mittagszeit zu umgehen. Wegen eines Staus auf der Autobahn waren wir etwa 30 Minuten später dran. Wir waren überrascht, dass der Parkplatz unweit des Klostereingangs schon belegt war. Wir parkierten deshalb am unteren Parkplatz. Toni hatte uns schon vorher darauf aufmerksam gemacht, dass man das Kloster an den Wochentagen bis Freitag und schon vor 10 Uhr aufsuchen sollte.
 
Vom unteren Parkplatz gingen wir auf einem Pfad rechts der Zufahrtsstrasse bequem innert 10 Minuten zum Klostereingang. Zur Rechten und Linken des Tores sind grosse Tafeln mit Wegzeichen für die Rundwege zum Nord- und Südteil der Heidenmauer angebracht.
 
Ein Papst und die Odilia
Wir schritten durch den gewölbten Eingang in den Klosterhof. Hier können sich die Pilger im Schatten von uralten Linden ausruhen. Dafür hatten wir keine Zeit, wir gingen weiter, das heisst, zunächst betrachteten wir rechter Hand nach dem Eingang das Denkmal zur Erinnerung an Papst Johannes Paul II., der hier am 11.10.1988 weilte und das Elsass segnete. Er verharrte auch am Sarkophag der heiliggesprochenen Odilia.
 
Odilia starb am 13. Dezember 720. In einem Sarkophag aus dem 8. Jahrhundert befinden sich die Überreste des Leichnams. 1354 wurde der Sarg in Anwesenheit von Kaiser Karl IV. geöffnet und der rechte Vorderarmknochen entnommen. Diese Reliquie befindet sich noch heute in der St.-Vitus-Kapelle in Prag. Der Sarkophag und Inhalt wurden von Bränden und Plünderungen verschont. Insgesamt gab es 50 Brände in den Klosteranlagen. Dies erfuhr ich von einem Führer, der in Deutsch zu einer Gruppe Touristen sprach.
 
Laut einer Sage soll Odilia, die Tochter des elsässischen Herzogs Eticho, blind geboren worden sein. Daraufhin wurde sie von ihrem Vater verstossen. Als sie mit 12 Jahren getauft wurde, konnte sie plötzlich wieder sehen. Sie erhielt den Namen Odilia (Ottilie), Tochter des Lichts. Später wurde der Vater geläutert und vermachte der Tochter um 680−690 den Besitz Hohenburg. Hier gründete sie dann das Frauenkloster. Odilia (manchmal auch Odilie geschrieben) wurde zur Schutzpatronin der Blinden und Augenkranken.
 
Nach dieser historischen Abschweifung zurück zur Besichtigung. Auf der grossen Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf die elsässischen Weinberge, die Rheinebene und auf die Berge des Schwarzwaldes. Die Fernsicht war wegen des diesigen Wetters nicht so gut. Der Blick auf den Turm des Strassburger Münsters blieb uns an diesem Tag verwehrt. Bei ganz klarem Wetter kann man über 100 Dörfer zählen.
 
Den Blick zurück auf die äussere Klosteranlage sollte man nicht verpassen. Der Turm ist gekrönt von einer mächtigen Statue der Odilia. Sie breitet segnend ihre rechte Hand über das Elsass.
 
Unweit der Terrasse sah ich eine Sonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert. Die aus der Zisterzienserabtei Neuburg bei Hagenau stammende Uhr zeigt nicht nur die örtliche Sommerzeit, sondern auch noch die babylonische, italienische, antike sowie die Zeiten verschiedener Regionen der Erde. Weltweit ist diese Uhr einzigartig.
 
Nach der Installation in der Abtei im Jahr 1935 wurde die folgende Inschrift eingraviert: „Du gehst vorwärts, so wie der weichende Schatten unsere Stunden anzeigt. Wir sind nur Staub und Schatten.“
 
Wir besichtigten bei unserem Rundgang die Tränen- und Engelskapelle. In der Tränenkapelle soll Odilia nach dem Tod ihres Vaters für sein Seelenheil gebetet und Tränen vergossen haben. In den erwähnten Kapellen sind wunderschöne goldene Mosaikbilder zu sehen. Die Zeichnungen wurden vom Pariser Künstler Franc Danis entworfen und 1948 ausgeführt.
 
Anschliessend hatten wir noch Zeit, einige Bereiche des Klosters zu erkunden. Eine Besonderheit war die Odilien-Kapelle mit dem Sarkophag und eine Reliquie von Papst Johannes Paul II. Diese wurde hinter einem Gitter in der hölzernen Wandtäfelung platziert. Man konnte nicht erkennen, was hier vom Papst präsentiert wurde.
 
Entlang der Heidenmauer
Nach etwa 45 Minuten verliessen wir das Kloster und suchten im Aussenbereich die Hinweistafel für die südliche Route (Circuit Sud; Richtung Maennelstein; Wegzeichen gelbes Andreaskreuz). Wir stiegen die Treppe hinab und gingen den 14 Kreuzwegstationen entlang. Die sehr schönen Keramik-Bilder, die in den Felsen angebracht wurden, stammen vom Keramiker Léon Elchinger. Die Keramiken wurden im elsässischen Töpferort Soufflenheim gebrannt.
 
Bald waren die ersten Teile der Heidenmauer zu sehen.
 
Die Heidenmauer wird als archäologisches Rätsel angesehen, da der Zweck dieses 10 km langen Bauwerks, das sich um das ganze Gelände des Gipfelplateaus zieht, immer noch nicht ganz geklärt ist. War es ein Verteidigungsbollwerk gegen Invasionen der Kimbern und Teutonen (2. Jahrhundert v. u. Z.), gegen die Sweben des Ariovist (70 v. u. Z.) und später gegen das Eindringen der germanischen Stämme?
 
Aus der Mauer wurden im Laufe der Zeit viele Blöcke entfernt. So mancher Bauherr verwendete einen Stein aus der Mauer beim Hausbau. Die Häuslebauer waren überzeugt, der Stein würde dem Haus eine besondere Festigkeit verleihen und vor Blitzschlag schützen.
 
Insgesamt sollen 300 000 Sandsteinblöcke (mit Einlagerungen von Kieselsteinen, weissen Quarz, rosa Quarzit oder Schiefer) für die Mauer verbaut worden sein.
 
Wir sahen überall von der Erosion „zerfressene“, riesige Gesteinsblöcke und erreichten nach 15 Minuten den Panoramafelsen. Hier befindet sich die Reliefplatte von Curt Mündel, dem Verfasser des bekannten Vogesen-Führers. Der südlichste und höchste Punkt der Route ist der Maennelstein (817 m ü. NN), ein gewaltiger Felsvorsprung, den wir nach 45 Minuten erreichten. An der Hütte, die sich in der Nähe befindet, verzehrten wir unsere Vesper.
 
Frisch gestärkt ging es auf schattigen Waldwegen entlang am Schaft- und Wachtstein vorbei zu den Druidengrotten, 2 Felsenhöhlen. Die grössere ist mit einer mächtigen Gesteinsplatte abgedeckt. War hier eine druidische Opferstätte oder ein vorgeschichtlicher Friedhof? Oder handelte es sich um ein Naturphänomen? Wir wissen es nicht. Roland Kroell, der Orte der Kraft im Schwarzwald und in den Vogesen beschrieben hat, äusserte sich wie folgt: „Aus diesem Naturdolmen sind starke Energien spürbar.“ Wir spürten nichts!
 
Danach ging es steil bergab, und wir kamen an den unteren Parkplatz (Parking des Tumuli). Hier endete der südliche Teil der Heidenmauer. Da wir an diesem Tage den nördlichen Teil (nach Überquerung des Parkplatzes) aus Zeitgründen nicht begehen wollten, entschlossen wir uns, zum Kloster auf einem anderen Weg zurückzukehren. Es ging steil bergauf, dann erreichten wir wieder den Teil der Heidenmauer, an der wir schon vorbei geschritten waren. An dieser Stelle lagerten grosse Gesteinsblöcke, bestehend aus mehreren Schichten. Auf einem solchen Block sass eine junge Esoterikerin (ein Wanderfreund meinte, hier sitze eine Druidin) und meditiere. Einige Meter vor der still Dasitzenden waren ihre Wanderschuhe platziert.
 
Seltsamer Baumwuchs
Auf unserem Weg entlang der Heidenmauer fand ich eine sonderbare Baumwuchsform. Aus einem quer liegenden Baumstamm waren 6 unterschiedlich dicke Bäumchen herausgewachsen. Prof. Bertold Hock teile mir in einer E-Mail vom 02.08.2014 auf Anfrage die Entstehung der Wuchsform mit. Er schrieb: „Die senkrechten Stämme entstanden zunächst als Seitenzweige aus dem umgekippten Stamm, auf dem Foto in der waagrechten Position. Im Bereich der Rinde (unter der Borke) gibt es schlafende Knospen, die bei Bedarf austreiben. Fehlentwicklungen sind z. B. Holzknollen.“
 
Unsere Bloggerin Rita Lorenzetti-Hess aus Zürich hat solche Baumwüchse im Naturpark Hohes Venn (Eifel) gesehen.
 
Radrennen in Ottrott
Toni schlug vor, wir sollten doch über Ottrott nach Obernai fahren. Wir stimmten zu und haben es nicht bereut.
 
Zunächst fuhren wir durch Ottrott. Überall sahen wir Absperrungen und Helfer, die uns über Umleitungen durch den Ort führten. An einer Ampel war plötzlich kein Weiterkommen. In Höhe der Ampel befand sich ein Absperrgitter. Von einem Helfer erfuhren wir, dass hier ein Radrennen im Gange war. Um welches es sich handelte, erfuhr ich erst später.
 
Sonja Deschâtres vom Office Tourisme in Ottrott klärte mich auf. Es handelte sich um die „Tour d`Alsace“. Diese fand zum 11. Mal statt, dieses Jahr vom 29.07. bis 03.08.2014. Es nahmen etwa 150 Rennfahrer aus 26 unterschiedlichen Teams daran teil. Herzlichen Dank für die prompte Aufklärung!
 
Für uns war es ein interessanter Halt. Da wurde uns allen bewusst, welch riesiger Aufwand bei so einem Radrennen betrieben wird.
 
Zunächst kamen etliche Polizisten auf ihren Motorrädern (mit Blaulichtern) vorbei. Dann sausten 5 Rennfahrer, wohl die Ausreissergruppe, um die vor uns liegende Kurve. Anschliessend kamen wieder Motorradfahrer. Endlich war das Hauptfeld zu sehen. Alle fuhren sehr eng beieinander und rasten in die Kurve. Kaum zu glauben, dass kein Radsportler stürzte. Er hätte unweigerlich viele andere zu Fall gebracht.
 
Nach dem Hauptfeld fuhren Begleitfahrzeuge der jeweiligen Teams mit Ersatzrädern auf dem Dach vorbei; dann folgten Verpflegungs- und Krankenwagen. Dann war Schluss. Wir durften zum 4 km entfernten Obernai aufbrechen.
 
Rundgang durch Obernai
Obernai ist ein wunderschöner Ort im Unterelsass. Viele Fachwerkhäuser mit Blumenschmuck erfreuten uns. Wir wanderten durch die Altstadt. Mittelpunkt ist der Marktplatz (Place du Marché) mit dem Ste-Odile-Brunnen. Die Nordfassade des Rathauses trägt Züge der Spätgotik und Renaissance. Hinter dem Rathaus erhebt sich der 60 m hohe gotische Kapellturm. Der Turm ist Wahrzeichen der Stadt. Die ganze Stadt war früher von einer doppelten Ringmauer umgeben. Die innere 1400 m lange Mauer ist weitgehend erhalten.
 
An der Stadtmauer sahen wir eine neuromanische Synagoge von 1876 und die neugotische Kirche St. Peter und Paul. Diese Kirche besuchen wir. Der ganze Raum war kühl und dunkel. Bewundernswert waren die schönen Fenster im Chorraum.
 
In der Nähe des Rathauses befindet sich der im Renaissance-Stil erbaute Sechs-Eimer-Brunnen von 1579. Er setzt sich aus 3 korinthischen Säulen zusammen, die einen Baldachin mit Auszügen aus dem Neuen Testament tragen. Die 6 Eimer hingen an Ketten unter dem Baldachin und waren mit Blumen bepflanzt. Die Brunnenöffnung darunter war mit einem Gitter versehen. Früher wurden die Eimer ins Brunnenwasser getaucht und die gefüllten Behälter nach oben gezogen.
 
Wir sahen auch das „Hotel zum Schnogaloch“. Es ist ein sehr schönes Fachwerkhaus mit Blumenschmuck und rosa Fensterläden. Die Fensterläden sind jeweils mit einem ausgestanzten Herz versehen.
 
Genug der Beschreibungen. Wir fuhren dann wieder in heimatliche Gefilde zurück. Die Schlusseinkehr fand dann im Kreiterhof in Egerten bei Wollbach (Landkreis Lörrach) statt.
 
Fazit
Es war eine schöne und interessante Wanderung entlang der Heidenmauer. Es gab viel zu entdecken und zu bestaunen. Voller Ehrfurcht betrachteten wir ein Bauwerk, das die damaligen Menschen mit einfachen Werkzeugen in mühevoller Arbeit errichtet haben. Es war eine grossartige Leistung.
 
Auch die Besichtigungstouren durch das Kloster Ste. Odile und durch Obernai waren unvergesslich. Unser Dank geht an Toni, der uns in bewährter Weise führte.
 
 
Internet
Mit Hilfe der Suchmaschine www.google.de sind unter dem Stichwort „Heidenmauer“ und „Odilienberg“ viele Infos zu bekommen. Viele der Berichte enthalten Fotos der Heidenmauer und des Klosters. Auch über Ottrott und Obernai gibt es Infos mit Fotos.
 
Literatur
Roland Kroell: „Magischer Schwarzwald und Vogesen“, Wanderungen zu Orten der Kraft, AT Verlag, Aarau 2004.
Francis Mantz: „Ein archäologisches Rätsel: Die Heidenmauer“, Editions La Nuce Bleue/DANN Strassbourg 1992 (am Kiosk des Klosters erhältlich).
Ruth und Anne Mariotte: „Wandern in Elsass und Vogesen“, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 5. Auflage 2010.
Charles Wackenheim: „Der Odilienberg“, Editions du Signe, Strasbourg, 1992 (im Kiosk des Klosters erhältlich).
 
 
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