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BLOG vom 11.10.2014


Reaktionen auf Blogs (148): Die Hofferei muss aufhören!
 
Zusammenstellung der Blog-Reaktionen: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
 
Vor meiner Pensionierung (Mitte 2002) war ich in ein grösseres Medienunternehmen (Aargauer Tagblatt, dann Aargauer Zeitung) eingebunden, wobei ich selbstverständlich immer versucht habe, ein publizistisches Eigenleben zu führen. Das wurde mir freundlicherweise zugestanden. Dennoch habe ich es aber immer auch geschätzt, im gleichen Haus (an der Bahnhofstrasse in Aarau) zahlreiche Personen mit Spezialkenntnissen um mich zu wissen, mit denen ich spezielle Fragen besprechen konnte. Gerade in Fachgebieten wie Sport, Astronomie, moderne Musik usf. war ich mit meinem Latein bald einmal am Ende.
 
In der Blog-Abteilung des Textatelier.com (Blogatelier) findet eine ähnliche Diskussion praktisch täglich per E-Mail statt, zwangsläufig, da die Beteiligten in alle Welt verstreut sind. Und selbst unser Lektor und Korrektor auf Cebu (Philippinen), Rolf P. Hess, der häufig Asien und Amerika bereist, beteiligt sich mit Ideen, Impulsen und Einwänden an unserer Arbeit. Sie kennt keinerlei thematische Beschränkungen, und allen Mitwirkenden ist die Themenwahl vollkommen dem eigenen Gutdünken überlassen, was zu Bestleistungen anspornt. Dazu gehört auch, dass nicht unter Terminzwang geschrieben werden muss; die Kadenz der Blogablieferung wird selbstverständlich von jedem Mitwirkenden selber bestimmt.
 
Bei mir in der Zentrale im ländlichen Biberstein AG/CH, wo die ganze Koordinationsarbeit geleistet wird, spüre ich, wie sehr sich unsere begabten Schreiber mit dem befassen, was ins Netz kommt und wie gern sie auch eigene Erfahrungen, eigenes Wissen und Gedanken beisteuern. Einen besonders regen Anteil nimmt der belesene Historiker und Schriftsteller Pirmin Meier aus Beromünster/Rickenbach LU/CH, der uns immer wieder an seinen gesammelten Erkenntnissen teilhaben lässt, meist zu grossen philosophischen und weltgeschichtlichen Themen. Um das zu belegen, füge ich einige Beispiele an.
 
Von den guten Mächten
Gerd Bernardy widmete ein Blog der Gedankenfreiheit im weiten Umfeld:
Pirmin Meier formulierte seine Gedanken dazu anschaulich in bildkräftiger Sprache wie folgt:
 
Was Gerd Bernardy mit dem Zitat der mir bis anhin nicht bekannten Philosophieprofessorin Juliane Rebentisch über die Notwendigkeit des Abweichlerischen als Bedingung der Möglichkeit von Freiheit schreibt, macht die Substanz seines Beitrages aus, auch dass er bei Dietrich Bonhoeffer dazu noch ein Hintergrundzitat bringt.
 
Ich ertrage den christlichen Kitsch seines zum Kirchenlied vermosteten Gedichtes („Von guten Mächten treu und still umgeben...), schon tausendfach verwendet bei Todesanzeigen frommer Grosstanten, nicht mehr. Hier spüre ich, dass ich dem Christentumskritiker Karlheinz Deschner, den ich zwar ständig kritisiere, doch näher stehe als Bonhoeffer, auch weil meine Sicht der christlichen und nichtchristlichen Mystik von der Trösterei längst Abschied genommen hat. Dass Hoffnung anders aussieht, der Hoffnungslosigkeit viel stärker verwandt, hat Bonhoeffer vermutlich zuletzt dann wohl doch noch realisiert. „Die Hofferei muss aufhören“, formulierte Günter Anders. Er wurde zwar nicht hingerichtet, hatte aber geistig einiges mehr drauf als Theologen aus dem Umfeld nicht nur von Bonhoeffer.
 
PS. Die kritische Bemerkung über Bonhoeffer soll nicht mit einer Kritik am deutschen Widerstand verwechselt werden. Persönlich fand ich Bonhoeffers Bruder Klaus Bonhoeffer, sechs Jahre älter, Jurist, noch stärker und überzeugender als den Theologen, schrieb unter anderem in die „Weissen Blätter“, einem Organ des konservativ-christlichen Widerstandes, redigiert von Carl Ludwig von Guttenberg, dem Grossonkel des schwachen Politikers Guttenberg. In jenem Organ schrieben u. a. auch Jochen Klepper, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen, Ida Friederike Görres und der Vater des späteren Terroristen Andreas Baader. Weil Dietrich Bonhoeffer sich mit der US-Spionage eingelassen hatte, in fast jedem System hingerichtet worden wäre, galt er lang als „politischer“, nicht religiöser Märtyrer. Letztere Unterscheidung ist allerdings aus heutiger Sicht nicht mehr wichtig. Für mich persönlich war aber das geistige Profil von Klaus Bonhoeffer, von dem ich mehrere überzeugende Aufsätze gelesen habe, über alles gesehen noch eindrucksvoller.
 
Pirmin Meier
 
Dazu die Antwort von Gerd Bernardy
 
Lieber Herr Meier,
 
mir war das Bonhoeffer-Gedicht auch schon immer zuwider, wusste bis vor der Arbeit an meinem Blog über Macht und Freiheit allerdings nicht, dass er damit die Engel meinte, die „um ihn stehen” und die auch der deutsche Komponist Engelbert Humperdinck in seiner Märchenoper „Hänsel und Gretel“ als Abendlied verwendet hatte, was den Kitsch noch vergrössert. Die Spionagetätigkeit von Dietrich Bonhoeffer wird natürlich von christlicher Seite verschwiegen!
 
Ich stimme Ihnen, Herr Meier, voll zu. Auch ich stehe Deschner sehr nahe, der mir in vielen Dingen über die christliche Historie die Augen geöffnet hat. Die Giordano-Bruno-Stiftung hat meine Überzeugung noch weiter vertieft.
 
Die Hofferei muss aufhören, vor allem aber das Meinen, durch „Gebete für den Weltfrieden” würde sich irgendetwas ändern, oder dadurch, dass der Papst meint, sein Scherflein mit seinen Mahnungen beitragen zu müssen.
 
Aufklärung tut Not, und ich denke, wir Blogger auf www.textatelier.com tun ein wenig dafür!
 
Viele Grüsse
Richard Gerd Bernardy
 
Antwort von Pirmin Meier
Für Ihre Bemerkung betreffend die Kitschengel und das Gebet habe ich vollstes Verständnis, ich ertrage deswegen ja auch herkömmliche Gottesdienste kaum mehr. Aber über die Engel kann man keinen vernünftigen Diskurs führen ohne Quellenkenntnisse, womit ich nicht nur die Bibel möglichst im Original meine, sondern vor allem den Engel-Philosophen schlechthin, Dionysios Areopagita, lange fälschlich als Paulus-Gefährte geführt.
 
Dionysios Areopagita war in Wirklichkeit ein neuplatonischer Philosoph, über den einer meiner bestgeschätzten verstorbenen Kollegen in Deutschland, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, ein ca. 1500-seitiges Buch geschrieben hat, um dann für ein paar Jahre zu verstummen. Dionysios ist eine Hauptquelle für das Thema Engel. Hätte man von den Quellen her eine Ahnung von den Engeln, auch, dass Michael Juppiter ersetzt, usw. wäre eine erste Gesprächsbasis wieder mal da.
 
Das Gleiche gilt für das Gebet, welches in vorformulierter Form, vom nie zu unterschätzenden Vaterunser und dem bereits verfälschten Bruder-Klaus-Gebet abgesehen, natürlich eine Form der Manipulation durch religiöse Autoritäten darstellen kann und häufig darstellt. Befasst man sich näher mit dem Gebet, fällt einem spätestens nach 40 Jahren einigermassen durchgehaltenen Studiums auf, dass am Gebet trotz allem noch was dran ist. Wer es fassen mag, der fasse es. Das meine ich jetzt aber nicht im Sinn eines esoterischen oder konfessionellen Auserwähltheitsglaubens.
 
Bei Meister Eckhart, Jakob Boehme und in den ca. 6000 zum Teil noch nicht veröffentlichten Seiten des theologischen Werkes von Paracelsus sind einige Andeutungen enthalten, auch bei Nicolaus von Cues, dessen Spiritualität auf der philosophisch-meditativen Mathematik von Pythagoras beruht. Letzterer hat, wie Newton, als ausgesprochener Nichtdummkopf trotzdem gebetet. Wie erst recht Johannes Kepler und Pascal mit seinem Erschauern vor dem Schweigen der unendlichen Räume. Blaise Pascal und den neben Frege besten Logiker der letzten 200 Jahre, den Priester Bernard Bolzano, sollte man neben dem Cusaner und Meister Eckhart auch nicht unterschätzen. Reinhold Schneider, über den ich doktoriert habe und der zum deutschen Widerstand gehörte, den er aber als geistig unbedarft kritisierte, schrieb ein paar bedenkenswerte Essays über das Gebet in der Geschichte. Auch Dostojewskij schrieb zwar einen Roman mit dem Titel „Der Idiot', war aber selber keiner.
 
Nicht zu vergessen die Lyrik Friedrich Nietzsches, die zum Teil auf nihilistische Gebete hinausläuft. Das nihilistische Gebet ist keine absolute Ausnahme, sondern der Regelfall des ganz grossen mystischen Gebetes. Als Historiker habe ich noch das Problem, dass man mit keinem mir bekannten gegenwärtigen Geschichtsprofessor der Schweiz über das „Grosse Gebet der Eidgenossen" diskutieren kann, weil wegen der hohen Ansprüche, die heute ein Lehrstuhl an die Qualitätskontrolle stellt, die Beschäftigung mit den Quellen der Schweizergeschichte zeitlich nicht mehr geschafft werden kann. Das war bei Prof. Vasella, der ein Promille seines Sohnes verdiente an der Uni Freiburg CH, noch anders; er war seinem Sohn von der Lebensleistung her auch haushoch überlegen. Aber das hat wohl wenig mit dem Gebet zu tun.
 
P. Meier
 
Am Limmatquai
Nachdem es mich wieder einmal an den Limmatquai in Zürich verschlagen hatte, liess ich mich dazu hinweisen, einige aktuelle Beobachtungen an geschichtlichem Hintergrund aufzuzeichnen:
Pirmin Meier steuerte persönliche Erinnerungen bei und für mich unbekannte Informationen über das Hotel „Storchen“ bei:
 
Das Limmatquai 56 war 1968 bis 1970 meine Bleibe, dort im obersten Stock. Für die Toilette musste man 4 Stöcke weiter nach unten. Beobachtete dort 1.-Mai-Umzüge mit Porträts von Hồ Chí Minh, Mao Zedong, Karl Marx, Wladimir Iljitsch Lenin und Che Guevara. Für den „Storchen“ ist die Paracelsus-Gedenktafel wichtig. Wie ich in meiner Paracelsus-Biographie, 6. Auflage, Zürich 2013, dargetan habe, war der Storchen auch der Umschlagplatz von Nachrichten, der einzige Ort, wo politisch Unkorrektes zum Ausdruck kommen konnte, eine Fuhrmannbeiz, wo Paracelsus übernachtete, aber auch einen Brief an die Basler Studenten schrieb, die er carissimi combibones, geliebte Conkneipanten, nannte. Beim Limmatquai, nicht unweit davon, lebten Georg Büchner und Lenin, im Haus zum Schwert Micheli du Crest, der meistverfolgte Schweizer des 18. Jahrhunderts, dessen Biographie ich geschrieben habe, und Johann Wolfgang von Goethe. Fürwahr ein besonderes Pflaster!
 
Pirmin
 
Klänge im Mutterleib
Die Wirkung der Klänge im Mutterleib ist die delikate Thematik, mit der sich Gerd Bernardy in seinem Blog vom
auseinandergesetzt hat, ein unendlich weites Feld. Pirmin Meier erweiterte diese Ausführungen:
 
Der Beitrag von Gerd Bernardy scheint mir insofern bedeutsam, als ich bei diesem Thema eine Überschneidung mit Paracelsus’ Begriff der Matrix sehe, womit der Begriff der Gebärmutter viel weiter gefasst wird – in Richtung Mutter überhaupt. Für die Entstehung des Kindes sind gemäss dem Liber quartus de Matrice nicht nur die Imaginationen der schwangeren Mutter wichtig; negativ wirken sich nicht nur allfällige Depressionen, sondern im Gegensatz dazu auch die positive Stimme der Mutter aus. Ich habe die Thematik behandelt, ebenfalls in „Paracelsus, Arzt und Prophet“, 6. Auflage Zürich 2013.
 
Pirmin
 
Die Antwort von Gerd Bernardy
Paracelsus hatte interessante Ideen zum Zustand der Schwangerschaft: Muttermale werden durch die Imagination der Mutter erzeugt. Angenommen, eine Schwangere sehe einen Gegenstand, den sie begehrt; sie erfasse ihn mit ihrer starken und vollen Imagination, wobei ihre Hand gleichzeitig ihre Knie berühre: so werde das Kind an seinem Knie gezeichnet sein, z. B. als Muttermal. Die Imagination der Frau ist in der Gebärmutter verwurzelt.
 
Übrigens, die Imagination bringt den Samen hervor, ist die des Vaters stärker, wird es ein Junge, wenn es die Mutter war, ein Mädchen.
 
Solche Gedanken, die bis zu den Ideen von Peter Sloterdijk führen, sind durchaus erwähnens- und erwägenswert!
 
Gerd Bernardy
 
Tendenziöse ARD
In unseren europäischen Gefielden brauchen wir keine Zensur. Der Medien-Mainstream unterwirft sich freiwillig einem einseitigen pro-amerikanischen Denken und Handeln; dass dabei kritische, orientierte Menschen (Leser und Zuschauer) in die Flucht getrieben werden, wird als Kollateralschaden hingenommen, wobei die deutschen Staatsmedien immer wieder kritisiert werden, so auch von Gerd Bernardy im Blog vom
 
Unser in Berlin ansässiger Blogger Martin Eitel aktualisierte die Darstellung:
 
In diesem Zusammenhang gestatte ich mir den Hinweis, dass inzwischen erfreulicherweise auch der Programmbeirat der öffentlich-rechtlichen deutschen Medienanstalt ARD die tendenziösen, unausgewogenen und antirussischen Propagandasendungen dieser Sendeanstalt im Zusammenhang mit der Ukraine gerügt hat.
 
 
Martin Eitel
 
Krapfen zum Dessert
Damit wäre die schwere Kost genossen, und wir dürfen nun getrost zur Nachspeise übergehen.
 
Sebastian Meierhof (E-Mail: valserhof_hotel@web.de) stiess auf dieses gut gelagerte Blog:
aus der Feder von Heinz Scholz und freute sich:
 
Haha, super Beitrag! Erinnert mich an meinen eigenen Urlaub in Hotel Pustertal im Südtirol. Dort haben wir den ganzen Tag leckere Krapfen gefuttert ;).War im Winterurlaub im http://www.valserhof.com/ in I-39037 Vals/Mühlbach ...
 
... ziemlich ärgerlich, weil wir alle dort extrem zugenommen haben. Aber Daumen hoch fürs Südtirol!
 
Sebastian Meierhof
 
Es gibt verschiedene Krapfenarten, z. B. die Schlutzkrapfen: mit Schinken, Spinat und anderen Zutaten gefüllte Ravioli-Variationen, die man auch im Südtirol gern isst. Ich nehme an, dass Herr Meierhof mit „Krapfen“ das als Halbkreis erscheinende süsse, im heissen Fett ausgebackene Südtiroler Kultgebäck ansprach, das zu den schönen Seiten des (mit Preiselbeermarmelade) gefüllten, erfüllten und am Ende fülligen Daseins gehört.
 
 
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