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BLOG vom 21.10.2014


Der Gerichtsfall und die Verurteilung von Oscar Pistorius
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Dieser Gerichtsfall Oscar Pistorius (27)  hat sich 2014 bandwurmartig in die Länge gezogen – über 50 Tage lang. Der Angeklagte war einst ein gefeierter Behindertensportler, ein sogenannter Prothesen-Sprinter, bei dem als Geburtsschaden die Wadenbeine eine Fehlbildung aufwiesen und die äussere Seite der Füsse fehlten; im Alter von 11 Monaten wurden seine Unterschenkel amputiert.
 
Hatte dieser weltberühmte Mann seine Freundin versehentlich erschossen? Er wurde am 21.10.2014 von der Richterin Thokozile Masipa (66) in Südafrika (Pretoria) zu 5 Jahren Haft verurteilt, wobei das Urteil allerdings noch nicht rechtskräftig ist; Anklage und Verteidigung können in den nächsten 2 Wochen  Berufung einlegen, was allerdings wenig wahrscheinlich ist. Zudem verurteilte die Richterin Pistorius zu 3 Jahren Haft wegen rücksichtsloser Benutzung einer Waffe. Dieser Teil der Strafe wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Die Strafe sollte „nicht zu hart und nicht zu leicht“ sein. Pistorius nahm das Urteil mit versteinerter Miene entgegen.
 
Was vorher geschah
Ich habe das Gerangel zwischen der Anklage und Verteidigung in der BBC-Fernsehübertragung verfolgt und möchte hier einige meiner Eindrücke kurzgefasst festhalten:
 
Der Paralympicsstar Oscar Pistorius beantworte die Fragen des Anklägers mit weinerlicher, monotoner Stimme. Sein Ankläger, Gerrie Nil, trieb Oscar Pistorius immer wieder mehr und mehr in die Enge. Wiederholt musste Pistorius seine Aussagen entweder revidieren oder sich auf Gedächtnislücken berufen. Viele Zeugen traten im Verlauf des Gerichtsfall auf, was die Transparenz des Falls stark erschwerte, wenn nicht gar verunmöglichte.
 
Hatte die Polizei Möbel und Kabel im Schlafzimmer verschoben? In jener verhängnisvollen Valentinsnacht 2013 weckten Geräusche den Oscar Pistorius aus dem Schlaf. Auf seinen Beinstumpen und mit einem Revolver bewaffnet näherte er sich dem Badezimmer. Er vermutete, dass sich dort ein Eindringling versteckt habe. Er schoss mehrmals durch die verschlossene Zimmertüre. Eine Kugel traf seine Freundin Reeva Steenkamp (29) tödlich. Warum hatte sie sich dort, mitsamt ihrem Handy, verschanzt? Hatte das Paar zuvor miteinander gestritten? Wie kam es, dass Oscar Pistorius nicht bemerkt hatte, dass Reeva Steenkamp das Schlafzimmer verlassen hatte?
 
Hatte Oscar Pistorius seine Freundin kaltblütig ermordet? Oder hatte er sie irrtümlich getötet? Das Gericht hatte ihn des Mordes freigesprochen. Dagegen spricht, dass er ein hitzköpfiger Liebhaber von Schusswaffen ist. Es wurde darauf hingewiesen, dass er zuvor in die Decke eines Restaurants geschossen hatte. Ein Fehlschuss mit Fehlschluss. Er wurde dafür nur schwach bestraft, wiewohl er im Besitz von verbotener Munition war.
 
Am Mittwoch, 15.10.2014, war die Nachricht durchgesichert, dass Oscar Pretorius der inzwischen mittellos gewordenen Familie Steenkamp eine Summe von 375 000 Rand, umgerechnet £ 21 000, angeboten habe. Dieses Angebot schlug die Familie aus, mit dem Hinweis, dass sie kein Blutgeld annehme. Der Verteidiger hatte dieses Angebot von Oscar Pistorius gutgeheissen und der Familie unterbreitet. Eine monatlich an die Familie entrichtete Summe von £ 340 wurde hingegen von der Familie als Darlehen akzeptiert, dies laut Aussage des Verteidigers (unter dem Siegel der Geheimhaltung). Hier wurde das Gerichtsverfahren auf Antrag des Anklägers Gerrie Nel während 1½ Stunden unterbrochen und kurz darauf vertagt, nachdem Kim Martin, die Kusine von Reeva, sehr bewegt ihren Schmerz geschildert hatte, wie sie ihn damals verspürte, als sie von Reevas Tod erfuhr.
 
Am Donnerstag, 16.10.2014, ereignete sich vor Gericht das Folgende: Der Verwalter der Gefängnisse in Südafrika gab sehr detailliert Bescheid über die recht weitgefächerten und im Gesetz verankerten Rechte der Gefangenen, worunter auch jene von körperlich Behinderten. Dem folgte eine Kanonade von Fragen seitens Oscar Pistorius' Verteidiger, die durchblicken liess, dass Pistorius (allenfalls oder schlimmstenfalls) in einer Einzelzelle in der Spitalabteilung des Gefängnisses untergebracht werden sollte, mit Zugang zu Kliniken oder Spitälern ausserhalb des Gefängnisses. Bestenfalls hätte Pistorius unter Hausarrest gesetzt werden können...
 
...doch Oscar Pistorius kann nach dem momentanen Stand der Dinge einer Gefängnisstrafe nicht entkommen.
 
 
Hinweis auf ein früheres Blog mit Bezug zu Oscar Pistorius
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