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BLOG vom 10.11.2014


Wie der US-Dienst Paypal die CH-Goldinitiative bekämpft
Autor: Walter Hess, Publizist (Textatelier.com), Biberstein AG/CH
 
 
Sollte jemand noch einen Grund suchen, um der goldrichtigen Goldinitiative am 30.11.2014 zuzustimmen, hier ist er: Der amerikanische Online-Bezahl-Dienst Paypal hat ein Spendenkonto der Befürworter der Initiative gesperrt und das Guthaben von rund 12 000 CHF vorerst zurückbehalten. Ich hatte davon in verschiedenen Alternativmedien gelesen, traute der Sache aber nicht ganz. Bei Abstimmungskämpfen sind gewisse Eskapaden nie ganz auszuschliessen, auch wenn sie in der Schweiz selten sind. Die Verhältnisse sind hier einigermassen überschaubar.
 
Konto-Sperrung bestätigt
Also fragte ich direkt beim Initiativkomitee nach (www.goldinitiative.ch), wo man es ja wissen muss: Sehr Geehrte, stimmt es, dass Paypal das Spendenkonto für die Goldinitiative gesperrt hat? Das wäre ein Skandal, den man publik machen müsste.“ Prompt antwortete der geradlinige SVP-Nationalrat Luzi Stamm (AG). Er legte mir eine Kopie eines „Blick“-Artikels (Ausgabe: 04.11.2014) bei: „Paypal. Kein Konto für Gold-Fans.“ Stamm bestätigte auf diese Weise den Artikel und fügte bei: Ich halte es für völlig deplatziert, dass Pay Pal gesperrt hat.“
 
Im „Blick“-Artikel hiess es, der Zürcher Vermögensverwalter und Goldexperte Egon von Greyerz, der geschäftliche Interssen nicht in Abrede stellt, habe zur Spendensammeltätigkeit gesagt: „Dabei lief es gerade so gut. Jede Stunde wurden zum Teil namhafte Beträge überwiesen. Wir könnten auf dem Paypal-Konto mehrere Zehntausend Franken haben.“ Nun war das zweckgebundene Geld auf Paypal eingefroren, nicht mehr greifbar.
 
„Tagelang liess Paypal seine Kunden über die Gründe der Kontosperre im Ungewissen. Erst am Wochenende teilte Paypal von Greyerz mit, das Konto sei wegen interner Regeln gesperrt worden. Paypal verbiete es unregistrierten Wohltätigkeitsorganisationen, Geld für politische Kampagnen zu sammeln“, las man im weiteren im „Blick“. Von Greyerz hat berechtigte Zweifel: „Das war eine schablonenhafte Standardantwort.“ Man habe Paypal darauf hingewiesen, dass es in der Schweiz allen erlaubt sei, Geld für politische Initiativen zu sammeln. Paypal sei nicht darauf eingegangen. Es sei klar, dass „die Mächtigen“ nicht wollten, dass seine Kampagne Geld kriege.
 
Da ein politisches Initiativkomitee rein gar nichts mit einer Wohltätigkeitsorganisation zu tun hat, ist es klar, dass dies nur eine faule Ausrede war: Die Erschwerung der Werbung für die Goldinitiative, die den Amerikanern ein Dorn im Auge ist. Warum ist das so?
 
Störaktion für Gelddrucker
http://www.foonds.com/article/32506/, ein Finanzdienstleister mit Sitz in Wien, brachte die Geschichte auf den Punkt:
 
„Die Angst (der Amerikaner) muss ja in der Tat gross sein, die das Establishment, das von unkontrolliertem Gelddrucken zu Lasten der Bevölkerung profitiert (Stichwort: Cantillon-Effekt: http://www.foonds.com/), vor der Schweizer Goldinitiative hat. Denn selten befassen sich amerikanische Medien mit Schweizer Volksinitiativen. Doch diese hat es bereits in das Wall Street Journal und nun auch noch in den Business Insider geschafft, wo man die Initiative als ,bizarres Vorhaben’ bezeichnet (http://www.handelszeitung.ch/ ). Man scheint sich wohl sehr zu fürchten, dass bei einer Annahme der Initiative auch noch die Bevölkerung anderer Länder auf diese Idee kommen könnte und das Misstrauen in das beliebig vermehrbare Papiergeld weiter steigt. Dies wäre vor allem für die USA prekär, denn diese profitiert am meisten aller Staaten vom Gelddrucken nach Belieben.“
 
Das Gold steht dem USD schon lange im Wege, einer bisher weltbestimmenden, für die finanzpolitischen US-Zwecke missbrauchten Währung, die jetzt allerdings im Zerfall begriffen ist. Sie hat sich in den letzten Tagen aber noch einmal aufgebäumt wie eine Leiche im Kremationsofen. Deshalb wird mit allen Werbe- und Manipulationstricks der Goldpreis tief gehalten. Würden sich die Anleger nicht von der Anti-Gold-Stimmungsmache beeinflussen lassen und dem Edelmetall den Wert zugestehen, der ihm in dieser inflationären Buchgeld-Finanzwelt tatsächlich zukommt, wären der Gold- und auch der Silberpreis wesentlich höher. Der momentane Preis deckt nicht einmal die Schürfkosten; doch das dürfte sich vermutlich bald einmal ändern. Der Preis wird sich spätestens beim Zerfall des Währungssystems korrigieren.
 
Wo ist das Schweizer Gold?
Das Gold, das sich im Besitze der Schweiz befindet, ist Volksvermögen, das allerdings dem Einflussbereich des Volks total entzogen ist, ein störender Zustand. Die unkontrollierte, gottähnliche Herrscherin darüber ist die Schweizerische Nationalbank SNB, die im Mai 2000 mehr als die Hälfte des Schweizer Goldes (1500 von 2590 Tonnen) zu einem miserablen Preis verscherbelt hat, die entsprechende Kritik aber nicht gelten lässt. Jeden einfachen Vermögensverwalter würde man bei solch einem einfältigen Gebaren in die Wüste schicken; doch die SNB kam ungeschoren davon, darf sich jeden Blödsinn leisten. Vom Restbestand lagert nur ein Teil in der Schweiz. In welchen Ländern sich der Rest aufhält, ist nur rudimentär bekannt. Für diese Auslandlagerung besteht nicht der geringste Grund ... denn in der Schweiz wäre wohl genügend Platz vorhanden. In den Schweizer Alpen warten viele Festungen auf einen neuen Verwendungszweck.
 
Die Fragen über den Verbleib der Goldreserven sind weitgehend unbeantwortet. Ein paar Tonnen sollen in Kanada (National Bank of Canada) sein. Das ist fraglich. Die Tresoranlage der Bank of Canada wird offenbar gerade renoviert und dürfte erst 2017 betriebsbereit sein. Kanada gehört nicht mehr zu den bedeutendsten Edelmetall-Umschlagplätzen. Wie viel ist in England (Bank of England), wo es scheint’s „actively managed“ (aktiv gemanagt) wird, so dass der Schweizer Bestand wohl kaum identifizierbar ist? Und was ist mit dem Gold geschehen, das einst der Fed von Amerika anvertraut wurde ...? Ausgerechnet!
 
Die entscheidenden Fragen befinden sich auf dieser englischsprachigen Nachrichten Webseite Zero Hedge, auf die Mitarbeiter der Bank of America nicht zugreifen dürfe:
 
Zitat:The SNB also reveals that most of the 1550 tonnes of Swiss gold sold from 2000 to 2008 was from gold holdings held abroad. These sales of gold held abroad also undermine the arguments of the SNB and associated politicians who claim that foreign held gold is more valuable in a time of financial crisis than gold stored in Switzerland. If the approximate 700 remaining tonnes of gold now held by the SNB in Switzerland was not as important as the large quantities of gold held abroad, then why were the gold holdings that were held abroad sold and not the gold that was held domestically?"
 
Die Beteuerung der SNB-Manager und assoziierter Politiker, wonach im Ausland gelagertes Gold wichtiger als in der Schweiz eingelagertes sei, verkehrt jede vernunftgemässe Überlegung in ihr Gegenteil. Die SNB wirft auch sonst mit fadenscheinigen Argumenten um sich.
 
Teilgolddeckung des Frankens positiv
Polleit Thorsten, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH und Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, kann der Goldinitiative nur Gutes abgewinnen. Man mag das seiner Funktion zuschreiben, doch sind seine Argumente nicht abwegig. Sein Fazit:
 
„Mit einer Teilgolddeckung wäre der Franken international gesehen vermutlich eine vergleichsweise solidere offizielle Währung und damit zusehends attraktiv(er) für Sparer und Investoren – der Franken würde vermutlich aufwerten gegenüber anderen (ungedeckten) Währungen wie zum Beispiel US-Dollar und Euro.
 
Die Schweizer Gold-Initiative fordert u. a., den Goldanteil an den Aktiva der Schweizer Nationalbank (SNB) auf 20 Prozent zu erhöhen. Findet das Zustimmung, müsste die SNB Gold zukaufen, was jedoch problemlos möglich ist; die Franken-Geldmenge und die heimischen Preise würden nicht ansteigen. Ob bei einer Teilgolddeckung der Mindestkurs EUR/CHF bei 1.20 gehalten werden kann, ist fraglich – was aber für die Schweiz wohl nur wenig problematisch wäre. Eine erfolgreiche Schweizer Gold-Initiative könnte internationale Signalfunktion haben – dass das ungedeckte Papiergeldwesen nicht ,alternativlos’ ist, dass es eine bessere Lösung gibt – die Rückkehr zum Goldgeld, die machbar ist und die zum Wohle der Schweizer funktionieren wird.“
 
Thorsten bestätigte damit ebenfalls alle Überlegungen über die Motivationen von Paypal, auf Geheiss der US-Finanzindustrie das Spendenkonto der Goldinitiative-Initianten zu sperren. Die Abstimmungsvorlage ist damit selbstverständlich nicht zu bodigen. Die Initianten haben weitere Spendenkonti, die schon recht gut bestückt sind. Umso trotteliger ist die Paypal-Gemeinheit.
 
„Paypal sperren“
Ich habe die Kontosperrung auf Twitter (@TextatelierHess) verbreitet und eine erstaunliche Resonanz empfangen. Auf die Frage, was denn für die Goldinitiative spreche, antwortete ich in Twitter-Kurzform: „Weil die SNB bewies, dass sie mit Gold nicht umgehen kann.“
Oliver Fehr schrieb: „Vielleicht sollte man in der Schweiz nun Paypal sperren." Die Idee ist angemessen. Mayday040965 fügte bei: „Nicht nur in der Schweiz (Paypal sperren). Paypal ist Abzocke und gefährlich für Verkäufer.“
 
In der Vergangenheit hat Paypal immer wieder Konten gesperrt, etwa solche, über die Bezahlungen kubanischer Zigarren abgewickelt werden (die USA wollen Kuba aushungern, weil sich diese stolze Karibikinsel von ihnen nicht unterwerfen liess). An kubanischen Zigarren kommt kein Geniesser herum – ich machte hier bewusst und aus Sympathie für Kuba Reklame. Spenden an die Enthüllungsplattform Wikileaks erlebten das gleiche Schicksal wie die Kassen für Edelzigarren.
 
Was mit dem von Paypal zurückbehaltenen Spendengeld für die Goldinitiative geschieht, war lange unklar. Paypal wollte es zuerst 180 Tage lang behalten und dann entscheiden, eine gemeine Verzögerungstaktik, welche über die Abstimmung vom 30.11.2014 hinaus reichen sollte. Inzwischen wurde von Greyerz immerhin erlaubt, das Geld an die Spender zurückzugeben. Das soll demnächst passieren. Paypal wollte sich zum Fall nicht äussern.
 
Hanns Timm twitterte in Versalien: GUT, DASS ICH DAS KONTO VOR MONATEN GEKÜNDIGT HABE!
 
Das war weise Voraussicht.
 
Mein auf Twitter verbreitetes Fazit: Wenn sich die Amerikaner hinterhältig in die CH-Politik (Goldinitiative) einmischen (Paypal-Sperrung für Spendenkonto), muss man ihr (dieser Initiative) erst recht zustimmen.“
 
Und so werde ich es am 30.11.2014 (Abstimmungstag) garantiert auch halten. Die Schweizer reagieren sehr empfindlich auf Einmischungen von aussen, besonders aus den USA. Es reicht jetzt.
 
Hoffentlich beflügelt das läppische US-Bremsmanöver die vernünftige und zeitgemässe Goldinitiative. Wenn man die ausländischen Dreckspiele kennt, wird es zwingend, das Edelmetall unter die eigenen Fittiche zu nehmen. Ich vertraue doch nicht jemandem Wertsachen an, dem ich ihm aus Erfahrung nicht vertrauen kann.
 
 
Hinweis auf weitere Blogs mit Bezug zum Gold
04.12.2006: Kulturtrip in Zürich: Gold, Silber, Licht, Hektik und Stillleben
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