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BLOG vom 02.12.2014


GB: Black Friday and Monday – Ausverkauf der Vernunft
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
 
Der Kalender hat den Dezember 2014 erreicht. Am 1. Dezember war es hier in London endlich trocken geworden, und ich konnte die lappigen Rebenblätter und die vorwitzig hochgeschossenen Rebenschösslinge im Patio, von mir zuvor in ihrem Höhenwahn gestutzt, in Plastiksäcke stopfen. Damit hatte ich mich von dieser leidlichen Pflicht befreit und atmete auf. Die Natur – und ich auch – haben die Winterpause verdient.
 
Ein Einkaufsrummel sondergleichen trieb die Leute am vergangenen Schwarzen Freitag und Montag massenhaft in die Kettenläden, von den Sonderangeboten angelockt. Eine wahre Stampede (Herden-Fluchtbewegung)! Die Käufer balgten und entrissen einander die Ware. Etliche Fernsehapparate gingen dabei in Brüche. Das Ladenpersonal war machtlos in diesem Gerangel. Da und dort musste die Polizei einspringen.
 
Dieser Wahnsinn aus den Vereinigten Staaten, nach dem „Thanksgiving”-Feiertag vom Stapel gelassen, hat jetzt auch Grossbritannien überrumpelt. Der Weihnachtsrummel hat somit den Zenit früher als zuvor erreicht.
 
Der Ausverkauf erstreckt sich jetzt übers ganze Jahr, wie Ladenhüter abgestossen werden. Dann werden neue Modelle lanciert, die wiederum das Kauffieber schüren und auslösen. Die Werbung verführt die Leute fortlaufend zu Impulskäufen von sogenannten „must have gadgets” (das muss ich unbedingt haben – besonders auf elektronische Geräte bezogen). Irgendwo habe ich diesen dafür bezeichneten Titel aufgeschnappt: „Der betörende Glanz der Dummheit”, der sich im Lauffeuer ausbreitet.
 
Spule ich meine Erinnerungen in die Sechzigerjahre zurück, stelle ich fest, dass solche Kaufexzesse keineswegs allgemein vorherrschten. Fehlte die Vernunft, dann fehlte damals das Geld zu solchen Extravaganzen. Heute wird gedankenlos das Bankkonto überzogen: Es wird auf Pump gekauft!
 
Das alles untermauert meine Auffassung, weshalb die Ethik keinen Fuss in der Gesellschaft fassen konnte – löbliche Ausnahmen vorbehalten.
 
Am 3. Dezember wird das Herbstbudget aufgetischt: Die Krise wird ein weiteres Jahr andauern. Die Staatskasse lebt weiterhin vom Pump. Die Sozialleistungen werden abgebaut. Neue Steuerfinten stehen an.
 
Die Winterpause möge beginnen … wenigstens über die Weihnachtstage.
 
 
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