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BLOG vom 12.12.2014


Der Bau der Grossmoschee in Köln und Ralph Giordano
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
 
 
Der Kollege Pirmin Meier schrieb am 11.12.2014 ein brillantes Blog zum Tode von Ralph Giordano. Im hinteren Teil berichtete er über den in Köln ansässig gewesenen, verstorbenen Schriftsteller:
 
Etwas weniger umstritten, aber doch immer noch sehr umstritten bleibt Giordanos Engagement gegen den Moscheenbau in Köln, bei dem er den Charakter des Eroberungszeichens offensichtlich durchschaute.“
 
Ich wohne zwar nicht in Köln, hatte aber im Zuge meiner beruflichen Tätigkeit häufig dort zu tun, unter anderem gehörte es auch zu meiner Aufgabe, Institutionen zu besuchen, die Integrationskurse für Migranten im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ durchführen, weil der Verlag, für den ich tätig war, Lehrwerke dafür entwickelt hatte, die vorzustellen meine Aufgabe war.
 
Eine dieser Institutionen war die DITIB, eine Abkürzung für Diyanet Iþleri Türk-Islam Birliði”, auf Deutsch Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.”. Dieses Institut ist eine der grossen islamischen Organisationen in Deutschland.
 
Der Deutschunterricht für die Muslime fand in Baracken auf einem unwirtlichen Gelände neben der von Norden aus in die Stadt führenden Autobahn statt. Dort gab es auch ein Büro der DITIB. Auf dem Schreibtisch stand, und das muss etwa 2008 gewesen sein, ein Modell der Moschee. Es sollte ein repräsentativer Bau werden, der die vielen kleinen, oft in Hinterhöfen und Fabrikgebäuden untergebrachten Moscheen der Stadt überflüssig machen sollte.
 
Das Modell sah sehr ansprechend aus. Ein grosses Gebäude, das wie eine auf den Kopf gestellte weisse Tulpenblüte aussieht, mit hohen farbigen Fenstern zwischen den Blütenblättern.
 
Um die Moschee herum sollten Verwaltungs- und Kultur- und Schulgebäude entstehen, unter anderen auch endlich eine akzeptable Lösung für die vielen hundert muslimischen Deutschlerner.
 
Bei meinen Fahrten durch die Stadt kam ich auch oft an der Kanalstrasse, die wie andere auch ringförmig um die Stadt verläuft, vorbei, und sah das grosse Gelände der Baustelle, eingerahmt von 2 Seiten durch die grossen Stadtstrassen, die von Norden nach Süden bzw. von Osten nach Westen verlaufen. An der Kanalstrasse, nicht weit von dem Gelände entfernt, ist auch der alles überragende Fernsehturm. Den Kölner Dom kann man zwar gut sehen, wenn man von Norden aus über die Autobahn in die Stadt fährt, aber von hier aus nicht. Er ist bedeutend höher als alle anderen Gebäude der Stadt.
 
Es sollte eine Moschee werden, die 2000 bis 4000 Gläubige fassen könnte und der repräsentative Bau für Moslems in Westdeutschland darstellen sollte. Der Stadtrat genehmigte den Bau, und so konnte er der Kölner Bevölkerung vorgestellt werden.
 
Natürlich gab und gibt es nicht nur Zustimmung dafür. Köln ist mit seinem Dom eine durch und durch katholische Stadt. Viele Bürger wandten sich gegen das Vorhaben. Es bildeten sich Bürgerinitiativen dagegen, die rechtsgerichtete Partei PRO KÖLN” veranstaltete Demonstrationen und veröffentlichte Aufrufe:
 
Der wortgewaltige Schriftsteller Ralph Giordano teilte mit PRO KÖLN die Ablehnung der symbolträchtigen Grossmoschee in Köln-Ehrenfeld. ‚Es gibt kein Grundrecht auf den Bau einer Grossmoschee’: Immer wieder führte auch PRO KÖLN dieses Giordano-Zitat auf Demonstrationen und in der politischen Auseinandersetzung an.“
 
Der Bau war schon fortgeschritten, da sagte Anfang 2011 Gudrun Kleinpass-Börschel, Seniorenvertretung der Stadt Köln und Mitglied im Moschee-Beirat, in einer Rede:
 
„In der Anfangsphase gab es manchmal auch Kritik in Köln, teilweise war sie berechtigt. Köln hat jedoch immer gezeigt, dass die Stadt zu ihrer Vielfalt steht. Ich appelliere an die Gemeinde hier in der Moschee: Machen Sie ihre Türen weit auf und lassen Sie alle rein, die sich einem Miteinander der Religionen und Kulturen öffnen wollen.“
 
Die Fertigstellung der Moschee verzögerte sich. Es gab unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Bauträger, der DITIB, den ausführenden Architekten und der Baugesellschaft, denn die DITIB zählte bis zu 2000 Fehler und Abweichungen bei der Bautätigkeit auf. Die FAZ schrieb im August 2014:
 
„Neubauruine - Die Kölner Zentralmoschee sollte das Zeichen für eine gelungene und selbstbewusste Integration setzen. Noch vor ihrer Eröffnung präsentiert sie sich als Sanierungsfall.“ Und fährt fort: „Was macht eigentlich die neue Kölner Moschee? Nein, fertig ist sie immer noch nicht, dabei wurde vor mehr als dreieinhalb Jahren bereits Richtfest gefeiert, und einen Eröffnungstermin möchte die Sprecherin der DITIB auch nicht nennen:
 
‚Wir haben ein paar Unwägbarkeiten, die sich aus den anhängenden Gerichtsverfahren ergeben’, heisst es auf Anfrage. ‚Ein Abschluss ist nicht abzusehen’, sagt der Architekt Paul Böhm, den die DITIB hinausgedrängt und zum Berater degradiert hat, und wundert sich, dass ‚vor den Toiletten billige Resopalwände eingezogen werden und im Gebetsraum immer noch ein Gerüst steht’. Teile des Komplexes werden allerdings schon genutzt, und im Internet wird mit dem Slogan ‚Kulturvoll einkaufen und geniessen’ in Sepiatönen für das DITIB-Center mit einer ‚Einkaufsmagistrale’ geworben, ‚die bis zum Ramadan 2014 eröffnet werden soll’.“
 
Pirmin Meier schreibt in seinem Artikel vom „Charakter des Eroberungszeichens“, den die Grossmoschee seiner Ansicht nach hat. Zugegeben, es ist ein grosses, repräsentatives sakrales Gebäude. Die Website www.zentralmoschee-koeln.de beschreibt es in schwärmerischen Tönen:
 
Der neue Gebäudekomplex fasziniert durch das Zusammenspiel von Beton, Glas und Holz und wird geprägt von einer 36.5 m hohen transparenten Kuppel, die von 2 filigranen, 55 Meter hohen Minaretten eingefasst ist. Durch das Zusammenspiel von geschwungenen Betonschalen und grosszügigen Glasfronten erhält der Bau seinen modernen und einladenden Charakter und beeindruckt durch das aussergewöhnliche Raumgefühl. In Formensprache und Materialwahl ist das Modell eine Entwicklung von der traditionellen Baukultur hin zur modernen. Durch die grosszügigen Freitreppen öffnet sich der Bau allen Besuchern, schafft dies doch das Gefühl, der öffentliche Raum erstrecke sich über die einladenden Treppen in den Gebäudekomplex hinein. So werden Schwellen- und Kontaktängste abgebaut und der einladende Charakter von Bau und Gemeinde gleichermassen betont.“
 
Verglichen mit den 157 m hohen Türmen des Kölner Doms ist die Moschee nicht besonders hoch, und einige Hochhäuser, nicht weit davon entfernt, überragen den Bau bei Weitem. Ich sehe darin kein „Eroberungszeichen“.
 
Aber das war wahrscheinlich nur eine Metapher für eine Entwicklung in Deutschland, gegen die sich Ralph Giordano wandte.
 
Bekannt wurden von ihm 10 Punkte, in denen er sich gegen die „Islamisierung Deutschlands“ richtete, ich zitiere 4 davon:
 
„5. Solange rosenkranzartig behauptet wird, der Islam sei eine friedliche Religion, und flapsig hinweggesehen wird über die zahlreichen Aufrufe des Koran, Ungläubige zu töten, besonders aber Juden, Juden, Juden – so lange hat Thilo Sarrazin Recht.
6. Solange die weit verbreitete Furcht vor schleichender Islamisierung in der Bevölkerung als blosses Luftgebilde abgetan wird und nicht als demoskopische Realität ernst genommen – so lange hat Thilo Sarrazin Recht.
8. Solange nicht offen gesprochen wird über islamische Sitten, Gebräuche und Traditionen, Pluralismus nicht vereinbar sind – so lange hat Thilo Sarrazin Recht.
10. Solange Deutschlands Sozialromantiker, Gutmenschen vom Dienst, Pauschal-Umarmer und Beschwichtigungsapostel weiterhin so tun, als sei das Problem Migration/Integration eine multikulturelle Idylle mit kleinen Schönheitsfehlern, die durch sozialtherapeutische Massnahmen behoben werden können – so lange hat Thilo Sarrazin Recht.“
 
Giordano bezieht sich dabei auf das Buch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“, das nach der Meinung des Autors die Folgen beschreibt, die sich unter anderen durch Zuwanderung aus überwiegend islamisch geprägten Ländern in der Zukunft zu befürchten seien.
 
Nicht nur er sieht Gefahren für die christliche und auch demokratische Kultur in Deutschland durch einen stärker werdenden Einfluss des Islams in unserem Land, obwohl der überwiegende Teil der muslimisch geprägten Bevölkerung in die deutsche Gesellschaft mehr oder weniger eingegliedert ist, einem Beschäftigungsverhältnis nachgeht und islamische Bestrebungen ablehnt. Schon wenn sich Moslems auf den Koran berufen, kann das Ängste hervorrufen.
 
Die politischen und kriegerischen Vorgänge der letzten Jahre in der Türkei und in den anderen Ländern des Nahen Ostens scheinen den Kritikern Recht zu geben. Ich persönlich bin mir da nicht sicher, lebe ich doch problemlos Tür an Tür mit Menschen türkischer Herkunft und verstehe mich gut mit ihnen. Sie bringen ihre Kultur mit in unsere und bereichern sie dadurch.
 
Ich bin gegen Verallgemeinerungen und generelle Schuldzuweisungen. Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten Millionen Menschen mit islamischen Wurzeln ins Land geholt und hineingelassen. Wir können von ihnen nicht verlangen, ihre Kultur abzulegen. Sie leben unter uns, wie auch Juden und Menschen mit anderen Religionen und Kulturen als die unsere. Sie sollten sich integrieren, was aber nicht heissen soll, dass sie sich zu assimilieren haben.
 
Wir können nur verlangen, dass sie unsere demokratischen, gesellschaftlichen und kulturellen Gepflogenheiten akzeptieren und sich an ihnen orientieren. Das bedeutet auch, den Koran nicht wörtlich zu nehmen, sondern dessen Auslegung an die heutige Gesellschaft anzupassen. Dazu ist ein Entwicklungsschritt hin zur Moderne notwendig. Es besteht der Eindruck, dass der Islam diese Entwicklung, wie sie auch das Christentum seit der Aufklärung genommen hat, forcieren muss, um akzeptiert zu werden. Nach den Verlautbarungen der grossen muslimischen Institutionen und ihre Bekenntnis zur Demokratie ist die Religionsgemeinschaft auf dem Wege dazu. Die Scharia und die Verhüllung der Frauen in der Öffentlichkeit beispielsweise passen nicht in die heutige Zeit. Toleranz gegenüber anderen Religionen und Nichtgläubigen ist nicht nur ein Gebot, sondern muss ein Gesetz sein, an das sich jeder und alle Organisationen zu halten haben.
 
Ralph Giordano war der Ansicht, der Islam sei von seiner Struktur her nicht fähig, diese Anpassung zu leisten. Ich sehe das nicht so negativ. Die Islamisten, die mit Krieg, Mord und Totschlag und Unterdrückung versuchen, diese Entwicklung umzukehren, werden nicht erfolgreich sein. Leider wird der Kampf noch viele Opfer kosten.
 
Die Grossmoschee in Köln mag von Teilen der Bevölkerung als Fremdkörper angesehen werden, architektonisch ist sie ein beachtenswertes Gebäude, das nicht zuletzt die Weltoffenheit und Toleranz einer Stadt symbolisiert, die schon viel zu lange durch die katholische Kirche dominiert worden ist.
 
Und wenn es in ferner Zukunft dazu kommen wird, dass in Deutschland die ursprünglich deutsche Bevölkerung in der Minderheit sein wird, was kann man dagegen tun? Die Weltgeschichte hat schon viele Völker kommen und gehen sehen. Und nichts kann die Entwicklung aufhalten.
 
 
Quellen
 
 
 
 
 
 
 
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