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BLOG vom 08.02.2015


Die Sorgen um die vielen Sorgen… und da hilft der Likör…
Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
 
 
Womit ich mich gerade beschäftige, wurde ich gefragt.
„Mit dem Wort ‚Sorge’“, antwortete ich.
Du hast vielleicht Sorgen!“, kam die Antwort. Das war ironisch gemeint, in dem Sinne, als ob ich nichts Besseres zu tun hätte; denn was Sorgen sind, ist doch klar. Das dachte ich auch, bevor ich damit anfing.
 
Ich kam darauf über die englischen Wörter „sorrow“ und „worry“. Obwohl das Wort sorrow etymologisch unter anderem auf niederhochdeutsch ‚sorge’ zurückgeht, bedeutet es „Kummer haben“, wie auch in der Grundbedeutung;
„I am sorry“ wird bekanntlich mit „es tut mir leid“ übersetzt.
 
Sorry looks back, worry looks ahead“. (Kummer schaut zurück, Sorge nach vorn!)
 
Ein bekannter Bestseller heisst: „Sorge dich nicht, lebe!“ von Dale Carnegie. Der englische Titel ist: How to stop worrying and start living”. Er verkaufte davon mindestens 50 Millionen Stück und brauchte das Geld, um keine Sorge mehr zu tragen, denn damit hatte er ausgesorgt.
 
Im „DudenDas Herkunftswörterbuch“ wird darauf hingewiesen, dass „Sorge“ bereits seit althochdeutscher Zeit 2 Hauptbedeutungen habe, einerseits „Unruhe, Angst, quälender Gedanke“ und andererseits „Bemühung um Abhilfe“.
 
Aus China kommen 2 Zitate, die mir besonders gefallen:
 
„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.“
 
„Obwohl sie nicht 100 Jahre alt werden, bereiten sich die Menschen Sorge für 1000 Jahre.“
 
„Sorgen“ reimt sich auf „Morgen“, und so lautet ein jüdisches Sprichwort sehr pessimistisch: „Jeder Morgen bringt seine Sorgen.“ Nicht jeder Reim ist wahr!
 
Ich bin glücklicherweise ein Mensch, der sich nicht schnell Sorgen macht, bestimmt keine unnötigen. Das heisst aber nicht, dass ich immer sorgenfrei (ohne Sorgen) oder sorgenlos bin.
 
Kürzt man das letzte Wort nur um 2 Buchstaben zu „sorglos“, so verändert sich die Bedeutung, denn wer sorglos ist, der ist unbekümmert, unbeschwert, ohne Argwohn, ja sogar leichtsinnig. Ganz im Gegenteil zum sorglichen Verhalten, bei dem man um das Wohlergehen besorgt ist, mit Bedacht, gewissenhaft und sorgsam Anteilnahme zeigt.
 
Wir alle sorgen uns, es können kleine Sorgen sein, etwa wenn die Gefahr droht, dass das Mittagessen anbrennt oder dass das Kind in der Schule die Versetzung in die nächste Klasse nicht schafft oder dass die braunen Pünktchen auf der Haut Krebs sein könnten. Forschungen zufolge machen sich 85 % der Menschen mehr oder weniger regelmässig Sorgen. Die häufigsten Sorgen sind übrigens die, die entstehen, wenn man von der Familie umsorgt wird, denn oft sorgen sich Menschen im sozialen Bereich.
 
Ein Zitat aus der Bretagne/Frankreich:
 
„Wenn man bei den Sorgen der Männer tief genug gräbt, kommt meist eine Frau zum Vorschein.“
 
Nicht selten sollen es Geldsorgen sein, die sie quälen! Die Frauen wollen oft versorgt sein, und Sorgenfalten wollen sie bestimmt nicht bekommen.
 
Es gibt nach Wilhelm Busch ein Mittel, um die Sorgen zumindest ein wenig einzudämmen:
 
„Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ (in: „Fromme Helene“).
 
In einem bekannten Lied, das von Willy Schneider gesungen wurde, heisst es:
 
Schütt’ die Sorgen in ein Gläschen Wein, deinen Kummer tu’ auch mit hinein!“
 
Das jeweilige alkoholische Getränk nennt man übrigens „Sorgenbrecher“.
 
Man sollte also vorsorgen und sich damit versorgen. Alles andere wäre besorgniserregend.
 
De zorg“ heisst alles, was in den Niederlanden, dem „verzorgingsstaat“, irgendwie mit Gesundheit („gezondheidszorg“) zu tun hat, wobei das Wort nicht anders ausgesprochen wird als das deutsche „sorg“. So gibt es „zorgverzekerer“ (Krankenversicherungen), die „zorginstellungen“ sind und „verzorgingshuizen“ und „verzorgungstehuizen“ (Pflegeheime und Versorgungseinrichtungen), in denen man „verzorging“ erhält.
 
Dort, wie hier in Deutschland, benötigt man oft im Alter eine Obsorge, die manchmal von der Fürsorge und einen Sorgeberechtigten gestellt wird. Nicht zuletzt wird geraten, sich frühzeitig der Altersvorsorge zu widmen. Ob man dann ausreichend umsorgt wird, darüber und über vieles andere kann man sich schon Jahre vorher Sorgen machen, aber, wie oben beschrieben, muss es nicht! Ran an den Sorgenbrecher!
 
Ein anderer Vorschlag lautet:
Lausche dem Frühling, sehe die Farben, öffne Dein Herz. Das vertreibt Sorgen, Ärger und so manchen Schmerz“ (Constanze Hoffmann).
 
 
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