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BLOG vom 24.03.2015


Bei Endenburg D: Das Fallholz forderte unsere Gelenkigkeit
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Rund um Endenburg (Landkreis Lörrach D) gibt es sehr schöne Rundwanderwege. An einer Stelle hat man sogar einen prächtigen Ausblick zum Schweizer Jura und bei guter Fernsicht auf die Schweizer Alpen. Wir waren von diversen Schilderungen und auch von früheren Wanderungen überzeugt, dass wir an diesem Tag, es war der 17.03.2015, eine schöne und gemütliche Tour vor uns hatten. Wanderführer Toni von Lörrach knobelte in bewährter Weise eine Wegstrecke aus, die wir noch nicht begangen hatten. 4 Mitwanderer meldeten sich an. Toni fuhr uns nach Endenburg (637 m ü. NN), parkierte mit seinem Pkw vor der kleinen Dorfkirche.
 
Das Dorf Endenburg gehört zur Gemeinde Steinen. Es ist ein wunderschön gelegener Ort, der sich mit seinem Kur- und Verkehrsverein um den Fremdenverkehr sehr bemüht. Das Wetteramt Freiburg stellte fest, dass Endenburg alle bioklimatischen Voraussetzungen für einen Erholungsort besitzt.
 
Dann begaben wir uns frohen Muts bei schönstem Vorfrühlingswetter auf dem mit einem gelben Rhombus gekennzeichneten Weg in Richtung Stühle (803 m ü. NN). Es gibt auch einen Wanderweg über die Ameisenhütte (824 m ü. NN). Wir bevorzugten den direkten Stühleweg. Zunächst führte diese Route durch einen Mischwald stetig bergauf. Nach etwa 1 Stunde erreichten wir die Wegkreuzung auf dem Bergsattel Stühle. Dieser liegt zwischen dem Kander- und Wiesental.
 
Während des Aufstiegs sah ich am Wegesrand ein leuchtendes Blütengelb aus dem Boden hervorspriessen. Es waren die schönen Strahlenblüten des Huflattichs (Tussilago farfara L.). Er ist der erste Frühjahrsblüher. Eine Besonderheit: Die Blüten erscheinen vor der Blätterbildung.
 
Die Inhaltsstoffe des Huflattichs wirken schleimlösend, reizmildernd, entzündungswidrig. Zubereitungen des Huflattichs (Tee, Presssaft) helfen bei Erkrankungen der Atemwege, Husten, Verschleimung und Heiserkeit.
 
Nach dieser Abschweifung zurück zur Wanderung. Auf dem „Stühle“ verschnauften wir ein wenig. Dann tröstete Toni, nun gehe es nur noch ein wenig bergauf und dann abwärts nach Endenburg.
 
Ein schöner Weg führte uns durch einen Buchen- und Fichtenwald. Dann kam etwas Unerwartetes auf uns zu, woran wir nie im Traum daran gedacht hätten: Über unserem Waldweg lagen dicke und dünne Baumstämme mit den darauf befindlichen Ästen. Das 1. Hindernis nahmen wir noch mit Humor. Dann standen uns noch mindestens 10 weitere solche im Wege. Wir kletterten vorsichtig über Äste, gingen in gebückter Haltung unter Baumstämmen hindurch. Wir passten auf die abstehenden gebrochenen Äste, die teilweise zersplittert waren, besonders auf. Wir wollten ja keine Verletzung unserer Weichteile riskieren. Beim Zurückbiegen von Ästen war wegen des Zurückschnellens Vorsicht geboten. Ab und zu kitzelten uns einige Fichtenadeln im Gesicht und auf den ergrauten Häuptern. Es waren gymnastische Übungen, die wir älteren Knaben ganz gut bewältigten. Eine Ausweichung war wegen des Steilhangs kaum möglich. Nur an einer Stelle umgingen Claus und ich das Gewirr aus Bäumen und Ästen etwas bergab, dann wieder bergauf zu unserem Weg.
 
Wenn ich mich aus dem Gestrüpp befreite, konnte ich immer wieder Fotos machen. Ein Bild mit Claus im Gestrüpp und zwischen Baumstämmen war wohl das eindrücklichste. Einige Bilder sind auch auf Twitter zu sehen:
 
Claus kündigte an, er müsse am Abend noch Tennisspielen, aber die strapazierten Muskeln würden nur gerade noch für ein „Stehtennis“ reichen.
 
Es war nicht „Lothar 2“
Während unserer abenteuerlichen Überwindung der Hindernisse kam mir eine Wanderung auf dem Planetenweg im Weissenstein-Gebiet (oberhalb von Solothurn, Schweiz) in den Sinn. Damals (Weihnachten 1999) wütete der Sturm „Lothar“ über das Land. Aber zu jener Zeit (es war im Frühjahr danach) konnten wir die herumliegenden Bäume in gebückter Haltung überwinden. Auf einer anderen Wanderung mussten wir Holzfällern ausweichen und uns steil bergauf bemühen. Eine weitere Wanderung führte uns nach Sulzburg. An einem Abhang oberhalb des Orts war plötzlich Schluss mit lustig. Der Pfad war mit gefallenen Bäumen versperrt. Wir wussten uns zu helfen, gingen vorsichtig den steilen Abhang an Büschen und Bäumen vorbei nach unten. Aber das waren nicht so kräfteaufreibende gymnastische Übungen wie diesmal.
 
Wanderfreund Bernd von Rheinfelden, der schon auf unwegsamen Gelände im Yukon-Gebiet (Kanada) unterwegs gewesen war und eine entsprechend Erfahrung hat, schickten wir immer voraus, um den weiteren Weg zu erkunden. Wir wunderten uns, wie er mit Leichtigkeit die Bäume und Äste überwand. Ab und zu rief er uns die Wegbeschaffung zu. Toni folgte ihm an 2. Stelle und sang dann, während er auf uns wartete, den Anfang des Liedes von den „lustigen Holzhackerbuam“. Er meinte uns; wir hatten jedoch in diesem Augenblick nichts mit dem Holzhacken zu tun, sondern waren anderweitig beschäftigt. Dem wollte ich es zeigen. Wir kamen durch und wollten nicht Holz hacken.
 
Dann stolperten alle mutig weiter, um bald den Waldarbeitern freigemachten Pfad zu erreichen. Etwa 1/3 des gesamten Wegs waren schon geräumt.
 
Ich konnte es kaum glauben, dass überall am steilen Abhang hunderte von Bäumen (mehr Buchen als Fichten) entwurzelt oder abgeknickt herumlagen. Wir vermuteten einen Sturm, der hier gewütet hatte. Aber es war nicht so: Schuld war ein Schneebruch, der sich Anfang Februar ereignete. Der Wald wurde massiv geschädigt. Bis zu 5000 Festmeter Holz könnten zu Boden gegangen sein.
 
Nach Auskunft des Revierförsters Christfried Gottschling handelt es sich zum überwiegenden Teil um Privatwald. Auf die Besitzer kommt eine Riesenarbeit zu, um die Schäden zu beseitigen. Der Forst will jetzt beratend eingreifen, um die Gefahren von Unfällen zu minimieren. Nach dem „Lothar“ gab es nämlich schwere Unglücks- und sogar Todesfälle bei den Holzarbeiten.
 
Schnapsrunde zur Belohnung
Nach diesen Betrachtungen kommen wir wieder auf unsere Wanderung zurück. Wir gingen auf den freigeräumten Weg mit schnelleren Schritten zum „Haus am Stalten“. Es handelt sich hier um eine kleine anthroposophisch orientierte Rehaklinik mit gemeinnütziger Trägerschaft. Die kompetente schulmedizinische Betreuung wird ergänzt durch anthroposophisch erweiterte Medizin und naturheilkundliche Angebote.
 
Danach erreichten wir das Oberdorf von Endenburg. Bevor wir jedoch in den Ort hineinschritten, genossen wir den schönen Blick in die Ferne. „Hier sieht man bei klarer Sicht bis auf die Schweizer Alpen“, bemerkte ein freundlicher Herr, der auf einer Bank sass. Wegen der diesigen Wetterlage konnten wir die Alpenkette des Berner Oberlands nicht erblicken, dafür aber die schöne nähere Umgebung von Endenburg. Im Internet fand ich unter www.sbo.de/steinen/ auf einem faszinierenden Bild die Alpenkette.
 
Beim Gang durch den schönen Ferienort sahen wir einige ältere Gebäude, 2 gut bürgerliche Gaststätten („Alpenblick“ und „Pflug“) und saubere Vorgärten.
 
Nach 2 ¼ Stunden erreichten wir wieder die kleine Kirche, nahmen auf einer Bank Platz und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. Toni spendierte einen „Kirsch“, der uns gut tat.
 
Es war eine abenteuerliche Tour, die uns doch einiges abverlangte. Richard Gerd Bernardy sandte ich einige Bilder von unserer Wandertour zu. Er schrieb mir dies: „Eine solche Wanderung macht einfach viel mehr Spass als das Wandern auf einfach begehbaren Wegen.“ Rolf P. Hess bewertete unsere Tour so: „Ein wahres Abenteuer – da wisst Ihr wenigstens, was Ihr geleistet habt.“
 
Den Beiden kann ich voll und ganz zustimmen. Solche Touren bleiben noch lange Zeit in Erinnerung. Unser Dank gilt unserem Wanderplaner Toni.
 
Quellen
Internet
www.badische-zeitung.de („Wie weiland bei ̦Lothar’“)
www.drfalkpharma.de (Schwarzwaldwanderungen rund um Endenburg)
 
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