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BLOG vom 14.05.2015


Am 7-Moore-Weg: Wasserfall, Gletschermühle und Groppe
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
 
Als ich hörte, Claus von Wehr wolle mit uns den 7-Moore-Weg im Hotzenwald begehen, dachte ich an die gruseligen Geschichten und Filme „Der Hund von Baskerville“ von Sir Arthur Canon Doyle und das  „Wirtshaus von Dartmoor“ von Edgar Wallace, aber auch an die Ballade „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff, also  an den Knaben, der im Dunkeln durchs Moor wanderte und in Panik geriet, als Geistergestalten auftauchten. Am Ende sah er jedoch Licht, und dadurch  ist er dem Moor entkommen.
 
Wir dachten auch an die aufgefundenen Moorleichen und die vielen Gegenstände, die in Mooren versenkt wurden. Es waren Schmuck, Fibeln, Münzen, Gefässe, lederne Schuhe, wollene Kleidung, Bronzeschwerter, Steinwerkzeuge.
 
Am 29.04.2015 fuhren wir zu siebt durch das wildromantische Wehratal nach Todtmoos und von dort nach Wehrhalden. Ausgangspunkt unserer Wanderung war das Steinerne Kreuz. Zunächst wurde die Informationstafel zum Oberen Hotzenwald studiert; sodann überquerten wir die Strasse und gelangten ins Natur- und Waldschutzgebiet Kirchspielwald-Ibacher Moos. Es ist das grösste Naturschutzgebiet im Oberen Hotzenwald. Es zeichnet sich durch die Vielzahl an Hoch-, Flach- und Übergangsmooren aus. Hier wachsen diverse Pflanzen wie das Alpen-Wollgras, der Fieberklee, der Sonnentau, die Moosbeere, verschiedene Orchideen und Moorkiefern (Spirke). Es ist auch ein Schutzgebiet für Vögel wie Auerhahn, Raufusskauz, Sperlingskauz. In lichten Moorbereichen sind auch die stark gefährdete Kreuzotter und einige gefährdete Schmetterlings- und Libellenarten zu Hause.
 
Nach diesen Vorinformationen wollen wir uns wieder auf den Weg konzentrieren. Vom Steinernen Kreuz (998 m ü. NN) wanderten wir durch einen Tannen-Fichten-Buchenwald, an einem markanten Baumstumpf mit Baumpilzen und an 3 Mooren vorbei, bergab ins Schwarzenbachtal. Hier rauscht der durch dunkle Moorwässer geprägte Schwarzenbach.
 
Vorher entdeckte Wanderfreund und Pilzkenner Bernd von Rheinfelden einen Pilz, der einer Morchel ähnlich sah. Der dunkelbraun gefärbte Pilz war jedoch ein giftiger Doppelgänger, die Frühjahrslorchel (es gibt auch noch die Riesenlorchel). Bernd erkannte mit Kennerblick die giftige Variante.
 
Wasserfall und Gletschermühle
Der Waldweg des 1. Teils des 7-Moore-Wegs endete an einer geteerten Strasse. Hier bot sich uns eine Gelegenheit, einen Abstecher zur Gletschermühle am Krai-Woog-Gumpen im Schwarzenbach zu machen. Wir bewegten uns etwa 400 Meter abwärts und stiegen links von der Strasse einen steilen, abenteuerlichen Weg weiter in die Tiefe. Der Weg war mit etlichen Felsbrocken gepflastert. Wir älteren Männer mussten höllisch aufpassen, um nicht zu stolpern. Ein Hopsen über die Steine war nicht angesagt: „Früher hüpfte ich über Stock und Stein, heute ist es vorbei mit der Gelenkigkeit“, hielt einer  aus unserer Gruppe fest. Wir mussten uns auf den Weg konzentrieren, sahen erst auf halber Strecke den rauschenden Wasserfall und die Gletschermühle. Der Wasserfall stürzt in ein Becken, dem Krai-Woog-Gumpen ( Krai = laut ist das Rauschen; Woog = Wasserfall, die grosse Welle; Gumpen = springen, hopsen).
 
Gegenüber vom Wasserfall auf einem Rastplatz machten wir eine Schnapspause. Dann ging es auf einem anderen Weg zur geteerten Strasse zurück und an einem Sägewerk (Schwarze Säge) vorbei.
 
Ein männlicher Pfleger
Auf einer Brücke, die über den Schwarzenbach führt, sah ich eine Info-Tafel, die uns auf einen mir unbekannten Fisch aufmerksam machte. Es ist ein männlicher Pfleger: die Groppe. Diese kommt zusammen mit der Bachforelle in mehreren strömungs- und sauerstoffreichen Bächen des oberen Hotzenwalds vor. Text: „Das Männchen zeigt ein besonderes Verhalten bei der Brutpflege. Es bewacht nach Begattung die vom Weibchen an der Unterseite von Steinen angeklebten Laichballen bis zum Schlüpfen der Fischlarven nach rund 45 Wochen. Groppen fühlen sich in ihrer ‚Tarntracht’ so sicher, dass sie selbst von nahenden Kinderhänden nicht davon schwimmen.“
 
Nach einigen Minuten sahen wir rechter Hand das Schild 7-Moore-Weg und die gelbe Raute. Darunter wies ein Schild mit der Aufschrift „Durchgang auf eigene Gefahr“ darauf hin, dass man vorsichtig weiterschreiten sollte.
 
Wir wussten jetzt, dass es in die weiteren Moore ging. Aber wir hatten keine Bedenken, um im Moor zu versinken. Es führte nämlich ein breiter Bohlenweg durch das Hochmoor. „Da sind ja keine Birken zu sehen“, bemerkte ein Freund. Aber bald kamen wir ins Birkenmoor und sahen dann einige dieser prächtigen Bäume.
 
In diesem Moor sind je nach Jahreszeit seltene Pflanzen zu sehen. Die meisten blühen in der Mitte des Jahres. Vor einer Moorstation, die etliche Infotafeln aufweist, sahen wir ein spezielles Moorbeet. In diesem Beet kann man die seltenen Pflanzen näher betrachten. Aber wir sahen Ende April noch keine.
 
Wir schritten dann weiter bis zum Ende des Bohlenwegs. Die letzte Infotafel war den Spechten und Käuzen gewidmet. Wir lasen, dass die Spechte unter Naturschutz stehen. Ein Wanderfreund fragte scherzhaft: „Stehen eigentlich Schluckspechte auch unter Naturschutz?“
 
Danach wanderten wir steil bergauf bis zum Kindskreuzle und von dort erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt, das Steinerne Kreuz.
 
Es war eine sehr interessante Wanderung bei schönem Frühlingswetter. Wie schon gesagt, keiner versank bzw. bekam nasse Füsse.
 
Ach wie schön ist das Rentnerleben!
Zum Abschluss gönnten wir uns eine zünftige und schmackhafte Vesper im „Landgasthof Kranz“ in Görwihl-Segeten (www.landgasthof-kranz.com). Eine Spezialität in diesem Landgasthof sind Wildschweinwürste und Wildweinsalami. Als ich die Bedienung fragte, ob die Wildschweine vom Hotzenwald stammen, antwortete sie spontan: „Hier gibt es genug. Am 01. 05. wird die Jagdsaison eröffnet. Dann gibt es wieder frische Würste.“
 
Wir Pensionäre genossen die Speisen und die Atmosphäre in der Wirtschaft. Dabei fiel mir ein Spruch eines Wanderers ein, der dies sagte: „Ach wie schön ist das Rentnerleben, wenn man noch geniessen, scherzen und lachen kann.“
 
Der Genuss steht an der Spitze unseres Daseins. Aber auch den Scherz und das Lachen vernachlässigen wir nicht.
 
 
Internet
www.hotzenwald-life.de (Natur- und Waldschutzgebiet Kirchspielwald-Ibacher Moos)
 
Hinweis auf weitere Wanderblogs von Heinz Scholz
09.05.2005: Erdmannshöhle: Tropfsteine für Basler und Soldaten
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