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BLOG vom 13.03.2005


Johann Georg Schnitzer und die Rückkehr zur Vernunft

Autor: Walter Hess

Eine wahre Geschichte, wie sie das Leben millionenfach schreibt: Da sitzt einer herum, ernährt sich vorwiegend von Fleisch, Würsten, Produkten aus Auszugsmehlen und künstlich aufgepeppter Kost, die aus einer Fabrik statt aus dem Gemüse- oder Obstgarten stammt. Eine Zeit lang geht alles gut. Ich staune immer wieder, wie viel wir Menschen an falschem Lebensstil zu verkraften vermögen.

Doch eines Tages hört der Spass auf. Rheumatische Beschwerden mit den entsprechenden Schmerzen machen sich breit, und der Blutdruck steigt auch noch an. Was ist zu tun? Das Naheliegende: Man geht zum Arzt, beschreibt die schmerzenden Stellen, formuliert seine Beschwerden, soweit die Worte ausreichen. Das Schicksal hat halt zugeschlagen. Vorerst wird einmal untersucht, Blut abgezapft. Mehrere Sitzungen. Einmal schauen, wies da drinnen aussieht: Röntgen. So, das hätten wir. Die analytischen Laborberichte, soeben eingetroffen und frisch ausgedruckt, strotzen vor Zahlen wie der Regionalfahrplan einer aufstrebenden Agglomeration, eine imposante Sache.

Der Patient fühlt sich ernst genommen. Er hätte nie gedacht, dass in ihm solch ein Potenzial von wichtigen medizinischen Daten steckt. Ein klinisch höchst interessanter Fall. Je intensiver sich der Arzt mit jenen Analysenwerten befasst, die über den von findigen Köpfen festgelegten, grafisch dargestellten Normalbereich nach links oder rechts ausufern, desto finsterer wird seine Miene. Aber da taucht gleichzeitig ein deutlicher Schimmer von Zuversicht in seinen Gesichtszügen auf: Entzündungshemmer, Schmerzmittel – Lebensqualität muss ja sein – und Blutdrucksenker sowie weitere Chemikalien zum Geleit werden die Werte schon in jenen engen Bereich zwingen, in den sie die medizinische Norm haben will.

Der brave Mann schluckt die künstlich gefärbten Pillen nach Programm, eine reine Organisationsfrage, erbricht sich gelegentlich und fühlt sich schlecht und immer schlechter. Aber das zeigt ja gerade, dass etwas passiert. Vielleicht ist das sogar ein Zeichen von Heilungsprozess . . . Vielleicht muss das so sein.

Die über diese Zeilen geneigte Leserin und der freundliche Leser kennen solche Geschichten in Fülle. Es sind die berühmten Arztstorys, die ja bei fast jedem Gespräch zum Besten gegeben werden, sobald die verhängnisvolle Frage „Wie geht es dir?“ gestellt worden ist. Höhepunkte der Dramen in mehreren Akten sind Operationen und chronische Krankheiten, die auf eine höchst erfolgreiche Patientenkarriere schliessen lassen. Diese wird, wenn alles einigermassen gut geht, noch während Jahren zu erzählen geben.

Damit könnten wir dieses Zeitdokument abschliessen und zu den Akten legen. Es brachte dem Leser überhaupt nichts, was er im Prinzip nicht ohnehin schon wusste. Wenigstens ist der menschliche Organismus differenziert genug, um für verschiede Ausprägungen und individuelle Auswüchse zu sorgen. Abwechslung muss sein. Am Grundsätzlichen ändert dies nichts.

Und während das Elend seinen Verlauf nimmt, stösst man vielleicht durch einen glücklichen Zufall auf den Namen Dr. Johann Georg Schnitzer; weil irgendwo eines seiner zahlreichen Bücher herumliegt oder aber man beim Surfen im Internet auf ihn gestossen ist. Und dieser Gesundheitslehrer, als den ich ihn bezeichnen will, behauptet in seinen Büchern in selbstsicherer Art, der Bluthochdruck könne heruntergeholt werden und auch die Zuckerkrankheit sei heilbar, wenn man sich bloss richtig und vollwertig ernähre und zudem noch auf ein paar andere Begleiterscheinungen wie ein intaktes Lebensumfeld achte. Er beschreibt das alles in seinen Büchern detailliert.

Ähnliche Ansichten vertraten schon Dr. Max Bircher-Benner, dessen Birchermüesli ich mit Zusatz von frisch gequetschten Haferkörnern (Haferflocken) zu meiner Leibspeise erkoren habe, eine wohlschmeckende Kraftnahrung bzw. „Urnahrung“ (Schnitzer-Ausdruck). In die Reihe der grossen Ernährungs- und Gesundheitslehrer gehören neben anderen auch Dr. Max-Otto Bruker, Åre Waerland, Sebastian Kneipp, Werner Kollath und wahrscheinlich auch unsere vernünftigen Urgrossmütter, die sich noch nach bestem Wissen und Gewissen ums Wohl ihrer Familie kümmerten und sich nicht mit feministischen Befreiungsmassnahmen im Hinblick auf eine Flucht aus Hausarbeit und Familienbetreuung herumschlugen.

Die Philosophie solch weiser Persönlichkeiten gründete bzw. gründet auf dieser Überlegung: Eine falsche Lebensweise macht krank, und eine richtige (gesundheitsfördernde) Lebensweise erhält die Gesundheit oder macht gesund. Punkt. Geniale Lösungen sind immer einfach.

Das Bestreben zur Beseitigung krankheitsfördernder Ursachen ist ein grundsätzlicher Unterschied zur Schulmedizin, die nicht das Heilen, sondern das Behandeln auf ihre Fahnen geschrieben hat. Denn geheilte Patienten sind ja keine Patienten mehr. Das Heilen schadet somit dem Patientengut – dieses würde schmelzen wie jetzt gerade der Schnee vor meinem Büro bei 11 °C bei strahlendem Sonnenschein.

Das Krankheitssystem funktioniert in zivilisierten Ländern nach seinen eigenen marktwirtschaftlichen Gesetzen, wie man sieht. Es ist nicht gesundheits-, sondern umsatzorientiert. Das System ist einfach so. An diesem System kann man herumdoktern so viel man will, es ist nicht mehr zu retten. Man müsste es schon von Grund auf ändern. Aber in diesem Zusammenhang muss man auch ans Bruttosozialprodukt denken. Konsumieren ist heute die erste Bürgerpflicht, und das trifft uneingeschränkt auch auf medizinische Dienstleistungen zu. Es geht auch um Arbeitsplätze, an denen die Arbeitskräfte dann zwar doch wieder häufig nicht erscheinen, krankheitshalber.

Dr. Schnitzer gefährdet dieses System. Er möchte die Menschen zur Gesundheit hinführen und hat Tausende von begeisterten Anhängern in aller Welt. Aber wie der Medizin- und Fachpublizist Heinz Scholz in seinem aus eigener Initiative fürs Textatelier verfassten „Glanzpunkt“ über einige Aspekte aus dem Leben Schnitzers minuziös beschrieben hat, musste dieser eigenwillige Wissenschaftler dafür büssen; hatte von wissenschaftlicher Seite harte Attacken zu ertragen. Er ertrug sie und erstarkte daran wie das Immunsystem an einer möglichst chemiefrei produzierten, naturbelassenen Nahrung. Er ist noch heute voller Tatendrang, führt sein publizistisch-aufklärerisches Werk in jugendlicher Frische weiter.

Ich durfte Dr. Schnitzer im September 2003 in Friedrichshafen am Bodensee besuchen. Er war damals 73 Jahre alt, und wenn ich sein Alter hätte schätzen müssen, wäre ich auf eine Zahl so um 55 gekommen. Ich möchte das nicht als Kompliment, sondern als Feststellung verstanden wissen, hier angeführt als Beweis dafür, dass seine Theorien, die eigentlich bloss eine Rückkehr zur Vernunft sind, tatsächlich funktionieren: Der Mensch hat den Schlüssel zur eigenen Gesundheit in der Hand.

Wieso erzähle ich Ihnen das? Dr. Schnitzer hat am vergangenen späten Freitagabend, 11. März 2005, die Empfänger seines Rundbriefs auf das Textatelier.com hingewiesen. Seine Empfehlung hat Gewicht. Schon am Samstagmorgen betraten rund 300 Besucher mehr das Textatelier als dies an Samstagvormittagen üblich ist, und die Serie von Zugriffen und Rundbrief-Bestellungen dauern noch immer an. Für mich ist dieser virtuelle Hochbetrieb ein Zeichen für die Glaubwürdigkeit von Dr. Schnitzer, aber auch ein Indiz für den Umstand, dass es viele Menschen gibt, die aus einem kommerzialisierten Krankheitssystem ausgebrochen sind, die vertrauenswürdige Quellen suchen, sich inspirieren lassen, sich eigene Gedanken machen und sich vernünftig verhalten.

Diese Elite schlägt sich die Zeit nicht mit dem Auftischen von Krankengeschichten zu Tode, sondern solche Menschen leben, sie leben aktiv und erfreuen sich bester Gesundheit. Es gibt sie also noch, diese Unangepassten. Ich freue mich über alle Kontakte zu derart aussergewöhnlichen Leuten aufrichtig, weil sie beweisen, dass es neben der erfolgreichen Patientenkarriere auch eine lustvolle Gesundheitslaufbahn gibt:

Urgesundheit aus Urnahrung statt Ungesundheit aus Unnahrung.

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