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BLOG vom 25.06.2015


Sebastian Kneipp (1): Kneipp-Kur – Gesundheit auf 5 Säulen
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

Sebastian Kneipp (1821-1897) hätte sicher nicht vermutet, dass seine Kaltwasserkur eine weltweite Bewegung in Gang setzen und vielen Menschen zur Gesundheit verhelfen würde. Kneipp hat die Wasseranwendungen, die Johann Siegmund Hahn (1696−1773) propagierte, weiterentwickelt und durch kleinere, wechselwarme Anwendungen ergänzt. Ihm ist auch zu verdanken, dass diese Therapieform bekannt wurde. Er erkannte, dass Heilpflanzen, eine gesunde Ernährung, Bewegung an frischer Luft und ein ausgeglichenes Seelenleben zur Genesung beitragen.

Die 5 Säulen der Kneipp-Therapie

Die Kneipp-Therapie ist eine Ganzheitsmethode, die auf 5 Säulen ruht: Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Bewegungstherapie, Ernährung und die Ordnungstherapie. Die moderne Kneipp-Kur bezieht die Erkenntnisse der Physiotherapie und der wissenschaftlichen Naturheilkunde mit ein. Diese Wissenschaftszweige bestätigen die von Sebastian Kneipp entwickelten Behandlungsmethoden. Die Bestandteile und Therapieformen der Kur werden laufend von Kneipp-Ärzten und Forschungsinstituten überprüft und ihre Langzeitwirkung wird beobachtet.

Anwendungsgebiete

Die Kneipp-Kur kann als Allgemein- oder Basistherapie eingesetzt werden. Sie dient sowohl der Vorbeugung gegen Krankheiten als auch der Heilung von Erkrankungen und ihrer Nachbehandlung. Auch bei folgenden Indikationen hat sich diese Kur bewährt:

Herz/Kreislauf: Arteriosklerose, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Hypotonie, Venenleiden. Der Kneipp-Bund empfiehlt zur Vorbeugung von Venenerkrankungen Kneipp-Anwendungen, Schwimmen, Wandern, Joggen und Walking.

Atemwege: Erkältungskrankheiten, chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, Nasennebenhöhlenentzündung.

Magen/Darm: Reizdarm, Verdauungsschwäche, Durchfall, Hämorrhoiden.
 
Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte, Fettleibigkeit.
 
Niere/Blase: Blasenentzündung, Reizblase, Nieren- und Blasensteine,
Prostatabeschwerden.
 
Bewegungssystem: Rheumatische Erkrankungen wie Gelenk- und Muskelrheumatismus.

Nerven/Psyche: Erschöpfung nach Stress, Schlafstörungen, depressive Verstimmungszustände, Kopfschmerzen/Migräne.

Haut: Neurodermitis/Allergie, Akne; Fusspilz (Barfusslaufen unterstützt die Hautdurchblutung, vorbeugend gegen Fusspilz).

Zur Behandlung von akuten oder schweren chronischen Erkrankungen darf die Kneipp-Therapie nicht angewandt werden.

Die Kneipp-Kur kann problemlos mit anderen Therapien kombiniert werden.

Eine Kneipp-Kur kann dazu beitragen, verschiedene Krankheitsbilder zu lindern und so die Lebensfreude und Lebensqualität steigern. Ausserdem verringert sie die Stressanfälligkeit und stärkt das Immunsystem, so dass der Körper Infekte besser abwehren kann.

Wasseranwendungen

Wer nun glaubt, bei der Kneipp-Kur wird nur kaltes Wasser eingesetzt, der hat sich geirrt. Je nach Anwendung kommt kaltes und häufig auch im Wechsel von warm und kalt oder ausschliesslich warmes Wasser zur Anwendung. Die Hydrotherapie umfasst Waschungen, Güsse, Bäder, Wassertreten, Taulaufen, Wickel, Auflagen, Kompressen, Heublumensack und Lehmpackungen.

Die Ausführung dieser Anwendungen kann man in der Kur oder bei einem der 600 Kneipp-Vereinen (160 000 Mitglieder) erlernen oder sich von einem Kneipp-Arzt oder Kneipp-Bademeister zeigen lassen.

Was passiert bei der Wasseranwendung? Die Reize bewirken, dass sich die Gefässe zusammenziehen und anschliessend ausdehnen. So wird die Durchblutung der Haut angeregt. Durch Hautreize werden über Nervenbahnen auch innere Organe stimuliert.

Waschungen, Bäder, Wickel

Oberkörperwaschung: Erfrischt Kreislauf, entlastet das Herz, beruhigt die Nerven und stärkt das Immunsystem.

Unterkörperwaschung: Stärkt die Nerven, hilft bei entzündeten Gelenkbeschwerden und lindert Durchblutungsstörungen der Beine.

Bei sämtlichen Waschungen muss der Körper warm sein. Für Waschungen ist kaltes Wasser am besten geeignet, empfindliche Personen können jedoch mit temperiertem Wasser beginnen. Ein grobporöses Leinentuch dient als Waschlappen. Ohne vorheriges Abtrocknen wird die Nachtkleidung übergezogen und das Bett aufgesucht.

Kaltes Armbad: Stärkung der Abwehrkräfte, Förderung der Blutzirkulation in den Armen, Anregung des Stoffwechsels, Durchblutungsförderung für den Herzmuskel, Erfrischung bei Müdigkeit. Auch das kalte Fussbad bei heisser Witterung bringt eine ungemeine Erfrischung.

Güsse: Bei einem Guss wird ein gebündelter, fast druckloser Wasserstrahl an einzelnen Körperteilen oder am ganzen Körper entlanggeführt. Die Güsse werden kalt, warm oder wechselwarm durchgeführt. Kalte Güsse sollte man nur auf einem erwärmten Körper anwenden! Sobald eine Hautrötung eintritt (nach 1 bis 2 Minuten) den Guss beenden. Nach dem Guss sorgen Bewegung oder Bettruhe für eine rasche Wiedererwärmung.

Bäder: Bäder, zumeist Teilbäder, kommen warm, kalt oder als Wechselbäder zum Einsatz.

Wassertreten: Durch das Wassertreten wir das Immunsystem gestärkt, der venöse Rückfluss gefördert. Hilft auch bei Kopfschmerzen und zu hohem Blutdruck. Es ist auch eine Beruhigungs- und Einschlafhilfe. Mit warmen Füssen im Storchenschritt im kalten Wasser in der Badewanne oder in einer Wassertretanlage so lange marschieren, bis ein Kältegefühl eintritt (nach 1-2 Minuten). Wiedererwärmung: Füsse nicht abtrocknen, Socken anziehen.

Wickel: Die feuchte Wärme des Wickels fördert die Durchblutung. Schmerzen und Entzündungen lassen nach, Verkrampfungen lösen sich und die Wundheilung wird gefördert.

Heilkräuter

„Ich habe viele Jahre hindurch zum grössten Teil mit Kräutern und weniger mit Wasser kuriert und dabei die schönsten Erfolge erzielt“, meinte Sebastian Kneipp.

Die meisten Pflanzen wirken mild und haben kaum Nebenwirkungen. Sie eignen sich hervorragend zur Selbstmedikation. Heilpflanzen können helfen, „chemische“ Medikamente einzusparen oder zu ersetzen. In der Kneipp-Therapie ergänzen sorgsam ausgesuchte und dosierte Heilpflanzenpräparate die Anwendungen.

Die Ernährung

„Die Zubereitung der Speisen soll einfach und ungekünstelt sein; je näher die Speisen dem Zustande kommen, in welchem sie uns von der Natur angeboten werden, desto gesünder sind sie“, sagte einst Pfarrer Kneipp.

Empfohlen wird heute eine Vollwertkost. Bewährt haben sich auch eine vegetarische und vegane Ernährung. Von Bedeutung ist, dass man mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte zu sich nimmt und weitgehend auf „leere“ Kalorien (Zucker, Süsswaren, süsse Getränke) verzichtet. Angebracht ist auch das Trinken von Mineralwasser, Leitungswasser, dünnen Kräutertees (etwas 2 Liter pro Tag).

Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie umfasst alle Möglichkeiten der aktiven und passiven Bewegung, z. B. Fast Walking, Gymnastik, Wandern, Radfahren und Schwimmen, ebenso wie alle Formen von Ausgleichsport. Es ist eine sinnvolle Bewegung gefragt, die Spass macht und den Körper fit hält, nicht Leistungssport.

Der Kneipp-Bund schrieb dazu: „Im Zusammenhang mit den Kneippschen Wasseranwendungen, der Sauna und Massagen stellt der Ausgleichssport eine für die Gesundheit äusserst wichtige Massnahme dar. Sie ist sowohl in gesunden Tagen im Sinne der Vorbeugung, aber gerade auch in kranken Tagen zur Wiederherstellung der Gesundheit bzw. Linderung von Störungen, angezeigt.“

Bewusste Lebensführung

„… erst als ich Ordnung in die Seele meiner Patienten brachte, besserten sich auch die körperlichen Gebrechen.“ und „Haltet euch von innen heraus stark, dann werdet ihr nicht krank, setzt den Körper in den Stand, den äusseren Einwirkungen Widerstand zu leisten, dann werdet ihr nicht krank“, riet Sebastian Kneipp.

Die bewusste Lebensführung, auch Ordnungstherapie genannt, versucht einen natürlichen Lebensrhythmus herzustellen. Die beste Kur nützt nichts, wenn die geistige und seelische Harmonie fehlt. Kneipp hat erkannt, dass der Mensch als Einheit aus Körper, Seele und Geist betrachtet werden muss, und dass sich diese drei „Elemente“ ständig beeinflussen. Da Krankheiten auch aus der Seele kommen, müssen alle drei Komponenten des Daseins gemeinsam behandelt und geheilt werden.

Kurärzte berichten immer wieder, dass Patienten von seelischen Problemen belastet werden, z. B. Eheprobleme oder verschiedene Ängste. Die Kurärzte versuchen dann in persönlichen Gesprächen das Seelenleben wieder auszugleichen, indem sie jedem Kurenden zuhören und Ratschläge geben, die allein seiner Situation entsprechen. Dies ist nicht immer leicht, aber sehr wichtig, wenn die anderen Therapiemassnahmen greifen sollen.

Auch die vielfach propagierten Verfahren zur Entspannung, wie Autogenes Training, Yoga, Atemtherapie und bestimmte Meditationsformen können in eine Kneipp-Kur sinnvoll eingefügt werden.

Der Kneipp-Bund e.V.

Der Kneipp-Bund e.V. (www.kneippbund.de) ist der Dachverband für die rund 600 Kneipp-Vereine mit etwa 160 000 Mitgliedern. Dieser Bund vermittelt eine wertvolle Gesundheitsidee, die auf den 5 Elementen, Ernährung, Bewegung, Lebensordnung, Heilpflanzen und Wasser aufbaut. Die Veranstaltungen der Kneipp-Vereine dienen der aktiven Gesundheitsvorsorge. Ziel der Vereine ist es, die Lehren Sebastian Kneipp möglichst vielen Menschen nahezubringen.

Die Sebastian-Kneipp-Akademie (www.kneippakademie.de) in Bad Wörishofen, die 1977 gegründet wurde, ist eine Bildungseinrichtung, die das ganzheitliche Gesundheitskonzept nach den Grundannahmen der Lehre Sebastian Kneipps weiterführt und weiterentwickelt. „Neben unseren bewährten, qualitativ hochwertigen Seminaren setzen wir auch neue Impulse durch interessante Weiterbildungsthemen und aktuelle Ausbildungen“, so der Kneipp-Bund. In der angegebenen Internetadresse sind Infos zu den jeweiligen Kurs- und Seminarangeboten einsehbar.

Der Kneipp-Verlag (www.kneippverlag.de) gibt die sehr ansprechende Zeitschrift „Kneipp-Journal“ heraus. Der Verlag arbeitet auch als Buch- und Gesundheitsartikelversand.


2. Teil: Lebensdaten, Anekdoten und Zitate von und über Sebastian Kneipp.

 
Internet
 
Literatur

Bachmann, Robert, M.; Schleinkofer, German, M.: „Die Kneipp-Wassertherapie“, Trias Verlag, Stuttgart 1992.

Uehleke, Bernhard; Hentschel, Hans-Dieter.: „Das grosse Kneipp-Gesundheitsbuch“, Haug Verlag, Stuttgart 2006.


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