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BLOG vom 23.07.2015


Ukraine-Krise: Zeitungsbeitrag, der aus dem Herzen spricht

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland


Der heutige Text ist zu grossen Teilen abgeschrieben. Das hat natürlich einen guten Grund. Die gerade erschienene deutsche Ausgabe des Le Monde diplomatique vom Juni 2015, übrigens eine Zeitung, die nicht dem sogenannten Main Stream hinterherläuft, von diesem ich vermute, dass er zumindest teilweise „USA-hörig“ ist, um einmal den Einfluss jenseits des Atlantik auf die europäische Politik und Medienlandschaft in Kurzform zu bringen, ist erschienen. Die Artikel im Le Monde scheinen mir sachlicher, nicht einseitig, sondern aus neutraler Sicht dargestellt. Ein weiterer Grund für mein Plagiieren im Sinne von Abschreiben, Kopieren und Übernehmen ist es, dass ich meine Gedankengänge und Meinungen zu einem grossen Teil von diesem Autor bestätigt bekommen habe.

Dieser Autor ist kein Unbekannter, sondern Jean-Pierre Chevènement, ehemaliger Bildungs-, Verteidigungs- und Innenminister in verschiedenen französischen Regierungen. Er ist der Autor eines Essays unter der Überschrift „Die Ukrainefrage“ auf der Seite 15 der vorliegenden Ausgabe.

In früheren Blogs von mir zum Thema „Ukraine“ habe ich diesen Satz ähnlich formuliert:

„Was ist der Ukraine stattfindet, ist ein Stellvertreterkrieg.“ Der Autor führt weiter dazu aus:

Auf der einen Seite stehen die ukrainische Armee und die ‚Freiwilligenbataillone’, die von den USA und ihren Verbündeten unterstützt werden, auf der anderen die ‚Separatisten’, die sich auf die russischsprachige Bevölkerung stützen, und natürlich auch auf Russlands Beistand, der sich als humanitäre Hilfe ausgibt.“

Chevènement bringt es auf den Punkt:

Die eigentliche Frage, um die es in der aktuellen Ukrainekrise geht, lautet aber, ob Europa in der Lage ist, als unabhängiger Akteur in einer multipolaren Welt aufzutreten, oder ob es sich mit seiner dauerhaften Unterordnung unter die USA abfindet. ‒ Die Konditionierung der öffentlichen Meinung beruht auf Unbildung und Unkenntnis der heutigen russischen Realität; vielleicht handelt es sich auch um ein bewusst polarisierendes, also manipulatives ideologisches Konstrukt.“

Der Autor sieht einen schweren Fehler für die gegenwärtige Situation: „Die EU hätte die enge Verflechtung der ukrainischen und russischen Volkswirtschaften berücksichtigen müssen. Und sie hätte sich nicht von den Anhängern der Nato-Osterweiterung instrumentalisieren lassen dürfen. Stattdessen manövrierte Brüssel die Ukraine in die unmögliche Lage, zwischen Europa und Russland wählen zu müssen.“

Chevènement ist der Meinung, dass Wladimir Putin in die Krise hineingeschliddert sei. Den Anschluss der Krim (der Autor nennt ihn nicht Annexion oder „gegen das Völkerrecht verstossend“!) sieht der Autor als eine „unbestreitbar überzogene Reaktion“ an, und Russland habe damit gegen den Grundsatz der territorialen Integrität verstossen, „den Moskau stets hochgehalten hat“. Aber er zeigt dafür auch Verständnis, denn das sei aus strategischen Erwägungen heraus geschehen. Putin hätte befürchten müssen, dass die neue ukrainische Regierung den Pachtvertrag, der Russland die Flottenbasis von Sewastopol bis 2042 sicherte, nicht einhalten würde.

Der Autor sieht das vollkommen richtig, wenn er schreibt, Russland demonstriere heute eine Fähigkeit zur Selbstbehauptung. Und er klagt zugleich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel an: „In der Ukrainekrise scheint sich Merkels konservatives Deutschland viel zu sehr nach den USA zu richten.“ Das scheint auch wirtschaftliche Gründe zu haben, 2010 gibt es bereits 1800 Beteiligungen von deutschen Unternehmen in der Ukraine. Warum? Weil die Ukraine „die natürliche Erweiterung des zentraleuropäischen Reservoirs an billigen Arbeitskräften darstellt.“

Chevènement mahnt, dass es an der Zeit sei, dass Deutschland die Europäer davon überzeugen müsse, „dass es nicht nur die Schaltzentrale der US-Politik in Europa ist, wie man angesichts der Instrumentalisierung des BND durch die NSA vermuten könnte. – Es wird Zeit, dass sich ein ‚europäisches Europa’ zu Wort meldet.“

Ich habe es schon angedeutet, der Autor spricht mir „aus der Seele“! Man kann nur hoffen, dass unsere Politiker und Medienmacher sich die Überlegungen „zu Herzen nehmen“, allerdings sehe ich die Hoffnung darauf nicht sehr rosig!

 
Quelle
Le Monde diplomatique, Paris. Verlag Deutschland: taz Entwicklungs GmbH&Co. Medien KG, Berlin, www.monde-diplomatique.de.
 

Hinweis auf weitere Arbeiten zur Ukraine

21.01.2015: Westen und Ukraine lassen den Vernichtungskrieg aufleben
24.11.2014: Rheinische Post: Ukraine und ein kritischer Zeitungsleser

08.09.2014: USA und Vasallen sind hauptverantwortlich für Ukraine-Krise
07.04.2014: Putin, Hitler-Vergleiche und das unverstandene Russland 22.03.2014: Bürger der Krim und der Ukraine: Appell an Menschlichkeit
16.03.2014: Tolstoi erholte sich in Luzern von seinem Krim-Abenteuer

14.03.2014: Beispiel Ukraine. USA verseuchen mit ihren Kriegen die Welt

01.03.2014: Stellvertreterkonflikte in der Ukraine und anderen Ländern

05.01.2014: Ukraine: Wo man Brzezinskis Totalitarismusideen umsetzt

27.12.2013: Alle gegen Russland: USA basteln am Kalten Krieg II herum

11.07.2012: Hintergründe des Boykotts der Fussball-EM in der Ukraine

05.11.2009: Schweinegrippe und Ukraine: Macht der gemachten Zufälle
 
Ein Reisebericht von Walter Hess aus dem Jahr 1994
 
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