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BLOG vom 05.08.2015


Ein sommerlicher Ausflug mit dem Rad

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

Es war Sonntag, die Sonne sandte ihre wärmenden Strahlen auf die Erde. Ein ideales Wetter für eine kleine Fahrradtour. Schnell waren die Klappräder ins Auto gepackt, und schon 20 Minuten später waren wir auf der Suche nach einem Parkplatz in einem kleinen Ort, der linksrheinisch nördlich von Düsseldorf direkt am breiten Strom zu finden ist.

Die Räder sind schnell ausgeladen und fahrfertig gemacht. Dieses Ufer des Rheins ist gegen Hochwasser durch einen Deich geschützt. Darauf ist ein Wander- und Radfahrweg angelegt. Noch gibt es wenig Verkehr auf diesem Weg. Wir fahren ein Stück, rechts Grünflächen, links nach einem kleinen, für herbst- und winterliche Überschwemmungen angelegten schmalen Landstreifen, der vom Ufer des Flusses bis zum erhöhten Deich reicht, der Strom.

Wir sitzen auf den Rädern, lassen unsere Blicke zum Rhein und ins Grüne schweifen. Eine Brücke kommt in Sicht. Es ist eine Autobahnbrücke, die am Rand beidseitig mit einem Fussgänger- und Radweg versehen ist. Wir fahren und schieben die Räder den geschraubten Weg bis hoch zur Brücke hinauf und überqueren den Fluss. Unter uns fährt ein grosser Frachter vorbei, in den geöffneten Ladeluken herrscht Leere. Er ist auf dem Weg flussabwärts in die Niederlande, um dort Kies zu laden.

Am Ende der Brücke endet der Weg wieder in einer Spirale, die uns auf den Radfahr- und Wanderweg leitet, jetzt rechtsrheinisch, also entgegen der Fliessrichtung des Wassers. Dort wird es allmählich voller. Fussgänger, teilweise mit Kinderwagen; Skater, Menschen auf Rollschuhen und uns überholende und entgegen kommende Radfahrer zwingen uns immer wieder auszuweichen.

Das Stadtgebiet von Düsseldorf ist erreicht. Auf der linken Seite sind die grossen Hallen des Messegeländes zu sehen. Rechts, direkt am Rhein unterhalb des Weges, stehen Marktstände, die Verkäufer bieten allerlei Waren und Lebensmittel an, daneben Imbissbuden. Wir fahren auf eine Menschenmenge zu, die vor einem Kiosk Schlange steht. Die Männer tragen alle ein T-Shirt des hiesigen Fussballvereins. Vom Weg aus schauen andere über die kleine Mauer nach unten. Von dort klingt Musik herauf, die von einer Musikgruppe gespielt wird.

Jetzt drängen sich die Passanten auf dem Weg und zwingen uns, abzusteigen, ein Stück zu laufen, um dann wieder aufzusteigen und weiter zu radeln.

Lange geht das nicht, und so müssen wir immer wieder die Räder schieben. Nach einiger Zeit unterqueren wir eine weitere Brücke.

Bald darauf erreichen wir den Burgplatz, beliebt bei Touristen und umgeben von Restaurants. Wir beschliessen, unsere Räder abzustellen, setzen uns auf eine Terrasse und trinken einen Fruchtsaft.

Dann laufen wir über den Platz. Parallel zum Fluss kann man unterhalb entlang flanieren, erreichbar über eine breite Treppe, auf der immer Jugendliche sitzen, aber ein paar Meter höher auch oberhalb auf einem Weg. Hier sind heute viele Stände aufgebaut, die antiquarische Bücher und Tonträger anbieten, vor allem modernes Antiquariat.

Dazwischen zeigt ein Künstler Collagen, auf denen übergrosse Insekten zu sehen sind, und ich bewundere vor allem, wie der Künstler es geschafft hat, die Flügel von Libellen so kunstvoll nachzuahmen. Ein Mann hat sein Klavier an seinem Stand und spielt die Unterhaltungsmusik, die man auf Compact Discs von ihm erwerben kann.

An einem anderen Stand wird ein Fernlehrgang angepriesen, mit dessen Hilfe man schneller lesen lernen könne. Wir diskutieren mit dem Verkäufer darüber, ob das sinnvoll sei, und dass wir gar nicht schneller lesen wollen. Er meint, nicht das schnellere Lesen sei das Ziel, sondern die bessere Konzentration auf den Text und Strategien, es zu vermeiden, sich ablenken zu lassen. Dadurch lese man intensiver und anhaltender. Seine Argumente sind für uns nicht einleuchtend, was er bedauert.

Ich entdecke ein Buch aus dem Jahr 1922 über Wissenschaft und Glauben, das ich für wenig Geld erwerbe. Der Antiquar kommt aus Berlin, wie auf einem Schild zu lesen ist. Ob er von so weit her komme, frage ich ihn. Er bejaht, das sei sein Beruf, ein reisender Bücherverkäufer, der quer durch die Bundesrepublik von einem Markt zum anderen tingelt.

Wir setzen uns noch einmal hin. Die Dame, die uns den Kaffee bringt, ist sehr attraktiv. Am Tisch am Rand sitzen 2 Männer. Der eine bittet die Serviererin an seinen Tisch, der allerdings durch eine Kollegin betreut wird. Er beschwert sich lauthals darüber, als sie darauf hinweist. Das Ehepaar, das an unserem Tisch sitzt, und wir amüsieren uns über den Mann, der sich wohl unwiderstehlich findet.

Nach einer kleinen Stärkung machen wir uns auf den Rückweg. Jetzt nehmen wir eine andere Rheinbrücke. Auf der anderen Seite führt der Weg an einer Badeanstalt vorbei, aber dann in einem Bogen vom Fluss weg über einen schattenlosen Weg. Die Mittagssonne schickt ihre heissen Strahlen auf uns nieder.

Der Weg erscheint endlos. Erst nach einer längeren Fahrt ist die Brücke in Sicht, über die wir bei der Hinfahrt den Fluss überquert haben, denn der Rhein schlängelt sich auf seinem Weg zur Nordsee durch die Landschaft.

Ein wenig suchen müssen wir schon, bis wir den kleinen Parkplatz wiedergefunden haben, auf dem unser Auto steht.

 

 


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