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BLOG vom 16.03.2005


„Heilige Momente“: Berührungen im Innersten

Autorin: Rita Lorenzetti

In der gegenwärtig im Landesmuseum in Zürich laufenden Ausstellung L’HISTOIRE C’EST MOI („Die Geschichte, das bin ich“), erzählen Zeitzeugen aus der Schweiz, wie der Zweite Weltkrieg ihr Leben beeinflusst und verändert hat. Es gibt nicht die einlinige historische Vergangenheit, sondern Tausende von Erfahrungen einzelner Menschen, die sich zur Geschichte und zum Schicksal eines Volkes zusammenfügen. Stimmen aus der Romandie, dem Tessin und der Deutschschweiz beweisen es.

555 Videoaufzeichnungen stehen zur Auswahl. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass die Besuchenden durch Knopfdruck mitbestimmen können, welche Rubrik geöffnet werden soll. Die Mehrheit entscheidet.

Die Zeit schien stille zu stehen. Erst später stellte ich fest, dass ich beinahe 2 Stunden zugehört hatte. Und es war auch sehr still in diesem Raum. Die Bereitschaft, zuzuhören, war offensichtlich gross.

Und trotzdem ging ich später unzufrieden heim. Da hatten wir in verschiedenen Sequenzen von einem bewegenden Schicksal erfahren. Ein Deutschschweizer befand sich mit seiner finnischen Freundin Helmi auf der Überfahrt von Europa nach Übersee. Zusammen wollten sie nach Brasilien auswandern. Die Deutschen holten diesen Mann aus undurchsichtigen Gründen vom Schiff und entführten ihn im U-Boot an die norwegische Küste. Er sagte: “Ich habe Helmi nie mehr gesehen.“ Als er das ausgesprochen hatte, wurde gelacht. Entsetzt sagte ich zu meiner Nachbarin für alle Anwesenden gut hörbar: „Das ist nun wirklich nicht zum Lachen.“

Eigentlich ist dies für mich eine bekannte Erfahrung. Wenn in Lesungen, Vorträgen oder auch im Film das Innerste in uns angesprochen wird, lassen es viele nicht zu und blocken die Berührung mit Lachen ab. Immer wieder frage ich mich, ob wir dem Verständnis füreinander und auch dem Frieden näher wären, wenn alle Berührungen zuliessen? Ich nenne solche Erfahrungen „heilige Momente“, die uns Einsichten, Mitgefühl und Ehrfurcht schenken.

Warum lassen diese viele meiner Mitmenschen einfach nicht zu? Vermutlich müssten sie einige ihrer Einstellungen ändern.

Ihre Meinung dazu?

 
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