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BLOG vom 05.09.2015


Rückenschwimmer, Wasserläufer und Seepferdchen

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Rückenschwimmer
Obwohl Rückenschimmer wie Käfer aussehen, sind sie doch keine Käfer, sondern Wanzen, die auch recht gut fliegen können. Sie fressen kleinere Wassertiere, die sie mit ihrem Stachel töten. Angeblich soll der Stich eines Rückenschwimmers auch für den Menschen recht schmerzhaft sein. Im Wasser schwimmen sie immer mit dem Rücken nach unten.

Wasserläufer
Der Wasserläufer sieht aus wie eine Mücke, aber auch er ist eine Wanze. Wasserläufer können auf der Wasseroberfläche laufen und erbeuten Insekten, die ins Wasser gefallen sind. Wasserläufer befinden sich meistens auf Teichen und Seen in denen nicht zu viele Schwimmblattpflanzen wachsen und auch keine Fische sind. 

Seepferdchen
Die Seepferdchen können nur in strömungsarmen Gewässern leben. Um sich fortzubewegen schlagen sie aufrecht die kleine Rückenflosse und die Brustflossen wellenförmig hin und her, dabei sind sie in der Lage rückwärts, vorwärts, nach oben, nach unten und auch seitwärts zu schwimmen, ohne dabei die ihre Körperhaltung zu ändern.

Sind Menschen auch dazu in der Lage?

Das Hallenbad: Das in Deutschland übliche Hauptbecken: 25 m lang, 6 Startbahnen, ein Drei- und ein Einmeter-Brett, dort ist die Wassertiefe 3,50 m, am anderen Ende gerade einmal 1,20 m. Daneben gibt es noch eine überdachte Wasserrutsche, ein Lehr- und ein Babybecken.

Regulär kosten 2 Stunden für Erwachsene 5,00 Euro. Wenn man eine 25-Euro-Karte kauft und 2 Stunden vor dem Schliessen in das Bad geht, zahlt man nur 3,55 Euro.

Das habe ich mir angewöhnt. Ich gehe jeden Mittwoch schwimmen. Da das Bad um 17 Uhr schliesst, gehe ich kurz nach 15 Uhr hinein.

Ich schwimme 25-m-Bahnen immer auf und ab. Ich praktiziere, „wirbelsäulengerechtes Rückenschwimmen“. Ich lege mich auf den Rücken, lege meine Arme an meinen Körper und meine Beine sind geschlossen. Während ich einatme, spreize ich Arme und Beine. Dann atme ich aus und ziehe kräftig Arme und Beine wieder in die Ausgangsposition. Das Ausatmen geschieht stossartig und ein wenig geräuschvoll, man könnte meinen, wie ein Walross, wenn es die Luft aus seinem Körper bläst. Aufmerksames Aufblicken der Mitschwimmer ist mir gewiss. Diese Art zu schwimmen bringt mich zügig voran. Übrigens: Ich steche nicht!

Rückenschwimmen bedeutet aber, dass ich nicht sehen kann, was hinter meinem Kopf vor sich geht. Ideal ist es natürlich, wenn ich eine freie Bahn belegen kann. Das ist aber oft nicht der Fall. Ich muss sie mir mit anderen Bahnenschwimmern teilen, es gibt darunter immer einige, die sich nur langsam fortbewegen, damit eine Unterhaltung miteinander weiterhin möglich ist. Manchmal kommen Schwimmer auch auf die Idee, nicht in der Länge des Beckens, sondern quer zu schwimmen. Im hinteren Teil mit der geringen Wassertiefe tummeln sich Eltern oder Grosseltern mit ihren Kindern und Enkeln, turnen auf  1 qm grossen Schwimmmatten herum. Manchmal gibt eine junge Frau oder eine Oma einem Kind auch Schwimmunterricht.

Schnell zu schwimmen, ohne Hindernisse, geht oft nicht. Ich muss mich öfters umschauen, ausweichen, schwimme die Bahnen nicht aus, sondern kehre um, weil der andere Bereich gerade wenig benutzt ist.

Heute ist es mir ein paar Mal geglückt, ein kleines Wettschwimmen mit einer jungen Brustschwimmerin zu gewinnen. Allerdings war sie im Vorteil, sie sah, wohin sie schwamm. Wenn Platz genug ist und ich ungestört meine Bahnen ziehen kann, schaffe ich etwa einen Kilometer in einer halben Stunde.

2 Bahnen sind abgesperrt. Sie sind für eine Gruppe meist älterer Personen reserviert, die „Aquatraining“ machen, also Gymnastikübungen, wie Arm- und Bein-Bewegungen, Springen und Hüpfen. Die Übungen werden durch eine Trainerin geleitet, die begleitend Musik von einer CD laufen lässt und Befehle erteilt. Die Musik ist recht laut und die Anordnungen ähneln denen auf einem Kasernenhof. Ich bin eindeutig im Vorteil: Beim Rückenschwimmen sind meine Ohren vom Wasser bedeckt, der Lärm dringt sehr gedämpft zu mir!

Kurze Unterhaltungen am Beckenrand sind manchmal möglich, aber zwischen Fremden nicht üblich. Heute beobachtete ich einen Mann, der senkrecht durch das Wasser lief, ohne seine Arme viel zu bewegen. Er lief langsam, aber stetig, ohne Grund unter seinen Füssen zu haben. Ausserhalb des Wassers war kaum zu sehen, dass er um den Bauch einen nicht sehr breiten Gürtel trug, der ihm diese Fortbewegungsart ermöglichte. Ich sprach ihn am Rand kurz an, er erklärte mir kurz, dass er Beschwerden im oberen Schulterbereich und unterhalb des Halses im Wirbelsäulenbereich hätte, und Beinbewegungen, wie jetzt im Wasser oder beim Radfahren, verschafften ihm Linderung und seien gut für ihn.

Ein seltsames Bild war es dennoch: ein Wasserläufer auf zwei Beinen. Übrigens: ich bin sicher, dass er keine Insekten erbeutet!

Ein kleiner Junge macht sein „Seepferdchen“, eine Prüfung, mit der er belegen kann, dass er Schwimmen kann. Der Prüfling muss unter Aufsicht 25 m schwimmen, vom Beckenrand ins Wasser springen und einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser holen. Er schafft alles und strahlt mich stolz an. Seine Mutter wird im das runde Abzeichen mit dem Seepferdchen darauf an seine Badehose nähen.

Wie viele Menschen, so liebe auch ich die Gewohnheit. Ich könnte meinen Wochenablauf anders gestalten und einteilen, so dass ich zu einer Zeit ins Bad ginge, in dem weniger Lärm und vielleicht auch weniger Publikum vorhanden wäre. Vermutlich wäre das mit höheren Kosten verbunden und nur zu morgendlicher Stunde möglich. Dennoch bleibe ich dabei, fahre mit dem Fahrrad ein paar Kilometer einen Hügel hinauf von meiner Wohnung bis ins Bad und nach dem Schwimmen wieder ein wenig müde abwärts nach Haus, und das einmal pro Woche.

Ich meine, es tut mir gut, trotz des Chlors, dem man in einem deutschen Hallenbad immer ausgesetzt wird.

 
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