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BLOG vom 13.12.2015


Zum Baumwunder: Von Gütenbach zum Balzer Herrgott

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D


Wanderkollege Manfred hat vor Jahren schon vorgeschlagen, man sollte doch einmal zu einem der berühmtesten Bäume im Schwarzwald, dem Balzer Herrgott, wandern. Das Besondere: Eine Christusfigur aus Sandstein wurde von einer Buche umwachsen, so dass nur noch der Kopf zu sehen ist. Ein Bekannter von einer privaten Wandergruppe aus Schopfheim sagte mir, nachdem ich ihm von diesem Vorhaben erzählte, man solle sich beeilen, um den Kopf noch zu sehen. Er wird, so seine Meinung, bald zugewachsen sein.

Wir machten uns am 12.11.2015 auf den Weg und fuhren zu sechst nach Gütenbach (827 m ü. NN). Beachtenswert in Gütenbach ist das Dorf-und Uhrenmuseum, das wir nicht besuchten.
In der Nähe des Rathauses und der Firma Faller (Hersteller von Modelleisenbahn-Zubehör) parkierten wir und begannen unseren Rundweg in der Ortsmitte.

Zunächst ging es auf einer geteerten Strasse aufwärts. Wir kamen an einem Rastplatz und Bildstock vorbei. Später bewunderten wir ein überdachtes geschnitztes altes Kreuz am oberen Fallengrund-Hof. Auf diesem Hof wurde gerade eine Hackschnitzelanalge installiert. Auf den Dächern sahen wir Solaranlagen.

 

Unterfallengrundhof (“Fallerhof” aus der Fernsehserie)

Unterfallengrundhof (“Fallerhof” aus der Fernsehserie)
 

Blick auf den Fallerhof
Wir schlenderten weiter und kamen auf die Anhöhe Fallengrund (960 m ü. NN). Dort erblickten wir ein schönes Ensemble von vier Gebäuden mit einer Kapelle. Es war der Unterfallengrundhof („Fallerhof“ genannt), der seit 1994 als Kulisse in der SWR-Fernsehserie „Die Fallers – eine Schwarzwaldfamilie“ dient. Wir konnten uns nicht genug satt sehen. Es war eine friedliche, schöne Landschaft mit einigen anderen Schwarzwaldhäusern und grasenden Kühen. Da dachte ich mir insgeheim, wie doch friedlich so ein Stückchen Welt sein kann.

 

Balzer Herrgott

Balzer Herrgott
 

Überwallung des Balzer Herrgotts
Wir gingen weiter und folgen einen Waldweg, der gut ausgeschildert war. Nach etwas über eine Stunde erreichten wir den Balzer Herrgott. Von der Christusfigur ist nur noch der Kopf zu sehen. Auf einer Tafel konnte man Stadien der Überwallung als Zeichnungen von Josef Rombach sehen.
Die Figur wurde wohl zwischen 1870 und 1880 an der Buche befestigt. 1927 war die Figur an den Lenden noch frei, bis 1956 wurden die Lenden vollständig überwallt (Fotos von Egon Scherzinger sind im Dorfmuseum Gütenbach zu sehen). 1975 schloss sich die Rinde unterhalb der Brust, 1986 sah man nur noch den geneigten Kopf und ein Stück der Brust. Damit der Herrgott nicht ganz überwallt wird, wurde eine Rille um die Umwallung geschnitzt, um das Wachstum zu verhindern.  Heute sehen wir einen fast herzförmigen Kallus um den Kopf. Fachleute sind der Ansicht, dass die Umwallung weiter gehen wird, so dass erneut Massnahmen ergriffen werden müssen.

Bei dem Baum handelt es sich um eine Buche. Sie war früher eine Weidbuche und bestand aus 10 Einzelstämmen, wie Fachleute erkannten. Heute ist nur ein Stamm zu sehen. Man geht davon aus, dass die Buche schon 100 Jahre alt war als die Christusfigur daran befestigt wurde.

Noch eine Bemerkung zu den Weidbuchen, die es im Südschwarzwald reichlich gibt. Diese schmücken die alten Weidfelder, auf denen die Bauern ihre Kühe, besonders das Hinterwälder Rind, im Sommer weiden lassen. Die bizarren Schönheiten, wie die mächtigen Weidbuchen genannt werden, stellen eine besondere Wuchsform der Rotbuche dar. Durch den Verbiss des Viehs (Kühe, Ziegen) als auch von Wildtieren (Rehe und Hirsche) werden schon junge Bäume gezwungen, eine eigenartige Wuchsform zu entwickeln.

Über die Herkunft des Balzer Herrgotts gibt es verschiedene Geschichten. So soll er auf den Namen eines Bauern, der Balzer = Balthasar hiess, zurückzuführen sein. Eine andere Version besagt, dass hier früher ein Balzplatz für Auerhähne gewesen sein soll.

Am Mörderloch
Nach einer kleinen Pause am Balzer Herrgott wanderten wir weiter. Im Wald ging es teilweise steil abwärts bis zum Mörderloch. Wurden hier Mörder hingerichtet oder hatten sich hier versteckt? Dies war unsere Vermutung. Dann lasen wir im Falk-Wanderführer, es handle sich um keine Mördergrube, sondern um ein altes Bauernhaus. Dieses wurde vom Sportverein Alemannia Zähringen aus Freiburg-Zähringen übernommen und zu einem Freizeitheim ausgebaut.
Über die Namensgebung gibt es 2 Versionen. Entweder waren es die Franzosen, die 1677/78 Plünderungsraubzüge unternahmen und dabei Menschen zum Opfer fielen, oder es wurden Glas- und Uhrenträger erschlagen.
Ein unheimlicher Ort!

Am Mörderloch gab es einige Wanderschilder. Ein Weg führte abwärts links am Haus vorbei über Wildgutach, der andere rechts bergauf. Wir wählten den rechten Weg. Laut Falk-Wanderführer (wohl schon vor 20  Jahren geschrieben) lasen wir dies: „Wir gehen diesen Weg und steigen steil rechts hoch über eine Felsplatte auf einen von untern nicht erkennbaren, schmalen, fast eben am Hang entlanglaufenden Fussweg. Achtung: Der Einstieg ist ohne Markierung. Der Pfad ist ziemlich zugewachsen…“  Die Beschreibung war sehr verwirrend. Wir sahen weder eine Felsplatte noch einen seitwärts abgehenden Pfad. Vermutlich wurde vom Schwarzwaldverein eine andere Wegführung vorgenommen. Wir gingen den breiten Waldweg unverdrossen weiter.
Ursprünglich wollten wir eine kürzere Variante wählen, kamen jedoch zu einer Verlängerung über Wildgutach. Schliesslich kamen wir auf die Talstraße, gingen etwa 500 m weiter bis zur Pfaffenmühle. Dort verliessen wir den Talgrund und wanderten bestimmt 300 m aufwärts durch die wildromantische Teichschlucht nach Gütenbach.
Die gesamte Gehzeit betrug 3,5 Stunden (13 km). Es wurde insgesamt eine Höhendifferenz von 420 m überwunden.

Die verdiente Schlusseinkehr erfolgte in der Bergwander-Vesperstube und Pension „Waldhäusle“. Hier konnten wir uns mit Fleischkäse (mit Spiegelei) satt essen. Dazu tranken wir einen Most.

Anhang: Fernsehaufnahmen mit den Fallers
Beim Anblick des „Fallerhofes“ fiel mir die folgende Geschichte ein. Als wir - Frank Hiepe und ich - das 1. Heilpflanzenbuch „Arnika und Tausendguldenkraut“ publizierten erhielten wir eine Einladung des Südwestfunks zu Fernsehaufnahmen. Drehort war eine schöne Wiese nördlich von Titisee-Neustadt. Mit von der Partie waren 2 Schauspielerinnen der oben erwähnten Fernsehserie. Während die Hauptdarstellerin Ursula Cantieni Wildkräuter sammelte, interviewte Anne von Linstow uns zu Heilwirkungen, Aberglauben und Brauchtum von Heilkräutern des Schwarzwaldes. Die Aufnahmen wurden von 2 Kameras durchgeführt. Der Film von Sabine Klingler wurde im Rahmen der Sendung „Wandern um den Fallerhof“ am 1., 3. Und 7. 09. 1996 im dritten Fernsehprogramm (SDR/SWF) bundesweit ausgestrahlt. Der Film brachte ausserdem Interessantes über Uhren, Bauernmalerei, Schnaps-, Käse- und Leinölherstellung und zeigte wunderschöne Landschaftsaufnahmen des Schwarzwaldes.
Wie die Verbandszeitschrift „Der Schwarzwald“, Heft IV/96 berichtete, wurde die Sendung (mit Wiederholungen) von nahezu 1 Million Menschen gesehen.

 

Internet
www.guetenbach.de
www.unterfallengrundhof.de
www.baumwunder.de
www.faller.de
www.dorfmuseum-guetenbach.de

Literatur
Falk, Herbert: „Im Elztal, und am Kaiserstuhl“, Band V, Kartographisches Institut und Verlag, Bad Soden/Taunus (ohne Erscheinungsjahr).

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