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BLOG vom 22.01.2016


Lustige Speisenamen: Dumme Nuss, Tote Tante, Liwanzen

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Da staunte ich nicht schlecht als ich die Nachspeisekarte im Restaurant „Adler“ in Schopfheim am  17.01.2016 studierte. Da las ich den Namen „Dumme Nuss“. Neugierig, wie ich meistens bin, bestellte ich diese Nuss. Dann wurde mir diese serviert und ich war überrascht. Es handelte sich um Walnusseis, das mit Walnusslikör verfeinert und mit einem Sahnehäubchen verziert war. Die Bedienung konfrontierte ich noch mit der Bemerkung, ob es auch eine schlaue Nuss gäbe. Da musste sie herzlich lachen.

Bisher war mir dies bekannt: Man sagt zu jemanden dumme Nuss, wenn man ihn nicht mag. Ein Nutzer von www.chefkoch.de  war der Meinung, Menschen wären dumm, Nüsse nicht. „Es ist also eine unangemessene Beleidigung aller tollen Nüsse.“

Ein anderer Leser dachte sich dies aus: „Ich vermute mal, dass es damit zu tun hat, dass manche Nüsse hohl sind und nichts in ihrer Schale haben. Menschen, die man als dumme Nuss bezeichnet haben ja meist nix in der Birne.“

Ein Leser kommentierte so: „Der Walnusskern hat etwa Ähnlichkeit mit dem menschlichen Gehirn. Viel Intelligenz steckt aber nicht darin. Von daher so dumm wie diese Nuss.“

Im Buch „Deutsche Redensarten“ von Krüger-Lorenzen las ich das Folgende: „Die taube Nuss (taub für empfindungs-, gehalt- und gehörlos) meint etwas Wertloses, aber auch Dummes; so kennt der Berliner die doofe oder dämliche Nuss. Auch hier ist ̦Nuss’ gleich ‚Kopf’.“

Ich fand die Speise vorzüglich und dachte beim Verzehr keinesfalls an eine dumme Nuss. Ein findiger Koch hatte wohl diese Bezeichnung erfunden, genauso die Nachspeise „Heisse Liebe“(Vanilleeis mit Himbeerpüree).

Es gibt eine Unzahl von Speisen mit amüsanten und ungewöhnlichen Namen. Einige davon habe ich schon in meinem Blog vom 01.12.2005 „Bäuerliche Kost (II): Von Liebesböllchen und Bubenspitzle“ erwähnt. In Kurzform bringe ich diese nochmals zum Lesen. Weitere kuriose Bezeichnungen, die ich neu entdeckt habe, folgen.

„Liebesböllchen“, „Bubenspitzle“
Ein mittelbadischer Meisterkoch hat die Auflaufkrapfen in Weinschaumsosse „Liebesböllchen genannt. Er meinte, die Kavaliere der Prinzessin Maria Josepha von Österreich, die spätere Frau des Markgrafen Ludwig Georg Simpert von Baden-Baden, hätten diese Böllchen vom Wiener Hof ins Badische gebracht. Deshalb werden sie auch „Kavaliersböllchen“ genannt.

Die länglich geformten, fingerdicken Schupfnudeln werden auch „Bubenspitzle“ (Buebespitzle) genannt. Es handelt sich hier um fingerdicke, etwa 5 cm lange Nudeln aus Kartoffeln, Mehl und Eiern. Sie werden in kochendem Salzwasser zubereitet. „So bleibt es jeder Köchin freundlichst überlassen, ihre Grösse und Dicke phantasievoll der Vorstellung oder der Erfahrung anzupassen“, so Georg Richter in seinem Buch „Kulinarische Streifzüge durch Baden“.
Meine Schwester Ursula wies auf die folgenden Bezeichnungen hin: Die „Bubenspitzle“ werden auch „Zipfel“, „Wichspfeiferl“ und in Schwaben „Buabesteckerl“ genannt. Diese Fingernudeln können auch in einer Mohn-Zucker-Mischung (Mohn wird immer frisch gemahlen) gewälzt werden. Wer es etwas saftiger haben möchte, kann noch zerlassene Butter hinzufügen.
Diese Nudeln assen wir immer mit Genuss. Meine Mutter brachte das Rezept aus dem Sudetenland mit nach Bayern. Sie nannte dann die Fingernudeln „Mohnschlischgern“.

„Posaunentorte“ und  „Obatzter“
Ein „blauer Zipfel“ ist eine rohe Bratwurst, die in einem Sud aus Estragonessig, Karotten, Petersilie, Senf, Pfeffer, etwas Weisswein und mit viel Zwiebeln gegart wird. Es ist eine Spezialität aus der Taubenländer Küche (das Tauberland um Tauberbischofsheim liegt übrigens im nördlichsten Zipfel von Baden-Württemberg).

Ein „Gerupfter“ ist ein reifer Camembert, der mit Butter, Eigelb, feingehackten Zwiebeln, Kümmel, Paprika, weissem Pfeffer und einem Schuss Weisswein angemacht ist. Es handelt sich hier auch um eine Taubenländer Spezialität.

In Bayern heisst ein angemachter Camembert „Obatzter“. Diese Speise lernten wir anlässlich unseres Wanderurlaubs in Bad Kohlgrub kennen. Das Rezept finden Sie im Anhang.

Der Volkswitz bezeichnet den Zwiebelkuchen (Zwiebelweihe, Zwiebelwähe) in Baden-Württemberg als „Posaunentorte“. Wer ihn einmal versucht hat, weiss, was hier gemeint ist. Er schmeckt zweimal, beim Essen und einige Stunden später erst recht, wie H. Heimberger einmal äusserte.

„Katzeng’schrei“ und „Nonnenfürzle“
Im Buch „Gutes aus Gottes Garten – Bäuerliche Küche rund um den Bussen“ (siehe Blog über die Landfrauen vom 25. November 2005), sind noch ganz andere Bezeichnungen für beliebte Speisen bekannt. Hier einige davon:

Ein beliebtes Mittagessen in Schwaben ist das „Katzeng’schrei“. Es ist eine Speise aus gekochtem Suppenfleisch, das in einer Pfanne mit gebräunten Zwiebeln, verquirlten Eiern vermengt und herausgebraten wird. Dazu werden Preiselbeeren oder grüner Salat gereicht.

„Nonnenfürzle“ sind kleine Knödel aus Brandteig, die im schwimmenden Fett goldgelb gebacken werden. Wirft man die Teigknödel in heisses Fett, dann entsteht ein zischendes Geräusch, das einem „Nonnenfürzle“ ähneln soll. Ob das schon einmal ein „Forscher“ überprüft hat?

Liebesknochen
Hier handelt es sich nicht um einen realen Knochen, sondern um ein längliches, glasiertes und gefülltes Gebäck aus Brandmasse. Es waren die Berliner, die den feinen französischen Ėclairs („Blitzkuchen“) in „Liebesknochen“ umbenannt haben. Im „DDR Backbuch“ (Komet Verlag, Köln) entdeckte ich ein Rezept, das ich gleich ausprobierte. Als Füllung verwendete ich Kaffeecreme. Wer Lust hat, kann auch Erdbeer-, Himbeer-, Schokoladen-, Pudding- oder Vanillecreme in die ausgebackenen Brandmasseteilchen füllen. Für die Glasur verwendete ich eine Mischung aus Puderzucker, Butter und Mokkapulver.
Meine Schwester Ursula verwendet anstelle von Backfett (Butter) Rapsöl. Dann sind die Liebesknochen bekömmlicher.
Andere Bezeichnungen sind „Hasenpfote“ oder „Kaffeestange“. Meine Verwandten sind immer ganz scharf auf dieses Gebäck.

Tote Tante und Giftkuchen
Eine kleine Auswahl von weiteren amüsanten Bezeichnungen präsentiere ich hier.
„Tote Tante“: Hier handelt es sich um ein Kaffee- oder Kakaogetränk mit Schuss (Rum). Dazu eine Bemerkung eines Geniessers: „Wir waren vor 2 Jahren an der Nordsee, da gab es nicht nur „Tote Tanten“, sondern auch „Lebende Schwiegermütter“ und „Onkel“. Je nach Alkohol und heisser Grundzutat.“
Während Urlaube in Ostfriesland und auf Sylt lernten wir den „Pharisäer kennen und lieben. Wir konsumierten diesen gerne bei einem Kälteeinbruch (Anfang Juli hatten wir einmal auf Sylt 12 °C). Es handelt sich hier um ein Heissgetränk, bestehend aus Kaffee, Rum und aufgesetzter Schlagsahne (Rahm). Das Getränk ähnelt dem „Irish Coffee“.

Friss dich dumm Kuchen (Rezept unter www.chefkoch.de).

„Better than sex-cake“ (Rezept unter www.chefkoch.de).

„Grossmutter mit de Mütz“: leckeres Gebäck, Rezept unter www.chefkoch.de)

„Tote Oma“: Unter diesem Namen ist ein Gericht aufzufinden. Es besteht aus Rohwurst, Grützwurst und Sauerkraut.

„Giftkuchen“: Kuchen, der mit Lebensmittelfarbe eingefärbt ist. Einen solchen Kuchen würde ich nie essen.

„Dukatenbuchteln“: Sie heissen deshalb so, weil die Grösse von Dukaten nicht überschritten werden soll.

„Liwanzen“ („Lіvance“): Diese haben nichts mit Wanzen zu tun. Es handelt sich hier um Hefeplinsen.  Sie sind Bestandteil der tschechischen Küche (www.tschechische-kueche.de/Liwanzen/). Ein Rezept für Hefeplinsen finden Sie im Anhang.

„Flutschmoppen“: Es ist der Name für ein rheinländisches Gebäck.

„Mauke“: In der Niederlausitz ist diese Speise zu Hause. Kartoffelbrei wird mit gekochten, bunten Bohnen gestampft.

„Schweinsohren“: Süsses Gebäck aus Blätterteig. Diese Ohren gibt es bei uns in fast jeder Konditorei.

„Windbeutel“: Die windigen Beutel werden aus einem Brandteig hergestellt und mit Sahne und/oder gemischte Beeren gefüllt.

Stopperle“:  Ein schlesisches Gericht. Kartoffelknödel aus gekochten Kartoffeln (mit Ei, Salz und Speisestärke) zubereiten, dann eine Rolle formen und Stücke schneiden, in Salzwasser kochen. Wenn sie oben schwimmen, sind sie gar.
Dann die Knödelstücke schichtweise mit Sauerkraut, Zwiebeln und Speck in einen Topf füllen und erhitzen. Die Stopperle schmecken angeblich sehr lecker.

„Pupscreme“: Es soll der absolute Partykracher sein (das kann ich mir gut vorstellen, wenn die Winde nur so aus dem Darm krachen).
Zubereitung: 4 Becher Schmand werden mit 3 Beuteln Zwiebelsuppenpulver gemischt. Manche verwenden eine Mischung aus Zwiebeln, Schmand und Frischkäse.

„Schlesisches Himmelreich“: Die berühmte Speise enthält Kassler, Back- oder Dörrobst. Dazu passen  Semmelknödel. Auch hier finden Sie einige Rezepte unter www.chefkoch.de

Anhang: Rezepte

Obatzter
Zutaten (für 4 Personen): 2 Päckchen Camembert, 1 P. Käse (Brie), 150 g Frischkäse,        1 kleine Zwiebel, 1 kleine Knoblauchzehe, 7  g Butter, 1 EL Paprikapulver, edelsüss, 1  TL Paprikapulver, rosenscharf, ½ TL Kümmelpulver, Salz und Pfeffer aus der Mühle.

Zubereitung: Käse nach Kauf bei Zimmertemperatur lagern (Camembert muss vollreif sein). Frischkäse auf Zimmertemperatur bringen. Den Camembert und den Brie mit einer Gabel gründlich zerdrücken. Mit Frischkäse, weicher Butter, zerdrücktem Knoblauch und fein geriebene Zwiebel gründlich mischen. Die Gewürze  zufügen und gut vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Der „Obatzter“ soll eine hellrote Farbe haben. Im Kühlschrank einige Stunden kalt stellen. Was gehört dazu? Am besten sind Laugenbretzeln oder ein anderes Laugengebäck.

Liwanzen (Hefeplinsen)
Zutaten: 250 g Mehl, 25 g Hefe, 500 ml Milch, 50 g Zucker (Bio-Rohrzucker), ½ TL Salz, 2 Eier, Raps- oder Sonnenblumenöl zum Ausbacken.

Zubereitung: Mehl mit der in warmer Milch aufgeschlämmten Hefe versetzen, die anderen Zutaten dazugeben und zu einem geschmeidigen Teig verkneten. 10 Minuten gehen lassen, erneut durchkneten und den Teig in kleine Plinsen teilen und einzeln wie kleine Pfannkuchen backen.
Es gibt ein ähnliches Rezept, jedoch mit Walnüssen und Ahornsirup. Diese Küchlein heissen „Pancakes“.

Scheiterhaufen
Meine Mutter war eine Liebhaberin des Scheiterhaufens. So kam die Speise häufig auf den Tisch. Es ist eine süsse Hauptmahlzeit oder Nachspeise. Die Speise ist in Altbayern, Österreich, Tschechien und der Slowakei weit verbreitet.  Im Südwesten gibt es eine ähnliche Speise unter dem Namen „Ofenschlupfer“.
Hier das Rezept:

Zutaten: 7-8 altbackene Brötchen, 1 Liter Milch, 6 Eier, 100 g Zucker, 750 g leicht säuerliche Äpfel, 70 g Butter, etwas Zimt und Zitronensaft. Wer den Scheiterhaufen verfeinern und gehaltvoller  machen will, der kann noch 150 g gemahlene Haselnüsse zufügen.
Zubereitung: Brötchen in Scheiben schneiden. In einer Schüssel Milch, Zucker und Eier cremig schlagen. Die gemahlenen Haselnüsse unterheben. Äpfel schälen, Kernhaus entfernen und in Scheiben schneiden. Etwas Zitronensaft und Zimt hinzufügen.
Dann werden die Brötchen in die Milchmasse getunkt, bis sie weich sind. Dann schichtweise – abwechselnd Äpfel und Brötchen - in eine gefettete Auflaufform füllen. Die oberste Schicht soll aus Brötchen bestehen (diese werden beim Backen knusprig!). Zum Schluss kommen einige Butterwürfel auf die Masse. Wenn von der Milchmischung etwas übrig ist, darüberleeren.
Backtemperatur und Backzeit: 175 °C, 45 Minuten.
Besonders genossen wir die oberste Schicht, die hellbraun und knusprig war. Am besten schmeckt der Scheiterhaufen frisch aus dem Ofen.

Alternative: Einen ähnlichen Scheiterhaufen produziere ich zur Freude der Esser immer wieder.

Zutaten: 6 Brötchen, 0,8 bis 1 kg Äpfel, 500 ml Milch, Zimt, Zucker, 250 g Quark.

Zubereitung: 6 Brötchen in Scheiben schneiden, geschälte Äpfel raspeln (Äpfel mit etwas Zitronensaft beträufeln). Dann schichtweise in eine Auflaufform füllen, Milch, die Zimt und Zucker enthält, darüber gießen. Zum Schluss kommt noch eine Quarkschicht (in den Quark Zucker und 1 Ei einrühren) als oberste Schicht drauf.
Backtemperatur und Backzeit: 175 °C, 45 bis 50 Minuten.
Verschiedene Rezepte finden Sie auch unter www.chefkoch.de

Internet
www.chefkoch.de
www.gutefrage.net
www.daskochrezept.de
www.tschechische-kueche.de/liwanzen
http://de.wikipedia.org

 

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