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BLOG vom 19.05.2016


Hotspots - heisse Stellen

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland
 

Hot spot”, zusammengeschrieben oder in 2 Wörtern ist englisch und bedeutet “heisse Stelle” oder “heisser Fleck”. Der DUDEN empfiehlt die Zusammenschreibung und bei Benutzung in der deutschen Sprache soll der Begriff maskulin sein. 2004 stand er zum ersten Mal im Rechtschreibduden.
 
Aktuell wurde eine Bedeutung des Begriffes ein Thema in den Medien. “Heise-online” schreibt in seinem Artikel:
 
“Die Hotspot-Wüste - Ende der Störerhaftung: ‘Endlich Rechtssicherheit’
Die Regierungsfraktionen haben sich darauf verständigt, dass WLAN-Anbieter als klassische Zugangsanbieter anzusehen sind. Damit können sie die allgemeinen Haftungsprivilegien für Provider beanspruchen und müssen das Nutzerverhalten nicht vorsorglich im Blick behalten. Es werde ’endlich Rechtssicherheit für alle WLAN-Betreiber geschaffen’ und der Weg für offene Funknetze hierzulande freigemacht, schreiben die SPD-Netzpolitiker Christian Flisek, Lars Klingbeil und Marcus Held in einem gemeinsamen Blogbeitrag.”

Die Überschrift soll betonen, dass sich Deutschland im Gegensatz zu anderen Staaten zu einer “Hotspot-Wüste” entwickelt habe, da wegen der Haftungsgefahren viele potentielle Anbieter in Cafés und sonstigen Orten, in denen viel Publikum verkehrt sich gescheut haben, einen öffentlichen, drahtlosen Internetzugang anzubieten. Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet und wird noch Diskussionshürden zu durchlaufen haben. Der Begriff trifft den Sachverhalt nicht ganz richtig. In Indien hatte ich selbst am Rande der Wüste Internet! In Deutschland, in der es keine Wüsten gibt, existieren dafür abgelegene Gebiet, in denen der Zugang ins Internet entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist.
 
Der Begriff “Hotspot” wird meistens in Verbindung mit dem Internet genannt. Aber – er ist so populär, dass er immer häufiger auch bei anderen Gelegenheiten auftaucht.
 
Bei www.duden.de findet man noch 4 weitere Bedeutungen:
 
“1. (Biologie) einzelne Stelle oder Bereich eines Gens, an dem besonders häufig Mutationen auftreten

  1. (Geologie) hypothetisch begrenzte Schmelzregion im Erdmantel unterhalb der Lithosphäre
  2. (EDV) grafisch oder farblich hervorgehobener Punkt oder Text auf einer Bildschirmseite, der einen Link markiert.”
  3. Etwas, was ein hohes Konfliktpotenzial in sich birgt, von grosser Brisanz ist.

Wie man unschwer feststellen kann, die deutsche Sprache hat wieder einmal einen Anglizismus mehr!
 
Im Kundenmagazin der Stadtwerke Düsseldorf ist ein Artikel “Hotspot Hafen – Ein bunter und abwechslungsreicher Touristenmagnet” betitelt. Es geht um das Gastronomie- und Unterhaltungsangebot im Düsseldorfer Hafengebiet, das “neben Kunst, Kultur und Architektur” zu einem beliebten Ausflugsziel geworden sei.
 
Da muss die DUDEN-Redaktion wohl geschlafen haben – jedenfalls finde ich weder diese Interpretation noch die unten stehenden in den 5 Bedeutungen!
 
Auch Hunde können einen”Hot Spot” bekommen. Dabei handelt es nicht um das oben genannte Gen, sondern um ein plötzlich auftretendes stark juckendes Ekzem, eine “pyotraumatische Dermatitis”.
 
Im “HOTSPOT - Das TUI-Reisemagazin” des Reiseveranstalters werden “HOTSPOT-Staffeln” vorgestellt, zumeist geleitet von Schauspielern, die den Kunden “Hotspots” in Reisezielen vorstellen, oft auf Inseln, wie Mallorca, den Kanaren, Menorca oder Zypern. Es müssen schon “heisse Flecken” sein, die sie dort zu sehen bekommen! Hoffentlich bekommen sie davon keinen Hitzeschlag oder gar ein Ekzem!
 
Die Firma “mymuesli GmbH” nennt ihre Filialen auch “Hotspots”. Auf ihrer Website kann man lesen:
 
“In einem Hotspot kannst Du Dein mymuesli versandkostenfrei abholen. Dazu beim Bestellen als Lieferoption bitte einfach einen mymuesli-Hotspot in Deiner Nähe auswählen. Du bekommst eine Email, sobald Dein Müsli abholbereit ist.” (Ist das nicht grosszügig, dass man seine Mahlzeit selbst abholen darf und das sogar “versandkostenfrei”?)
 
Auch Flüchtlinge auf dem Wege nach Europa kommen an “Hotspots” nicht vorbei. N-TV beschreibt, dass die griechische Regierung 5 Registrierungsstellen für Migranten errichtet, bzw. bereits errichtet hat, die auch “Hotspots” genannt werden, und die sich auch auf Inseln befinden. Es geht dort her, beispielsweise begleiten Proteste von verunsicherten Anwohnern den Aufbau der Zentren.
 
In die deutsche Sprache ist dieser Begriff eingeflossen. Vielleicht mögen’s die Deutschen “heiss”? Der Duden nennt weitere Anglizismen: “hot money, hot jazz, hotline, hotdog, hot pants” u.a.
Und bei “Spot” spricht man hierzulande vom Fernseh- oder Werbespot, vom Spotlight und vom Spotmarkt, da wollen die Deutschen international sein und lassen sich nicht als spiessbürgerlich verspotten!
 
 
Quellen
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Die-Hotspot-Wueste-lebt-Freude-ueber-Ende-der-WLAN-Stoererhaftung-3204300.html
https://www.mymuesli.com/hotspots
http://www.tui.com/hotspot/
“journal - Für Kunden der Stadtwerke Düsseldorf, 2/2016”, Düsseldorf
 

 


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