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BLOG vom 11.06.2016


„Und der Regen, der regnete jeglichen Tag“

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Der Begriff, der mir in den letzten Tagen immer wieder auffiel und den ich immer wieder in den Nachrichten zu hören bekam, war der „Starkregen“.

„Starkregen kann überall auftreten, und absoluten Schutz, da sind sich Fachleute einig, gibt es nicht. ‚Wer in Deutschland macht sich Gedanken, was es bedeutet, wenn es stundenlang an Ort und Stelle regnet?’, fragt der Meteorologe Jörg Kachelmann. Die Antwort scheint zu sein, dass wir das alle tun müssen.“ (www.spektrum.de , 07.09.2016)

Wissenschaftler arbeiten auch mit dem Begriff „Extremregen“. Höchstwahrscheinlich hat das häufigere Auftreten dieses Wetters etwas mit dem Klimawandel zu tun, denn die Erwärmung begünstigt die Verdunstung, und nur was verdunstet, kann später abregnen.
(Interessant dazu ist: http://www.scilogs.de/klimalounge/warum-die-globale-erwaermung-mehr-extremregen-bringt/ )

Die Verbindung des Adjektivs „stark“ mit dem Nomen „Regen“ bezeichnet eine
besondere Art von Regen. Mir ist der Begriff „Platzregen“ eher geläufig, auf einer relativ kleinen Fläche regnet es stark. Das Gegenteil wäre Nieselregen oder der Sprühregen.

Und wenn es „Bindfäden“ oder „Schnürsenkel“ oder „Hunde und Katzen („cats and dogs“)“ oder „junge Hunde“ oder „Schusterjungen“ oder „Bauernjungen“ regnet, kommt da etwas anderes vom Himmel als Wasser? „Es hagelt Katzen“ soll übrigens daher kommen, dass Katzen besonders wetterfühlig sein sollen! Und bei Regen „jagt man keinen Hund auf die Strasse!“

Es regnet wie: „aus Kübeln“ oder „aus Eimern“, es regnet „in Strömen“, „es schüttet“, und ein wenig grob gesagt „es pisst“! Wenn der Boden noch gefroren ist oder die Temperatur nahe am Gefrierpunkt, kann Regen auch schon einmal zu „gefrierendem Regen“ führen, was ebenso gefährlich sein kann, wie regennasse Strassen, auf denen das Fahrzeug Gefahr läuft, durch „aqua planing (Wasserglätte)“ die Bodenhaftung auf einem Wasserfilm unter den Reifen zu verlieren, was „aufschwimmen“ genannt wird.

Die englische Redensart habe ich schon erwähnt, es ist interessant, einmal in anderen Sprachen zu suchen:

„Es regnet Taschenmesser (chover canivete)“, portugiesisch.
„Es regnet wie eine pissende Kuh (il pleut comme vache qui pisse)“, französisch.
„Es regnet Kuhmist (Esta lloviendo caen soretes de punta)”, in Argentinien
In den Niederlanden wird erläutert: „Een krans om de zon brengt regen in de ton! (Hat einen Wolkenring die Sonne, kommt der Regen in die Tonne!)“

Wenn es „Feuer regnet“ in Indien zur Monsoonzeit, dann ist eher die brütende Hitze gemeint, so wie in China, wenn „die Wolken brennen“.

Wenn Sie in Deutschland jemand hängen lässt, also unzuverlässig ist, dann lässt er Sie „im Regen stehen“, manchmal geraten Sie dabei „vom Regen in die Traufe“, es kommt eins zum anderen! Wenn Sie dann noch ein „Gesicht wie drei oder gar wie sieben Tage Regenwetter machen“, dann ist das wirklich verständlich!

In den letzten Tagen haben wir manchmal gedacht, es hört gar nicht mehr auf zu regnen. Bibelfesten Lesern fällt die Sintflut (mittel- und althochdeutsch „die immerwährende Überschwemmung) ein. Sintflutsagen kommen allerdings in vielen Kulturkreisen auf der ganzen Welt vor. Es soll lange geregnet haben, aber auch zu Überschwemmungen und Tsunamis gekommen sein.

Lang andauernde Regenfälle hat es immer mal wieder gegeben. Ein Beispiel ist der Weihnachtsabend 1861 in Kalifornien, an dem es zu regnen begann und 43 Tage nicht mehr aufhörte. Die Fluten, die die Flüsse mit sich führten, ergossen sich in das riesige Central Valley und bildeten ein 500 km langes und 30 km breites Binnenmeer. Tausende Menschen und 200 000 Rinder starben.

Da kann man schon deprimiert werden, was Shakespeare auch erkannt hat, und das in seinem Schauspiel „King Lear“ und in der Komödie „Was ihr wollt“ anklang, als er das Schlusslied mit der Strophe enden liess:

„For the rain it raineth every day“ (“Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.”), womit der Dichter die Zuschauer wieder in die Wirklichkeit führt.

Der Opernkomponist Otto Nicolai in seiner Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ kannte allerdings ein Mittel gegen die Depression:

„Als Büblein klein an der Mutterbrust,
Hop heissa bei Regen und Wind,
Da war der Sekt schon meine Lust,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.
Komm, braune Hanne, her,
Reich mir die Kanne her,
Füll mir den Schlauch!
Lösch mir der Kehle Brand,
Trinken ist keine Schand,
Bacchus trank auch, ja,
Bacchus trank auch!“

(http://www.musicanet.org/robokopp/Lieder/abublein.html )

Ich kann dem nur zustimmen und mein Vorrat an Rotwein ist in den letzten Wochen ziemlich geschrumpft! (Auf Dauer kann das teuer werden, hoffen Sie mit mir auf besseres Wetter!)

 


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