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BLOG vom 02.08.2016


Mit der „Sauschwänzlebahn“ dampfend unterwegs

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Sauschwänzlebahn mit Tender-Dampflok 262
 

An der Haltestelle Lausheim-Blumegg hielten wir Ausschau nach der Sauschwänzlebahn. Pünktlich, so gegen 11:45 Uhr, erblickten wir nach einer leichten Kurve die vom Bahnhof Weizen (471 m ü. M.) kommende Sauschwänzlebahn mit ihrer Tender-Dampflok 262. Diese stiess eine weiss-graue Rauchwolke aus. Die Lok musste schon die erste Steigung bis zur Haltestelle Lausheim-Blumegg (502 m ü. M.) überwinden, deshalb die kräftige Rauchwolke. Wie ich mir sagen liess, muss der Lokomotivführer bei Steigungen seine Maschine mit viel Gefühl ansteuern, damit die Räder nicht durchdrehen.

Die Tender-Dampflok 262 wurde 1954 von Henschel in Kassel erbaut. Sie hat ein Gewicht von 87 Tonnen, Wasserbehälter fasst 11 Kubikmeter Wasser, Kohleladung: 4 Tonnen.
 
Die Einfahrt zur Haltestelle Lausheim-Blumegg war ein schönes Fotomotiv. Zischend und dampfend hielt die Lok mit den 4 Waggons, ein Schaffner stieg aus und wir konnten einsteigen. Der Fahrpreis in Höhe von 16 Euro pro Person für die einfache Fahrt wurde beim Zugpersonal entrichtet.

Wir fuhren zu siebt am 29.07.2016 zur Haltestelle Lausheim-Blumegg. Diese Haltestelle wählten wir deshalb, weil wir bergauf fahren und dann vom Bahnhof Zollhaus-Blumberg (702 m. ü. M.) aus den Sauschwänzleweg bergab zurück wandern wollten.
Einen abenteuerlichen Eindruck hinterliess uns das alte geschlossene Bahnhofsgebäude in Lausheim-Blumegg. Türen und Fenster waren verschlossen, eine Bank zum Verweilen war da, der Treppenaufgang zum Gebäude war schon betagt, aber noch gut begehbar, ebenfalls der Bahnsteig. Wir wähnten uns wie im Wilden Westen. Ich dachte, es kommt gleich John Wayne um die Ecke.

In der Nähe des Gasthauses neben dem Bahnhofsgebäude entdeckten wir schon vorher bei einer Inspizierung eine Tafel mit Infos über die Museumsmühle in Weiler bei Stühlingen-Blumegg. Es ist eines der ältesten, in grossen Teilen noch vollständig erhaltenen Mühlen Deutschlands. In ihr wurden Körner gemahlen, Getreide, Früchte, Ölfrüchte sowie Knochen und Gipsgestein gestampft. Aus Zeitgründen verzichteten wir auf eine Besichtigung der Mühle.

Dann fuhr die Sauschwänzlebahn los (um 11.48 Uhr). Zunächst musste der Heizer oder Schaffner kurz die Lok verlassen, um den Bahnübergang von Hand mit Flagge sichern. Es ist der einzige unbeschrankte Bahnübergang auf der gesamten Strecke.

 


Sauschwänzlebahn Streckenverlauf
 

Wir wählten gut gepolsterte Sitze aus. Es war wohl die 1. Klasse. Im letzten Waggon befand sich die „Holzklasse“ (früher war dies die 3. Klasse, also nur eine solche mit Holzbänken).
Die Fenster in den Waggons konnte man bis zur Hälfte herunterschieben. So mancher Blick auf Viadukte und Tunneleingänge und auf die dampfende Lokomotive waren besondere Höhepunkte nicht nur für Fotografen. Man nahm dann die russig bedampfte Luft gerne in Kauf. Nur in den Tunnels sollte man den Kopf einziehen und die Fenster schliessen.

Die Sauschwänzlebahn, wurde 1887-1890 von der ehemals „Grossherzoglich Badischen Staatseisenbahn“ als strategische Bahn erbaut. Die Bauzeit betrug nur 3 Jahre, eine unglaubliche Leistung. Es waren 4500 Arbeiter aus Italien und Tirol im Einsatz.
Die Bahn wurde am 01.05. 1976 von der Deutschen Bundesbahn stillgelegt. Heute ist die Bahn ein technisches Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Wegen ihres gekringelten Verlaufs wird die Bahn im Volksmund „Sauschwänzlebahn“ genannt.
Die erste Museumsbahn Wutachtal nahm im Mai 1977 ihren Betrieb auf. Sie ist ein Erfolgsmodell. Jährlich erfreuen sich 100 000 Fahrgäste an einer Fahrt. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, wie die Japanische und Schottische Wiskyfahrt, ein Westernwochenende, Feinschmeckerfahrt, Kindertag,  Proseccofahrt, Wein unter Dampf und Halloweenfahrt. Infos unter www.sauschwaenzlebahn.de

 


Blick auf den Talübergang Epfenhofen
 

Kurz zur Fahrtstrecke:  Von Lausheim-Blumegg geht es durch den Weiler Kehrtunnel (1205 m), über die 107,5 m lange Wutachbrücke, durch den Grimmelshofener Tunnel (224 m), dann durch Deutschlands einzigartigen Kreiskehrtunnel (1700 m). Die erlebnisreiche Fahrt führt uns durch eine reizvolle Landschaft, dem Talübergang Fützen und Epfenhofen, über das Biesenbach-Viadukt (252,5 m) mit seinen Fischbauchträgern und noch durch 2 weitere Tunnels. In Fützen war kurzer Halt. Hier befindet sich der letzte erhaltene Einheitsportaldrehkran in Deutschland für Kohle. Der Kran ist eine sehr effektive Hilfe für das Verladen von Kohle. Wie ich vom Heizer erfuhr wird polnische Kohle zum Heizen benutzt, weil diese weniger russt und geringe Mengen an Schlacke bildet. Andere Museumsbahnbetreiber verwenden walisische oder russische Kohle.

Nach etwa 1 Stunde Fahrtzeit erreichten wir etwas geräuchert den Bahnhof Zollhaus-Blumberg. Die gesamte Fahrtstrecke beträgt von Weizen ausgehend 25 km. Der Zug muss eine Höhe von 231 m überwinden.
Es war für uns eine schöne, interessante und gemütliche historische Zugfahrt. Eine Zugbegleiterin fuhr mit einem Getränkewagen durch die Waggons. So konnten wir unsern ersten Durst mit Bier oder anderen Getränken löschen.

Im Eisenbahnmuseum
In diesem Museum, das von den damaligen Blumberger Lehrern Bernhard Prillwitz und Dietrich Reimer 1992 gegründet wurde, sind zahlreiche Pläne, Unterlagen und Fotografien aus der Bauzeit zu sehen. Wir sahen ein Bedienungspult des Stellwerks, eine Modelleisenbahnanlage der Sauschwänzlebahn, eine Figur eines Bahnbeamten mit Uniform aus der grossherzoglichen badischen Zeit, Kartonfahrkarten-Automaten, Signale, Zugmelde- und Weichenstelleinrichtungen, Schilder, Ausrüstungsteile,  Ansichten von Lokomotiven und Zügen und vieles mehr.
Neben dem Schild „Nicht bewegen. Es wird gearbeitet“ liess ich mich erschöpft auf einem daneben stehenden Stuhl nieder und bewegte mich nicht. Ganz klein war unweit zum Schild dazu das Folgende zu lesen: „Damit ist nicht das Arbeitstempo gemeint, sondern die Anweisung, den stehenden Eisenbahnwagen nicht wegzufahren, weil dort Arbeiten stattfinden.“
Unweit davon  befand sich ein Korbkoffer, aus dem ein Modell-Fasan herauslugte. Auf dem Korb war zu lesen: „Achtung bissiger Fasan“. In der Nähe war ein Zettel aufgeklebt mit der Inschrift „Zur verschärften Entseuchung“.

Vor dem Museum steht noch ein roter Waggon, der als „Bahn-Shop“ umfunktioniert wurde. Hier kann der Interessierte Andenken für Modelleisenbahner und spassige Eisenbahner-Devotionalien, aber auch Schriften und Ansichtskarten erwerben.

Hinweis: Das Eisenbahnmuseum ist jeweils 1 Stunde vor und nach der Abfahrt eines Museumszuges geöffnet. Der Besuch ist im Fahrpreis enthalten.

Nach diesen Erlebnissen machten wir uns auf den Rückweg per Pedes. Wir benutzten den ausgewiesenen Sauschwänzle-Weg. In weiser Voraussicht hatte unser Wanderorganisator Toni von Lörrach den Weg bergab gewählt. Die schon etwas älteren Wanderer waren ihm dankbar. Wir mussten dann nicht die steilen Anstiege bewältigen.
Über diese Wanderung werde ich einen gesonderten Blog widmen.

Anmerkung: Es gibt eine Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Museumsbahn Wutachtal e.V. (www.ig-wtb.de). Mitglieder und Spenden sind stets willkommen.

Internet
www.sauschwaenzlebahn.de
info@sauschwenzlebahn.de
www.ig-wtb.de
 

Literatur
Rust, Gerhard: „MuseumsBahn Wutachtal“, IG WTB e.V., Blumberg, 16. Auflage, 2016.
Sauschwänzle Bahn, Fahrplan 2016 (gibt es an Haltestellen und Bahnhöfen).

 


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