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BLOG vom 24.12.2016


Sauna und Dampfbäder: Schwitzen für die Gesundheit

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Die gesundheitliche Wirkung des Schwitzens in feuchter und heisser Luft war schon den alten Griechen bekannt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot war es, der die Badegewohnheiten der Skythen um 450 v. Chr. beschrieb. Diese Reiternomaden bauten sich mit drei Stangen und einer Filzdecke ein Zelt. Dann warfen sie heisse Steine in ein mit Wasser gefülltes Becken, das in der Mitte des Zeltes stand. „Danach nehmen sie Hanfkörner, kriechen in das Zelt und werfen dieselben auf glühende Steine. Das erzeugt einen derartigen Dampf, dass kein hellenisches Schwitzbad damit konkurrieren kann. Die Skythen aber heulen vor Freude über diesen Dampf. Diese Methode benützen sie anstatt eines Bades“ so Herodot. In verschiedenen Ländern setzten sich später unterschiedliche Dampfbäder und Saunen durch. So die sibirische Form des Saunens (Banja), das Caldarium (römisches Dampfbad) das irische Dampfbad, das türkische Dampfbad Hamam, die Finnische Blockhaussauna,  Finnische Rauchsauna, Biosauna, Kristall-, Amethyst- oder Bergkristall-Saunen, Kräuter-Sauna, Heu-Sauna und andere Varianten. Es gibt auch das Tylarium, welches eine Kombination einer traditionellen Sauna und eines milden Dampfbades darstellt.

Die Biosauna bzw. das Saunarium ist kreislaufschonender, da in der Regel niedrigere Temperaturen (45-60 °C) und eine höhere Luftfeuchtigkeit (40-55 %) als in der herkömmlichen Sauna vorherrschen. Oft wird sie häufig kombiniert mit ätherischen Ölen und einer speziellen Lichttherapie (Farblichtsimulation). Blau wirkt beruhigend und entspannend, Rot anregend und positiv auf die Haut, Grün wirkt regenerierend und erholsam und Gelb stimmungserhellend und ist depressiv veranlagten Personen zu empfehlen.

Bei der Infrarot-Sauna, die genau betrachtet, keine eigentliche Sauna ist, wird die Wärme durch Infrarotstrahlen erzeugt. Einige Anwender schätzen die Infrarot-Sauna deshalb, weil die herkömmliche Sauna für sie zu anstrengend ist.
Jeder muss herausfinden, welche Form der Sauna und des Dampfbades für ihn am zuträglichsten ist. Derzeit gehen 17 Millionen Männer und 13 Millionen Frauen in Deutschland regelmässig in die Sauna.

Medizinische Wirkungen
„Die Frauen sind am schönsten nach der Sauna“, heisst es in Finnland.  Eine Sauna verbessert nämlich das Hautbild und wirkt der Hautalterung entgegen. Nach dem Betreten der Sauna erweitern sich die Blutgefässe der Haut (die Oberflächentemperatur steigt nach 15 Minuten Aufenthalt auf 40 – 42 °C), dann in der Abkühlphase ziehen sich diese wieder zusammen. Es ist ein gutes Training für die Haut. Durch das Schwitzen erfolgt eine gründliche Körperreinigung. Die obere Hornschicht der Haut quillt und verhornte Zellen lockern sich und werden später weggespült. Ich kann mir denken, dass auch die Männer von regelmässigen Saunagängen punkto Hautbildverbesserung ebenfalls profitieren. Aber es gibt noch ganz andere Wirkungen:
Die Sauna wirkt besonders positiv auf das vegetative Nervensystem und das allgemeine Wohlbefinden. Regelmässige Saunagänger berichten immer wieder von einer sehr guten Entspannung und einer besseren Stressverträglichkeit. Wer regelmässig eine Sauna aufsucht härtet sich gegen Erkältungskrankheiten ab. Durch das Wechselbad von heiss und kalt entstehen Temperaturreize, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken. „Die Immunzellen setzen sich in Bewegung und gelangen dorthin, wo sie Grippe- und Erkältungsviren besonders effektiv abfangen können – nämlich in die Schleimhäute“, so der Immunexperte Reinhold Schmidt von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Nach der Hitze und dem darauf folgenden Kaltbad entspannt sich die Muskulatur. Auch eine Anregung des Kreislaufs, des Stoffwechsels, eine Verbesserung der Blutdruckregulation bei zu hohem und zu niedrigem Blutdruck, eine positive Wirkung bei Funktionsstörungen (Asthma bronchiale, Kopfschmerzen) und ein gutes Venentraining sind weitere positive Effekt. Auch vertragen die Saunagänger besser Hitze und Kälte.

Wer darf nicht in die Sauna?
Menschen, die folgende Beschwerden haben, sollten nicht in die Sauna:
Bei akuten und fieberhaften Erkrankungen, bei Entzündungen an Haut, Organen, Gelenken und Blutgefässen, Epilepsie oder epilepsieähnlichen Anfällen, bei nicht eingestellter Schilddrüsenüber- oder Schilddrüsenunterfunktion, Medikation mit Neuroleptika. Wer sich nicht sicher ist, sollte seinen Hausarzt fragen, ob er saunieren darf.

Was muss man beachten?
Wenn Sie zum ersten Mal eine Sauna aufsuchen möchten, ist es hilfreich, wenn Sie mit einem erfahrenen Saunagänger dorthin gehen. Er wird dann dies berichten:
Vor dem Saunagang ist ein Toilettengang wichtig, da die Sauna die Nierentätigkeit anregt. Bevor man in die Sauna geht, ist das Einseifen und Duschen Pflicht. Dies ist nicht nur aus hygienischen Gründen notwendig, sondern auch zum Entfernen des Fettfilms auf der Haut. Eine Fettschicht würde das Schwitzen verzögern. Nach dem Abtrocknen geht es nackt in die Sauna. Bringen Sie unbedingt ein grosses Badetuch mit. In der Sauna herrschen Lufttemperaturen von 70 – 100 °C. Die Wärme ist wegen der Trockenheit der Luft erträglich. In der Sauna befinden sich mehrere Bänke. Da die Wärme nach oben steigt ist es im Bereich der unteren oder mittleren Bank weniger heiss als in der obersten. Breiten Sie das Handtuch auf einer Bank aus und wenn genügend Platz vorhanden ist, legen sie sich auf den Rücken darauf. Der schwitzende Körper soll nicht das Holz berühren. Wer lieber im Sitzen saunieren möchte, kann dies natürlich tun. In der Regel bleibt man 8 bis 15 Minuten in der Sauna, dann folgen die Abkühlphase von 15 Minuten und die Ruhephase, die ebenfalls 15 Minuten dauert. Man sollte sich keinesfalls zwingen, länger zu bleiben, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Falscher Ehrgeiz ist fehl am Platze.

Nach dem Saunagang ist eine richtige Kaltanwendung angesagt. Diese erfolgt entweder mit kaltem Wasser aus dem Kneipp-Schlauch (beginnend von den Füssen die Richtung des Wasserstrahls immer Richtung Herzen führen), durch einen Ganzkörperguss aus der Schwallbrause. Ganz Mutige und solche, die keinen hohen Blutdruck haben und nicht schwanger sind, können in das Tauchbecken steigen (10 Sekunden genügen!). Man sollte nach dem Saunagang nicht in das Schwimmbad gehen, um dort zu schwimmen. Ein kurzer kalter Reiz ist für den Kreislauf effektiver. Wer sich nicht richtig abkühlt, der schwitzt nach und kann sich erkälten. Wenn ein Freibereich der Sauna vorhanden ist, wird man vor der Abkühlung mit Wasser dies nutzen, um den Körper mit Frischluft zu erquicken.

Wer für seine Füsse etwas Gutes tun möchte, kann diese am Schluss der körperlichen Abkühlung mit einem knöcheltiefen Fussbad bei etwa 40 °C erwärmen.
Nach dem Saunagang folgt die Nachruhe auf einer Liege. Wichtig ist noch dies: Vor und nach dem Saunabesuch sollte man viel trinken. In Frage kommen magnesiumreiche Mineralwässer, Apfelsaftschorle (1 Teil Apfelsaft und 2 Teile Mineralwasser) oder Kräutertee.
Wie viele Saunagänge sind empfehlenswert? Wer einmal in der Woche sauniert, kann zwei- bis drei Saunagänge hintereinander absolvieren. Bei täglichem Saunagang ist einer ausreichend.

Aufguss in der Sauna
Man unterscheidet die Trockensauna als auch die Aufguss-Sauna. Für Saunagänger ist die Zelebrierung des Aufgusses ein Höhepunkt. Wasser (neuerdings wird auch zerstossenes Eis oder Honig verwendet) wird auf heisse Steine des Saunaofens gegossen. Der sich bildende Dampf steigert die Luftfeuchtigkeit von 10 auf 30 % und erzeugt einen stark empfundenen Hitzereiz. Dieser hält jedoch nur ein paar Minuten an. Ätherische Öle, die dem Aufgusswasser zugefügt werden, entfalten einen wohlriechenden Duft und eine gute Wirkung auf das Nervensystem.

Dampfbäder
Es gibt viele Menschen, die ein Dampfbad vorziehen. In den klassischen Dampfbädern herrschen eine Luftfeuchtigkeit von 100 % und eine Temperatur um 50 °C. Der Wasserdampf wirkt schleimlösend und hilft bei Erkältungen, Heiserkeit, Husten und auch bei Neben- und Stirnhöhlenproblemen. Die feuchte Luft erhöhte die Elastizität des Bindegewebes und der Muskeln. Es erfolgt eine Entkrampfung der verspannten oder verkrampften Muskeln. Die Aufenthaltsdauer in einem Dampfbad beträgt etwa 15 Minuten.
Bei den verschiedenen Dampfbädern greife ich das türkische Bad (Hamam) heraus, das bei uns immer mehr in Hotels, Kuranstalten und Thermalbädern angeboten wird. Das Hamam hat einen  Warmluftraum von 40 °C und einen Heissluftraum von 50 °C mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Im Warmluftraum gibt es einen Massagetisch. Hier kann man sich die traditionelle Seifenschaummassage geben lassen. Peelings werden auch angeboten. Der Masseur reinigt beim Peeling die Haut mit einem rauen Handschuh aus Wildseide oder Ziegenhaar.

Anhang: Walter Hess in der Sauna
Walter Hess beschrieb sehr treffend und amüsant seine Erfahrungen mit einer Sauna im Blog vom 15.02.2008 („Vorarlberg 1: Das Skipistenwandern im Grossen Walsertal“). Er saunierte dort im Traditionshaus „Rössle“, das sich auf der Jochhöhe in Vorarlberg (Österreich) befindet. Hier ein Auszug:

Unser Wirt, Otmar Schäfer, schaltete gleich die Biosauna ein; die müssten wir unbedingt nutzen, sagte er. Da gab es keine Diskussion. Wir bezogen das helle, saubere, geräumige Zimmer 3, holten in der Sauna Bademäntel. Dort unten duschten wir und stiegen dann in den auf 50 °C vorgeheizten Bretterverschlag, in dem sich bereits eine dreiköpfige Familie und eine Single-Dame eingenistet hatten, deren Mann offenbar aufgrund von Kindheitserlebnissen Sauna-Aversionen hatte, wie das bei mir hinsichtlich des Skifahrens der Fall ist. Es kamen noch 2 Männer dazu. Eine der Damen setzte sich dafür ein, dass die Temperatur hochgefahren wurde, goss Wasser nach, das sich zischend in Dampf verwandelte, liess ein Handtuch profimässig in der heissen Luft kreisen, was die Wärme spürbarer werden liess. In gemeinsamer, abwägender Diskussion entschieden wir uns für Latschenkieferöl als aromatisierenden Duftstoff: bei der Latsche handelt es sich um die kleinwüchsige, strauchartige Bergkiefer (Pinus mungo). Doch im entsprechenden Fläschchen war fast Ebbe.

Bei weiterhin ansteigender Temperatur verkündete ich den Mitschwitzenden, meine Teilnahme finde bei höchstens 220 °C ein Ende, das heisst, wenn die ersten grillartigen Krusten auftauchen würden. Inzwischen flossen Schweissbächlein durch die Hügelwelt der weiblichen Busen und über unsere behaarten Männerbrüste. Ich befürchtete, dass meine Fettschicht, gebildet aus hochwertigen Ölen mit den begehrtesten aller Omega-Fettsäuren, allzu sehr in einen frühlingshaften Schmelzprozess geraten könnten und befasste mich mit Fluchtgedanken. Zwar war in dieser Sauna eine drehbare Sanduhr; doch hatte ich diese nicht konsequent genug bedient, und so wusste ich nicht, wie lange ich hier ausgeharrt hatte. Aber ich wusste ja ohnehin nicht, welches die Idealzeit für mich war.

Ich liess mir von den anwesenden Saunaexperten noch das weitere Vorgehen erklären. Der gross gewachsene Familienvater machte das Abschrecken mit eiskaltem Wasser aus einem Kübel, der unter der Diele auf die Total-Entleerung in einem Guss wartete, gleich vor; wir konnten dieses schreckliche Geschehen durch das Glasfenster in der Saunatüre mitverfolgen. Ich selber wählte die sanftere Variante, beginnend mit dem Abkühlen des herzabgewandten rechten, dann des linken Beins, des rechten und linken Arms und schliesslich liess ich das kalte Nass über den Kopf und den gesamten Körper fliessen. Dabei ergebe sich ein herrliches Prickeln, schwärmte eine junge, schön proportionierte Dame, die mir in der Sauna besser noch als in voller Montur beim anschliessenden Abendessen gefiel. Das Prickeln wollte sich bei mir allerdings nicht so richtig einstellen. Ich spürte einfach eine kalte Erfrischung, an die sich eine wohltuende Entspannung anschloss, die ich zuerst bei klassischer Musik in einem Liegestuhl im Sauna-Vorraum und dann in unserem Zimmer, auf dem Bett liegend, genoss.

Meine Erlebnisse
In einem Blog vom 11.09.2011 („Badenweiler D: Im Römisch-Irischen Bad textilfrei schwitzen) beschrieb ich meine Sauna-Erlebnisse. Ich wollte wie die alten Römer baden. Ich liess mir jedoch sagen, dass das Römisch-Irisches Bad eine Kombination der römischen Badekultur mit der irischen Badetradition ist.
Die Prozedur hat der irische Arzt Dr. Richard Barter (1802−1870) erfunden. Es ist eine Kombination unterschiedlicher warmer Thermalbädern mit Heissluftbädern. Das Bad soll besonders Menschen, die unter Arthrose, chronischer Bronchitis, Durchblutungsstörungen, Gelenkrheumatismus und Drüsenstörungen leiden, helfen. Ein solches Bad soll entspannend wirken und die Gesundheit stärken. Es entschlackt und fördert das vegetative Gleichgewicht. Näheres in meinem Blog.

Blogs über die Erfahrungen mit der Sauna
11.09.2011: Badenweiler D: Im Römisch-Irischen Bad textilfrei schwitzen
15.02.2008: Vorarlberg (1): Das Skipistenwandern im Grossen Walsertal

 


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