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BLOG vom 25.01.2017


Meerrettich regt Appetit und Verdauung an

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist,  Schopfheim D

 


Meerrettichpflanzen
 

„Der Meerrettich hat alle Merkmale einer explosiven Pflanze. Er ist gleichzeitig das Allerbeste und Allerschlimmste; eine schwache Dosis dynamisiert den Körper und namentlich das Verdauungssystem; eine kräftige Dosis dagegen ist Dynamit“, so beschreibt Maurice Mességué treffend die scharfe Wurzel. Der Meerrettich bringt nicht nur Pep in die Speisen, er hat auch andere Vorzüge, wie wir sehen werden.


Das Penicillin aus der Küche
Der Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Cruciferae). Die 30 bis 40 cm lange und bis 6 cm dicke walzenförmige Pfahlwurzel ist in der Tat die Schärfste unter den Gemüsen und Küchenkräutern. Bei der Zubereitung fliessen schon mal die Tränen; es kribbelt in der Nase, und beim Verzehr verspürt man einen beissenden Geschmack. Das merke ich immer, wenn ich nach Wanderungen bei der Schlusseinkehr geräuchertes Forellenfilet mit Meerrettich-Sahne verzehre. Wenn frisch geriebener Meerrettich verwendet wurde, dann flossen bei mir auch die Tränen. Oft wird der Meerrettich zusammen mit Sahne (Rahm) serviert. Dadurch wird die Schärfe etwas abgemildert.

„Er muss in der Zunge beissen, wenn er dieses nicht tut und gelind tut, so ist er nicht gut“, heisst es in Valentinis Kräuterbuch aus dem Jahre 1719. Kein Wunder, dass er in manchen Gegenden „Rachenputzer“ genannt wird. Andere Bezeichnungen sind: Mährrettich, Sumpfrettich, Kren, Fleischkraut, Maressig, Pfefferwurzel, Bauernsenf und Beisswurzel.

Senföle, Vitamin C (115 mg/100 g) und Kalium sind die herausragenden Inhaltsstoffe. Senföle sind für den beissenden Geschmack verantwortlich und entfalten eine antibiotische Wirkung. Nicht zu Unrecht wird der Meerrettich als das „Penicillin aus der Küche“ bezeichnet. Senföle entfalten eine durchblutungsfördernde, appetitsteigernde, harntreibende, hautreizende, entwässernde und schleimlösende Wirkung. Auf Gärungs- und Fäulniserreger im Darm wirken Senföle lähmend.

Senfölglykoside kommen ausserdem in Rettich, Senf, Kresse und Kohl vor.

Meerrettich wird gern zu Roastbeef, gekochtem Rindfleisch, Tafelspitz und geräucherten Forellen  gegeben. Aber auch zur Herstellung von Saucen, Senf, Geflügel- und Kartoffelsalaten, Meerrettich-Quark, Sahne- oder Apfelmeerrettich wird die geriebene Wurzel verwendet.

Wirksame Senföle
Eine neueste Grosstudie der Universitäten Rennes und British Colombia ergab, dass die schwefelhaltigen Senföle die Resistenzproblematik entschärfen können. Bei Erkältungskrankheiten ist es sinnvoll, wirksame pflanzliche Arzneimittel wie Senföle aus Kapuzinerkresse (Arzneipflanze des Jahres 2013) und Meerrettich einzusetzen. Dies äusserte der Makrobiologe Prof. Uwe Frank, Freiburg. Bei Verwendung von Senfölgemischen wurden nach 50 Jahren keine Resistenzen beobachtet.

Bei der Grossstudie wurden mehr als 100 Forschungsarbeiten zu den antibakteriellen Eigenschaften und Resistenzmechanismen der Senföle ausgewertet. Die Senföle wirken antimikrobiell, entzündungshemmend und eignen sich zur Behandlung von Erkältungskrankheiten.  „Gleichzeitig tragen die Senföle zur Entschärfung des Resistenzproblems bei“, so Prof. Frank.
Die Senföle wirken auch im Gegensatz zu Antibiotika, antiviral. Bei antiviral bedingten Atemwegserkrankungen könne das pflanzliche Arzneimittel auch den bakteriellen Sekundärinfektionen entgegenwirken.
Eine Kombination der Senfölglykoside (Glucosinolate) aus Kapuzinerkraut und Meerrettichwurzel haben ein breites Wirkungsspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen.
Eine Untersuchung an der Uni Giessen 2010 ergab, dass die Kombination der Senföle die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmte.

Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse: Senfölglykoside, Carotinoide, Anthocyanidine, Flavonoide, Phenole, Vitamin C.
Eigenschaften: Antibiotisch, antiviral, pilzwidrig, schleimlösend, desinfizierend.
Haupteinsatzgebiete sind Harnwegsinfekte, Infektionen der oberen Luftwege, Nebenhöhlenentzündung und Bronchitis.
Inhaltsstoffe von Meerrettich: Senflölglykoside (Sinigrin, Allicin, Gluconasturtin), Vitamin C (115 mg/100 g), ätherische Öle.
Eigenschaften: Antimikrobiell, entkrampfend, durchblutungsfördernd,
Haupteinsatzgebiete: Bakterielle Harnwegsinfekte, Infektionen der Atemwege.
Stärkung der Abwehr.

Hinweis: Die Arznei-Kombination Meerrettich und Kapuzinerkresse ist in Apotheken erhältlich.

Nackenkompresse bei Kopfschmerzen
Nackenkompresse mit frisch geriebenem Meerrettich: Maya Thüler empfiehlt eine Nackenkompresse bei Kopfschmerzen, Stirnhöhlen- und Kieferhöhlenentzündung. Die Einwirkungsdauer soll höchstens 4 Minuten betragen. Bei guter Verträglickeit kann die Kompresse bis zu 10 Minuten aufgelegt bleiben.
Nach Entfernung der Kompresse sollte man die gerötete Stelle mit Körperöl einreiben.
Weitere Anwendung: Zerquetschte Meerrettichblätter eignen sich als Auflage bei Bienenstichen (Schmerzlinderung, Verhinderung einer Schwellung).

Noch ein Hinweis: Menschen mit Magen- und Schilddrüsenproblemen sollten keinen Meerrettich verzehren.

Anhang: Einige Rezepte mit Meerrettich
Walter Hess erwähnte in seinem Glanzpunkte-Artikel Rettich, schmackhafter Kaminputzer für den Unterleib das Rezept für einen Meerrettich-Salat.

 


Schärfste Wurzel, die wir kennen.
 

Meerrettich-Salat
Über 150 Jahre alt ist das nachstehende Rezept. Die Quelle: „Neues Berner Kochbuch oder Anleitung, die im gewöhnlichen Leben sowohl als bei Fest-Anlässen üblichen Speisen auf die schmackhafte Art zuzubereiten; nebst einer bildlichen Darstellung, wie die Gerichte auf dem Tisch gefällig zu ordnen sind, herausgegeben von L. Rytz, geb. Dick:

„Man reinigt den Meerrettich von der Rinde, reibt ihn am Kässchaber, giesst ein paar Löffel heisse Fleischbrühe daran, lässt ihn einige Minuten zugedeckt stehen, und macht ihn mit Pfeffer, Öl und Essig an. Oder man lässt in einem Tüpfi ein Stückchen frischen Anken schmelzen, thut den geschabten Meerrettich mit ein paar Löffel Fleischbrühe darein, lässt ihn ein paar Minuten kochen, und beim Anrichten ein paar Löffel Essig darunter.“ (Anmerkung: Anstelle von Fleischbrühe kann man auch Gemüsebrühe verwenden).

Die folgenden Rezepte stammen von Carine Buhmann, die für unsere Serie „Gemüse und Früchte als Arznei“ in der Zeitschrift „Natürlich“ diese und andere Rezepte lieferte.

Brotaufstrich mit Meerrettich
Zutaten: 1 kleine Zwiebel, 1 kleines Rüebli, 2 EL fein geschrotete Gerste, 1 dl Gemüsebouillon, 2 EL Magerquark oder Sauerrahm, ½ Bund fein geschnittener Schnittlauch, 1 kleines Stück frischer Meerrettich, Pfeffer aus der Mühle, Kräutermeersalz.
Zubereitung:  Die Zwiebel sehr fein hacken. Das Rüebli gut waschen und fein reiben. Zwiebel und Rüebli in wenig Fett andünsten. Gerstenschrot beifügen und mit der Gemüsebouillon auffüllen. Unter ständigem Rühren 3 Minuten leicht köcheln und anschliessend 30 Minuten quellen lassen.
Quark bzw. Sauerrahm, fein gehobelter Meerrettich und Schnittlauchröllchen untermischen. Mit Pfeffer und Kräutersalz würzen.
Tipp: Dieser Brotaufstrich bleibt im Kühlschrank eine Woche frisch.

Getreideplätzli mit Meerrettichquark
Zutaten für Plätzli: 150 g Grünkernschrot, 50 g Haferflocken, 2 dl Gemüsebouillon, 1 Bund frische Kräuter (Petersilie, Schnittlauch), 3 EL Magerquark, 4 EL Rahm, Pfeffer aus der Mühle, Kräutermeersalz.
Zutaten für Meerrettichquark: 250 g Magerquark, 1 kleines Stück frischer Meerrettich, 1 kleiner Apfel, 1 EL frischer Zitronensaft.
Zubereitung: Den Grünkernschrot und die Haferflocken in der Gemüsebouillon kurz aufkochen und 30 Minuten quellen lassen – die Getreidemasse muss fest sein. Die Kräuter fein hacken und mit Magerquark und Rahm gut vermischen. Mit den Gewürzen kräftig abschmecken. 4 bis 6 flache Getreideplätzli formen und in wenig Fett beidseitig langsam anbraten. Erst wenn sich eine Kruste gebildet hat, die Plätzli sorgfältig wenden.
Für den Meerrettichquark den Apfel entkernen und fein reiben. Meerrettich schälen und ebenfalls sehr fein reiben. Beides mit dem Quark gut verrühren und den Zitronensaft untermischen. Zu den Getreideplätzli servieren.

Internet
www.naturheilt.com/medikamente/angocin.html
www.wickel.ch
www.chefkoch.de

 

Literatur
Buhmann, Carine: „Meerrettich – scharfe beisende Stangen“, „Natürlich“ Nr. 12/1993.
Gloor, Barbara: „Der Anbau der Scharfwurzel“, „Natürlich“ Nr. 12/1993.
Scholz, Heinz: „Der Schärfste lässt nicht nur Tränen fliessen“, „Natürlich“ Nr. 12/1993.
Thüler, Maya: „Wohltuende Wickel“, 11. Auflage, Maya Thüler Verlag, Worb, Infos unter: www.wickel.ch

 

Glanzpunkte-Artikel
Walter Hess: „Rettich, schmackhafter Kaminputzer für den Unterleib“
Heinz Scholz: „Heilkräftige einheimische Gewürzkräuter“

Hinweis auf einen Blog
11.05.2016: Neueste Studien: Antirülpsmittel, Honig bei Brustkrebs

 


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