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BLOG vom 18.03.2017


Moritaten und andere erbauliche Lebensläufe

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Im Wonnemonat Mai ist er gestorben,
das Leben hat ihn total verdorben.
War er anfangs noch vernünftig,
wurde er mit 21 Jahren brünftig.
Er hat ganz viele Mädchen 'rumgekriegt,
gleich drauf sich mit 'ner anderen vergnügt.
Wegen zu zahlender Alimente
ging er frühzeitig in Rente.
Er lebte danach noch lang in Saus und Braus.
In den Armen einer Frau hauchte er sein Leben aus.

Er sagte, er leide nicht unter der Langeweile
Aktiv zu sein hatte aber bei ihm keine Eile.
Er verkroch sich dann in seinem Haus.
Jahrzehnte später war es mit ihm aus.
Merke: Man hat einfach nicht gelebt,
wenn man nicht nach Abwechslung strebt!

Mein Lieblingssohn hat mich verlassen.
Er schlich gern durch dunkle Gassen
und suchte den Kick.
Das brach ihm das Genick.
Hätte er es nicht so weit getrieben,
wäre er am Leben geblieben!

Alt werden fand sie gar nicht schön.
Sie wollte schon vor Jahren geh'n.
Die Ärzte holten sie ins Leben zurück.
Für sie war das ein starkes Stück.
Sie ehelichte einen Doktor und ging auf den Strich.
Der Ehemann, der fand das fürchterlich,
bis endlich er ihr die Todesspritze gab.
Sie starb in seinen Armen und liegt jetzt hier im Grab.

Helene starb aus Eifersucht.
Sie hatte ihr Lebensglück gesucht
und einen verheirateten Mann gefunden.
Der war ihr nicht abgeneigt und dennoch gebunden.
Sie verlangte, er solle sich scheiden lassen,
und begann, die Nebenbuhlerin zu hassen.
Er wollte es aber mit beiden treiben.
Alles sollte noch lange so bleiben.
Ihre Sticheleien brachten ihn sehr in Wut.
Das tat ihr aber gar nicht gut.
Sie brachte ihn immer mehr in Rage.
Darauf betäubte er sie in der Garage.
Er übergoss sie dann mit viel Benzin
und warf noch schnell ein Zündholz hin.
Sie konnte nicht fliehen, sass sie in der Falle.
Bald erzitterte das Haus von lautem Knalle.
So hauchte sie ihr Leben aus.
Leidenschaft brachte ihr den Garaus.

Viele Jahre brachte er mit Büchern zu.
Er liess Frauen und sie liessen ihn in Ruh'.
Per Zufall geriet er in einen Konzertchor.
Er trug gern klassische Lieder vor.
Eine Frau verliebte sich in ihn und wollte ihn zwingen,
mehr Zeit mit ihm, statt mit Lesen zu verbringen.
Doch das war niemals sein Bestreben.
Er wollte unabhängig bleiben und leben.
Sie gab sich ihm hin, ganz voller Lust.
Doch das erhöhte nur seinen Frust.
Fast verliess ihn sein ganzer Lebensmut.
Da fand er einen Artikel über den Fingerhut.
Als sie einmal neben ihm sass,
gab er ihr das Gift ins Wasserglas.
Er sah zu wie sie qualvoll starb.
Jetzt liest er im Gefängnis und sie liegt im Grab.

Man sagt, Arbeit sei das halbe Leben.
Nur zur anderen Hälfte sollte man streben.
Den Lebensabend verbrachte er auf einer Insel
und malte und malte mit Palette und Pinsel.
Seine Bilder liessen sich recht gut verkaufen.
Er meinte, er halte sich fit mit Marathonlaufen.
Eines Tages, er hatte gerade sein Auto geparkt,
bekam er plötzlich einen Herzinfarkt.
Niemand hat ihn dort in seinem Wagen entdeckt.
So ist er elendiglich verreckt.
Besser wäre es, man lässt es bleiben,
alles Tun hektisch zu übertreiben.
Nichtstun ist ein wichtiger Teil des Lebens,
Geld und Ruhm am Ende doch vergebens!

Zwei Frauen liebten den einen Mann.
Doch der liess beide nicht an sich 'ran.
Dabei taten sie betont betörend
und fanden sein Benehmen verstörend.
Die Frauen vertrauten sich gegenseitig nicht
und spuckten im Streit sich ins Angesicht.
Sie schimpften aufeinander lang und breit.
Der Mann hat es ganz und gar nicht bereut.
Eine der Frauen lag später tot im Graben.
Wer schuldig war, konnte niemand sagen.
Sie hatte viel Alkohol und Kokain im Blut,
man sieht, das tat ihr überhaupt nicht gut!

Jetzt sagen sie 'mal ehrlich!
Das Leben ist lebensgefährlich.
Es ist nicht nur so eine Mode,
es führt unweigerlich zum Tode!

 


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