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BLOG vom 30.03.2017


Gedanken über den Golfstrom und die Klimaveränderung

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Mein Schwiegersohn macht gerade den Sporthochseeschifferschein. Nach der Kursstunde beim Abendessen ergab sich ein Gespräch über die Fragilität unseres Klimas, nicht zuletzt auch über die Folgen eines möglichen Versiegens des Golfstroms. Das ist nämlich auch ein Thema der Prüfung, wie in dem Buch
Schultz et al., „Sporthochseeschifferschein“ nachzulesen ist.
Ein Nachlassen dieser warmen Strömung kann für Nordeuropa gravierende Folgen haben, es wird dann empfindlich kälter, vielleicht sogar so kalt wie in Alaska.

Im Online Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ vom 29.03.2017 fand ich einen Artikel über einen Forscher, der sich aufgrund des Fundes eines Steines aus 4000 m Tiefe im Atlantik vor der iberischen Halbinsel nordöstlich des Pilgerortes Santiago de Compostela damit beschäftigt hat, was dieser über Meeresströmungen, Eiszeiten und dem Golfstrom verraten kann.

In diesem Artikel wird der Golfstrom, der nur ein Teil eines weltumspannenden Strömungssystems ist, so definiert:

Das chemische Element (Sauerstoff) gelangt von der Oberfläche in das Wasser am Meeresgrund, wenn vor Grönland kaltes Salzwasser in die Tiefe sinkt und dort langsam gen Süden strömt. Es zieht oben warmes Oberflächenwasser von Süden nach – so entsteht der Golfstrom, Europas Fernheizung.“

Der besagte Stein ist per Eisberg zu seinem Fundort gelangt.

Sechsmal in der Hauptphase der letzten Eiszeit (Sie begann vor etwa 115.000 bis 110.000 Jahren und endete vor etwa 12.500 bis 10.000 Jahren.) löste sich vom großen Eisschild über dem Nordpol, der damals weit herunter nach Kanada und Skandinavien reichte, eine Armada von Eisbergen. Sie brachten nicht nur eine grosse Menge scharfkantiger Sedimente mit, sondern auch viel Frischwasser. Als sie schmolzen, stieg der damals niedrige Eiszeitmeeresspiegel schnell um einige Meter an. Der Salzgehalt des Nordatlantiks nahm so stark ab, dass 750 Jahre lang keine Wassermassen mehr in die Tiefe sanken und somit kein warmer Golfstrom nachfloss. In Europa wurde es schlagartig etliche Grad Celsius kälter.“

Verschiedene Forscher machten auf die Zusammenhänge aufmerksam,
die Veränderungen der Meerestemperaturen weltweit mit sich bringen.

Während der Eiszeit stiegen die Temperaturen auf Grönland etwa alle 1500 Jahre um 10 oder mehr Grad an, insgesamt 23-mal. Teilweise gingen kühlende Ereignisse voraus, sie kamen etwa alle 7000 Jahre vor, gleichzeitig passierten gewaltige hydrologische Veränderungen in den Tropen, die Eisberge machten sich von Norden auf den Weg Richtung Süden.

Die Phänomene genau zu verstehen, ist sehr schwierig. Die Forscher wissen, dass ein Versiegen des Golfstromes, das Schmelzen der Gletscher usw. Auswirkungen auf die Höhe des Meeresspiegels hat und damit das Leben von Millionen Menschen gefährden können, nicht nur in Europa, sondern weltweit, beispielsweise in Südostasien, wo Millionen Menschen an den Flüssen wohnen, die dort ins Meer fliessen.

Mein Schwiegersohn gab zu bedenken, dass nach dem Versiegen des Golfstromes die Kälte in Nordeuropa so gross werden könnte, dass es zu einer Völkerwanderung Richtung Süden führen wird, also genau anders herum, wie wir es heutzutage bei den Flüchtlingsströmen erfahren.

Auf der Bahnfahrt zurück nach Hause sass ich neben einem Iraner, der meinte, es gebe in seiner Heimat Befürchtungen, dass die Temperaturen sich über mehrere Monate im Jahr auf über 50 Grad tagsüber erhöhen könnten, also ein Leben ohne Klimaanlagen unerträglich sein würde. Ob diese dann noch funktionieren, wenn die Ölquellen versiegt sein werden?

Es ist kaum möglich, präzise Voraussagen in die Zukunft zu machen. Es sind einfach zu viele Faktoren zu beachten.

Ob von Menschen gemacht, durch Emissionen beschleunigt oder durch Phänomene in der Natur, durch Aktivitäten der Sonne, usw., eine Veränderung des Klimas hat immer verheerende Folgen.

Die Eindämmung des C02-Ausstosses wird den Klimawandel etwas weniger beschleunigen. Dass er aber kommen wird, scheint sicher zu sein.

Langfristig müssen die Menschen sich darauf einstellen. Es wird Veränderungen geben und niemand weiss, wann, wie schnell, wie gravierend sie sein werden.

Quellen
Schultz et al., Sporthochseeschifferschein, Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-1820-9

http://www.spektrum.de/news/wie-hartmut-heinrich-einen-extremen-klimaumschwung-entdeckte/1443377?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute

 


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