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BLOG vom 09.06.2017


Dummheit, Weisheit - Trump und Erdogan

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


"Ist Donald Trump so dumm oder tut er nur so?" ist eine häufige Frage, die gestellt wird, wenn der amerikanische Präsident wieder etwas gesagt oder bestimmt hat, was für "den Rest der Welt" unverständlich oder gar unvernünftig erscheint, z.B. der Austritt aus dem Klimaabkommen.
"Sind die Befürworter von Recep Tayyip Erdogans Politik so dumm und sehen seine türkischen Anhänger nicht, dass ihre demokratischen Rechte durch ihn eingeschränkt werden?"

Da stellt sich doch die Frage, was unter dem Adjektiv "dumm" zu verstehen ist. Der Autor A.M. Textor hat schon vor über 50 Jahren ein "Handbuch mit 20 000 sinnverwandten Wörtern und Ausdrücken für den täglichen Gebrauch" mit dem Titel "Sag es treffender" geschrieben. Darin heisst es:

"Dumm, beschränkt, unbegabt, unintelligent, untalentiert, talentlos, unwissend, begriffsstutzig,   verständnislos, unverständig, unbelehrt, zurückgeblieben, unreif, ungelehrig, nicht schulfähig, nicht lernfähig, schwer von Begriff, stupid, dümmlich, unzurechnungsfähig, nicht bei Trost, geistesarm, geistesschwach, gedankenarm, borniert, verbohrt, uneinsichtig, vernagelt, schwachköpfig,   stumpfsinnig, blöde, doof, debil, unterbelichtet, minderbemittelt, lange Leitung, Brett vor dem Kopf, kann nicht bis 3 zählen. – Töricht, unklug, gedankenlos, unüberlegt, unvernünftig, unsinnig, sinnlos, vernunftwidrig, einfältig, leichtgläubig, naiv, vertrauensselig, gimpelhaft, nimmt alles für bare   Münze. – Albern, läppisch , fad, kindisch, flapsig, lachhaft, lächerlich, simpelhaft u.a.m."

In der Sprache der Quechua-Indianer in Südamerika gibt es kein Wort für "dumm", es wird umschrieben und hat die Bedeutung von einer seelischen, körperlichen oder geistigen  Kommunikationsstörung und auch wer wenig Herz hat, ist dumm, ist weniger grosszügig, ist ängstlich und ich-bezogen.

Ich habe seit vielen Jahren ehrenamtlich mit Menschen mit "geistiger Behinderung" zu tun, die korrekte Bezeichnung der letzten Jahrzehnte ist "Menschen mit mentaler Retardierung".
Die Definition der American Association on Intellectual and Developmental Disabilities (AAIDD) besagt da schon etwas genauer, dass "ein Individuum dann als geistig behindert zu bezeichnen ist, wenn die folgenden drei Kategorien zutreffen: der Intelligenzquotient (IQ) ist niedriger als 70-75, starke Einschränkungen im adaptiven Verhalten liegen vor und diese Bedingungen haben sich bereits vor dem 18. Lebensjahr manifestiert". Ich würde diese Menschen nicht als "dumm" bezeichnen!

Wie man sieht, ist es nicht so einfach, jemanden mit diesem Prädikat zu versehen, vor allem auch deshalb nicht, weil die Person, die das von anderen behauptet, der Meinung ist, das träfe auf sie selbst ganz bestimmt nicht zu. Man selbst stuft sich eher als einsichtig, überlegt, gebildet und mit genügend Verstand versehen ein.

Um noch einmal auf die beiden Politiker zurück zu kommen: Sie verfolgen ganz bestimmte Ziele, und sie sind im Sinne der obigen Definition ganz bestimmt nicht "dumm", sie geniessen bei grossen Teilen der Bevölkerung Ansehen und Vertrauen. Der amerikanische Präsident löst mit seiner Politik seine Wahlversprechen ein, wie vernünftig das ist oder nicht, ist Einschätzungssache.

Diejenigen, die das nicht tun, würden ihnen auch nicht das Prädikat "weise" geben. A. M. Textor hat diesem Begriff keinen so gekennzeichneten Abschnitt gewidmet, sondern "weise" unter dem Oberbegriff "erfahren" mit eine von mehreren Synonymen, eingeordnet:
"2. weise, abgeklärt, überlegen, lebensklug, lebenserfahren, welterfahren, gereift, reif, weltklug, sicher."

Um im "Grosswörterbuch Deutsch als Fremdsprache" von Renate Wahrig-Burfeind ist "die Weisheit:

  1. Einsicht, Klugheit, Lebenserfahrung, geistige Reife,
  2. überlegenes Wissen, Gelehrsamkeit", ebenso: "eine kluge Lehre, ein weiser Spruch".

Das ist die westliche Definition, wobei "weise sein" auch mit dem Erreichen eines bestimmten Alters assoziiert wird.

In einigen Kulturen sind die Begriffe "Intelligenz und Weisheit" nicht unterschieden, in anderen bedeutet "weise sein" den Rückzug aus dem Altersleben, in wieder anderen aktiv handelnd am Leben teilzunehmen.

Ich kann mich der Beurteilung vieler meiner Mitmenschen nach diesem Studium nicht mehr anschliessen. Es ist alles relativ. Oder soll ich es mir bequem machen und mich an der Meinung meiner Mitmenschen orientieren, der "Volksweisheit" nachgesagt wird?

Eines von vielen Zitaten zum Thema "Weisheit" hat mich sehr angesprochen:
"Wer seine Grenzen kennt, ist schon ein halber Weiser" (John Galsworthy).

Quellen:
https://www.myhandicap.de/gesundheit/geistige-behinderung/

Rösing, I.: Intelligenz und Dummheit. Wissenschaftliche Konzepte.   Alltagskonzepte.   Fremdkulturelle Konzepte. Ein Werk- und Denk-Buch. Kröning-Verlag, Heidelberg 2004.

Textor, A. M.: Sag es treffender, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, März 1968

Wahrig-Burfeind, WAHRIG, Grosswörterbuch Deutsch als Fremdsprache, Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh/Monachium, (Ausgabe für Polen), 2008

 


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