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BLOG vom 02.07.2017


Gedanken über Propaganda und Manipulation

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


Ursprünglich geht der Begriff Propaganda auf die christliche Missionierung zurück. Er hat sich aus dem neulateinischen Congregatio de propaganda fide, dem Namen einer 1622 in Rom gegründeten "päpstlichen Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens" herausgelöst.

Alle, die versuchen, kollektive Überzeugungen und Emotionen zu formen, zu synchronisieren und für zielgerichtetes Handeln zu motivieren, machen Propaganda.

Ohne Informationen ist Leben nicht vorstellbar, und Informationen sind immer auch Vereinnahmung. Wer behauptet, ganz objektiv zu berichten, lügt; wer behauptet, nicht beeinflussbar zu sein, auch.

Schon im Mutterleib wird der Fötus durch Propaganda geprägt, Emotionen und Stimmungen übertragen sich bereits dort auf die Psyche und beeinflussen das Verhalten nach der Geburt. Mütter glauben etwa, durch Beschallung mit klassischer Musik wird eine positive Einstellung hervorgerufen.

In den Gesellschaften des Westens wird eine Stimmung und Meinung erzeugt, die gegen östliche Länder, sei es Russland, sei es China, sei es Korea oder andere Länder gerichtet sind; und umgekehrt. Und niemand ist gegen eine Dauerberieselung gefeit.

Wir alle kennen die Metaphern vom bösen Russen, vom geldgierigen Juden, vom grausamen Islam.

Meinungsmache und reine Information sind nicht mehr zu trennen, geschweige denn zu unterscheiden.

Dabei liegt es in der Natur des Menschen, dazu zu gehören, und wenn die Gemeinschaft sich gegen etwas oder jemanden stellt, wird es schwer, gegen den Strom zu schwimmen und eine andere Meinung einzunehmen.

Dabei landen in vielen Ländern nicht wenige "Abtrünnige" nicht nur im Abseits, sondern oft genug auch im Gefängnis.

Sie meinen, das sei nur in vielen, oben genannten Ländern der Fall? Vertreten Sie einfach nur versuchsweise einmal die Meinung (z.B. in sozialen Medien), der sich so nennende Islamische Staat habe eine Daseinsberechtigung, so dauert es nicht lange, und Sie werden als Sympathisant bezeichnet, als so genannter "Gefährder" eingestuft, unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestellt oder landen gleich hinter Gittern, weil Sie in Ihren Mails und sonstigen Äusserungen bestimmte Begriffe verwendet haben, die angeblich darauf hinweisen, dass Sie einen terroristischen Akt begehen könnten.

"Das sind die Fakten!" Mit dieser Aussage wird der Skeptiker zuerst einmal mundtot gemacht. Fakt, wieder so ein Begriff aus dem Lateinischen, substantiviert aus "factum", gemacht, getan, geschehen. Das deutet darauf hin, dass auch Fakten eine Sache der Wahrnehmung und der Auslegung der Wahrnehmung sind.

"Wir berichten objektiv!" Es war tatsächlich so und ich berichte sachlich, gegenständlich und unvoreingenommen. Das Wort ist wiederum eine Ableitung aus dem Neulateinischen "objectivus", stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Geht das überhaupt? Sind wir alle nicht mit Vorurteilen belastet, die uns gar nicht bewusst sind? Kann jemand "unvoreingenommen" sein? Ist nicht alles Auslegung durch den Berichtenden?

Uns allen ist bewusst und wir sind ganz überzeugt davon, dass wir nicht mit Angela Merkel, mit Donald Trump oder sonst einem Regierungsmitglied westlicher Demokratien "in einen Topf geworfen" werden können, dass wir uns vom Denken und Handeln unserer Staatsführung teilweise bis erheblich unterscheiden. Warum dann ein "schwelendes" Misstrauen gegen russische, syrische, islamische, türkische und andere Mitbürger? Assoziieren wir sie nicht unbewusst mit den Meinungen, die wir uns in unseren Köpfen von den Staatslenkern gemacht haben? Sehen wir in Menschen aus bestimmten Ländern nicht zuerst potentielle Terroristen und dann erst Mitbürger? Und stammt diese Einstellung nicht zuletzt aus den Nachrichten und Darstellungen unserer Medien?

Dass diese uns in unserer Denkweise manipulieren, dass es nicht "objektiv" und "reine" Fakten sind, dass oft genug Vieles verschwiegen wird, weil es den Meinungsmachern nicht opportun erscheint, wird uns oft genug nicht bewusst.

Ich betrachte einmal etwas ganz anderes. Jeden Tag und verstärkt in den Abendstunden, werden im Fernsehen Krimis ("Tatort" oder auch andere) ausgestrahlt. Sie zeigen oft genug eine Welt voller Grausamkeiten, voller Unmenschlichkeit, voller Menschenverachtung auf der einen Seite und auf der Seite der Ermittler deren Lebensprobleme, die so menschlich und nachvollziehbar sind. Welch ein Weltbild wird hier dargestellt und beeinflusst oft genug die Denkweise der Zuschauer:
Die Welt ist "böse", Menschen sind zu allem fähig und tun es auch, es gibt "die Guten" und "die Schlechten", letztere sind zu bekämpfen und ins Gefängnis zu bringen, denn dort gehören sie hin!

Ich frage mich, welche Denkprozesse die Drehbuchschreiber und die Regisseure durchlaufen, welche Phantasien sie entwickeln, welches Weltbild sie haben und vermitteln wollen. Ist ihnen gewusst, dass den Zuschauern längst nicht mehr oder immer weniger bewusst ist, dass es sich um Fiktion handelt, um Erdachtes, um Einfälle cleverer Menschen, die damit ihr Brot verdienen? Dass es sich im Grunde um Manipulation handelt?

Hier werden Glaubensinhalte vermittelt, wie sie etwa im Christentum bei den Darstellungen der Hölle, des Fegefeuers, der "ewigen Verdammnis" gepredigt wurden und auch heute noch werden.

Dass diese Vorurteile in den Köpfen der Menschen fast unausrottbar sind, erkennen ehemalige Straftäter, die ihre Tat verbüsst haben und versuchen, im Leben wieder Fuss zu fassen.

Je mehr davon in die Köpfe der Menschen "hineinfliesst", desto mehr "beeinflusst" es die Denkweisen der Menschen.

Werbestrategen beobachten genau, auf welche Weise Menschen so beeinflusst werden, dass "ganz unbewusst" genau das beworbene Produkt kaufen. Sie gehen dabei "mit der Zeit" und mit den medialen Möglichkeiten.

Im Grunde ist es ein millionenfacher täglicher "Beschuss" von Manipulationen, (ich denke hier an die Metapher aus dem Bereich der kleinsten Teilchen), denen jeder von uns ausgesetzt ist.

Im Grunde sind wir dem fast wehrlos ausgesetzt. Es gibt nur wenig, dem zu entgehen. Dazu gehört das Bewusstsein, dass es so ist, der Versuch, es zu erkennen und einen eigenen Weg zu gehen.

Ich möchte auf das Orakel von Delphi hinweisen:

Der Überlieferung zufolge sollen am Eingang des Tempels von Delphi die Inschriften „Erkenne dich selbst“ und „nichts im Übermaß“, angebracht gewesen sein. Insbesondere die erste, bekanntere Aufforderung deutet die eigentliche Absicht des Kultes bzw. der verehrten Gottheit an, nämlich die Auflösung individueller Probleme und Fragestellungen durch die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Persönlichkeit. Die Erkenntnis der „Innenwelt“ diente damit als Zugang zur Problemlösung in der „Aussenwelt“. (Wikipedia)

Gehen wir also mit "aufgeklärten. wachen Auges" durch die Welt!

 


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