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BLOG vom 19.08.2017


Trauermantel, Schönbär und Russischer Bär entdeckt

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Trauermantel
 

Vor kurzem entdeckte ich bei Wanderungen 2 seltene Schmetterlingsarten. Die farbigen Schmetterlinge waren Schönheiten und ein besonderes Fotomotiv. Ich entdeckte die Arten bei einer Wanderung am Bernauer Kreuz und die andere Art auf einer früheren Tour im Südlichen Schwarzwald. Dann gab es noch eine Überraschung. Eine 92-jährige Liebhaberin von Schmetterlingen führte uns in ein Waldgebiet, wo noch andere seltene und schöne Arten zu sehen waren.

Wenn man die Schmetterlinge genau betrachtet kann man über die filigranen Kunstwerke der Natur nur so staunen. Man ist fasziniert von den grandiosen Farben, faszinierenden Muster und Zeichnungen. Persönlich finde ich die meisten Schmetterlinge in ihrer Ästhetik unübertroffen.

Seltene Schmetterlinge
Der am Bernauer Kreuz (1155 m ü. M.) entdeckte Schmetterling war der Trauermantel. „Da ist ihnen ein schöner Fund geglückt“, gab mir der Insektenspzialist Matthias Helb zu verstehen.  Laut Helb ist dieser Falter inzwischen selten geworden und im Tiefland kaum noch zu finden. Im Bergland tritt die Art noch häufiger auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte aus bis heute ungeklärten Gründen der Bestand stark zusammen.

Christian Wirth aus Schopfheim-Fahrnau hat den Trauermantel früher häufiger gesehen. Ein Exemplar sah er vor 3 Jahren im Ibacher Moor. Der Schmetterling war ein großes Exemplar mit einer Spannweite von ungefähr 7 cm. Wirth bemerkte einen Rückgang der „Sommervögel“ wie sie die berühmte Malerin  Sybille Merian nannte.
Er sah kürzlich auf einer Waldlichtung im Hotzenwald zahlreiche andere Schmetterlinge auf Disteln. Das zeigt uns, dass an manchen Standorten noch etliche Arten der Falter zu sehen sind. Dies bestätigte mir auch Matthias Richter vom Naturschutzbund Deutschland (NABU- Gruppe Kreis Lörrach e.V.). So beobachtete er in der Nähe des Starnberger Sees im Sumpfland mit vielen Blumenwiesen viele Schmetterlinge. „Hier habe ich innerhalb von 3 Monaten während meines Praktikums so viele Schmetterlinge gesehen, wie in den letzten 5 Jahren im Dreiländereck.“

Matthias Richter betonte, dass es den Schmetterlingen leider nicht besser geht als den Wildbienen, da für sie, wie bei den Wildbienen, die Lebensräume verschwinden und die modernen Spritzmittel ihnen zu schaffen machen.
In Deutschland gibt es 3700 Schmetterlingsarten. Wie die Deutsche Wildtier Stiftung berichtet sind 50 % aller Arten in Deutschland gefährdet und 2 % bereits ausgestorben und verschollen.

Frisch geschlüpft
Zurück zum Trauermantel. Der Falter entwickelt sich aus einer Raupe, die rostrote Punkte auf dem Rücken trägt, ausserdem ist sie mit wehrhaften Dornen versehen. Der Falter zählt zu den größten in Europa und überwintert.
Klaus Böttger, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Schopfheim bemerkte, dass der fotografierte Trauermantel frisch geschlüpft war. Er zeigte noch sehr schöne Farben und war noch ganz intakt. Bei älteren Exemplaren sieht man Beschädigungen der Flügel und auch ein Verblassen der Farben.

 


Schönbär
 

Der Schönbär sonnte sich
Eine weitere besondere Schmetterlingsart entdeckte ich bei einer weiteren Wanderung. Es war der „Schönbär“ oder die „Spanische Flagge“ (die Bezeichnung „Spanische Fahne“ ist umgangssprachlich nicht in Gebrauch). Der schöne Bär sonnte sich auf einem Stein. Welche Freude für den Fotografen, der in aller Ruhe den zur Familie der „Bärenspinner“ gehörende Falter fotografieren konnte. Oft ist es so, dass Schmetterlinge herumschwirren, sich kurz auf eine Blüte setzen und schwupp ist er wieder weg. Da ist Schnelligkeit vom Fotografen gewünscht. Manchmal ist dann das Bild etwas unscharf.
Der Falter ist in manchen Gegenden Europas häufig verbreitet, in anderen Gegenden ist er starken Bestandsschwankungen unterworfen. In meinem ganzen Leben habe ich nur ein Exemplar des Schönbärs gesehen. Einen ähnlichen Falter sah ich auf einer Brombeerblüte anlässlich der Wildbienenexkursion auf dem Läuffelberg (Blog vom 10.06.2017: „Wichtige Bestäuber: Lebensräume für Wildbienen erhalten“). Laut Bestimmungsbuch handelte es sich hier um das Gemeine Blutströpfchen oder das Kleinwidderchen.

 


Ingeborg Steppberger und Heinz Scholz
 

Der Russische Bär ist auch ein Schönling
Klaus Böttger empfahl mir, doch die 92-jährige Ingeborg Steppberger in Schopfheim aufzusuchen. Sie wäre nämlich eine leidenschaftliche Beobachterin von seltenen Schmetterlingen. Wanderfreund Karl Heinz Schütt und ich fuhren zu ihr. Die Naturfreundin war hell begeistert, dass wir uns für Falter interessieren. Die agile und wissbegierige Frau schnappte ihren Fotoapparat und dann lud sie uns zu einer Exkursion in einem Wald bei Schopfheim-Raitbach ein. Sie kannte die Stelle, wo noch etliche Schmetterlingsarten zu Hause sind. Wie sie betonte, beobachtete sie auch in den letzten Jahren einen Schwund der Anzahl von Schmetterlingen. Sie ärgerte sich, dass immer mehr Menschen in ihren Gärten und Parks die Blütenpflanzen verdammen. „Das beginnt schon im Frühjahr, wenn die ersten Gänseblümchen herausgerissen werden.“ Der englische Rasen lässt grüssen. Sie beobachtete auch die Zubetonierung von Wegen und den überhand nehmenden Wohnungsbau. Grünflächen verschwinden. Sie freut sich, dass in den Wäldern die Wegränder mit diversen Pflanzen noch nicht überall abgemäht werden.
Auch war sie über einen Biologen entrüstet, der Kindern empfahl, Schmetterlinge anzufassen. Das ist nicht erlaubt, da die empfindlichen Schmetterlinge leicht verletzt werden können und Farbpigmente verloren gehen. Sie ist auch gegen das Sammeln und Aufspiessen von Insekten für private und öffentliche Sammlungen.

 


Russischer Bär
 

An den Rändern eines Waldweges entdeckten wir einen üppigen Bewuchs mit Blütenpflanzen. Ein Eldorado für Schmetterlinge, Bienen, Wildbienen und andere Bestäuber. Wir sahen den Wilden Dost, die Wald-Engelwurz (Angelica officinalis),  die Wilde Möhre, Weidenröschen, Brennnesseln, die Schafgarbe, die Goldrute, das Indische Springkraut und das Echte Springkraut (gelbblühendes, wird auch Rühr-mich-nicht-an genannt).
Beim Betrachten der Blüten schwirrte plötzlich ein wunderschöner Schmetterling heran, es war ein Russischer Bär. Wie ich bemerkte saugt dieser Schmetterling gerne an den Blütenständen des Dostes. Auf der Oberseite des Russischen Bärs sahen wir weisse Streifen auf dunklem Grund. Erst bei der Entfaltung oder beim Wegfliegen auf der roten Oberseite der Hinterflügel waren 2 schwarze Punkte und ein unregelmässig geformter schwarzen Fleck zu sehen. Die Falter sitzen oft ruhig auf den Blüten. Nur bei Gefahr ziehen sie die Vorderflügel zur Seite, der Hinterflügel leuchtet dann rötlich auf. Der Schmetterling sendet damit eine Warnung aus.
In manchen Regionen ist der Russische Bär noch verbreitet. Der Bestand ist jedoch vom Aussterben bedroht.
Futterpflanzen sind Taubnessel, Brennnessel, Weidenröschen. Wie wir bemerkten, saugt er besonders gerne an den Blütenständen des Wilden Dostes.
Es war nicht der einzige Falter. Während wir weitergingen, kamen weitere Exemplare in unser Blickfeld. Auch soll in dieser Gegend der Grosse Perlmutterfalter vorkommen. Doch dieser liess sich an diesem sonnigen Nachmittag nicht blicken.

Wir sahen 2 Exemplare des „Kaisermantels“. Aber der war so unruhig und schwirrte gleich davon, so dass ich keine scharfen Fotos machen konnte.

Es war für uns eine interessante Exkursion. Wir erfuhren von Ingeborg Steppberger viel über Schmetterlinge, den Naturschutz und Fakten zur Arterhaltung durch Blütenpflanzen. Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre Bereitschaft, uns seltene Schmetterlinge in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen.

Internet
http://www.schmetterling-raupe.de/f_Schnell.htm
https://www.ufz.de/tagfalter-monitoring/index.php?de=41776

Literatur
Helb, Matthias: „Insekten überlebensgross“, Franckh-Kosmos  Verlag, Stuttgart 2010.
Reichholf-Riehm, Helgard: „Schmetterlinge“, Steinbachs Naturführer, Mosaik Verlag, München 1983.

 


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