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BLOG vom 30.10.2017


Japans Brauereien produzieren Bier für die Schönheit

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Hopfen wichtiger Bestandteil vom Bier
 

„Schöner werden mit Schwips“ titelte eine Autorin der „Badischen Zeitung“. Eine andere schrieb „Bier & Beauty: Ein Prosit auf die Schönheit“. Die Huffington Post äusserte, die Aufnahme von Japanbier mit Collagen würde den Trinker zu mehr Attraktivität führen.
Biertrinker Alois sagte: „Ich hab´s ja immer gewusst. Bier macht schön, und wenn´s nur von innen ist.“ Er sagte dies und bestellte noch eine Mass.“

Warum ich jetzt die Schönheit durch Bier näher betrachte, kam so zustande.
Japans Brauereien hatten eine für Schönheitsfanatiker eine grandiose Marketingidee. Sie schufen Gesundheitsbiere und Biere für die Schönheit. Diese Biere waren der Sommerhit in Japans hippen Bars. Es wurden Biere mit grünem Tee und Gerstensaft produziert. Laut Konsumenten sieht das Bier gut aus, aber es ist puncto Geschmack gewöhnungsbedürftig. Das Reinheitsgebot ist vielen Japanern schnuppe, sie betrachten dieses als nostalgische Idee. Mit den eigenartigen Bieren wollen die Brauereien viele Kunden gewinnen.

Das Bier „Precious“ soll sogar schön machen. Das Getränk mit 5 % Alkohol ist mit 2ooo Milligramm Kollagen pro Bierdose angereichert. Warum die findigen Brauer das taten, liegt auf der Hand. Das Kollagen (leimartiger, stark quellender Eiweisskörper, u.a. im Bindegewebe enthalten) verbessert Elastizität, Kapillarfunktion, Feuchtigkeit und glättet die Oberflächenstruktur der Haut. Ein Mangel an kollagenem Bindegewebes führt zu Alterungsprozessen und damit zu atrophischen Erscheinungen der Haut. Kollagen wird schon lange in der Bio-Kosmetik eingesetzt. Zur Anwendung kommen entsprechende Cremes und auch Kollagen-Implantationen.
Ob das Kollagen im Bier hilft, ist fraglich. Oder die Anwender müssten dies mit einem Schwips erkaufen. „Nippons Töchter glauben an das verlockende Wunder. Schöner werden mit Schwips gewissermassen“, schrieb treffend Angela Köhler in der „Badischen Zeitung“ vom 16.10.2017.

Gesunde und schöne Haut
Für eine schöne und gesunde Haut sind jedoch noch andere Stoffe von Bedeutung. Einige davon sind auch im Bier vorhanden. In meinem Blog vom 08.04.2008 (Neue Studien 1: Alkohol macht schön, Fast Food hässlich“) wies ich auf Studien hin, aber auch wie man zu einer gesunden Haut kommen kann. Hier ein Auszug:

Eine gesunde Haut ist das Spiegelbild eines gesunden, leistungsfähigen Körpers. Ein Mensch, der unvernünftig lebt, viel Genussmittel konsumiert, wenig schläft und sich falsch ernährt, tut für Haut und Körper wenig Gutes. Die Haut bekommt ein ungesundes Aussehen, sie wird schlechter durchblutet, bekommt schnell Risse und wird spröde. Bakterien und andere hautschädigende Stoffe haben ein leichtes Spiel. Sie dringen in die Haut ein und verursachen Hautreizungen und Hauterkrankungen.

Die Haut braucht Flüssigkeit. Das Wasser ist nämlich ein wichtiger Bestandteil der Zelle. Es sorgt für eine natürliche Spannkraft der Haut, fördert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und reguliert zusammen mit den Ballaststoffen die Darmfunktion.

Die Mineralstoffe sind unentbehrlich für Haut, Haare und Nägel. Sie sind in erster Linie Baustoffe und Aktivatoren des Stoffwechsels. Ohne Mineralstoffe gäbe es weder Zellaufbau, noch Zellabbau und auch keine Pigmentbildung. Es gäbe also keine schöne Haut, keine festen Nägel und keine glänzenden, geschmeidigen Haare.

Die Vitamine sind für unsere Haut gleich wichtig wie die Mineralstoffe. Vitamine fördern die Durchblutung, verhindern Entzündungen, sorgen für Festigkeit und Elastizität der Gewebe und Blutgefässe, unterstützen die Hauterneuerung und regulieren den Feuchtigkeitshaushalt.

Und jetzt wissen wir, warum ein Mangel an diesen Stoffen eine unansehnliche Haut macht. Sie wird wohl oder üblich hässlich. Darüber hinaus fördert das Rauchen, das übermässige Trinken von Alkohol und eine zu intensive Sonnenbestrahlung die Hautalterung.

Weitere japanische Erfindungen
Es gibt besondere Biere für die Gesundheit. So einen Gesundheitsdrink, der keinen Alkohol, keine Kalorien und keine Kohlenhydrate enthält. Andere Getränke enthalten Ballaststoffe, andere fruchtige und bittere Geschmacksrichtungen.
Die Traditionalisten unter den Biertrinkern sind die erwähnten Getränke ein Graus. Bei uns würde das auch so sein. Wir wollen ein Bier, das nach dem Reinheitsgebot gebraut wird und keine seltsamen Zusätze enthält. Grüner Tee oder den Saft aus Gerste kann man auch getrennt konsumieren. Die Anwendung des Kollagens sollte man lieber Dermatologen und Kosmetikerinnen überlassen.

Von Dieter Schmid, Geschäftsführer der Schwarzwaldbrauerei Waldhaus (s. Blog vom 19.04.2016: „500 Jahre Reinheitsgebot für unverfälschtes Bier“ mit Interview)
Wollte ich wissen, was er über die findigen Japaner so denkt. Hier seine Antwort per E-Mail vom 24.10.2017:

„Ja, die Japaner sind in vielen Bereichen schon etwas verrückt. Die Innovationen im Bier Bereich sind aber auf alle Fälle interessant. Ohne eine gewisse Innovationsbereitschaft würden wir ganz sicher viele Produkte bis heute nicht haben. Was sich schlussendlich durchsetzen wird haben wir (Endverbraucher) ja in der Hand. Also für mich ‚Thumbs up’!“

Bier für die Schönheit
Hier wird nicht gesoffen, sondern in Form von äusserlichen Anwendungen für ein gutes Hautbild gesorgt. Schon vor 2000 Jahren berichtete Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.), wie sich ägyptische Frauen ihre Haut pflegten, indem sie in Bier badeten. Das praktizierten auch viele Römerinnen. Die Königin Luise von Preussen pflegte ihr Dekollete mit Bierwaschungen.
Kosmetikerinnen und auch Hausfrauen schwören auf die äusserliche Bieranwendungen. In dem Werk „Die Bier-Apotheke“ von Aljoscha Schwarz und Ronald Schweppe sind folgende Anwendungen aufgeführt:

Bier-Waschung (0,2 Liter Weissbier, 2 EL Apfelessig auf 3 Liter kaltes Wasser, dann wird mit einem Waschlappen gewischt, aber nicht die Wohnung sondern den ganzen Körper).

Bier-Hautcreme (2 EL Jojobaöl mit 1 TL Apfelessig und ½ TL Weissbier mischen. Wer es nicht glaubt: Die Creme pflegt und schützt vor Umwelteinflüssen).

Hautreinigungswasser für fettige Haut (2 EL Bier, 1 EL Apfelessig, 2 Tropfen Teebaumöl  und 200 ml Wasser mischen; täglich einmal problematische Hautpartien waschen).

Bier-Kur gegen Schuppen und juckender Kopfhaut (vor jeder Haarwäsche mit etwas Apfelessigwasser spülen:  2 EL Apfelessig  auf 1 Glas Wasser; 10 Minuten einwirken lassen. Dann folgt die Behandlung mit einem Bier-Honig-Shampoo: 1 TL Shampoo mit 1 TL Honig und 1 TL Bier. Dieses Mittel eignet sich auch für den Mann, falls er noch Haare auf seinen Kopf hat. Das probiere ich gleich aus).

Weitere (Bier-Pflegebad, Bier-Apfelessig-Shampoo gegen schnell fettendes Haar, Bierspülung für gesundes Haar, Bier-Ei-Shampoo für Geschmeidigkeit und Glanz, Bier-Avocado-Maske bei trockener Haut, Bier-Mundwasser, Bier-Nagellotion).

Anmerkung: Auf der Haut wirken die Inhaltsstoffe des Hopfens desinfizierend und beruhigend. Deshalb wird der Extrakt in Deos, Fusscremes und Pflegeprodukten für die sensible Haut zugefügt.

Internet
www.waldhaus-bier.com
www.gasthofwaldhaus.de
www.braupartner.de
www.naturalbeauty.de

Collagen-Infused Japanese Beer Promises To Make Drinkers More Attractive:
https://www.huffingtonpost.com/2015/04/23/collagen-infused-beer-suntory_n_7126684.html

Literatur
Köhler, Angela: „Schöner werden mit Schwips“, „Badische Zeitung“ vom 16.10.2017.
Schwarz, Aljoscha; Schweppe, Ronald: „Die Bier-Apotheke“, vgs Verlag, Köln 1998.
Bier & Beauty: Ein Prosit auf die Schönheit (ohne Autorenangabe unter www.naturalbeauty.de)
 
Hinweise auf Blogs zum Thema Bier
19.04.2016: 500 Jahre Reinheitsgebot für unverfälschtes Bier
21.09.2012: Der Hopfen: Weibliche Dolden fürs Bier und zur Beruhigung
12.09.2012: Rein: Deutsches Bier enthält keinerlei Schaumstabilisatoren
06.10.2011: Bier-Geschichten: Eiskeller, Brommel- und Wacholderbier
07.03.2011: Kater, Katzenjammer: Tipps gegen Brummschädel, Übelkeit
11.07.2009: Anekdoten über Bier: Qualitätsprüfung mit dem Hosenboden
21.11.2008: Kobe- und Kabierrind: Mit Bier-Massagen zu zartem Fleisch
14.06.2007: München wiederentdeckt: Im Hofbräuhaus und bei Dallmayr

 


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