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BLOG vom 15.11.2017


Die Germanen-Bibel Korrespondenz zu meinem Blog

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


Wie Sie unschwer erkennen können, sind wir Blogschreiber auch daran interessiert, was die geneigte Leserschaft über unsere Essays, Aphorismen, Erzählungen, usw. denkt. Es kommt nicht allzu oft vor, dass es Rückmeldungen gibt, die an uns weiter geleitet werden. Das finde ich schade! Blogschreiben ist nämlich eine einsame Sache, wenn darauf nicht reagiert wird. Eine Antwort auf die Frage am Ende der Website Ihre Meinung dazu? ist immer von Interesse und wird dankbar registriert.

Das Internet vergisst nicht! Das ist eine Binsenweisheit. So finden Sie alle Blogs seit dem ersten Erscheinen Ende 2004 bis heute noch wieder und sie können nachgelesen werden.

So bekomme ich ab und an auch Rückmeldungen über Blogs, die ich vor Jahren verfasst habe.

Vor einigen Tagen war es wieder so weit. Ein Leser teilt mit mir sein Interesse an der Germanen-Bibel. Über den Flohmarktfund dieses Buches habe ich am 03.04.2015 geschrieben:

http://www.textatelier.com/index.php?id=996&blognr=5492

Die Wiedergabe des Schreibens ist natürlich aus Datenschutzgründen anonymisiert. 

BLOG-Autor: Gerd Bernardy
BLOG-Nummer: 5492
BLOG-Titel: Die Germanenbibel: Heilige Schriften germanischer Völker
BLOG-Kommentar:

Sehr geehrter Herr Bernardy,
Ihre Besprechung habe ich mit Interesse gelesen. Ich möchte das Buch nämlich
auch erwerben. Es hat sich so ergeben, dass es auch in der Auflage von 1934
ist. Ich hoffe, dass diese Ausgabe nur Erweiterungen zu den älteren Auflagen
und keine Kürzungen enthält.

Darf ich Ihnen zum Thema des - zerstörten, fast verschwundenen - deutschen
Patriotismus einen geschichtsphilosophischen Artikel empfehlen?
https://de.scribd.com/document/186528858/Offener-Brief-
an-Daniel-Goldhagen-Horst-Mahler

Mit freundlichen Grüssen G.M.M.

Der zum Lesen empfohlene Link des offenen Briefes an Daniel Goldhagen durch Horst Mahler ist sehr lang, brachte mir aber keine neuen Erkenntnisse.

Sie erinnern sich:
Daniel Goldhagen, Professor of Government and Social Studies in Harvard und Associate am Minda de Gunzburg Center for European Studies hat 1996 ein Buch unter dem Titel Hitler’s Willing Executioners herausgegeben, für das er 1997 den Demokratiepreis der Blätter für deutsche und internationale Politik erhielt, und das als Taschenbuchausgabe 1998 beim Wolf Jobst Siedler Verlag in Berlin untert dem Titel Hitlers willige Vollstrecker erschien. Die Zeit schrieb damals über das Buch: Die Radikalität, mit der Goldhagen seine Thesen entfaltet, zwingt uns zum Überdenken bisheriger Sichtweisen... Goldhagens Fallstudien über die Täter und ihre Motive sind breiter fundiert und gründlicher reflektiert als alle bisherigen Untersuchungen. Volker Ulrich (auf dem rückseitigen Buchcover).

Wikipedia schreibt:
Horst Mahler (* 23.01.1936 in Haynau, Niederschlesien) ist ein deutscher Publizist, politischer Aktivist, Neonazi und ehemaliger Linksextremist und Rechtsanwalt. Er wurde mehrfach wegen Volksverhetzung, Terrorismus und Raubes verurteilt.
Er war Mitbegründer der Rote Armee Fraktion, sei Holocaust-Leugner und Verfasser antisemitischer und neonazistischer Äusserungen.

Es scheint so, also ob der Blog-Kommentar-Schreiber mich in die rechte Ecke schieben oder dort sehen will. Er hat scheinbar die Germanen-Bibel noch nicht gelesen und verspricht sich dadurch rechtes Gedankengut.

Ich habe ihm wie folgt geantwortet:


Sehr geehrter Herr M.,

vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Blog zur Germanen-Bibel.

Das Vorwort zur 6. Auflage 1934 erwähnt keine Kürzungen, beruft sich auf das „grosse Weltenjahr des Kosmos“ mit der kosmologischen Sternkonstellation, und während der „sieben Germanentage sei immer „gleichzeitig auch ein Prophet, ein Richter oder König des voraufgegangenen ‚Tages‘ dagewesen, am Werke Gottes tätig gewesen“ und „die Germanen-Bibel will den sechsten ‚Sinn‘ des Gottmenschen für unser Volk, für das ganze Volk der Deutschen wecken und lebendig halten“. Die Vorrede endet mit „Das walte Gott!“

Viele Texte in diesem Buch sind vornehmlich literarische Texte, die ich aus der Schule, aus meinen Studien, aus meinem Interesse an Literatur heraus kenne, auch die anderen, die Sachtexte waren mir zum grössten Teil bekannt.

Wenn man genau hinschaut, gibt es natürlich auch solche Texte mit dem Vokabular, die auch der Nationalsozialismus als Grundlage für seine Ideologie benutzte: Volk ohne Raum, Tod fürs Vaterland, Wegbereitung einer nationalen Religion; der Begriff „Germanen-Bibel“ stammt übrigens vom Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) und ermutigt zur Herausgabe eines solchen Buches:
„Allen, die noch für Deutschlands Lebensreste gerettet haben und sich erkühnen, für sie zu fühlen, träumen, denken, lehren und leben, ahnen und glauben, fehlt immer noch – ein volkstümliches Bekenntnisbuch.“

Und bei Wilhelm Schwaner gibt es im Text eine „Führerprobe“, ein „deutscher Glaube“ und ein „deutsches Gebet“.

Alles in allem könnte man es ein patriotisches Buch nennen, das das Germanentum und damit das deutsche Wesen betonen will. An und für sich ist daran nichts Schlechtes.

Das wurde natürlich in der Rückschau auf die Nazi-Gräuel etwas anders gesehen und meine schulische Erziehung war ganz und gar nicht davon geprägt, meine häusliche war eher katholisch ausgerichtet.

So bin ich einerseits ein Bürger deutscher Staatsangehörigkeit, aber gleichzeitig auch Europäer und Weltbürger, der immer wieder staunend die Unterschiede der Kulturen zur Kenntnis nimmt, die sich so sehr von der unseren unterscheiden.

Zum „Patriotismus“ möchte ich Ihnen folgenden Text zu lesen empfehlen:

http://www.taz.de/!5364839/   (28.12.2016)

Debatte Patriotismus
Update für Deutschland
Im Gegensatz zu „die Deutschen“ ist „die Bundesrepublikaner“ nicht völkisch konnotiert. Ein Plädoyer für einen inklusiven Patriotismus.

Brexit, Trump, Le Pen. Langsam bleibt nur ein westliches Führungsland übrig, das anscheinend nicht von einer Machtübernahme rechter Populisten bedroht wird: die Bundesrepublik. Die Menschen in Deutschland dürfen sich nun aber nicht zurücklehnen. Rechtsextreme Gruppierungen erstarken in Deutschland. Nichtweisse Menschen, besonders Geflüchtete werden täglich angegriffen. Die Justiz ermittelt nur in den wenigsten Fällen.

„Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“, wusste schon Franz Josef Strauß. Dreißig Jahre später erhält die AfD bei Landtagswahlen zweistellige Wahlergebnisse. Frauke Petry ist zwar noch weit vom Bundeskanzleramt entfernt, das muss aber nicht selbstverständlich bleiben. Wir müssen jetzt schon dafür sorgen, dass wir noch nicht mal in die Nähe einer stramm nationalistischen Kanzlerschaft kommen.

Und die Lösung heisst: ein neuer, inklusiver Patriotismus.

Als ob die Juden keine Deutschen wären.
Auf die Werte der „patriotischen Europäer“ können wir in Deutschland natürlich verzichten. Die dumpfen Pegidisten, die gegen eine vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Strassen gehen, die in unseren Städten Unruhe stiften und unser friedliches Zusammenleben gefährden, sind ein gutes Beispiel wie Patriotismus nicht sein sollte.

Die falsch verstandene und damit gründlich verkackte Version des Patriotismus, die auf ethnischer Herkunft, religiöser oder sonstiger Gruppenzugehörigkeit basiert und die im tödlichen Nationalismus kulminiert, führte fast zur kompletten Eliminierung des deutschen Judentums – und danach im Zweiten Weltkrieg zum endgültigen Ende aller Deutschen.

Doch wer sind eigentlich diese Deutschen? Seit den antinapoleonischen Freiheitskriegen konstituierte sich das Deutschsein nicht über einen Staat (es gab ja zurzeit noch keine deutsche Nation), sondern über Vorstellungen eines gemeinsamen kulturellen Erbes, über Abstammung und Sprache. Dies prägt das deutsche Nationalverständnis bis heute. So oft musste ich hören, dass sich die „Deutschen“ für die „Juden“ einsetzen müssen – als ob Juden keine Deutschen wären.

Wir sind nicht nur Currywurst und Dirndl, sondern auch Soljanka und Hidschab.

Seit den Koalitionskriegen gegen Napoleon ist viel Wasser den Rhein und die Elbe hinuntergeflossen. Die Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert von einem ethnisch-kulturell homogenen Deutschland entsprechen einfach nicht der Realität im Jahr 2016. Einem Jahr, in dem 17,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund registriert werden: das sind 21 Prozent der ganzen Bevölkerung.
Die Hälfte von ihnen besitzt eine deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Bürger nichtdeutscher Herkunft sind deutlich jünger, jeder dritte Einwohner unter 18 Jahren hat ausländische Wurzeln. Wir sind nicht nur Currywurst und Dirndl, sondern auch Soljanka und Hidschab. Wir können auf alles gleichermaßen stolz sein.

Deutschland braucht also dringend ein Update. Es gibt mehrere Nichtregierungsorganisationen, die das Konzept des Deutschseins für Bürger nichtdeutscher Herkunft öffnen wollen. Der Verein DeutschPlus entwickelt Kampagnen über Bürgerrechte, die im Grundgesetz für alle gewährleistet sein sollen. Die Neuen Deutschen Medienmacher setzen sich mit zahlreichen Projekten für mehr Vielfalt in den Medien ein und fördern junge Journalisten aus Einwandererfamilien.

Das Bündnis Deutscher Soldat vereint Soldaten der Bundeswehr mit ausländischen Wurzeln. Lieber eine vielfältige Bundeswehr, als eine, die irgendwann der Petry huldigt. Ich bin ein patriotischer Pragmatiker. Denn all diese Initiativen senden eine klare Botschaft aus: Wir sind hier, um zu bleiben.

Kann man aber das Deutschsein überhaupt erweitern, sodass die „Anderen“ auch Patrioten sein können? Werden Ayşe und Mosche nicht weiterhin als „die Türkin“ und „der Jude“ bezeichnet, obwohl sie juristisch gesehen Deutsche sind?
Ich möchte hier konstruktiv sein und mal eine Lösung in die Runde werfen, damit dieser neue Patriotismus seine inklusive Kraft überhaupt entfalten kann: Bundesrepublikaner.

Im Gegensatz zu „Deutsche“ hat „Bundesrepublikaner“ keine völkische Konnotation. Es ist lediglich ein Hinweis auf die herrschende Staatsform, auf die föderale, demokratisch organisierte, rechtsstaatliche und humanistisch geprägte Republik. Alle Bürger in der Bundesrepublik können als Bundesrepublikaner/innen benannt werden, unabhängig von ethnischer Herkunft oder Religion, sogar unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Ein Bundesrepublikaner ist demnach einfach ein Einwohner der Bundesrepublik – mit einem Commitment zum Grundgesetz und zu gutmenschlichen Werten, die universell eigentlich überall gelten sollten.

Patriot ist, wer zu Bürger- und Menschenrechten steht.
Man muss sich nicht zu den Traditionen, kulturellen und „historischen Werten“ Deutschlands bekennen, um ein Patriot zu sein. Ein Patriot ist jemand, der zu den demokratischen Grundlagen der Gesellschaft und zur Verteidigung der Bürger- und Menschenrechte steht. Wahre Patrioten geben Deutschkurse, sie gehen wählen und dann auch nur demokratische Parteien, sie leisten zivilen Widerstand gegen Rechtspopulisten, also die Möchtegernpatrioten.

Lieber eine vielfältige Bundeswehr, als eine, die irgendwann der Petry huldigt.

Unser Land kann erst dann wirklich ein inklusives Einwanderungsland werden, wenn wir die romantische Idee von einem ethnisch-homogenen Nationalstaat („Deutschland“) ins Museum der Menschheitsgeschichte ausstellen lassen und uns auf die neutrale, demokratische Staatsform („Bundesrepublik“) als einen Ort für ALLE konzentrieren.

In Deutschland werden Bürger mit ausländischen Wurzeln höchstens toleriert, in der Bundesrepublik werden wir zum selbstverständlichen Teil der Gemeinschaft. In Deutschland werden Heime für Geflüchtete angezündet, in der Bundesrepublik herrscht eine ehrliche und gechillte Willkommenskultur. In Deutschland wütet der NSU und Behörden decken die Nazis, in der Bundesrepublik lehnt sich die Zivilgesellschaft selbstbewusst und aus einem patriotischen Selbstverständnis heraus gegen jeglichen gestrigen, stinkenden, tödlichen Nationalismus. *

Auch wenn ich nicht allem zustimme, was der Artikel aussagt, so doch der Grundaussage.

Zu Ihrer Leseanregung der Antwort von Host Mahler zu der Auffassung von Daniel Goldhagen:
Ich bin auch der Auffassung, dass der Autor weit übers Ziel hinaus geschossen ist. Es gab im Nazi-Deutschland mehr Abscheu gegen das Regime, gegen die damals bekannten Verbrechen und gegen den Krieg, als er es sich vorgestellt hat. Dass Kritik an der Politik Israels mit Antisemitismus gleich gesetzt wird, finde ich schlimm. Ich bin auch der Meinung, dass das ewige Herumgehacke auf die Deutschen wegen der Zeit von 1933-45 endlich beendet werden sollte. Der Holocaust gehört zwar zur deutschen Geschichte, aber welche Nation kann sich rühmen, keine Verletzung gegen die Menschlichkeit begangen zu haben? Und es gibt noch etliche, die das heute tun und die deshalb von unseren Medien und unserer Politik nie oder nur selten angeklagt werden!

Egal, welche Historie der Religionen man auswählt, immer wird man auf Mord und Totschlag stossen, und zwar im Namen Gottes! Keine Nation, kein Volk kann sich davon freisprechen.

Ich wünsche Ihnen viel Leseerfahrung mit der Germanen-Bibel und viele neue Erkenntnisse darüber, wie Deutschland entstanden ist und wie viele geistige Genies über die Jahrhunderte hinweg aus ihr hervorgegangen sind!

Viele Grüsse RG.B.


Die Befürchtung, Frauke Petry könnte eines Tages Bundeskanzlerin werden, hat sich vermutlich nach ihrem Austritt aus der AfD vorerst einmal erledigt. Dennoch ist es wichtig, aufmerksam sowohl die rechts- als auch die linksradikale Szene sehr gut im Auge zu behalten, gemäss dem Sprichwort: Wehret den Anfängen.

Auf mein Schreiben an den Blog-Kommentatoren habe ich keine Erwiderung erhalten. Warum, das kann ich nur erahnen und vermuten!

Übrigens: Die TaZ schreibt - wie oben dargestellt:
Wahre Patrioten geben Deutschkurse!

Genau das mache ich mehrmals die Woche!

 


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