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BLOG vom 09.01.2018


Studie von FIBL: Bio könnte alle Menschen satt machen

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D


Eine Studie, die von einer Gruppe Wissenschaftlern der Welternährungsorganisation FAO, der University of Aberdeen, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und der ETH Zürich unter Federführung des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FIBL) in Frick, lässt aufhorchen. Die Studie wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ publiziert. Die Ergebnisse sind beachtenswert und sollte einem breiten Publikum bekannt gemacht werden. In der neuen Ausgabe von „Schrot&Korn“ (01/2018) wurde schon ein kleiner Artikel abgedruckt. Die Studie wurde mir dadurch erst bekannt. Unter www.fibl.org kann ein längerer Bericht unter Medienmitteilung („Neue Studie belegt: Bio kann einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten“), nachgelesen werden.

Bis zum Jahr 2050 werden die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt weiter zunehmen. Die Bevölkerung wird auf über 9 Milliarden Menschen anwachsen, dazu kommt ein Ernährungsverhalten, das eine ganze Menge Ressourcen wie Wasser, Energie und Land verbrauchen. Sehr fatal wirkt sich ein hoher Konsum tierischer Produkte aus.

FIBL und die Wissenschaftler plädieren für ein nachhaltiges Ernährungssystem, die mit weiteren Massnahmen kombiniert werden. Hier die wichtigsten Massnahmen:

  • Abkehr von dem hohen Konsum tierischer Produkte,
  • Reduzierung von Kraftfutter in der Tierhaltung,
  • Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen.

Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. So würden Treibhausgasemissionen vermindert, die Überdüngung und der Pestizidverbrauch und Stickstoffüberschüsse reduziert. Diese Änderungen sind gut für die Böden, Luft, Klimaschutz, Wasser und Artenvielfalt.
Trotz biologischer Bewirtschaftung führt diese nicht zu einem höheren Landverbrauch. „Die Umstellung auf Biolandbau bei sonst gleichbleibenden Konsummustern würde hingegen zu einem erhöhten Flächenverbrauch führen.“ Diese Fakten wurden in der neuen Studie von FIBL jetzt ermittelt.

Laut FIBL spielt der Bio-Landbau eine wichtige Rolle in einem nachhaltigen Ernährungssystem. Damit wäre die Ernährung von über 9 Milliarden Menschen im Jahre 2050 gesichert.
FIBL betonte, dass eine optimale Kombination verschiedener Strategien von Bedeutung ist. Dies wurde in der Studie eindeutig ermittelt.
Hier ein kleiner Auszug: „Selbst wenn man die Landwirtschaft zu 60% auf Bio umstellen würde, und die Kraftfuttergaben und den Abfall um die Hälfte reduzierte, dann würde dies schon ein Ernährungssystem mit signifikant geringeren Umweltwirkungen und kaum erhöhtem Landverbrauch bedeuten. Ein solches Ernährungssystem wäre auch klimafreundlich, da insbesondere die totalen Treibhausgasemissionen verringert würden.“
Wie FIBL betont ist eine nachhaltige Landwirtschaft nur möglich, wenn sie in Kombination mit dem Konsum gedacht wird. Der biologische Landbau kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Der Verbraucher kann viel erreichen
Der Verbraucher kann eine grosse Rolle spielen. Er kann weniger Fleisch verzehren und weniger Nahrungsmittel in den Abfall werfen.
Aktuell liegt der jährliche Fleischverzehr in Deutschland bei etwa 60 Kilogramm pro Kopf (in der Schweiz bei 50 kg, den grössten Fleischverzehr haben die US-Amerikaner mit 120 kg). Die Gesellschaften für Ernährung in A, D und CH empfehlen nur halb so viel.

Das Wegwerfen vermeiden
WWF-Experten haben für eine Studie auch das Wegwerfen von Lebensmitteln in anderen Industrieländern ausgewertet. Ob in den USA, in der Schweiz, in Skandinavien oder Grossbritannien zeigte sich das gleiche Bild: Die Endverbraucher werfen 20 % ihrer Lebensmittel ungenutzt in den Müll. So landen beispielsweise in Deutschland 18,4 Millionen Tonnen pro Jahr im Müll. 10 Millionen wären heute schon vermeidbar.
Laut WWF ist leider eine Trendwende nicht zu beobachten.
Was können wir tun? Fernsehkoch Christian Rach empfiehlt in einem Vorwort zur WWF-Studie: „Bewusst einkaufen, frisch kochen und richtig lagern – so wirft man weniger weg.“ Hier sind Infos nachzulesen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wwf-studie-millionen-tonnen-lebensmittel-landen-im-muell-a-1039485.html

Eine Witwe in unserer Nachbarschaft hat kaum Müll. Sie kocht grössere Portionen und macht daraus kleinere, die sie einfriert. Bei Bedarf wird jeweils eine Portion aufgetaut und zubereitet.
Auch sollte man nicht zu grosse Mengen kochen. Wenn doch, dann kann man die Reste in den Kühlschrank stellen und am nächsten Tag verzehren oder für den späteren Gebrauch einfrieren.

Wichtig ist auch, dass man die Vorräte auf Haltbarkeiten überprüft. Die gelagerten Lebensmittel sollte man rechtzeitig verzehren. Die Lebensmittel, deren Haltbarkeit gering überschritten ist, kann man noch konsumieren.

In Deutschland sind seit 2015 Biotonnen Pflicht. In diese Tonnen kann dann organischer Abfall hineingeworfen werden. Hinein kommen Grünabfälle, Obstreste, Nahrungsmittel (Käse, Wurst, Fleisch, Reste von Brot u.a.). Von den Nahrungsmitteln sind haushaltsübliche Mengen (diese sollten in Zeitungspapier eingewickelt werden) erlaubt.
Aber das ist auch keine Lösung. Ziel sollte sein, so wenig oder kein Verwertbares einzufüllen. Die Biotonnen wurden eingeführt, weil man dadurch besser Biogas und Dünger herstellen kann.

In Frankreich dürfen Supermärkte keine unverkauften Lebensmittel mehr wegwerfen. Sie sollen diese spenden. Der Grosshandel war mit dieser Verordnung nicht einverstanden.
In unseren Supermärkten werden solche Lebensmittel der „Tafel“ gespendet (www.tafel.de). Die noch verzehrsfähigen Lebensmittel werden dann an wirtschaftlich Benachteiligte abgegeben.

Internet
www.fibl.org
info.suisse@fibl.org
www.fibl.org/de/medien.html
www.schrotundkorn.de
www.tafel.de

 


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