Die englische Idee vom ID-Diebstahl
Autor: Emil Baschnonga
Traurig, aber wahr: Mehr und mehr Leute werden ihrer Identität (ID) beraubt. In England geschehen rund 25 % aller Identitätsdiebstähle allein in London – www.cifas.org.uk gibt dazu den Hintergrund. Das restliche Europa ist vorderhand noch besser gegen diesen Schwindel geschützt als England, dank der ID-(Identitätskarten-)Register und ‑Systeme. Ausserdem wird dort der ID-Missbrauch – im Gegensatz zu England – streng bestraft. Neue gesetzliche Schutzmassnahmen stehen gegenwärtig an.
Die Gauner wühlen in den Kehrichtsäcken nach persönlichen Daten potenzieller Opfer, gucken über die Schultern, wie jemand seine PIN (persönliche ID-Nummer) in den Bankautomaten eintippt. Letztere Vorgehensweise wird „shoulder surfing“ (über die Schultern surfen) genannt. Die Bankautomaten sind bei uns hier in England nicht etwa in einem Innenraum der Bank installiert, sondern draussen in die Mauer eingelassen. Ausgetüftelte Ablesegeräte werden dort unauffällig installiert. Die Diebe sind der Technologie immer eine Nasenlänge voraus.
Mit den gestohlenen persönlichen Angaben ausgerüstet, gewinnen die Gauner Zugang zu Ihrem Konto, eröffnen neue Konti, sichern sich Kredite, sogar Hypotheken, und kaufen im Internet auf Ihre Kosten ein. Sogar die Verstorbenen sind vor ihnen nicht sicher; sie leben im digitalen Nirwana weiter ...
Der Gedanke, dass mir ein Schuft meine ID klauen könnte, jagt mir einen Heidenschreck ein. Längst fülle ich keine Fragebögen mehr aus, oder lasse mich nicht auf der Strasse von Anbietern von neuen Fenstern oder Kücheneinrichtungen aushorchen, denn selbst mein Name, meine Adresse und mein Geburtsdatum können allzu leicht umgemünzt werden. Auch in Restaurants und Tankstellen bezahle ich heute lieber in bar als mit der Kreditkarte. Hinter dem PC verschanzt, lösche ich den „Spam“ und umringe mich mit einer „fire wall“ und mit Virenschutz.
Beileibe möchte ich Ihnen keine Angst einjagen, Ihnen jedoch gewisse an und für sich elementare Vorsichtsmassnahmen dringend empfehlen: Bewahren Sie Ihren Pass, Ihren Führerschein und andere persönliche Papiere vorsichtig auf, wechseln Sie Ihr PC-Passwort hin und wieder.
Für mich, der gern schreibt, ist die Identität einer anderen Person anregend und beschwört Einfälle herauf. So gut es mir gelingt, schlüpfe ich in seine Person und lebe darin zu einer neuen Geschichte auf. Wieweit mir dieser Einschlupf gelingt, ist eine Frage der Vorstellungskraft und Einfühlungsgabe. Den ID-Dieben ist ein solcher Gedankengang fremd: Sie wollen bloss Ihr Geld.
Hinweis auf weitere Blogs von Scholz Heinz
Der Herbst begeistert mit bunten Farben
Buchrezension: „Basel und seine Bäume“
„Russischer Bär“ verirrte sich in einer Wohnung
Bernhard Benninger: „Tollwut im Dorf“
Wanderung zum Hochkopfturm und Leder-Tschobenstein
Präzise Messung der Baumhöhe mittels Drohne
Tausendguldenkraut heilsam und geschützt
Der imposante Eichsler Mammutbaum
Die Brakel sind zutraulich und gefährdet
Noch nie eine so bizarre Buchengestalt gesehen
Bitterkräuter: Wohltat für Magen und Darm
Im prächtigen Garten der unzähligen Primeln
Auf zur Lourdesgrotte und zur Kleinen Utzenfluh
Rostgänse sind erfolgreiche Neubürger
